Vorbemerkung:

Ein Thema, das bisher noch nicht völlig geklärt werden konnte und bei dem sich in der vorhandenen Literatur viele Fehler eingeschlichen haben, sind die Reisemaschinen Hitlers, die sogenannten „Führermaschinen"
In seinem Buch „Mit Mächtigen zwischen Himmel und Erde" berichtet Hitlers Flugkapitän Hans Baur, daß er während seiner Tätigkeit als Hitlers Leibpilot insgesamt 13 „Condor-" Maschinen geflogen habe Damit gemeint sind natürlich sämtliche 13 Focke-Wulf Fw 200, die der Reichsregierung zur Verfügung standen
Als ausgesprochene „Führermaschinen" dürfen nur drei genannt werden:
1. die FW200V3. die zuerst das Kennzeichen D-2600. dann WL + 2600 und zuletzt 26 + 00 trug,
2. die FW200C-4/U-1. Werknummer 137. mit dem Kennzeichen CE + IB mit 11 Sitz­plätzen,

3. die FW 200 C-4/U-2, Werknummer 138. mit dem Kennzeichen CE + IC, mit 14 Sitzen, in der jedoch nicht Hitler, sondern nur seine Begleitung, bzw Gäste, flogen.

 

Die FW 200 V 3 „Immelmann III"

In dem oben erwähnten Buch schreibt Baur, daß die ersten beiden Condor-Maschinen 1935 (die Jahreszahl stimmt allerdings nicht, Erstflug der Fw 200 erfolgte 1937) an die Reichsregierung geliefert wurden. Das für Hitler bestimmte Flugzeug erhielt den Namen „Immelmann III" und das Kennzeichen D-2600, das bisher Hitlers Junkers Ju 52 geführt hatte. Da Hitler sich aber sehr für die Dauer der Flüge interessierte und auch auf eine pünktliche Landung großen Wert legte, waren vor seinem Platz (siehe Bild 1 und 2) ein Geschwindigkeitsmesser, ein Höhenmesser und eine Uhr eingebaut.

 
     
 
Bild 1: Blick auf die Geräte vor dem Sessel
Bild 2: Blick auf die Ruhebank und Sessel

 

Die folgenden Fotos wurden im November 1939 für den Generalstab 5. Abteilung hergestellt und als „Geheim, Veröffentlichung in der Tagespresse verboten" deklariert.

 

Blick auf die ..Führerkabine". Links vorn im Bild der Tisch und der bequeme Sessel Hitlers, rechts davon seine Ruhebank und dahinter zwei weitere Sitze Man beachte die Leseleuchten an den seitlichen Kopfstutzen
Der Funkraum
     
 
   
Die Garderobe
 
Blick in die„Raucherkabine der FW200
     
 
     
Hitlers Ruhebank vor dem Einbau
Die Ruhebank, Ansicht von hinten

 

Der „Führersessel":

Auf den Fotos sehen wir nicht nur den Sessel Hitlers, sondern auch alle Einzelheiten seiner Kabine. Bild 4 zeigt die Fallschirmgurte, die hinter der Sessellehne angebracht waren. Der Fallschirm selbst befand sich in einem Hohlraum unter dem Sitzkissen.

 
     
Bild 3: Hitlers Sessel vor dem Einbau
 
Bild 4: Derselbe Sessel mit vorgeklappter Lehne und sichtbarem Fallschirm


Oft wird behauptet: „Sein Sitz in der Kabine war mit Rückenpanzerung und automatischem Fallschirm ausgerüstet und nach unten abwerfbar ausgebildet".

Obwohl schriftliche Unterlagen, die das Gegenteil beweisen, nicht vorhanden sind, darf diese Behauptung als unrichtig bezeichnet werden. Sie ist nichts anderes als eine „Ente", die von irgendjemanden erfunden wurde und dann fleißig weiter abgeschrieben wurde.

Das Foto( Bild 4) zeigt deutlich, daß hier von einem Automatiksitz nicht die Rede sein kann. Die Rückenlehne war oben an zwei Druckknöpfen am Sessel befestigt und mußte an einer Schlaufe (auf Bild 3 sichtbar) nach vorn gezogen werden, um an den Fallschirm heranzu-kommen.


Und was nun die „Katapulteinrichtung" anbelangt, mag sich der Leser selbst ein Bild von dieser "falschen Ente" machen, wenn er das Bild 1 und 2 betrachtet. Wie soll dieser zentnerschwere Sessel mitsamt dem darin nicht angeschnallt sitzenden Hitler nach außen gelangen? Wie soll er durch den mit Teppichboden ausgelegten Fußboden gelangen? Wie sollte Hitler sich in dem herauskatapultierendem Sessel festhalten? Wie sollte er verhindern, daß er selbst von diesem Sessel empfindlich getroffen wird?

 

Der auf Bild 4 gezeigte „Führersessel" ist dann erst in die FW 200 C-4/U-1 und U-2 eingebaut worden. Flugkapitän Baur erklärt weiterhin, daß aber diese Fallschirme (zuletzt standen 60 Fallschirme der „Führerstaffel" zu Verfügung) niemals angelegt worden sind. Sie wurden alle 4 Wochen herausgenommen, überprüft, luftgetrocknet und unterdessen durch Ersatzfallschirme ausgewechselt.

Flugkapitän Baur erklärte auch , daß dieser, mit einem Fall­schirm ausgestattete „Führersessel zwar für die „Immelmann III" geplant gewesen sei, tatsächlich aber nur in die Kriegsausführung FW 200 C-4/U-1 und U-2 eingebaut worden ist. Er weiß es deshalb so genau, weil er sich an ein Gespräch zwischen Göring, Hitler und ihm,eben über diesen Sessel, erinnere. Göring meinte, man solle in diese Maschine (gemeint ist die „Immelmann III") Fallschirme einbauen. Daraufhin fragte Hitler den Flugkapitän, ob er und die übrige Besatzung Fallschirme besitze.

Und als Baur verneinte, meinte Hitler: „Wenn Baur keinen Fallschirm hat, dann brauche ich auch keinen."

Und auf die Frage, warum Baur eigentlich keinen Fallschirm wolle, antwortete er: „Ich fliege schon so viele Jahre und auch im ersten Weltkrieg hatte ich keinen Fallschirm angelegt, weil diese Luder ja doch nicht aufgegangen wären."

 

Links im Bild Hitler, rechts sein Flugkapitän Baur

 

In der Friedensmaschine „Immelmann III" waren weder Fallschirme eingebaut, noch war irgendeine Absprung­vorrichtung vorhanden. Wer sollte dies besser wissen, als der Mann, der diese Maschine jahrelang selbst geflogen hat.

 

 

Die FW 200 C-4/U-1 und U-2

 

In der bisherigen Literatur wird zwar erwähnt, daß eine FW 200 C-4 durch Verkürzung der Bodenwanne und Einrichtung von 11 Sitzplätzen in eine C-4/U-1 und eine weitere durch Einrichtung von 14 Sitzplätzen in eine C-4/U-2 umgebaut wurden. Nirgends wird aber festgehalten, daß diese Maschinen für die persönliche Verwendung Hitlers umgebaut wurden. Und zwar ist die U-1 ähnlich der V 3 für Hitler umgebaut worden, wie man aus der Originalzeichnung vom 19.1.1942 (Skizze 3) ersehen kann.


Gerade die folgenden Zeichnungen geben uns einige Erklärungen, die wir sonst nicht finden


1. Die C-4/U-1, Werknummer 137, hat wiederum in der „Fuhrerkabine auf der rechten Seite den Sessel und davor den Tisch. Anstelle der Ruhebank befinden sich zwei weitere Sitze, die beiden anderen Sitze sind geblieben. Insgesamt sind jetzt also 5 Sitzplätze in dieser Kabine. 6 weitere Sitze befinden sich in der zweiten Kabine,
(Die ursprüngliche Einteilung der FW 200 B sehen wir auf der Skizze 1 unten, ebenfalls eine Originalzeichnung, vom 20.1.1940. Diese Einteilung konnte zwar variiert werden, wie wir auf der zweiten Skizze 2 unten sehen.)

Ursprüngliche Einteilung der FW 200 B Skizze 1

Einteilung konnte variiert werden Skizze 2


2. Die Änderungsvermerke auf der Zeichnung unten zeigen:
a) am 22.1. und 23.1.1942 wurde die Bewaffnung geändert
b) am 4. 2.1942 wurde die Ausrüstung geändert
c) am 10.10.1942 schließlich wurde die Wanne geändert.

Skizze 3 : Originalzeichnung 50 08 009-46 vom 19.1.1942, geändert am 22.1., 23.1., 4.2. und 10.10.1942


Ob die Einzeichnung dieser Änderungen und besonders die der letzten Änderung vor der tatsächlich erfolgten Verkürzung der Wanne erfolgt ist oder erst danach, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich hat man diese Übersichtszeichnung nachträglich angefertigt, weil man sie dann, wie der Vermerk zeigt, veschiedenen Dienststellen vorgelegt hat.


Und diese vierte Änderung ergibt plötzlich einen Sinn, wenn man in dem Buch von Flugkapitän Baur über die Übernahme der neuen, mit MG's ausgestatteten Condor-Maschinen liest: „Sie hatten im Gegensatz zu dem im zivilen Luftdienst eingesetzten Typ stärkere Motoren, und zwar vier zu je 1000 PS. In der Innenausstattung glichen sie den alten, lediglich unter dem Sitz Hitlers befand sich eine Absprungplatte. Er konnte im Falle der Gefahr einen roten Griff ziehen, hierdurch hätte sich die Absprungplatte gelöst, und unter ihm wäre ein ungefähr einen Quadratmeter großes Loch zum Abspringen freigegeben".


Wenn wir uns jetzt, die Zeichnung 50 08 009-46 (Skizze 3) genau ansehen, dann weiß man plötzlich, warum die Wanne bei diesen Maschinen verkürzt wurde: nämlich, damit sie bereits vor der „Führerkabine" aufhörte, um neben dem Sessel Hitlers die Absprungplatte einbauen zu können.

 

HINWEIS:

Die beiden FW 200 C-4/U-1 und U-2 hatten eingebaute Fallschirme, die von Außen nicht zu sehen waren. Im Falle eines Notabsprungs wurde lediglich das Rückenkissen sowie das Sitzkissen mit dem Abspringer fest in Verbindung gebracht. Der Fallschirm selbst war unter dem Sitzkissen in einer ausgehöhlten Wanne untergebracht; man saß also auf dem Fallschirm. Es war ein manueller Fallschirm, der erst nach dem Absprung geöffnet werden mußte. Am Sitz rechts unten war ein roter Handgriff eingebaut. Beim Ziehen des Griffes löste sich der ca. 1 qm große Deckel der Bodenluke mit einem Feder­druck auf dervorderen Seite, so daß der Fahrtwind dann die Klappe herausriß und diese wegflog. Durch diese Öffnung hätte Hitler dann springen müssen."

 

a) Auf dem Originalfoto (Bild 5) ist deutlich die nachträglich angebrachte Platte am Ende der Wanne zu sehen.

b) Auf der Zeichnung (Skizze 3) sehen wir tatsächlich zwei Platten unter der Kabine Hitlers, die nach der verkürzten Wanne beginnt.

 

 

Bild 5: CE + IB, deutlich ist die nachträglich eingebaute Platte am Ende der Wanne zu sehen !

 

Nachsatz:

Die auf der erwähnten Zeichnung (Skizze 3) eingezeichnete Lage der Absprungklappe wurde in der Praxis leicht verändert. Und zwar wurde diese Klappe direkt vor die Füße Hitlers verlegt, so daß er im Sitzen seine Füße direkt auf der Klappe hatte. Mit den Erläuterungen des Mannes, der diese Maschinen selbst geflogen hat, ist die Angelegenheit „Führermaschinen" restlos geklärt.

Diese Zeichnung (Skizze 3) beweist aber ferner, daß beide Maschinen FW 200 C-4U-1 und U-2 mit dieser Vorrichtung versehen waren, weil der Längsschnitt für beide Maschinen zu gelten hat. Hitler hat somit auch seinen Begleitern (oder Gästen) die gleichen Chancen eingeräumt.

Außerdem sollte die C-4/U-2 auch als Ersatzmaschine eingesetzt werden können, wenn sich die C-4/U-1 bei einer Überholung oder in Reparatur befand.

Über beide Maschinen sind folgende Daten nachweisbar:
1. FW 200 C-4 U-1, Werknummer 137, ausgestattet mit 11 Sitzen, mit Absprungplatte, war Hitlers Flugzeug, Kennzeichen CE + IB.

2. FW 200 C-4 U-2, Werknummer 138, ausgestattet mit 14 Sitzen, mit Absprungplatte, war für die Begleitung oder Gäste vorgesehen, Kennzeichen CE + IC.

 

Daß es sich hierbei tatsächlich um die „Führermaschine"' handelt, können wir anhand eines anderen Dokuments beweisen. Über die Abholung der beiden Flugzeuge mit den Werknummern 137 und 138 wurde für den Sicherheitsstab Hitlers eine Bilddokumentation angefertigt

Auf Bild 7 bringen wir ein Blatt, das im Original „Abholen der Führermaschine FW200, Werknummer 137 38" betitelt ist.

Flugkapitän Baur, der auf Bild 9333,21 dieses Blattes gerade aus der Maschine FW 200 C-3, Kennzeichen KE + IX, steigt, kam mit ihr, um die „Führermaschine" abzuholen.

 

 
     
Bild 7: Abholen der „Führermaschine", Original-Fotoblatt
 
Bild 8: Ansichten der FW 200, W. Nr. 137 und 138, Original-Fotoblatt

 

 

Auf Bild 9 + 10 sind nochmals oben die KE + IX und unten die CE + IC und deutlich die verschieden langen Wannen zu sehen.

 

Bild 9: KE + IX

Bild 10: CE + IC

 

Es ist auch nicht richtig, wie häufig behauptet wird, der Notausstieg Hitlers anstelle des Bombenschachtes in der Wanne untergebracht war. Auf Bild 11 sehen wir die Wanne der CE + IB im Bau und erkennen zwar eine Klappe in der Wanne, die aber technisch nicht der Notausstieg gewesen sein kann, weil sich Hitler sonst aus seiner Kabine zwischen Kraftstoff- und Schmierstoffbehälter hätte nach vorn zwängen müssen, um durch den Boden des Flugzeuges und durch die Wanne zu springen. Außerdem spricht Baur davon, daß sich die Absprungplatte in der Kabine Hitlers befunden hat.

 

Bild 11: Hitlers CE + IB im Bau, Blick auf die Wanne

 

Es ist ebenso falsch, wenn behauptet wird, daß in der FW 200 V3 (WL + 2600, „Immel­mann III") eine Katapulteinrichtung untergebracht war, denn Baur schreibt, daß sich diese Absprungplatte in der neuen, mit MG's bestückten Condor befunden hat und sich diese FW 200 C-4/U-1 eben gerade durch diese zusätzliche Einrichtung von der „Immel­mann III" unterschieden habe.

Hier liegt also einfach eine Verwechslung der beiden Maschinen vor, aber von einem Katapult ist nirgends die Rede.

 

Bewaffnung:

Oft wird auch behauptet, daß die FW 200 C-4/U-1 eine geringere Bewaffnung, nämlich je 1 MG 15 im B-1- und B-2-Stand gehabt habe.

Die Zeichnung (Skizze 3) zeigt jedoch folgende Waffeneinbauten:

1 MG 15 im oberen Stand vorn, genannt A-Stand 1 MG 15 im unteren Stand vorn, genannt D-Stand 1 MG 131 im oberen Stand hinten, genannt B-Stand 1 MG FF im unteren Stand hinten, genannt C-Stand

Die Bezeichnung A, B, C, D entnehmen wir der L.Dv.T. 2200 für die FW 200 C-3. Diese Einbauten waren jedoch nur vorgesehen. Tatsächlich wurden verwendet, wie auf den Fotos zu sehen ist:


A-Stand 1 MG 131 (Bild 12) D-Stand 1 MG 15 (Bild 12) B-Stand 1 MG 131 (Bild 13) C-Stand keine Waffe (Bild 6)


Es wäre ja auch kaum verständlich, warum man ausgerechnet die Maschine Hitlers, des ranghöchsten Politikers des III. Reiches, hätte schwächer bewaffnen sollen.

Fw 200

Bild 12: CE + IB von schräg vorn

Bild 13: CE + IB , Seitenansicht mit Wintertarnung

 


 

Zeichnung

Die "Condor" wie man Sie kennt