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Titel R4M Orkan

 

 

 

INHALT

I. Vorbemerkung

II. Entwicklung

III. Verwendungszweck

IV. Beschreibung

V. Technische Daten

VI. Dokumente

VII. Bildarchiv

 

 

 

I.Vorbemerkung

R a k e t e R4 M - und deren Verwendungsmöglichkeiten für den Luft- bzw. Erd-Einsatz.

Verwendung: Leitwerkstabilisierte Bordrakete

Die Rakete R 4 M ist die am höchsten entwickelte deutsche Rakete kleineren Kalibers. Entwickelt wurde sie zunächst als Bordrakete mit Minengefechtskopf (M) für Jäger zur Bekämpfung schwerer Bomber. Da sich der Raketenantrieb sehr gut bewährt hatte, wurde dessen Verwendung in verschiedenen Kombinationen auch gegen gepanzerte Ziele und für den Erdeinsatz vorgesehen.

Aufgrund der Forderung des RLM nach einer platzsparenden Rakete mit Leitwerk wurde dieser Entwurf von der Firma Heber/Osterode und der DWM/Lübeck-Schlutup durchgeführt. Nach verblüffend kurzer Entwicklungszeit gab das RLM diese Entwicklung unter der Bezeichnung R-4M =R (Rakete), 4 (Gewicht in kg), M (Minenkopf)" zur Fertigung frei, die bei den DWM mit einem Auftrag über 20 000 Stück anlief. Die R4/M war die erste in industriellen Ausmaß gefertigte Luft-Luft-Rakete, welche auch wirklich als einsatzfähig betrachtet werden konnte.

 

R4M Skizze

Skizze-Bestandteile der R4/M

 

 

II. Entwicklung


Im eigenen Entwicklungsbereich lief die Raketenbewaffnung nach folgender Aufgabenstellung an:

"Die Angriffsbewaffnung mit Raketen ist unter Zugrundelegung der Sprengstoffmenge für den Gefechtskopf zu entwickeln, die für die Vernichtung von Großbombern zbs. die „B-17 Fortress" mit einem Treffer erforderlich ist und zum Kaliber 5,5 cm, für die Kanonenbewaffnung geführt hat. Hinsichtlich der taktischen Verwendung ist für das Raketengeschoß außer den Gefechtsköpfen für die Luftzeilbekämpfung (Rakete R-4/M) auch ein zweiter Gefechtskopf für die Panzerkampfwagenbekämpfung (Rakete R-4/HL=Holladung) vorzusehen, wobei ein Panzer ebenfalls durch einen Treffer an beliebiger Stelle vernichtet werden soll.

 

R 4M und Panzerblitz

oben-Rakete R-4M / unten-zur Panzerkampfwagenbekämpfung (Rakete R-4/HL (Panzerblitz III)

 

 

Uebersicht

Übersicht der Projekte

 

 

Aus zieltechnischen Gründen sind die Raketen als flächenstabilisierte Pfeilgeschosse zu entwickeln, die möglichst hohe Maximalgeschwindigkeit besitzen müssen. Aus Einbaugründen resp. Gründen der Raumersparnis sollen die Abmessungen vom Gefechtskopf und dem Antriebsteil kalbergleich sein. Das Leitwerk ist daher als Klappleitwerk so auszubilden, daß es im eingeklappten Zustand nicht über den Durchmesser der übrigen Rakete vorsteht. Die Raketen müssen von Schienen und Rosten, sowie aus Rohren und Waben verschossen werden können, bei deren Entwurf Wert auf gedrängte Bauweise, kleines Gewicht und geringen Luftwiderstand am Flugzeug zu legen ist."

 

R-4/M

R4M Bild1
R4M Bild 2
R4M Bild 3
R4M Bild 4

Leitfläche ausgefahren R 4/M

 

 


Die technischen Forderungen für die Raketen R-4/M und R-4/ML mit Abschussgeräten:

Geschwindigkeit V/max ca.500 m/sek. bei ca. 1 sek. Schubdauer. Gefechtskopf für Luftziele mit 450-500 gr. Sprengladung und Aufschlagzünder mit Zerleger nach frühestens 1500m. Gefechtskopf für gepanzerte Ziele mit 90 mm Durchschlagsleistung bei 60° Auftreffwinkel und 100 kg/mm2 Plattenfestig-keit. ( Hohlladunsßprinzip) Stabilisierung durch Flächen, die als Klappleitwerk auszubilden sind, das in geschlossenem Zustand nicht größer sein darf als der Durchmesser des Raketenkörpers.

1. Eine elektrische Abfeuerung und eine Warzenaufhängung für die Verwendung der Rakete in Schienen als zusätzliches, leicht montierbares Teil, damit die Rakete auch ohne Warzen aus Rohren usw. verschossen werden kann. Massenfertigungsmäß einfache Herstellung bei Vermeidung sog. Engpaßteile, insbesondere solcher, die ein Spezialherstellungsverfahren erfordern; daher z.B. Mantel aus geschweißtem Blech anstelle von nahtlos gezogenem Rohr.

2. Abschussgeräte als Justiereinrichtung zur Befestigung unter den 2 Tragflächen oder dem Rumpf der

a)
zur Aufnahme je einer Rakete = Einzelschußgerät
b*)
zur Aufnahme mehrerer Raketen nebeneinander 6er Rost
c)*
zur Aufnahme mehrerer Raketen konzentrisch gebündelt =Wabe

zu b) und c) Relaisschaltung zwecks Abfeuerung benachbarter Raketen unmittelbar hintereinander, damit deren gegenseitige Beeinflussung vermieden wird.

zu c) Aerodynamische Verkleidung und billigste Ausführung der Wabe, die auch als Verbrauchsgerät gedacht ist und deren Abwurf nach Abschuß der Rakete vorgesehen werden soll.

 

19.10.1940

Firmenverzeichnisse für das Progremm R 4 M

 

 

 

Die vorläufigen Entwicklungsergebnisse:

Die Entwicklung der nach diesen Forderungen konstruierten Raketen war in ihren Einzelheiten so gut wie abgeschlossen obgleich der Fortgang der Arbeiten während der letzten Kriegsmonate infolge der durch Feindeinwirkung hervorgerufenen schwierigen Fabrikations- und Transportlage schwerstens behindert worden war. Die Herstellung einer größeren Versuchsserie auch die Ausbringung der ersten Serien scheiterte daran. Auch der Sonderbeauftragte für Waffen im ehemaligen. Ministerium für Rüstung und Kriegsproduktion, der den Entwicklungsreferenten für Raketen zur komissarischen Bearbeitung dieser Aufgabe in den letzten Kriegsmonaten zu sich resp. dem Arbeitsstab des ehemaligen Generals Dornberger kommandieren ließ, konnte diesen Produktionsanlauf trotz größeren Einflusses nicht mehr beschleunigen. Obwohl es demnach durch einen größeren-Versuch noch nicht abschließend bestätigt und in der Praxis erhärtet worden war, ist es durchaus denkbar, daß diese Rakete mit Ihren beiden Gefechtsköpfen für Luftzielbekämpfung mit 500 gr Sprengladung und zur Panzerkampfwagenbekämpfung mit Hohlladung ein sehr wirksames Kampfmittel geworden wäre. Sie hatte ein Gewicht von 3,5 kg bei einer Länge von 809 mm und erreichte eine Maximalgeschwindigkeit von 550 m/sek. Zu dieser Überlegenheit gegenüber allen früheren Raketen kam noch der Vorteil hinzu, daß fast die doppelte Anzahl von Raketen auf dem gleichen Raum am Flugzeug untergebracht werden konnte. Es war dabei lediglich zu beachten, daß benachbarte Raketen nacheinander abgeschossen werden mußten, damit keine gegenseitige Beeinflussung während und nach der Öffnung des Klappleitwerkes eintrat.Diese zeitliche Verschlebung der Abfeuermomente war bei der vorgesehenen elektrischen Abfeuerung auf einfache Weise durch die bereits erwehrte Relaisschaltung gelöst worden.

 

Orkan R5,5

Nachfolgemodel der R 4/M - Zeichnung vom 19.07.1944

 

 

 

III. Verwendungszweck

Folgende grundlegende Überlegungen und Erfahrungen führten zu einer raschen Entwicklung und Einführung der R 4 M. Die rapide Entwicklung der verschiedenen Flugzeugtypen, insbesondere die Vergrößerung der schweren Bomber und deren verstärkte Abwehrkraft veranlaßte die Forderung auf wesentliche Vergrößerung der Geschoßwirkung, die an die Wirkung eines Einzeltreffers gestellten Anforderungen konnten nur noch durch eine erhebliche Vergrößerung der Kaliber erfüllt werden, nachdem bereits andere Möglichkeiten wie z.B. Verbesserung des Sprengstoffes, bzw. der Brandwirkung usw. ausgenützt worden waren. Gleichzeitig sollte natürlich die Trefferwahrscheinlichkeit nicht allzusehr herabgesetzt werden. Damit war aber, wenn man vom gezielten Einzelschuß, für den die Voraussetzungen noch nicht gegeben waren (stabilisierte Waffe und Visier, automatische Entfernungsmessung oder ferngesteuerte oder zielsuchende Zünder) absieht, die Forderung der Schußfrequenz und genügend rasanter Flugbahn verknüpft. Die hierfür vorgesehenen Bordkanonen (Kaliber 5 cm) konnten die gestellten Forderungen nicht erfüllen und waren außerdem für die vorhandenen Jäger viel zu schwer. Hinzu kam noch, daß die verstärkte Abwehr der Bomber ein länger dauerndes Ziel und herangehen an das Ziel, das heißt ein längeres Verweilen in der unmittelbaren Abwehrzone der Bomber nicht mehr gestattete.

Granate u. Zuender

Granate mit Zünder

 

 

Die beste Möglichkeit, während eines kurzen Augenblickes eine möglichst große Zahl von wirkungsvollen.....Geschossen,mit,genügender Rasanz ins Ziel zu bringen, schien im Schrotschuß von Raketen zu liegen. Beim Angriff mit R4/M-Raketen näherten sich die Me 262-Jagdflugzeuge von hinten den feindlichen Bomberpulks. Diese Angriffsweise stand im Gegensatz zu den Me 109 und Fw 190- Jägern, die oftmals frontal die feindlichen Bomberverbände angriffen, um die weniger stark geschützten Frontbereiche der Feindbomber mit Bordwafen zu beschießen. Die Platzierung eines erfolgreichen Schusses war aufgrund der gestreckten Flugbahn der leitwerkstabilisierten Rakete relativ einfach. Wegen der hohen Anfangsgeschwindigkeit der Rakete und des relativ großen Bereichs, den eine volle Raketensalve abdeckte, war ein rechtzeitiges Ausweichen der schwerfälligen Bomber äußerst schwierig, insbesondere auch deshalb, weil aufgrund des engen Formationsflugs keine beliebigen Ausweichmanöver geflogen werden konnten, ohne eine Kollision mit eigenen Flugzeugen zu riskieren.

 

 

Fw 190

Fw 190- 9D Jäger mit R4M Bestückung !

 

 

 

Die Verwendung von Raketen bot folgende Vorteile, bzw. es konnten damit folgende Forderungen erfüllt werden:

1. Der Raketenkopf kann als Mine mit sehr dünner Umhüllung aus gewöhnlichem Tiefziehblech ausgeführt werden, und zwar wegen der geringen Beschleunigungskräfte ohne Gefahr bezüglich "Rohrkrepierer". Eine möglichst dünne Umhüllung des Sprengstoffes aber ist von erheblicher Bedeutung für die "Gasschlagwirkung"
2. Die Raketen-Abschußvorrichtung braucht keine RückStoßkräfte aufzunehmen und kann daher leicht gebaut werden, bzw. die Raketen können praktisch von jeder Stelle des Flugzeuges ohne besondere Verstärkung der Bauteile abgefeuert werden.
3. Die elektrische Zündung gestattete eine praktische gleichzeitige Abfeuerung der Raketen nach einem bestimmten Verteilersystem.
4. Anbringung der Raketen am Flugzeug in einer Form, daß der Geschwindigkeitsverlust des Jägers möglichst gering ist, und dieser nach Abschuß der Raketen seine ursprüngliche Geschwindigkeit wieder erhält, d.h. Verwendung eines Leitwerkes und kleinen leichten Abschußschienen.
5. Möglichst einfache Herstellung der Raketen und Abschußvorrichtung unter weitgehender Verwendung spanloser Fertigungsmethoden.
6. Wärme- und Kältebeständigkeit (Kein Schwarzpulver-Treibsatz)

Diese Forderungen konnten durch die Rakete R 4 M weitgehend erfüllt werden.

Von den laufenden Aufträgen sind höchstens 12 000 Stück durch die DWM, die Schneider KG und das LGW Hakenfelde ausgeliefert worden. Die unter der Leitung von Major Christi beim EK 29 erprobte normale R4/M wurde im Truppenversuch z. B. beim von General Galland geführten JV 44 mit großem Erfolg eingesetzt. Vorgesehen war zuerst die Montage von 12—13 Raketen unter jeder Tragfläche der Me 262A-lb, es wurden jedoch bis zum März 1945 wenigstens 60 dieser Maschinen mit je 24 R4/M je Tragfläche ausgerüstet*. In einem Einsatz wurden ohne eigene Verluste innerhalb kürzester Zeit aus einem Verband von 425 „B-17 Fortress"-Bombern 25 Stück zerstört. Bei den verschiedenen Einsätzen wurden jedoch nicht mehr als 2500 dieser Bordraketen verschossen. Viele der hergestellten Muster wurden für die Weiterentwicklung der R4/M mit verkleinertem Leitwerk für den RA 55, für den Panzerblitz 3 und die Verwendung als „Orkan-2" zur Werferrakete der Flak verbraucht.

* Natürlich wurden auch Montagen von 6 bzw. 12 Schienen verwendet.

 

Me 262 mit R4M

Jagdflugzeug Messerschmitt Me 262 A-1b, Wnr.112384, 12 x 4RM, 1945

 

Rost
Rost am Flügel
Tragfläche der Me 262A-lb
Schienen-Rost mit 12 R 4/M

 



Noch ein Wort über den kombinierten AZ/ZZ wie er für den Großeinsatz vorgesehen war: Drei Kugeln wurden hier durch Federn angedrückt, beim Verschuß aber durch das sich unter der Beschleunigung nach hinten bewegende Gewicht freigegeben, die Nadel traf dann eine Zündpille und durch eine Pulverzwischenladung wurde die zweite Zündpille erst nach 5 Sek. gezündet. Die untere Zündnadel brachte dann durch die große Zündpille den Sprengstoff zur Explosion. Bei einem Aufschlagtreffer wurde die untere Zündnadel durch die zweiteilige Stange sofort in die große Zündpille getrieben. Bei dieser vorzüglichen Bordrakete war durch die Belastungen der Rüstungsindustrie und dem Verlust der Luftüberlegenheit ein Großeinsatz nicht mehr möglich!

 

R 4M Farbe

R 4 M - Erprobungsmuster mit Holzspitze !

 

 

1

 

Gut zu erkennen die Entfaltung (nach dem Abschuss) der Stabilisierungsflügel !

(hier vermutlich ein Bodenfund - Korrisionsspuren am Geschossmantel und ohne Farbanstrich)

 

 

 

 

IV. Beschreibung

 

Die Rakete besteht aus folgenden 3.Hauptteilen:

1. Gefechtskopf mit Zünder und Sprengladung
2. Treibkammer mit Treibsatz
3. Leitwerk

R4M Orkan

 

Zünder - Treibkammer und Treibsatz - Die Rakete selbst bestand aus dem Minenkopf, der bei einer Wandstärke von nur 0,8 mm mit dem von Dr. Weidle bei der DWM entwickelten HTA 41-Sprengstoff in einem Nitropentamantel gefüllt war. In diesen 200 mm langen Kopf ragte der 65 mm lange AZR/-2 etwa 15 mm hinein. Das 410 mm lange Mittelteil trug die Treibladung in der Form eines 340 mm langen Diglykol-Stabes von 45 mm Durchmesser, der eine Bohrung von 12 mm Durchmesser besaß. Dann folgte die aus 2,5 mm starkem Rohr gezogene Brennkammer, deren engste Stelle sich von 13 mm Durchmesser über eine Strecke von 110 mm zu der Düsenöffnung von 45 mm Durchmesser erweiterte. Über die Brennkammer hatte man von hinten das 148 mm lange Heckteil gestülp welches die acht bis zu 100° nach hinten schwenkbaren Leitflächen trug.

 

Zuender

AzR2 zur R 4/M (Schematisch)

 

Granate
mit Zuender

Granate mit AzR2 zur R 4/M

 

Das Leitwerk wird spanlos hergestellt und punktgeschweißt. Mehrere Messer, die durch Feder- und Staudruck unter einem bestimmten Winkel nach außen schlagen. Beim Laden durch einen sogenannten "Fesselungsdraht" zusammengehalten, der nach Verlassen der Schienen auseinandergeht und die Messer für die Flugstabilisierung freigibt.

Das Leitwerksproblem war hier auf eine originelle Art gelöst: Um Platz zu sparen, mußte man das Leitwerk einfach zusammenfalten. Das erste Muster besaß nach hinten faltbare Flächen, die jedoch einen komplizierten Federmechanismus zur Entfaltung benötigten. Dieses System wurde übrigens bei der „Mighty Mouse MK 4" -Rakete der USA nach dem 2. Weltkrieg benutzt. Die Lösung waren jedoch acht gepreßte Leitflächen, die, an einem Ringkörper befestigt, von hinten so über die Brennkammer der Rakete geschoben wurden, daß der Luftwiderstand die nach vorne gefalteten Flächen öffnete.

Die Abschußschienen, ursprünglich aus dem Vollen gefräst, später spanlos hergestellt. Letztere wurden auch bei sämtlichen Einsätzen verwandt.

Der Einbau der Raketen wurde so vorgenommen, daß zunächst Back-und Steuerbord unter den Tragflächen je 10 Raketen, später bis zu 13 Raketen vorgesehen waren, die beim Betätigen eines Druckknopfes von der Steuersäule über ein Hilfsschütz ausgelöst wurden. Dabei wurde der Tatsache Rechnung getragen, daß benachbarte Raketen nicht gleichzeitig geschaltet werden durften, damit diese sich nicht gegenseitig in der Flugbahn beeinflußten. Es wurden immer gleichzeitig 2 Raketen, je eine Back- und Steuer bord, ausgelöst, im Abstand von 100 millisec. Der zeitliche Abstand und die örtliche Reihenfolge wurden durch ein Schritt-Schaltwerk nach Art eines Telefonwählers, das in Selbstunterbrechung liegt, ausgelöst.

 

 

V.Technische Daten

Technische Daten für die R4/M:

Kaliber
55 mm
Länge
812 mm
Leitwerkspann im Fluge
242 mm
Gewicht
3,850 kg
Sprengstoff
0,520 kg
Treibladung
0,815 kg
Schub max.
245 kp
Brennzeit
0,75 sek
Geschwindigkeit max.
525 m/Sek.
Auftreffgeschwindigkeit bei 1000 m
125 m/Sek.
Reichweite max.
1500 m




Verschußgeräte für die R4/M

Hier wurde zuerst der sogenannte „Schienenrost" (Einzelabschussgerät) und der aus Materialspargründen entworfene „Rohrrost" benutzt. Wir wollen nun das Laden und den Verschuß von 13 Stück der R4/M aus einem 21 kg schweren Schienenrost verfolgen, wie er unter einer Tragfläche angebracht werden konnte:

Die R4/M wurde mit einem Pappring um das Heck angeliefert, der von einem Draht gehalten wurde. Beim Laden der Verschußschienen, hier wieder EG genannt, wurde der Draht abgestreift, der Pappring um sieben Leitflächen gelegt und dann durch Eindrücken der 8. Fläche festgehalten. Nun wurde die Rakete so in die Schiene eingeschoben, daß diese 8. Fläche klemmend in der U-förmigen Führung der Schiene lag. Zum Verschuß wollen wir die Raketen numerieren, die dem Rumpf am nächsten liegende erhält dabei die Nr. 1. Beim elektrisch abgefeuerten Salvenschuß verließen nun die Raketen Nr. 1, 6 und 11 die 900 mm langen Schienen, die 8. Fläche wird durch etwas Federdruck angehoben, der Luftzug fängt sich an der Endscheibe und bewirkt die völlige Öffnung. Durch das Öffnen der 8. Fläche war der Pappring abgefallen und die anderen Flächen öffneten sich auf die gleiche Art. Nach 0,4 m Flugweg hatte sich bei einer Geschwindigkeit von 22 m/Sek. die 8. Fläche völlig geöffnet, nach einem weiteren Flugweg von 2,1 m hatte sich die Geschwindigkeit auf 34 m/ Sek. erhöht, und alle Leitflächen befanden sich in ihrer Endstellung.

Mit einem Abstand von 70 Millisekunden folgte die zweite Salve, bestehend aus den Raketen Nr. 3, 8 und 13, durch die nach weiteren 70 Millisekunden nur zwei R4/M, nämlich die Nr. 5 und 10 ausgelöst wurden. Danach folgten die Nr. 2, 7 und 12, denen die letzten beiden Nr. 4 und 9 folgten.

Der gesamte Verschuß von 26 Raketen hatte etwa 0,3 Sekunden in Anspruch genommen, 13,5 kg Sprengstoff waren nun auf dem Weg ins Ziel.

 

Schienenrost

Hier der Schienenrost einer Me 262 mit "nur" 12 R4/M je Tragflügelseite

 

19.10.1940

Bedienungsvorschrift R4M Abschussanlage pdf. Datei - Grösse 7 MB

 

Nur 0,8 Sek. nach dem Verschuß hatte die R4/M ihre Höchstgeschwindigkeit erreicht, die bei der Focke Wulf Fw 190 einschließlich der Flugzeuggeschwindigkeit 635 m/Sek. betrug. Beim Rohrrost, der aus 13 Stück 600 mm langer Papprohre von je 2,5 mm Wandstärke bestand, wurde der leere Rost nach dem Verschuß der Nr. 4 und 9 automatisch abgeworfen. Hier befanden sich die Befestigungsstreben des 45 kg (inkl. Montage) schweren Rostes in den geschlitzten Verschußrohren. Das beim Schienenrost von Raketenachse zu Raketenachse festgelegte Maß von 65 mm wurde für den Rohrrost auf 60 mm verringert. Auch für den Schienenrost befanden sich abwerfbare Anordnungen in der Entwicklung, da für das Flugzeug ein Geschwindigkeitsverlust von etwa 18 km/h eintrat. Durch eine Wahlschaltung konnten natürlich auch nur 6 bzw. 7 Raketen je Fläche abgefeuert werden. Verschußerprobungen ergaben 50% Treffer bei 500 m Entfernung in ein Quadrat von 16 m Kantenlänge.

 

 

Fw 190 Panzerblitz
Panzerblitz
R-4M "Panzerblitz" Schlachtflugzeug Fw 190 F-8
Schlachtflugzeug Fw 190 F-8 mit 8cm Panzerblitz-Raketen gegen sovjetische Panzerverbände ab 1944

 

 

 

 

 

 

Die R-4/M Panzerblitz war Serienmässig vorgesehen für die folgenden Baureihen/Flugzeugmuster :

- Focke Wulf Fw 190 - F8, F9, F16, D9, D12/R-25, D13/R-25, D15

- Tank Ta 152 - C1/R-31, H1/R-31

Nachrüstung für folgende Baumuster :

- Focke Wulf Fw 190 - A8, A9, D9, D11, D12, D13, D15, F8, F9, F16

- Tank Ta 152 C1/R-11, H1/R-11 und R-21

 

Fw 190

Schlachtflugzeug - Focke Wulf Fw 190

Fw 190 2

 

 

Erprobungen fanden auch mit der Messerschmitt Me 163 A statt !

Hinweis :

Obwohl bei der Me 262 und der Me 163-A aerodynamische Schwierigkeiten befürchtet wurden, beeinträchtigte die Anbringung der 24 R4/M-Raketen an den Flächenunterseiten die Flugeigenschaften dieser beiden Modelle nicht wesentlich. Testpilot Fritz Wendel sagte aus, die Me 262 fliege „keine fünf Kilometer langsamer“, und hatte keine Beanstandungen. Auch der erste Flug einer Me 163 mit der R4/M-Bewaffnung durch Adolf Niemeyer verlief reibungslos

 

Me 163 A

Messerschmitt Me 163 A mit R 4 M Raketen und Abschussrost

 

 

19.10.1940

Konstruktionsbesprechung R4M und Panzerblitz pdf. Datei - Grösse 3 MB

 

 

Der Schienenrost und der Rohrrost für 13 Raketen nebeneinander wiesen keine Besonderheiten auf. Sie hatten aner den Nachteil eines nicht unerheblichen Luftwiderstandes (Geschwindigkeitsverlust von etwa 18 km/h). Anstelle dieser war ein recht guter Vorschlag die sogenannte Wabe, die entweder fest in das Flugzeug eingebaut werden konnte, oder bei der die Raketen in einem abwerfbaren, aerodynamisch hochwertigen, tropfenförmigen Körper konzentrisch gelagert wurden. Kappe und Heck dieses Körpers sollten unmittelbar vor dem Kampf abgeworfen werden. Die Herstellung: der Wabe war in Ihrer Endlösung u.a aus Papprohren gedacht gewesen. Es war in Erwägung gezogen worden, für die Verpackung der Raketen eine Papphülse zu schaffen, die gleichzeitig, auch als Lancierrohr hätte dienen und auch in Rosten geeigneter Konstruktion hätte verwendet werden können. Ein objektiver Vergleich zur Ermittlung des Einflusses der verschiedenen Abschußgeräte auf die Treffgenauigkeit der Raketen stand bei Kriegsende noch aus.

Die Firma Rh. B. hat auch einen Schienenrost so einjustiert, daß 24 Raketen frontal aus 1230 m Entfernung auf den Gegner abgefeuert eine Trefferfläche von 320 m2 ergaben. Für die gleiche Trefferfläche wurde bei einem Angriff von hinten die Entfernung auf 770 m verringert. Ein weiterer Salvenschußversuch ergab aus 300 m Entfernung eine Trefferfläche von 2,9 X 4,4 m.

 

 

19.10.1940

Anbauanweisung für Einzelschienen R4M 1944/45 pdf. Datei - Grösse 7 MB

 

Plan

Einbauzeichnung für Einzelschienen R4M

 

Versuche mit zusätzlichem Drall wurden mit einem „Spiralschußrohr" gemacht, das einen 60° Enddrallwinkel besaß. Bei einigen Schüssen aus 100 m Entfernung lagen die Abweichungen bei max. 1,2 m. Für die Erforschung der mit wechselnder Temperatur schwankenden Anfangsgeschwindigkeit sind extra 10 m lange Abschußschienen erstellt worden. Während bei normaler Temperatur nach 10 m Weg eine Geschwindigkeit von 95 m/Sek. gemessen wurde, verringerte sich dieser Wert bei minus 50° C auf 65 m/Sek. Auch die sonst 15—23 Millisekunden betragende Zündzeit wurde durch die Kälteeinwirkung zu 17—69 Millisekunden verlängert.

Speziell für das Nachtjägerprojekt BV P.215 wurde ein siebenschüssiger Rahmen entworfen, von dem 8 Stück kreisförmig um die für beide Triebwerke gemeinsame Lufteinlauföffnung angebracht werden sollten. Zum Versuch gelangte auch noch die „Bienenwabe" mit 28 Rohren für den Jäger Ba 394A Natter. Bei dem Standschußversuch explodierte jedoch infolge von Stauungen der Abgase der Rumpfbug. Man änderte darauf die „Bienenwabe" zu 24 Rohren um und brachte im Rumpf seitliche Abgaskanäle an. Zu Schußversuchen kam es aber nicht mehr.

 

Federdrommel

Modell I - Federtrommel-Verschussgerät (Raketen- Abschußautomat)

 

Eine Anordnung von 22 R4/M Verschußrohren auf einen Kreisbogen von 280° um den Lufteinlaßkanal des BV Jäger P.212 blieb lediglich ein Projekt. Die sogenannte „15er Wabe" war für ein Bewaffnungsprojekt der He 162 vorgesehen. Hier hatte man aus Rohren eine Wabe zusammengestellt, aus denen die R4/M mittels eines Abbrennbandes abgefeuert wurden. Unter jeder Tragfläche sollten mit 500 mm Abstand voneinander je zwei solcher Waben angebracht werden. Das Gewicht der vier Waben im geladenen Zustand betrug 251 kg, bei der üblichen Verschußzeit von 70 Millisekunden wurde theoretisch eine Schußfolge von 3400 pro Minute erreicht. Die „Doppelwabe" mit 30 Rohren wurde wieder gestrichen, da man beim Verschuß einer derartigen Zahl auf so engem Raum Beeinflussungen der Flugbahnen durch die vielen Abgasbahnen befürchtete.

15er Wabe R4M

15er Wabe (Bewaffnungsprojekt der He 162)

 

Unabhängig von den vorstehenden mit technischen Forderungen belegten Abschußgeräten hatte die Firma Siemens Apparate und Motoren GmbH. einen Raketen- Abschußautomaten RA 55 konstruiert, von dem die ersten Muster kurz vor der Kapitulation fertig gestellt waren. Mit diesen Automaten war es möglich, die Raketen serienweise wie die Munition einer Maschinenkanone zu verschießen. Die anfangs garantierte Feuergeschwindigkeit von 300 Schuß/Min wurde bei den ersten Versuchsschießen um 100% mit insgesamt 600 Schuß/ Min. überboten. Das Automatengewicht betrug bei der Musterausführungen nur 25 kg. Unter der Voraussetzung gegenüber Treffsicherheit mit den Raketen ist anzunehmen, daß diese Art der Abschußautomaten-Bewaffnung die leichte 5,5 cm Flugzeugkanone infolge der bedeutenden Gewichtsersparnisse und der doppelten Schußleistung verdrängt haben würde. Sie wäre dann voraussichtlich Insbesondere auch für den Schlachtflieger mit der Rakete R-4/HL (HL=Hohlladungs-Gefechtskopf) eine willkommene Bewaffnung: gewesen.

 

RZ 55

RA 55 (Raketen- Abschußautomat)

 

Von den RA 55 (Raketen- Abschußautomaten) wurden 28 Stück fertiggestellt, davon die ersten beim LGW Hakenfelde unter der Leitung des maßgeblich an der Konstruktion beteiligten Ing. Peters. Im LGW/Gleiwitz lagerten bei Kriegsende noch eine große Anzahl halbfertiger Automaten. Bei diesem Verschußgerät wurden einem Verschußrohr 30 Stück der R4/M mittels eines Gurtes zugeführt. Wenn der Kontaktring am Heck der Rakete das Verschußrohr am Boden berührte, wurde die Rakete gezündet, die dann bei ihrer Vorwärtsbewegung durch einen Hebel die Gurtzufuhr betätigte. Ein Muster des RA 55 wurde in Tarnewitz noch in Flugschußversuchen erprobt.

 

Doppelrohr

Moddel 2 - Doppelrohr-Verschussgerät (Raketen- Abschußautomat)

 

 

 

Projekt 5,5- R-Werfer - für Massenabschuss

 

19.10.1940

Versuchsbericht vom 04.07.1944 - 5,5 cm R-Werfer

 

 

 

Zusammenfassung und Zukunftsaussichten

Die Raketentechnik hat gezeigt, daß sie auch als relativ kleines Kaliber in Zukunft eine erhebliche Bedeutung hat. Die Vorteile gegenüber der normalen Kanonentechnik sind kurz zusammengefaßt folgende:

 

1. Völlige Rückstoßfreiheit
2. Sehr hohe Feuererfolge, die beispielsweise im Erdeinsatz beim gleichzeitigen Start einer Vielzahl von Jägern beliebig hoch gesteigert werden kann.
3. Fortfall der außerordentlich teuren Kanonen-Automaten-Technik, die Präzisionswerkstätten und Präzisionstechnik voraussetzt (Verschluß- und Verriegelungstechnik).
4. Geringster Aufwand an Werkstoffen.
5. Geringstes Gewicht und geringer Verschleiß der Starteinrichtungen.
6. Durch geringe Beschleunigung (etwa 100 g) im Gegensatz zum Artilleriegeschoß mit 10.000 - 20.000 g können die Raketenteile einschließlich des Gefechtskopfes entsprechend leicht gehalten werden, und es können Sprengstoffe und Einlagen (Hohlladung), die bei Artilleriegeschossen beschleunigungsempfindlich sind, in der Raketentechnik Anwendung finden.

 

Die Raketentechnik im Masseneinsatz ist geeignet, einen großen Teil der normalen Artillerie- und der Maschinen-Kanonen einzusparen. Es muß hierbei natürlich genau abgewogen werden, in welchen Fällen die bei der Raketentechnik vorhandenen Nachteile einen Ersatz der vorhandenen Präzisionswaffen nicht gestatten werden.

 

B24

B-24M-10-FO-Liberator Serial Nr. 44-83887-Abgeschossen durch eine Me 262 mit R4M Bewaffnung

Bei Ludwigslust/Hamburg - Deutschland 4-April-1945

 


 

Sonderausführung und Projekte:

R 4 M Rakete mit Hohlladungs-Gefechtskopf

- Panzerdurchschlag bei einem Auftreffwinkel von 60° auf eine homogene Panzerplatte 110 mm.

R 4 M mit blindem Gefechtskopf

- für Versuchsbeschüsse

PB 3 "Panzerblitz" (II & III) Erdeinsatz

- Versuche liefen mit R 4 M, PB 3 sowie R 4 M p Z aus einem Rohr mit Seitenschild von der Schulter zu schießen.

Es ist erwiesen worden, daß diese Raketen in verschiedenen Variationen ausgeführt und noch weiter bis zur höchsten Vollendung entwickelt werden können.

 

 

Orkan

 

Ausfuehrungen R 5.5

 

Orkan R 5,5 - 1945

19.10.1940

Zeichnungen Projekte 1944/45 pdf. Datei - Grösse 18 MB

 

 

IV. Dokumente

 

 

Entwicklung der R-4M "Orkan"

 
Dokument
Zeitrahmen
Grösse
   
1944
 
pdf 2
Monat Juli
Juli 1944
1,0 MB
   
 
pdf 2
Monat September
September 1944
3,0 MB
   
 
pdf 2
Monat Oktober
Oktober 1944
3,0 MB
   
 
pdf 2
Monat November
November 1944
9,0 MB
   
 
pdf 2
Monat Dezember
Dezember 1944
3,0 MB
   
1945
 
pdf 2
Monat Januar
Januar 1945
16,0 MB
   
 
pdf 2
Monat Februar
Februar 1945
8,0 MB
   
 
pdf 2
Monat März
März 1945
7,0 MB
   
 
pdf 2
Monat April
April 1945
7,0 MB
   
 

 

 

 

Versuchsanstalt Natter Windkanal

Besprechung Flugkörper vom 24.03.1944 - pdf Datei Grösse 6 MB

 

 

 

 

 

Versuchsanstalt der Waffen-Union

PIBRANS

19.10.1940

13.02.1945 pdf. Datei - Grösse 4 MB

 

19.10.1940

09.03.1945 pdf. Datei - Grösse 20 MB

 

19.10.1940

Versuchsberichte aus Projekten von 1944/45 pdf. Datei - Grösse 7 MB

 

19.10.1940

Einbau R4M - Projekt PBV 194 (1945) pdf. Datei - Grösse 1 MB

 

VII. Bildarchiv

 

Rakete R 4/M

 

R4m Ansicht
Teile R4 M

 

BODENFUNDNeu

 

Bodenfund R4M

 

 
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5

 

 

 

Skizzen zur R 4/M

Vergleich
Duese
Hersteller
Kammer

 

Skizze R4M

 

 

 

Nachrüstung einer Me 262

Bilder der ersten Nachrüstung

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Me 262 mir R 4M Raketen

R4M beim Flug

Quelle: Gemälde von Robert Taylor "Stormbirds over the Reich"

 

 

 

 

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Skizze MG 131