Titel

 

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Bordfunk-Geräte der deutschen Luftwaffe

1939-1945

 

Übersicht über die wichtigsten Bordfunk- und Bordfunkmeßgeräte der deutschen Luftwaffe im 2.Weltkrieg

 

I. Bordnachrichtengeräte

1.1 Arbeitsverfahren und Gerätearten

1.2 L77-/K1S-Nachrichtengeräte

1.3 UKW-Sprechgeräte

 

II. Bordfunk-Navigationsgeräte

2.1. Arbeitsverfahren und Gerätearten

2.2 Bordpeil- und Zielfluggeräte

2.3 Funklandegeräte

2.4 Funkfeuerempfangsgeräte

2.5 Hyperbelnavigationsgeräte

2.6 Entfernungsmeß-Navigationsgeräte

 

III. Zielsuchgeräte (Funkmeßgeräte)

3.1 Arbeitsverfahren und Gerätearten

3.2 Aktive Zielsuchgeräte

a) Funkhöhenmesser

b) "Hohentwiel"-Geräte und Vorläufer

c) "Neptun"-Geräte

d) "Lichtenstein"-Geräte

e) "Berlin"-Geräte und Nachfolger

3.3 Passive Zielsuchgeräte

3.4 Halbaktive Zielsuchgeräte

3.5 Funkmeß-Beobachtungs- und -Störgeräte

 

IV. Funkführungs- und Funklenkgeräte

4.1 Arbeitsverfahren und Gerätearten

4.2 Kommando-Übertragungsgeräte

4.3 Leitstrahl-Empfangsgeräte

4.4 Relaissender

4.5 Kenn- und Abfragegeräte

4.6 Peilsendegeräte (Ortungssendegeräte usf.)

4.7 Funklenkgcräte

4.8 Zielweisungsgeräte

4.9 Ergänzungsgeräte für die Fernlenkung

 

V. Anhang / Dokumente

Verzeichnis deutscher Bordfunkgeräte aller Art

 

VI. Gallery


Einleitung:

Die in den Jahren 1939 bis 1945 erfolgte sprunghafte Entwicklung und der erreichte hohe Stand der deutschen Bordfunkgeräte aller Art ist infolge der damals geltenden Geheimhaltungsvorschriften und der Vernichtung vieler Unterlagen bei Kriegsende kaum bekannt geworden. Lediglich über einige eng begrenzte Teilgebiete, z.B. die Funklenkgeräte und die Dauerstrich-Funkmeßgeräte, sind bereit ausgezeichnete und sehr ausführliche Veröffentlichungen erschienen. Da andererseits mehr als 300 Flugzeug-Bord-Geräte (bzw. Verfahren) namentlich bekannt geworden sind, kann der Versuch einer Gesamtübersicht sich bei dem zur Verfügung stehenden Raum nur auf eine kurze Beleuchtung der wichtigsten an Bord mitgeführten Geräte und ihre Arbeitsweise beschränken, wobei oft zum leichteren Verständnis bewusst grobe Vereinfachungen vorgenommen werden und interessante Einzelheiten unberücksichtigt bleiben mussten.

Auch haben wir von www.deutscheluftwaffe.de versucht uns möglichst nicht durch neuere Literaturen beeinflussen zu lassen. Daher haben wir uns an alten Dokumenten und Bildern aus der damaligen Zeit orientieren lassen, für diesen Beitrag, und Ihnen auch so hier wieder gegeben. Dadurch leidet leider oft die Qualität der wiedergegebenen "Objekte" (Bildmaterial)! Da, die deutsche Funktechnik nicht mein Hauptfachgebiet ist, bitte ich Sie um Nachsicht, falls Sie beim lesen einige Fehler entdecken werden. Wir bitten Sie daher um Ihr Verständnis?

Dennoch kommen über die Jahre immer wieder neue Funkverfahren (Dokumente ,Bilder, Zeichnungen,Skizzen) zu Tage, die bis Dato in unbekannten Archiven gelagert haben. Gerade gegen Ende des Krieges sind noch eingie geheime Verfahren eingeführt oder Erprobt worden wie zBs.das "Jägerleitverfahren" für Raketenflugzeuge wie der Messerschmitt Me 163 sowie für die neuen Strahlenjäger, da diese neue Flugzeugtypen mit ihren dazumal neuen legendären Antrieben die Geschwindigkeiten der Funkverfahren resp. deren "Interpretation" durch den Flugeugführer und am Boden um ein vielfaches beschleunigt haben.

Falls Sie als Leser, uns mit Neuigkeiten zu diesem Thema weiter helfen können, oder Sie Fehler in diesem Beitrag bemerkt haben ?

Bitten wir Sie mit uns Kontakt auf zu nehmen ?

 

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Mail... deutscheluftwaffe@bluewin.ch

 

 

Me 262 056

Me 262 B-2 (V-65) mit FuG 218

 

 

Die nachfolgende Einteilung der Bordfunkgeräte in:

 

 
1.
Bordfunknachrichtengeräte

Geräte, welche hauptsächlich für den Nachrichtenverkehr eingesetzt wurden

 
 
2.
Bordfunknavigationsgeräte
Eigenortungsgeräte für Navigationszwecke
 
 
3.
Zielsuchgeräte
aktive, halbaktive und passive Funkmeßgeräte (desgl. Funkmeß-Beobachtungsgeräte etc.)
 
 
4.
Funkführungs- und Funklenkgerät

Geräte für Kombinierte Führungsverfahren bzw. für Lenkverfahren, (Lenkung vom Flugzeug aus)

- ist nicht streng systematisch, sondern aus Gründen der einfacheren Darstellung gewählt !

 

Hinweis:

Für sehr viele Begriffe in diesem Beitrag der Nachrichtenübermittlung haben wir keine allgemeingültigen Definitionen gewählt, sodass sie im Gegensatz in der heutigen gängigen Literatur manchmal mit verschiedenartige Bedeutungen gebraucht werden. So wird heute unter dem Begriff "Gerät" meist ein Einzelgerät (z.B. ein Sender oder ein Umformer etc.), unter dem Begriff "Anlage" jedoch z.B. ein Sender mit Modulator, Stromversorgung und Antenne etc. verstanden. Die damalige amtliche Ausdrucksweise verwendete jedoch beide Begriffe in anderer Weise, z.B.: "Das Flugzeugbordfunkgerät FuG 10 bildet zusammen mit dem Vielfluggerät Peil G 5, dem Funklandegerät FuBl 2 und dem Bordfunkgerät FuG l6 die Bordfunkanlage der Heinkel He 111. In Anlehnung an die Titel der Beschreibungen wird daher die frühere Schreibweise "Bordfunkgerät", Bordfunk-Navigationsgerät etc. beibehalten.

Die Zahl der ursprünglich durch bestimmte Decknamen erfaßten Anlagenteile war oft nicht identisch mit der Zahl der später durch eine FuG-Nummer zusammengefaßten Teile. In einem Teil der noch vorhandenen Unterlagen wurde z.B. mangels eines Decknamens einer Gesamtanlage der ursprünglich nur für den Sender verwende Deckname als Bezeichnung für die ganze Anlage genannt. Die in dieser Zusammenstellung gebrauchte Schreibweise "FuG.... = Deck name...." ist zwar nicht immer ganz korrekt, lehnt sich aber an den damaligen Sprachgebrauch an und erleichtert die gegenseitige Zuordnung von Unterlagen, bei denen entweder nur die FuG-Nummer oder der Deckname allein genannt ist.

Viele Geräte und Verfahren erfuhren im Laufe der Zeit nicht unbedeutende Abwandlungen gegenüber der beabsichtigten Form, wodurch sich zu verschiedener Zeit entstandende Unterlagen zwangsläufig widersprachen. Da ausserdem über einen Großteil der Navigations-und Führungsgeräte nur sehr spärliche Andeutungen, aus dem Jahre 1945 aber über keine Geräteart mehr nennenswerte Unterlagen vorhanden sind, muss diese Zusammenstellung noch viele Ungenauigkeiten enthalten!

Die Bilder sind teils Originalaufnahmen von Gönnern der Webseite, teils Reproduktionen aus deutschen Gerätebeschreibungen, Erprobungsberichten etc. bzw. englisch-amerikanischen Unterlagen aus der Kriegszeit die in Archiven lagern.

 

 

Verzeichniss für den "Jägersprechverkehr" in der Reichsverteitigung (Tag- und Nachtjagd)

 

jeagersprechverkehr

 

Jeagerdeckwortverzeichniss

Jägerdeckwortverzeichniss pdf Datei Grösse 8 MB

 

 

 

 

I. Bordnachrichtengeräte

 

1.1 Arbeitsverfahren und Gerätearten

 

Die älteste Form aller Bordfunkgerätearten sind die Nachrichtengeräte, welche mindestens einen Empfänger (zum Aufnehmen von Nachrichten), meist aber auch einen Sender (zum Aussenden von Nachrichten) enthalten. Die ursprünglich alleine verwendeten Langwellen (abgekürzt LW), deren Reichweite nur von der Senderleistung abhängt, wurden bald nur noch für Flugsicherungszwecke (d.h. zum Heranführen der Flugzeuge an den Flugplatz) benutzt, da in diesem Frequenzbereich nicht genügend Sender ohne gegenseitige Störung untergebracht werden konnten. Der taktische Funkverkehr (Befehlsfunk) wurde daher auf Kurzwellen (KW) abgewickelt. Die maximal erreichbare Reichweite war dann für eine gegebene Senderleistung zwar grösser, wenn die Frequenz entsprechend der Tages- und Jahreszeit und der zu überbrückenden Entfernung optimal gewählt werden konnte. Die tatsächlich ausnutzbare Reichweite war jedoch wegen der bei mittleren Entfernungen auftretende "tote Zone" oft wesentlich kleiner als im LW-Bereich.

Als Betriebsarten wurden Telegrafie tonlos /A1/ oder Telegrafie tönend /A2/ verwendet. Später wurde der Funkverkehr Bord-zu-Bord /BzB/ mit Telefonie /A3/ auf Kurzwelle durchgeführt. Dadurch wurde die Übermittlungsgeschwindigkeit von Flugzeugführer zu Flugzeugführer erhöht, da die bei Tastverkehr nötige Zwischenschaltung der Bordfunker entfiel.

Als Modulationsart wurde allgemein Amplitudenmodulation angewendet. Die bei einigen Geräten zur Fremdortung durch Impulspeilstationen vorgesehene Impulsmodulation (s. Kapitel Funkmessgeräte) durfte während des Krieges nicht benutzt werden. Für Frequenzmodulation bzw. frequenzmodulierten Telefoniebetrieb (F5) waren nur wenige Geräte (Baujahr 1944/45) eingerichtet.

Etwa in den Jahren 1938/39 zeigte sich die Tendenz, den taktischen Funksprechverkehr Bord-zu-Bord (BzB), bei kleineren Flugzeugen auch den Verkehr Bord-zu-Erde (BzE), von Kurzwelle (KW) auf die Ultrakurzwellen (UKW) zu verlegen. Dies war dadurch bedingt, daß der Kurzwellenbereich bald schon von zu vielen Stationen besetzt war (gegenseitige Störungen) und auch die Ausbreitungsbedingungen ein unerwünschtes Abhören der Sendungen in großen Entfernungen ermöglichten. Die Reichweite auf UKW entsprach normalerweise der Sichtweite, d.h. sie hing von der Flughöhe ab.

 

FuG I
FuGIII
Abb.1 MW-Station FuG I (ähnlich LW-Station FuG II m. Sender S2)
Abb.2 LW/WK-Station FuG IIIaU (Am Sender 7 bewegl. Kabel, Platzbedarf!)

 

Der zuerst nur bei Tagjägern auf UKW abgewickelte Flugsicherungsverkehr wurde mehr und mehr auch bei größeren Flugzeugen von LW auf UKW verlagert. Später wurden die UKW-Nachrichtengeräte so ausgebaut, daß sie auch für Navigations- und Funkführungszwecke verwendet werden konnten (siehe Kapitel "Navigationsgeräte" und "Funkführungsgeräte"). Während des Krieges traten zeitweise (abhängig von der Sonnenfleckentätigkeit) unerwartet hohe Überreichweiten auf UKW auf. Diese ermöglichten z.B. in Westfrankreich das Abhören der Sendungen deutscher Panzerfunkgeräte, welche tief in Rußland in Tätigkeit waren. Diese Überreichweiten wurden auch von beiden Seiten planmässig u.a. für Navigationszwecke ausgenutzt. Das in den Empfängern bis dahin so "tot" erscheinende UKW-Bereich war dann auf einmal sehr belebt.

 

 

FuG V
FuGIV
Abb.3 LW/KW-Station für Seeflugzeuge FuG V
Abb.4 E3a = KW-Empfänger FuG IV, E3a + Sender KW-Station FuG VI

 

Die Bordfunknachrichtengeräte lassen sich daher grob wie folgt einteilen:

 

 
1.
LW/KW-Nachrichtengeräte

Geräte für Flugsicherungsverkehr auf LW oder Geräte für taktischen Funkverkehr auf KW bzw. kombinierte Geräte für LW und KW.

 
 
2.
UKW-Sprechgeräte

Geräte für taktischen Verkehr und Flugsicherungsverkehr auf UKW.Später vielfach erweitert für Navigationsund Funkführungszwecke.

 

Die später entwickelten Kommando-Übertragungszusätze zur verschlüsselten Übertragung von Kommandos vom Boden werden bei den Funkführungsgeräten besprochen.

 

FuGVIIA
FuGVIII
FuGIX
Abb.5 Kompl. Gerätesatz des KW-Sprechgerätes FuG VIIa (auch Ausführungen m. Schleppantenne für Stukas im Einsatz!)
Abb.6 LW/KW-Station FuG VIII (Vorläufer des FuG 10!)
Abb.7 UKW-Sprechgerät (FuG U IV) (Vorläufer des FuG 16 und 17)
FuGXX
FuGXXI
Abb.8 LW-Kleinstation FuG XX mit fernbedientem Sender
Abb.9 LW-Kleinstation FuG XXI (einige Zeit als 2.Station beibehlaten!)

 

 

Über die Bauweise der Bordgeräte ist folgendes zu sagen:

Die vor dem Krieg entwickelten Geräte waren in Rahmen eingesetzt, welche federnd an Gummischnüren aufgehängt waren. Die Verbindung mit der festen Bordverkabelung erfolgte über bewegliche Kabelschwänze, welche einseitig mit dem Gerät verbunden waren und auf der anderen Seite eine verriegelbare Kabelkupplung trugen. Diese Kabelschwänze beanspruchten viel Platz und wurden oft beschädigt, da man sehr leicht hängen blieb. Auch die für einige Geräte entwickelten mechanischen Fernantriebe von Bedienungsorganen zeigten später unter den harten Einsatzbedingungen (Feuchtigkeit, salzwasserhaltige Seeluft und große Temperaturunterschiede) relativ viele Ausfälle!

 

Aufheangung_neu

Abb. 10 Aufhängung der neueren Bordfunkgeräte ohne Beschädigungsmöglichkeit von herumhängenden Kabeln. Beim Einhängen der Geräte werden die elektr.Verbindungen zum Aufhängerahmen (AR) durch Buchsen-u.Steckerleisten selbsttätig hergestellt. Der federnd befestigte Rahmen ist über flexible Bandkabel mit der Verteilerrdose (VD) verbunden, in welche die feste Bordverkabelung (v) führt. Bei den letzten Ausführungen wurde die Verkabelung direkt in den Rahmen eingeklemmt!

 

1939 wurden dann zwei Geräte entwickelt (FuG 10 und 17 /Fa. Lorenz), die konstruktiv richtungsweisend für alle weiteren deutschen Bordfunkanlagen wurden. Sie zeigten wie die übrigen ab diesem Zeitpunkt in Serie eingeführten deutschen Geräte gegenüber ihren Vorläufern folgende Kennzeichen: kleines Gerätevolumen, auch innerhalb der Geräte Aufteilung in steckbare Bausteine, Verwendung von insgesamt nur 2 Röhrentypen (!), leichte Auswechselbarkeit durch selbsttätige Herstellung aller Anschlüsse beim Einhängen des Gerätes in den Schwingrahmen (Stecker auf der Geräterückseite!) und damit geringere Beschädigungsmöglichkeit durch Fortfall der Kabelschwänze und Stecker an der Frontseite der Geräte, Anbringung der Drehknöpfe in Vertiefungen und Abrundung der Kanten zur Vermeidung des Hängenbleibens. Die Antennen wurden nicht mehr direkt in die Geräte eingeführt, sondern konnten unter Zwischenschaltung eines Anpaßgerätes und einer koaxialen Speiseleitung optimal dimensioniert und unabhängig vom Einbauort der Geräte angebracht werden. Die für fernbediente Geräte entwickelten elektrischen Fernantriebe erreichten bald einen befriedigenden Stand. Die Festigkeit der Geräte war allerdings zu weit getrieben, sodaß 1944 Entfeinerungsaktionen gestartet werden mussten: Bei 100% igem Bruch des Flugzeugs blieben Funkgeräte nach Röhrenwechsel voll verwendungsfähig !

 

Ju88
AAG2
Abb.11 LW/KW-Station FuG 10 in einer Ju 88. Die restl. Geräte waren a.d Gerätebrett-Rückseite bzw. Flugzeug-Heck untergebracht!
Abb.12 Antennen - Abstimm Gerät AAG 2--1

 

Die Vorteile der neuen Geräteanschlüsse zeigte folgende Untersuchung: Bei 500 Flugzeugen waren von den geprüften 2100 Kabelschwänzen der älteren Geräte 18 defekt, wogegen bei den etwa 4000 Schwingrahmen mit rückseitigen Anschlüssen der Geräte nur 3 ausgefallen waren, d.h. die Störanfälligkeit des beweglichen Geräteanschlusses ging bei den neuen Geräten auf einen Bruchteil zurück. Erwähnenswert ist auch, daß von ca. 280 000 untersuchten Klemmstellen der Einbausätze nur 4 zu Beanstandungen Anlaß gaben (Litzenkabel an den Enden nicht verlötet, sondern mit Hülsen versehen, Klemmschrauben mit Lack gesichert). Die Verlegung der Anschlüsse an die Geräterückseite bzw. Schwingrahmen wurde im Ausland erst nach dem Kriege, aber dann fast ausschliesslich, eingeführt. (Deutsche Nachkriegsgeräte für mobile Verwendung ignorierten jedoch eigenartigerweise lange Jahre diese Erkenntnisse und fingen praktisch wieder mit dem konstruktiven Stand von 1933 an.)

 

FUG10P_k

Abb.13 LW/KW-Station FuG 10 P (Empfänger E 10 L d. EZ 6 des Peil G6 ersetzt) mit APZ u. FuG 16. Im Heck auch FuG 25a und Fu B1 2


Die Empfänger der älteren Geräte waren meist in Geradeausschaltung (als Zweikreiser oder Dreikreiser) ausgeführt, bei den neueren Geräten wurden jedoch durchweg Überlagerungsempfänger verwendet. Die Sender der Nachrichtengeräte waren meist zweistufig aufgebaut (d.h. sie bestanden aus Schwingstufe und Verstärkerstufe). Durch Temperaturkompensation, konnten die deutschen Geräte so frequenzstabil gestaltet werden, daß an Bord keine Quarze oder Frequenzkontrollgeräte benötigt wurden. (Bei der auf der Gegnerseite weit verbreiteten Quarzsteuerung musste für Sender und Empfänger für jede Betriebsfrequenz je 1 Quarz bereitgehalten werden). Durch die Schaffung eigener kleiner Luftfahrtröhren konnte die Zahl der verwendeten Röhrentypen radikal eingeschränkt werden, was sich für den Nachschub vorteilhaft auswirkte. (Die bei den Funkmeßgeräten verwendeten hohen Frequenzen bedingten einige Besonderheiten in der Schaltung und der Röhrenbestückung dieser Geräte, siehe Kapitel "Zielsuchgeräte").

 

Me210

Abb.14 Antennen an einer Messerschmitt Me 210, A-0 : FuG 10 = LW/KW-Station, FuG 16 = UKW-Sprechgerät, Peil G5 = LW/MW-Peil+Zielfluggerät, FuBI 1=Funklandegerät FuG 25 (a) =Kenngerät

 

Zur Stromversorgung älterer Geräte, wurden für die Empfänger Batterien und Sammler, für die Sender (durch den Fahrtwind angetriebene) Windschraubengeneratoren verwendet. Aus Gründen der ständigen Betriebsbereitschaft und der leichteren Wartung erzeugten alle späteren deutschen Geräte die benötigten Anoden-und Gitterspannungen durch rotierende Gleichstromumformer aus dem 28-V-Bordnetz, welches auch direkt für die Heizung der Röhren herangezogen wurde. Für Sonderfälle, z.B. Drehfeldgeber von Fernbedienungseinrichtungen, gab der entsprechende Umformer auch zusätzliche Wechselspannungen von 333 oder 500 Hz ab. Lediglich einige wenige, meist im letzten Kriegsjahr entwickelte Funkmeßgeräte erhielten über einen Gleichstrom-Wechselstrom-Umformer eine Dreiphasenspannung von z.B. 3 x 36 V/500 Hz, die dann jeweils durch Netzteile in den Einzelgeräten in die entsprechenden Gleichspannungen umgewandelt wurden.

 

 

1.2 LW-/KW-Nachrichtengeräte

 

Die ersten mit der Abkürzung FuG = Funk-Gerät etwa um 1934 in der Luftwaffe eingeführten Bordfunkgeräte FuG I (für taktischen Funkverkehr, Frequenzbereich 600 ...1670 kHz, Sendeleistung 100 W) und FuG II (für Flugsicherungsverkehr, Bereich 310 ... 600 kHz, Leistung 100 W) waren - wie damals allgemein üblich - nur für den Tastbetrieb (Telegrafie tonlos = A1) eingerichtet. Sie verwendeten den gleichen Empfänger, der nach Auswechseln der Steckspulen den jeweiligen Bereich des Senders überstrich.

Die Stromversorgung des Senders erfolgte mittels eines durch den Fahrtwind angetriebenen Windschraubengenerator, der Empfänge hatte gesonderte Anodenbatterien. Diese Geräte wurden bald ersetzt durch das während des Fluges vom Langwellen - (LW) auf den Kurzwellen - (KW) Bereich umschaltbare LW/KW-Bordfunkgerät FuG III (Telefunken, Bereiche 300 ...600 kHz und 3000 ... 6000 kHz, Leistung 40 ... 70 W). Da für den Bord-zu-Bord - (BzB) Verkehr der jeweilige Umweg über die Funker zu umständlich war, konnte hier auf Kurzwelle auch ein Sprechverkehr (A3) von Flugzeugführer zu Flugzeugführer durchgeführt werden.

Vor und während der Landung wurde die vom Rumpf zum Seitenleitwerk verspannte Festantenne, während des Fluges jedoch die mit einer Haspel beliebig ausfahrbare Schleppantenne verwendet, welche größere Reichweiten ergab. Das in Seeflugzeugen (Abb.3) eingebaute FuG V unterschied sich vom FuG III nur durch kleine Änderungen (Antennenkopplung) und eine besondere Berücksichtigung der Seenotfrequenz (Notbetriebsmöglichkeit aus dem Bordnetz bei stehendem Flugzeug) Für den Sprechverkehr (Eigenverständigung = EiV) der einzelnen Besatzungsmitglieder untereinander war ein besonderer EiV- Verstärker mit dem Funkgerät zusammengeschaltet. Ein Schaltkasten gestattete die Umschaltung der Anschlüsse des Flugzeugführers, Beobachters oder des Funkers an das ebenfalls eingebaute Peilgerät Peil G V bzw. Funklandegerät FuBl 1 (s.Kapitel Navigation geräte). Später wurden das Fu G III und Fu G V auf Umformerbetrieb umgerüstet und mit FuG III aU bzw. FuG V aU bezeichnet (Abb.1-3).

Für einmotorige Jäger und Aufklärer war aus dem KW-Empfangsgerät FuG IV (Bereich 2500 ...3750 kHz) durch Hinzunahme eines Sender' das KW-Bordsprechgerät Fu G VI (Bereich 2500 ... 3750 kHz, Sendeleistung bei Telegrafie tonlos = 20 W, bei Telefonie = 7W) entstanden. Als Stromversorgung für den Sender wurde schon aus Gründen der ständigen Betriebsbereitschaft ein Umformer vorgesehen. Von diesem Gerät waren im Jahre 1939 jedoch keine nennenswerten Stückzahlen mehr eingesetzt (Abb. 4).

Zu Kriegsbeginn war allgemein in einmotorige Jäger das Kurzwellen-Funksprechgerät FuG VII (Telefunken, Frequenzbereich 2500 ...3750kHz Sendeleistung 20 W/7 W) eingebaut, das für den Sprechverkehr Bord-zu-Bord (BzB) und Bord-zu-Boden (BzE) verwendet wurde. Es bestand aus einem Empfänger und einem Sender, welche hinten im Rumpf in gummigefederte Schwingrahmen eingesetzt waren, einem Drehspulinstrument (Schwingungsanzeiger, das im Instrumentenbrett zur Kontrolle der Senderausgangsleistung untergebracht war), einem am Steuerknüppel befestigten Sprechknopf zur Einschaltung des Senders und einem Umformer. Die Drahtantenne war vom Führersitz zum Seitenleitwerk gespannt. Später wurde eine elektrische Fernbedienung FB 7 zur wahlweisen Einschaltung zweier Rastfrequenzen eingeführt, desgl. automatische Peilzeichengeber zur laufenden Einpeilung des Standortes der Maschine vom Boden aus für Jägerführungszwecke. Während des Frequenzumschaltvorganges und der Peilzeichengabe war der Funkverkehr BzB (Bord-zu-Bord) bzw. BzE (Bord-zu-Boden) unterbrochen. (Siehe auch Kapitel "Funkführungsgeräte"). (Abb. 5)

Bei Stukas (Ju 87) kam zur Erzielung einer großen Reichweite zusätzlich zur Festantenne noch eine vom Beobachter bediente Schleppantenne hinzu, der Senderausgang (Antennenabstimmung) wurde entsprechend geändert = Ausführung FuG VIIIa. Der Beobachter konnte mittels einer Telegrafietaste auch Tastverkehr abwickeln. Zur Verständigung der Besatzungsmitglieder untereinander war das Funkgerät durch einen EiV-Verstärker ergänzt.
Das gegenüber dem FuG IliaU wesentlich kleinere LW/KW-Bordfunkgerät FuG VIII (Lorenz, 300 ... 600 kHz und 3000 ... 6000 kHz, 25W/40 W Leistung), bei dem je 1 kompletter LW- und KW-Sender zu einem Geräteblock und je ein vollständiger LW- und KW-Empfänger zu einem zweiten Geräteblock zusammengebaut waren, wurde in den Aufklärer He 70 eingebaut. Bei diesem Gerät konnten bereits beide Empfänger unabhängig voneinander gleichzeitig betrieben werden, es wurde jedoch nur in kleinen Stückzahlen gebaut, da es durch die nachfolgend besprochene Anlage ersetzt. (Abb.6)

In den Jahren 1939/40 wurde in die laufende Flugzeugproduktion in steigendem Maße anstelle des FuG III aU bzw. FuG V aU das neue LW/KW-Bordfunkgerät FuG X eingebaut. Dieses von der Firma Lorenz entwickelte Gerät hatte getrennte Sender und Empfänger für die Bereiche 300 ...600 kHz und 3000...6000 kHz.

Die Sendeausgangsleistung betrug je nach Bereich und Betriebsart (Telegrafie tonlos oder Telefonie) 40 ... 70 W. Der Aufbau dieses Gerätes mit federnden Schwingrahmen ohne Verwendung der bisher üblichen Kabelschwänze war richtungsweisend für alle übrigen folgenden deutschen Bordgeräte. Beim FuG X (spätere Schreibweise FuG 10) ergab sich durch die Anordnung von getrennten Geräten für LW und KW eine erhöhte Betriebssicherheit und die Möglichkeit eines gleichzeitigen Empfanges auf beiden Bereichen. Zwei von den übrigen Funkgeräten absetzbare Antennenanpaßgeräte mit Speisung über koaxiale Kabel und Fernbedienung über Drehfeldsysteme ermöglichten eine günstigere Anordnung aller Geräte und Antennen ohne gegenseitige Rücksichtnahme. Als Festantenne wurde (ähnlich wie beim FuG III) eine horizontale - zwischen dem Leitwerk und einem gegf. ein- und ausfahrbaren Mast verspannte Drahtantenne auf der Rumpfoberseite verwendet; die Schleppantenne auf der Rumpfunterseite befand sich auf einer fernbedienten Antennenhaspel, welche auch die Länge des abgespulten Drahtes je nach dem verwendeten Wellenbereich automatisch veränderte.

 

He111

Abb.14a Lageplan der Bordfunkanlage Heinkel He 111 H-6 mit FuG X, Peü GV, FuBI 1 bzw. FuBI 2 und FuG 25

 

 

Als Betriebsarten waren Telegrafie tonlos und - bei Ausrüstung mit einem Telefoniezusatz TZG 10 auf Kurzwelle auch Telefonie möglich. Die (übrigens auch beim FuG III) vorgesehene Betriebsart "Impulsbetrieb" für nachteffektfreie Peilung des Flugzeugs auf Langwellen wurde jedoch aus taktischen Gründen (Störung anderer Funkverbindungen und starke Auffälligkeit für den Gegner) im Laufe des Krieges gesperrt bzw. es wurden die entsprechenden Schaltteile nicht mehr eingebaut.(Abb.10..14)

In ausgesprochenen Langstreckenflugzeugen ergab der Kurzwellenbereich (3...6 MHz) des FuG 10 zu geringe Reichweiten, sodaß für den Weitverkehr zusätzlich die auch bei der DLH verwendete Transozean-(TO-) Station FuG 13 (Abb. 16) Lorenz, (Frequenzbereich 3...25 MHz, Sendeleistung 20 W) eingebaut war. Ab 1941 wurden jedoch die Bordfunkgeräte FuG 10 K1 und FuG 10 K2 verfügbar, bei denen die KW-Sender und -Empfänger einen Bereich von 5,2...10 MHz bzw. 6...12 MHz überstrichen. Daraufhin wurden die TO-Stationen überflüssig und allgemein ausgebaut.

Sehr oft wurden bei Langstreckeneinsätzen Sender und Empfänger des FuG 10 mit verschiedenen Bereichen mitgenommen und je nach Erfordernis in den Einbausatz eingehängt und betrieben. Unter Mitarbeit von Telefunken und anderen Firmen entstanden(besonders für Marineeinheiten noch die Ausführungen FuG 10 K3 (6...18 MHz) und FuG 10 K4 (12...24 MHz). Der im FuG 10 enthaltene Langwellenempfänger E 10 L entfiel später (mit Ausnahme der Anlagen in Langstreckenflugzeugen.) Seine Aufgabe wurde vom Empfänger EZ 6 des Peilgerätes Peil G 6 (siehe Absatz Navigationsgeräte) übernommen. Diese Kombination erhielt die Bezeichnung FuG 10 P (Abb.12) (bzw. FuG 10 K1 P Ausf.) . Vielfach wurden auch im letzten Kriegsjahr die Schleppantenne mit dem zugehörigen Anpassgerät und/oder die Langwellengeräte fortgelassen (FuG 10 KK), da der Flugsicherungsverkehr mehr und mehr auf Ultrakurzwelle mit den UKW-Sprechgeräten (siehe weiter unten) durchgeführt wurde.

Die Verteilung der Mithör- und Ausgangsspannungen der Sender, Empfänger und Eigenverständigung (Ei V) des FuG 10 und der Ausgangsspannungen der übrigen Funkgeräte (z.B. Peil G 5 bzw. 6 + FuG l 1 bzw. 2 + FuG 16 bzw. 17, siehe weiter unten) an die einzelnen Anschlussdosen und Zielfluginstrumente erfolgte im Schaltkasten des FuG 10, sodass sich jedes Besatzungsmitglied an seinerAnschlussdose an das gewünschte Gerät anschalten konnte. Die gleichzeitig erfolgende wahlweise Benutzung der verschiedenen Geräte (z.B. FuG 10) durch Funker, Peil G 6 durch Beobachter, FuG 16 durch Flugzeugführer und Ei V durch die Schützen und die Möglichkeit, die gerade nicht auf die Ei V aufgeschalteten Besatzungsmitglieder jederzeit rufen zu können, stellte erhebliche Anforderungen an den Entwurf der zugehörigen Verkabelung, die entsprechend kompliziert wurde. (Abb, 15) Es gelang jedoch meist, die verschiedenen Schalter der einzelnen Anschlußdosen so zu beschriften, daß man stets das Richtige tat, solange man nicht das Denken anfing. Reparaturen hingegen erforderten bei der Unzahl von Möglichkeiten einige Überlegung und genaue Kenntnis des Systems.

 

FuG10 Darstellung

Abb.15 FuG 10 Darstellung der Zusammenschaltung

 

 

FuG10

 

Abb.15a FuG 10 Prüftafel

 

 

Die Entwicklung des als Nachfolgegerät für das FuG 10 K1 ..3 gedachten KW-Bordfunkgerätes FuG 11 wurde vermutlich infolge der immer geringer werdenden Möglichkeiten des Einsatzes von Bombern Ende 1944 abgebrochen. Dieses Gerät überstrich den Frequenzbereich 3..24 MHz. Der Sender und der Empfänger besaßen keine Drehknöpfe, sondern wurden von einem Bediengerät aus fernabgestimmt, wobei 6 Frequenzen rastbar waren. Das Antennenabstimmgerät (für die einzige Antenne = Festantenne) wurde synchron mit dem Sender und dem Empfänger automatisch abgestimmt. Als Betriebsarten waren Telegrafie tonlos und Telefonie (wahlweise amplitudenmoduliert oder frequenzmoduliert) vorgesehen. Der EiV-Verstärker war für den Anschluß von max. 10 Personen ausgelegt.

 

Fw 200

Abb.16 TO (Trans-Ozean) Station, (Kurzwelle, FuG 13) oben Empfänger, unten Sender (Focke Wulf Fw 200)

 

Die vor dem Krieg nur in kleinen Flugzeugen der Lufthansa (W 34 u.s.w.) als einziges Gerät, bei größeren Flugzeugen (Ju 52 u.s.w.) als Zweitgerät eingesetzten 20 W-LW-Kleinstationen wurden als FuG- XX (Lorenz, Frequenzbereich 261...500 kHz) bzw. FuG XXI (Telefunken, 310...370 u.400 ...610 kHz) übernommen, später jedoch meist ausgebaut oder durch Luftwaffengeräte ersetzt.(Abb. 8 und 9) Zum Empfang der auf Langwelle und Kurzwelle abgestrahlten Luftlagemeldungen an Bord von Tag- und Nachtjägern wurde Ende 1944 das LW/KW-Reportageempfangsgerät FuG 29 (Hersteller ?, Frequenzbereich 0,15...6 MHz, 6 Rastfrequenzen) entwickelt. Es ist nicht bekannt, ob das Gerät tatsächlich eingeführt und in Serie gebaut wurde.

 

DHL Lorenz

Abb.17 LW-Sender für DHL-Flugzeuge, als Empfänger diente z.B. das Peil C V

 


1.3 UKW-Sprechgeräte

 

Aus den in der Einleitung (1.1) angegebenen Gründen wurden die nicht für ausgesprochenen Weitfunkverkehr dienenden Nachrichtengeräte als UKW-Geräte ausgeführt.
Ein von Telefunken entwickeltes und ähnlich dem FuG VII aufgebautes UKW-Sprechgerät ging nicht in Serie, dafür kam ab 1939 bei Nahaufklärern (Focke Wulf Fw 189, Henschel Hs 126) das UKW-Sprechgerät FuG 17 (Lorenz, Frequenzbereich 42, 1...47,7 MHz, Sendeleistung 8 W) zum Einbau, das bereits in der neuen Technik (wie FuG 10) aufgebaut war und die Betriebsarten Sprechfunk (A3) und Telegrafie tönend (A2) erlaubte. Zur Verständigung zwischen Funker Schütze (über Fliegerkopfhauben mit Hörern und Kehlkopfmikrofon und Anschlußdosen mit Brechkupplungen) enthielt das Gerät einen besonderen EiV-Verstärker. Der Geräteblock und die Telegrafietaste wurden durch den Heckschützen bedient, eine Fernbedienung entfiel daher bei diesem Gerät. Bei der Focke Wulf Fw 189 war das FuG 17 ausserdem mit einem LW-Peilgerät Peil G IV zusammengeschaltet (siehe Absatz Navigationsgeräte). Die für Sender und Empfänger gemeinsame Stabantenne war zusammen mit ihrem Abstimmgerät aut der Rumpfunterseite angeordnet. (Abb. 10,18 und 19).

 

FuG17

Abb.18 Stabantenne des FuG 17 u.Peilrahmen des Peil G IV, an einer Focke Wulf Fw 189

 

FuG17

Abb.19 Sender-Empfänger des UKW-Sprechgeräts FuG 17

 

 

Bei den mit dem FuG 10 ausgerüsteten größeren Flugzeugen wurden in den Jahren 1942/43 die für den Telefonieverkehr (auf Kurzwelle) benötigten Teile ausgebaut und dafür das äusserlich dem FuG 17 gleichende UKW-Sprechgerät FuG 16 (Lorenz, Frequenzbereich 38,5. 42,3 MHz, Sendeleistung 8 W) eingebaut. Da es direkt mit dem FuG 10 verbunden war, hatte es nur die Betriebsart Telefonie und enthielt auch keinen eigenen EiV-Verstärker. Die Antenne mit dem Abstimmgerät war meist auf der Rumpfoberseite angeordnet d.h. als schräger Draht zum Leitwerk oder zum Antennenmast des FuG 10 gespannt,es gab jedoch auch sog. Schleifenantennen (Abb, 20..22).

 

FuG16
FuG16
Abb.20 Schleifen d. Leitwerks einer Dornier Do 17 für FuG 16
Abb.21 Sender-Empfänger des UKW-Sprechgerätes FuG 16

 

FuG16ZY_Me262

Abb.22 Antennen des FuG 16 ZY an einer Messerschmitt Me 262

 

Von den beiden Geräten FuG 16 und 17 entstanden im Laufe der Zeit insgesamt etwa 12 verschiedene Versionen, welche in Jägern das FuG VII ersetzten bzw. in den größeren Flugzeugen das FuG 10 ergänzten und ausser für Sprechfunk noch für weitere Betriebsarten eingerichtet waren (siehe Anhang). So war ein Teil der Geräte mit einem kleinen Peilrahmen, einem Vorsatzgerät und einem Anzeigeinstrument versehen. Diese Geräte erlaubten so den Zielflug auf einen moduliert (Sprache/Ton) oder unmoduliert strahlenden Sender, der am Boden (Flugplatz oder Navigationspunkt) oder an Bord eines Schiffes aufgestellt war. Es gab auch abwerfbare Funkbojen für Markierungszwecke (siehe Kapitel "Funkführungsgeräte"). Auch der Zielflug von einem Flugzeug zum anderen (welches während dieser Zeit seinen Sender einschaltete) war möglich (Sammeln von Flugzeugverbänden).

 

FuG15

Abb.23 Fernbedienter Sender-Empfänger des UKW-Sprechgerätes "Christa" FuG 15

 

Bei einer Geräteversion war dafür eigens eine Betriebsart "Sendung Dauerstrich unmoduliert" = Ao vorgesehen. Für Zwecke der Jägerführung im "Peilrufverfahren" wurden Geräte nach englischem Vorbild durch einen Peilzeichengeber und eine Schaltuhr erweitert. Die damit ausgerüsteten Flugzeuge strahlten alle 2 Minuten tonmodulierte Peilzeichen ab. Diese wurden am Boden mittels dreier UKW-Adcock-Peiler eingepeilt und damit der Standort der Flugzeuge ermittelt.Während der Peilzeichengabe war der Sprechfunk unterbrochen. Das geschilderte Verfahren wurde bald durch das "Y-Verfahren" ersetzt, bei dem vom Boden aus die Entfernung zu jedem Flugzeug gemessen wurde. In diesem Falle waren die Sende- und die Empfangsfrequenz verschieden. Der von der Bodenstelle ausgesandte E-Meßton wurde im Flugzeug über die Stabantenne auf der Unterseite des Rumpfes aufgenommen, zur Modulation des eigenen Senders benützt und gleichzeitig mit dem Empfang auf einer 1,9 MHz tieferen Frequenz über die Drahtantennen (an der Rumpfoberseite) wieder abgestrahlt (Funktion als Relaissender) Auf diesen beiden Frequenzen konnte, unabhängig von der E-Messung, gleichzeitig auch Sprechverkehr durchgeführt werden, da die E-Meßtöne ausgefiltert wurden. Mit einer elektrischen Fernbedienung FB 16 mit FA 16 konnte der Flugzeugführer jede der 4 voreingestellten Frequenzen (bzw. Frequenzpaare) wählen: z.B. I - "Y-Führungsfrequenz", II = "Gruppenbefehlsfrequenz", III = "Nah-Flugsicherung frequenz" und IV = "Reichsjägerfrequenz". (Weiteres über die Betriebsarten Zielflug und Entfernungsmessung ist in den Kapiteln "Navigationsgeräte" bzw. "Funkführungsgeräte" enthalten). ( Abb. 22, 24 u. 25 )

 

FuG 16ZY
Moeve
Abb.24 UKW-Sprech & Zielfluggerät FuG 16 ZY m. 2 Rasten-Fernantrieb
Abb.25 UKW-Sprech & Zielfluggerät FuG 17 Z (Vorserie "Möve")

 

Die im Flugzeug beschränkten Platzverhältnisse und das Nebeneinander der Frequenzbereiche des FuG 16 (für Jäger, Kampflugzeuge) und des FuG 17 (für Nahaufklärer, Fernkampfflugzeuge etc.) führte (über kurzlebige Zwischenlösungen FuG 16/17 usw.) zu der Forderung nach vollkommen fernbedienbaren Geräten, welche den Gesamtbereich 38 ...48 MHz erfassen sollten. Die Serienreife des daraufhin entwickelten UKW-Sprechgerätes "Christa" FuG 15 (Lorenz 37,8 - 47,8 MHz, 100 Frequenzpaare fernwählbar, wahlweiser Betrieb mit Amplituden- oder Frequenzmodulation) verzögerte sich aber, da zusätzlich zu den Betriebsarten (A3 bzw.F3) und Zielflug auch Entfernungsmessung für Y-Verfahren möglich sein sollte (= FuG 15 Y),das damals gerade eingeführt wurde.

Im Juni 1944 sollten dann 40 handbediente Geräte (ohne Frequenzfernwahl) fertig werden, weitere 100 fernbediente Geräte (Abb.23) waren bestellt Etwa gleichzeitig lief auch mit längeren Terminen die Entwicklung des als Endlösung betrachteten UKW-Sprechgerätes FuG 18 (Lorenz, Frequenzbereich 24 ...75 MHz, 500 Frequenzkanäle) an. Zusätzlich zu den Betriebsarten des FuG 15 Y waren noch Zielflug auf Landefunkfeuer und Empfang der sprechenden Drehfunkfeuer "Hermine" gefordert.

Da sich die Auslieferung des FuG 15 auch nach Fallenlasseneder Forderung nach "Y-Fähigkeit" (= E-Messung) nur zu schleppender Auslieferung geringer Stückzahlen führte und die Entwicklungszeit für das FuG 18 noch nicht abzusehen war, wurde als "Sofort-Lösung" das einfache UKW-Sprechgerät FuG 24 Z (Hersteller ?), Frequenzbereich 33,3 .. 46 MHz, nach anderen Quellen 30 ..50 MHz) entwickelt. Es war mit Stahlröhren ausgerüstet und erlaubte die Betriebsarten Sprechverkehr, Zielflug, Anflug von Landefunkfeuern und Empfang der Drehfunkfeuer "Hermine". Der Gerätesatz bestand aus einem handbedienten Empfänger, einem fernbedienten Sender (eine Frequenz einstellbar, eine zweite durch Hinzuschalten einer Kapazität fernschaltbar), einem Zielflugvorsatzgerät des FuG 15 mit Luftpeilrahmen, einer Festantenne mit Anpaßgerät, einem Umformer und Anschlußdosen etc. Das FuG 24 Z (bzw. FuG 24 SE ?) sollte in dem Volksjäger Heinkel He 162 (später auch in anderen Strahl-Flugzeugen) eingebaut werden. Wieviele Geräte noch zum Einsatz kamen, ist nicht bekannt!

 

 

II. Bordfunknachrichtengeräte

 

2.1. Arbeitsverfahren und Gerätearten

Als Bordfunknavigationsgeräte seien hier nur Geräte für die Eigenortung verstanden, d.h. Geräte, welche die Feststellung von "Standlinien" (z.B. Kurs, Richtung, Linie konstanten Abstandes zu bestimmten Punkten) und damit aus mehreren solchen Messungen die Bestimmung des Standortes auf einer Karte erlaubten. Die Bordgeräte, die hauptsächlich zur Feststellung der Richtung und- oder der Entfernung zu anderen Flugzeugen oder zu Schiffen verwendet wurden, werden im Kapitel "Zielsuchgeräte" behandelt.

Bordgeräte oder- Geräte-Kombinationen, die zur Ortung des Flugzeuges vom Boden aus = "Fremdortung" oder zu einer Kombination von Eigenortung und Fremdortung - Mischortung angewendet wurden, sind im Kapitel "Führungs- und Lenkgeräte" zu finden.

 

Für die Funkeigenortung wurden von den vielen Möglichkeiten hauptsächlich folgende Verfahren angewendet:

 

 
1.
Richtungsmessung durch Richtempfang der Rundstrahlung

beliebiger Sender (z.B. Rundfunksender)

 
 
2.
Richtungsmessung durch Rundempfang der Richtstrahlung
besonderer Navigationssender (z.B. Rieht- und Drehfunkfeuer)
 
 
3.
Differenz-Entfernungsmessung

durch Rundempfang der Rundstrahlungen von Navigationssendernetzen (Hyperbel-Sendernetzen)

 
 
4.
Entfernungsmessung

mit Rundstrahlung und Rundempfanvon indirekter Reflexion - Rückstrahlung von Relaissendern (Impulswiederholern)

 
 
5.
Entfernungsmessung

mit Richtstrahlung und Richtempfang von direkter Reflexion (durch den Erdboden) oder indirekter Reflexion (durch Impulswiederholer)


Für die ersten drei Verfahren wurden an Bord passive Geräte = Empfänger, für die beiden letzten Verfahren jedoch aktive Geräte = Sender und Empfänger benötigt. In fast allen Fällen waren die Empfänger durch spezielle Meßeinrichtungen und Anzeigegeräte (Instrument, Peilzeiger, Braunsche Röhre etc.) ergänzt. Für die Auswertung der gemessenen Werte waren für viele Verfahren besondere Spezialkarten angefertigt worden. Die Flughöhe konnte bei den meisten Verfahren für die Standortfindung (nicht jedoch in Bezug auf die Reichweite) vernachlässigt werden.

Bei den Bodenanlagen für Richtstrahlung wurden (im Vergleich zur Wellenlänge) kleine und mittlere Abstände der Antennen verwendet ("Kleinbasis"- und "Mittelbasis"-Anlagen", in der Literatur wird vielfach nur zwischen "Klein-" und "Groß-Basis" unterschieden). Für die Verfahren mit Differenz-Entfernungsmessung wurden extrem große Antennenbasen benötigt, die in ihrer Länge schon mit der Reichweite des Systems vergleichbar waren (ausgesprochene "Großbasis-Anlagen").

Für die Verfahren mit Differenz-Entfernungsmessung wurden extrem große Antennenbasen benötigt, die in ihrer Länge schon mit der Reichweite des Systems vergleichbar waren (ausgesprochene "Großbasis-Anlagen"). Entsprechend der gewünschten Reichweite wurden verschiedene Frequenzbereiche benützt, d.h. für große Entfernungen Lang- und Kurzwellen, für mittlere und kleine Entfernungen Ultrakurz- und Dezimeterwellen. Neben den schon im vorigen Kapitel besprochenen Eigenschaften der Frequenzbereiche (z.B. Reichweite bei UKW abhängig von der Flughöhe) mußten für Navigationszwecke (besonders bei den Kurzwellen) auch die Einflüsse der Ionosphäre berücksichtigt werden.

Die Mehrzahl der deutschen Navigationsverfahren waren sogenannte "Dauerstrichverfahren", d.h. sie arbeiteten mit ungedämpften Wellen, welche in ihrer Amplitude oder Frequenz moduliert waren. Sie boten die Vorteile einer geringeren Bandbreite (d.h. es konnten mehr Sender im gleichen Frequenzbereich arbeiten), einer sinnfälligeren Zeigeranzeige und der leichteren Aufschaltbarkeit auf die Kurssteuerung als die besonders auf der Gegnerseite verbreiteten "Impulsverfahren", welche periodische kurze HF-Abstrahlungen von jeweils wenigen Mikrosekunden Dauer verwendeten (s.a. Kapitel "Zielsuchgeräte").

Obwohl auch in Deutschland schon vor dem Kriege Impulsverfahren in Bearbeitung waren, konnte man sich jedoch bis etwa 1942 nicht dazu entschließen, an Bord von Flugzeugen besondere Breitbandempfänger für Impulsempfang zuzulassen, da man bei den Dauerstrichverfahren meist mit Zusätzen zum normalen Bordgerät auskam und Impulssender ausreichender Leistung noch nicht zur Verfügung standen. Erst nachdem die von den Engländern im Großeinsatz gebrauchten Impulsverfahren ihre Vorteile (wesentlich höhere Störfestigkeit, geringere Bindung an bestimmte Wellenlängen) erwiesen hatten, erlaubte man bei uns eine Weiterführung der Entwicklung von Impulsverfahren. Die darauf entstandenen Geräte wurden jedoch meist bis Kriegsende nicht mehr fertig.


Folgende Gerätearten waren im Einsatz bzw. in Bearbeitung:

 

 
1.
Richtempfangsgerät

Gerät mit Richtantenne; es gestattet die Feststellung der Einfallsrichtung einer elektrischen Welle und gibt damit die Richtung oder den Kurs zu einem beliebigen Sender mit Rundstrahlung an.

 
 
2.
Peilgerät
Gerät mit drehbarem Peilrahmen zur Ermittlung der Richtung (Peilung) zu einem beliebigen Bodensender. Kein richtiger Zielflug auf einen Sender möglich, sondern nur Kursverbesserungen anhand laufender Peilungen. Anzeige: Kopfhörer und Peiltochterkompaß.
 
 
3.
Zielfluggerät

Gerät mit fest eingebautem Peilrahmen zur Ermittlung des Kurses (von allen Seiten her) zu einem Boden-oder Bordsender = Zielflug. Anzeige: Zielfluginstrument.

 
 
4.
Kombiniertes Peil- und Zielfluggerät

Gerät mit drehbarem Peilrahmen, Kombination aus 1) und 2) für Peilung (gegf. automatisch) und Zielflug. Teilweise auf Kurssteuerung aufschaltbar. Anzeige: Kopfhörer und Zielfluginstrument und Peiltochterkompaß.

 

In diesem Kapitel werden nur die mit ungedämpften Wellen arbeitenden Richtempfangsgeräte beschrieben. Die entsprechenden Bordanlagen zum Zielflug auf Impulssender verwendeten zur Anzeige Braunsche Röhren und wurden normalerweise nicht für Navigation, sondern zum Zielsuchen benutzt und werden daher im Kapitel "passive Zielsuchgeräte 3.3" weiter unten behandelt.

 

Navigations-Empfangs-Gerät

- Gerät mit Rundstrahlantenne; es gestattet die Feststellung der Richtung zu einem Sender mit besonderer Richtstrahlung (Fächerfunkfeuer oder Drehfunkfeuer) oder den Zielflug auf einer durch einen Leitstrahlsender führenden Standlinie (Leitstrahl).

1
Funklandegerät
Kombination von 1 Empfänger für Zielflug auf dem Leitstrahl von Landefunkfeuersendern (gegf. aufschaltbar auf Kurssteuerung) mit 1 Empfänger für Aufnahme der Einflugzeichensender (= Abstandsangabe zum Aufsetzpunkt). Anzeige: Kopfhörer und Zielfluginstrument.
1
Funkfeuer-Empfangsgerät
Empfänger zur Anzeige der von Fächer- und Drehfunkfeuern abgestrahlten Standlinienangaben und zum Zielflug auf Lichtstrahlen von Landefunkfeuern oder Leitstrahlsendern. Anzeige: Kopfhörer oder Kopfhörer und Zielfluginstrument oder Peilschreiber, Peilzeiger u.s.w.

 

Es wurden nur Dauerstrichverfahren angewendet. Die Bodensender waren entweder als Kleinbasisanlagen ausgeführt, oder verwendeten Antennenbasen von der Größenordnung einiger Wellenlängen. Im ersten Falle ergaben sich als Standlinien Geraden, im zweiten Falle Hyperbeln. Bei den mit Richtsendung arbeitenden Verfahren waren die bei Richtantennen störenden Umgebungseinflüsse also am Boden und nicht an Bord zu berücksichtigen (bei Bordpeilgeräten stört z.B. der von der Kreisform abweichende Flugzeugumriß). Dafür aber konnten nicht mehr beliebige Sender, sondern nur besondere eingerichtete Navigationssender zur Ortung verwendet werden.

Hyperbelnavigationsgeräte

= Empfangsgeräte zur Messung der Enternungsdifferenz zwischen 3 oder mehr Stellen eines Bodensendernetzes. Die Linien konstanter Entfernungsdifferenz um die Sender sind Hyperbeln (Hyperbel-Standlinien).

Sowohl der Bordempfänger (passiv) als auch die Bodensender arbeiten mit Rundempfang bzw. Rundstrahlung, wobei die Antennen der Bodensender jedoch Großbasissysteme bilden. Es wurde das Impulsverfahren angewendet. Für Hyperbelsendernetze, welche mit Dauerstrichverfahren, d.h. mit stehenden Interferenzhyperbeln arbeiteten, wurde nur ein Vorversuch durchgeführt; bei einer Navigation mit einem derartigen Verfahren hätte die Ortung nicht zu einem beliebigen Zeitpunkt aufgenommen werden dürfen, sondern hätte vom Start (bekannter Standort) an ohne weitere Unterbrechung erfolgen müssen.

Entfernungsmeß-Navigationsgeräte

= Sende-Empfangsgerät zur Messung der Entfernung zu bestimmten Sende-Empfangs-geräten (Impulswiederholer) am Boden. Die Linien konstanter Entfernung sind dabei Kreise (Kreisstandlinien).

Sowohl das aktive Bordgerät als auch die Bodenanlagen arbeiteten mit Rundstrahlung (Kleinbasis); für Eigenortung wurde nur das Impulsverfahren angewendet. Die mit Funkmeßgeräten (Anzeigeteil) zusammengeschalteten Abfrage- und Kenngeräte entsprechen zwar vorstehender Definition, wurden jedoch zu Führungszwecken verwendet und werden daher im Kapitel "Funkführungsgeräte" besprochen.

Navigations-Funkmeß-Geräte

= Sender-Empfänger für kombinierte Verfahren: Richtsendung mit Richtempfang und mit Entfernungsmessung der direkten oder indirekten Rückstrahlung.

Die zu dieser Klasse zählenden Rundsuchfunkmeßgeräte mit Darstellung des überflogenen Gebietes als sog. "Elektronenkarte" wurden hauptsächlich als Schiffssuchgeräte verwendet; die Verwendung von reinen Schiffssuch- oder Nachtjagdgeräten in Zusammenarbeit mit Impulswiederholern am Boden zu Navigationszwecken war sehr selten im Vergleich zu der Hauptanwendung des Zielsuchens. Der einfacheren Darstellung halber werden daher diese Geräte ebenso wie die ebenfalls zu dieser Gruppe zählenden Funkhöhenmesser im Kapitel unten folgend "Zielsuchgeräte" (Funkmeßgeräte 3.5) behandelt.

 

Peilrahmen

Abb.26 LW/MW-Peilrahmen verschiedener Ausführungen

 

 

2.2 Bordpeil- und Zielfluggeräte

Die älteste Form der Funknavigationsgeräte waren die Bord-Peilempfänger, welche keine FuG—Nummern erhielten, sondern mit "Peil G" bezeichnet wurden. Die zusammen mit dem FuG I und FuG II (teilweise auch mit dem FuG III) eingebauten Muster waren die LW-Peilgeräte Peil G I und Peil G II (Telefunken, Frequenzbereich 175...75o kHz). Beide Geräte bestanden aus einem drehbaren Luftpeilrahmen mit Hilfsantenne, einem Geradeaus-Empfänger und einem Batteriekasten. Sie unterschieden sich nur dadurch, daß der Rahmen beim Peil G I direkt von Hand, beim Peil G II jedoch über einen Seilzug angetrieben wurde. Es waren nur reine Minimumspeilungen mit Seitenbestimmung möglich. Beim Zielflug mußte rein nach Gehör unter steter Bedienung des Rahmens geflogen werden.(Abb. 27)

 

Peil_GI

Abb.27 LW-Peilgerät Peil G I, ähnlich Peil G II, (Rahmen mit Seilzugantrieb!)

 

Das für Fernaufklärer Heinkel He 70 vorgesehene LW-Zielfluggerät Peil G III (Lorenz, Frequenzbereich 14o...42o kHz) besaß einen fest eingebauten Peilrahmen und ebenfalls noch einen Geradeaus-Empfänger, erlaubte den Zielflug nach einem Instrument mit Anzeige der Ablage links/ rechts (jedoch keine Peilung!) Es arbeitete wie die nachfolgend beschriebenen UKW-Zielfluggeräte nach dem "Dieckmann-Hell-Verfahren". Das Gerät wurde zusammen mit dem FuG VIII eingebaut und wurde von dessen Empfängerumformer mitversorgt.(Abb. 26 und 28)

 

Peil GIII

Abb.28 LW-Zielfluggerät Peil GIII

 

In Nahaufklärern der Type Focke Wulf Fw 189 war zusammen mit dem Funksprechgerät Fu G 17 das LW-Zielfluggerät Peil G IV (Frequenzbereich 25o...4oo kHz) eingebaut. Es war fernbedienbar für 2 voreingestellte Frequenzen und umschaltbar Rundempfang/Zielflug. Der Eisenpeilrahmen (welcher wesentlich kleinere Abmessungen wie ein entsprechender Luftpeilrahmen aufwies,) war unter dem Rumpf fest eingebaut. (Abb. 18,26 und 32). Auf die tropfenförmige Plexiglasverkleidung war fächerförmig die Hilfsantenne aufgespritzt. Zum Zielflug wurde die Hilfsantennen-Spannung am Empfängereingang durch einen Motorschalter gegenüber der Rahmenspannung umgepolt. Bei genauem Zielkurs ergaben sich so am Empfängereingang bei beiden Stellungen des Motorschalters 2 gleichgroße HF-Spannungen, bei Kursabweichungen war die eine bzw. andere Spannung größer. Diese Spannungen wurden im Empfänger verstärkt und mit der Ausgangsspannung des Telegrafie-Überlagerers gemischt, sodaß sich nach der Demodulation am Empfängerausgang gleichgroße oder verschiedengroße NF-Spannungen ergaben.

Diese wurden nochmals gleichgerichtet, über weitere Kontakte des Motorschalters geleitet und an den Kurszeiger des Zielfluginstruments (AFN 1 bzw. AFN 2) geführt. Auf den senkrechten Zeiger des Instruments wirkten daher genau wie bei den weiter unten beschriebenen UKW-Zielflugverfahren entgegengesetzte Stromstöße, die bei Kursabweichungen verschieden groß waren und den Zeiger dauernd einen entsprechenden Betrag auslenkten. Bei Sollkurs hoben sich die Stromstöße auf, so daß der Zeiger in Mittelstellung stand. (Abb. 34,35 und 40)

In allen größeren Flugzeugen war seit 1938 das LW/MW-Peil- und Zielfluggerät Peil G V (Telefunken, Frequenzbereich l65...1000 kHz) eingebaut, das die Betriebsarten: Rundempfang/Peilung/Zielflug nach Sichtanzeige / Zielflug nach Gehör ermöglichte. Für eine akustische Anzeige wurde die Hilfsantenne über 2 Nockenscheiben im Rhythmus der Morsebuchstaben A = (.-) und N = (-.) in der Minute 72-mal umgepolt. In dem am Empfängerausgang angeschlossenen Kopfhörer ergänzten sich die Morsebuchstaben bei Sollkurs zu einem Dauerstrich, jedoch schon bei Kursabweichungen ab etwa 1,5° überwog deutlich wahrnehmbar der Buchstabe N (links) oder A (rechts). Als Peilrahmen wurde anfangs noch ein Luftpeilrahmen verwendet, der später durch einen in einer Wanne eingebauten Eisenpeilrahmen ersetzt wurde. Der Hilfsantennenstab war in den aus Isoliermasse bestehenden Mast für die Festantenne des FuG 10 eingebaut (und diente über eine Weiche auch als Antenne für den Bakenempfänger des Funklandegerätes FuBl 1 bzw. 2). In der Betriebsart Peilen konnte durch Drehen des Rahmens (im Zusammenwirken mit der Hilfsantenne) eine eindeutige Minimumspeilung vorgenommen werden. Es ergab sich so eine "Standlinie", deren Kreuzungspunkt mit einer weiteren Standlinie (ermittelt mit einem anderen Sender) den Standort ergab. Zum Ausgleich der durch die Form des Flugzeugs verursachten Peilfehler diente eine Kurvenscheibe, welche nach den bei der "Funkbeschickung" des Flugzeugs am Boden ermittelten Werten angefertigt wurde und die Anzeige in der Peiltochter entsprechend vor- oder nacheilen ließ. Der Zielflug erfolgte wie beim Peil G IV. Als Zielfluginstrument diente ebenfalls das AFN 1 bzw. AFN 2.

Für Sonderfälle gab es eine elektrische Fernbedienung für den Peilempfänger, da die biegsamen Wellen zu vielen Ausfällen führten. Ab 1941 wurde das Peil G V durch den Automatischen Peilzusatz APZ 5 ergänzt, bei dem der Peilrahmen elektrisch angetrieben wurde und die Peilanzeige an einem Peiltochterkompaß erfolgte. Es konnten alle Sender vollautomatisch gepeilt werden, deren Träger nicht getastet wurden. Eine Aufschaltung auf die Kurssteuerung war möglich. (Abb. 29-31)

 

FBGI
FBG5
PeilGV
Abb.29 FBG I, LW/MW Peil und Zeilgerät
Abb.30 FBG 5, LW/MW Peil und Zeilgerät
Abb.31 Peil G V, LW/MW Peil und Zeilgerät

 

Etwa ab 1942 wurde bei dem Großteil der Flugzeugfertigung das Peil G V durch das LW/MW-Peil- und Zielfluggerät Peil G 6 (Telefunken, Frequenzbereich 150...1200 kHz) ersetzt, dessen Empfänger EZ 6 wesentlich kleiner war als der Vorläufer, so daß er direkt neben den Geräten des FuG 10 angeordnet und handbedient werden konnte. Die Betriebsarten waren wie bei dem Peil G V, lediglich die A/N-Tastung für Zielflug nach Gehör entfiel. Nach anfänglichen Schwächen (mechan. Beschädigung des Quarzfilters) zeigte das Gerät dann doch die nötige Betriebssicherheit, daß meistens (mit Ausnahme von ausgesprochenen Langstreckenflugzeugen) der Langwellenempfänger des FuG 10 weggelassen werden konnte, da dessen Bereich (300...600 kHz) mit vom EZ 6 erfaßt wurde. Diese Kombination hieß dann FuG 10 P (Abb. 12/13) (bzw. FuG 10 K 1 P usw.). Die erreichbare Genauigkeit der bisher genannten Geräte betrug für die Peilung (quer zur Flugrichtung) etwa +5° für den Zielflug etwa + 2°.

 

PeilGVI
PeilG6
Abb.32 LW-Zielfluggerät Peil G IV (elektr. fernbedient mit FBG 4)
Abb.33 LW/MW-Peil und Zielfluggerät, Peil G6 mit autom. Peilzusatz PPA 2

 

Für das Peil G 6 waren zwei verschiedene automatische Peilzusätze eingeführt, das APZ 6 (Friesecke & Hopfner) und PPA 2 (Patin). Beim APZ 6 (u.a. beim vorher erwähnten APZ 5) wurden die sonst für das Zielfluginstrument bestimmten schwachen (positiven oder negativen) Gleichströme zu einem "Gleichstromverstärker" (bestehend aus einem Zerhacker mit Wiedergleichrichtung und zwischengeschalteten Wechselspannungsverstärker) geleitet, welcher seinerseits das Feld eines Leonard-Umformers steuerte. Die Ausgangsspannung dieses Umformers (U 11a), deren Polarität und Größe jeweils von der Stellung des Peilrahmens zum Sender abhing, diente als Speisespannung für den Antriebsmotor des Peilrahmens, welcher so selbsttätig ins Minimum gedreht wurde. Beim PPA 2 erfolgte die "Verstärkung" der Gleichströme durch Hintereinanderschaltung teilweise sehr empfindlicher Relais, wobei die Kontakte des letzten Relais die ganze Bordnetzspannung bzw. einen Teil davon mit entsprechender Polarität an den Rahmenmotor legten. Auch diese beiden Geräte konnten jeweils in einem Teil der Flugzeuge auf die Kurssteuerung aufgeschaltet werden. Da die Empfangsfeldstärke für Automatpeilung jedoch wesentlich größer als bei Minimumpeilung nach Gehör sein mußte, konnten die Automatpeilzusätze gerade bei Langstreckeneinsätzen nur teilweise ausgenutzt werden, wo sie doch theoretisch am meisten eingesetzt werden sollten.(Abb. 33)

 

PeilGIV
PeilG6
Abb. 32a Peil G IV, Empfänger EZ 4 (ohne Haube) und Aufhängerrahmen
Abb.33a Peil G 6, Empfänger EZ 6 und Verstärker V6 des APZ 6

 

 

 

Während der letzten Kriegsjahre war noch ein KW-Ziel-flugvorsatz "Engel" ZVG 10 (Opta, Bereich 6...12 MHz) für den KW-Empfänger des FuG 10 K 2 in Entwicklung, der mit einem Doppelpeilrahmen und Draht-Hilfsantenne ausgerüstet den Zielflug auf weit entfernte Kurzwellensender (z.B. Agentensender) ermöglichen sollte. Es war eine Anzeige am Zielfluginstrument und zusätzlich dazu eine Braunsche Röhre vorgesehen, um Fehldeutungen der Seitenanzeige bei starkem Empfangsschwund vorzubeugen.

 

PeilG6
FuG10K2p
Abb.33b Eisenpeilrahmen des Peil G 6, in Wanne mit aufgespritzter Hilfsantenne
Abb.33c Einbau FuG 10 K 2P, (m. Peil G 6, u. APZ 6) + FuG 17 Z, in einer Heinkel He 177

 

 

Von den UKW-Funksprechgeräten waren die Geräte FuG 16 Z und FuG 16 ZY (nicht jedoch FuG 16 ZE) und FuG 17 Z (um die wichtigsten zu nennen) mit festen Peilrahmen und Zielflugvorsätzen ausgerüstet, die den Zielflug auf Bodenstationen, andere Bordstationen oder abgeworfene Funkbojen (z.B. "Schwan" FuG 302) ermöglichten, die für diese Zeit einen unmodulierten Dauer-strich-Träger abstrahlen mußten. Die erzielten Reichweiten waren je nach Flughöhe bis zu 1oo km bzw. gleich der optischen Sicht. Für Seenotflugzeuge gab es ein UKW-Zielfluggerät FuG 141 (Löwe-Opta, Empfangsbereich 58...59,2 MHz) zum Zielflug auf das bei einmotorigen Jägern eingesetzte Seenotsendegerät NS 4 (0,3 W Leistung), wobei sich bei 1000 m Flughöhe Reichweiten bis 60 km ergaben.(Abb. 22,24,25,199)

 

34
34b
Abb.34a Antennendiagramm von Rahmen, Hilfsantenne und Rahmen & Hilfsantenne
Abb.34b Empfängereingansspannungen bei Umpolung der Hilfsantenne beim Zielflug

 


Diese Geräte arbeiteten beim Zielflug nach folgendem Prinzip: Die Rahmeneingangsspannung wurde abwechselnd in 2 Röhren, die gleichzeitig als Niederfrequenzoszillator in Gegenschaltung arbeiteten, im Takte der Niederfrequenz jeweils um 180° in der Phase gedreht und dann gleichzeitig mit der durch den Antenneneffekt des Peilrahmens gewonnenem "Hilfsantennenspannung" auf den Empfängereingang gegeben. (Diese Schaltung wirkte also ohne rotierende Teile wie ein Motorschalter, der die Rahmenspannung bzw. die Hilfsantennenspannung umpolt.) Die so entstandene Hochfrequenzspannung war je nach der Abweichung vom Zielkurs mehr oder weniger stark mit der Umpolfrequenz moduliert. Nach Verstärkung und Gleichrichtung im Empfänger wurde diese erhaltene Modulationsfrequenz zusammen mit der direkt von dem Niederfrequenzoszillator abgegebenen Frequenz in einer Phasenbrücke verglichen.

 

Peil P4

Abb.35 Zielflugschaltung bei Peil G4, 5 und 6

 

 

Bei Drehung des Flugzeuges aus dem Kurs änderte sich die Rahmenspannung und damit auch entsprechend die Phase der im Gerät erzeugten Modulation. Durch die Gleichrichter der Phasenbrücke wurden die beiden NF-Spannungen in einen Gleichstrom umgewandelt, der je nach der Phasenlage = je nach der Kursabweichung links oder rechts sein Vorzeichen änderte. Dieser Gleichstrom wurde auf den Kurszeiger eines Kreuzzeigerinstrumentes gegeben, der entsprechend der Kursabweichung nach links oder rechts aus seiner Ruhelage abgelenkt wurde. Der horizontale Zeiger des Instrumentes zeigte die vorhandene Feldstärke und dadurch grob die Entfernung des zum Zielflug verwendeten Senders an. Die genannten Zielfluggeräte benutzten als Anzeigegerät ebenfalls das Zielfluginstrument AFN 1 bzw. AFN 2, das bei grösseren Flugzeugen durch den Schaltkasten des FuG 10 auch an das Peilgerät oder das Funklandegerät geschaltet werden konnte. Die erreichbare Genauigkeit beim Zielflug betrug etwa +2°. Eine etwaige Ton- oder Sprachmodulation des angeflogenen Senders konnte abgehört werden, die Reichweite war jedoch kleiner wie beim normalen Sprechbetrieb (Rundempfang). (Abb. 36)

 

Peil G4

Abb.36 Zielflugschaltung bei Peil G3, und FuG 15...18 Z (Y)

 

 

2.3 Funklandegeräte und Blindlandegeräte

 

Die Funklandegeräte wiesen dem Flugzeugführer einen einzigen eindeutigen und hindernisfreien Weg = Leitstrahl zu dem am Ende der Landebahn stehenden Ansteuerungs-Funkfeuer (AFF). Auf diesem Weg lag 3 km von der Rollfeldgrenze das Voreinflugzeichen (Vor-EFZ) und in 3oo m Abstand das Haupteinflugzeichen (Haupt-EFZ). Das von der Firma Lorenz entwickelte Funklandegerät FuBl 1 (fälschlicherweise teilweise auch als Blindlandegerät bezeichnet) bestand daher aus 2 Empfängern, dem EB1 1 zum wahlweisen Empfang zweier AFF im Bereich 3o,o...33,3 MHz und dem EB1 2 zum Empfang der beiden EFZ auf 38,o MHz.

Als Ansteuerungsfunkfeuer diente ein mit einem Dauerton (1150 Hz) modulierter Sender mit vertikalem Sendedipol. Links und rechts von letzterem befand sich jeweils in 1/4 Wellenlänge Abstand ein weiteres in der Mitte unterbrochenes Reflektordipol. Durch Relais wurde abwechselnd der eine Reflektor im Rhythmus der Morsebuchstaben E (= Punkt), der andere komplementär dazu entsprechend dem Morsebuchstaben T (- Strich) geschlossen.

 

37
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Abb.37 Dipol für Funklandegerät Fu Bl 2 - (davor Antennenschacht FuG 10)
Abb.38 Rumpf-Anregungsschleife für Fu Bl 2

 

Dadurch ergaben sich nacheinander zwei Antennendiagramme, welche sich in einem schmalen Bereich überlappten. In diesem Bereich war die Feldstärke bei Punkt- und Strichtastung gleich, so daß sich ein Dauerstrich ergab = Leitstrahl. Der Flugzeugführer hörte also bei Flug auf dem Leitstrahl (Breite etwa -3°) einen Dauerton, bei Abweichungen nach links immer deutlicher die Punkt-Tastung, bei Abweichungen nach rechts die Strichtastung. Gleichzeitig erfolgte die Anzeige der Kursabweichung optisch auf dem bereits mehrfach erwähnten Zielfluginstrument AFN 1 Ln 27000 (bzw. AFN 2 Ln 27002) durch einen entsprechenden Zeigerausschlag. Ein weiterer Zeiger diente zur groben Angabe der Entfernung. Bei Überflug des Vor-EFZ wurde zusätzlich dazu ein langsam getasteter tiefer Ton hörbar, wobei auch eine Glimmlampe im Anzeigegerät aufleuchtete, das Haupt-EFZ wurde als schnell getasteter hoher Ton und abermaliges Aufleuchten der Glimmlampe kenntlich gemacht.

 

39

Abb.39 Empfänger des Funklandegerätes Fu Bl 1 - (E Bl 1 + E Bl 2)

 

Eine gewisse Bodensicht war beim Landeanflug immer noch erforderlich, da ja zur Korrektur der Flughöhe die Angaben der EFZ alleine nicht genügten. Ab 1941 wurde der AFF-Empfänger EB1 1 durch einen von Hand oder mit elektrischer Fernbedienung im Bereich 3o,o...33,3 MHz durchstimmbaren Überlagerungsempfänger EB1 3 H oder F bzw. G ersetzt, wodurch das Funklandegerät FuBl 2 (Lorenz) entstand, mit welchem bei entsprechender Flughöhe Reichweiten bis zu 25o km möglich waren (normal 7o km bei 2oo m Höhe gegenüber 3o km bei FuBl 1).

 

Abb. 40 = SKIZZE AFN 2 !!!!!!!

 

 

41
42
Abb.41 Funklandegerät Fu Bl 2 (mit handbedientem Empfänger EBL 3 H)
Abb.42 Fernbediengerät FBG 2 mit Fernbedien. Empf. EBl 3 F

 

 

Die Zielfluganzeige war bei E/T-Tastung sehr einfach:

Nach der Gleichrichtung der empfangenen Punkt- oder Strichsignale ergaben sich im Empfänger Gleichstromzeichen von 1/8 Sekunde Dauer (Punkt) mit nachfolgender Pause von 7/8 Sekunden (= entspr. der Strichlänge) oder umgekehrt. Nach weiterer Differenzierung (durch einen Kondensator) ergab sich darauf stets beim Einsetzen eines Signales ein kurzer positiver, beim Aufhören ein kurzer negativer Stromstoß (Impuls). Am Empfängerausgang erschien so beim Empfang von Punktsignalen zuerst ein positiver Impuls, 1/8 Sekunde darauf ein negativer Impuls und anschließend eine Pause von 7/8 Sekunden. Bei Empfang eines Strichsignales ergab sich nach einer Pause von 7/8 Sekunden zuerst ein negativer Impuls und 1/8 Sekunde darauf ein positiver Impuls. Das Zielfluginstrument war nun so konstruiert, daß der Zeiger nur durch den ersten Impuls ausgelenkt wurde,aber etwa 4/8 Sekunden brauchte,bis er in Ruhelage zurückkehrt war, und während dieser Zeit unempfindlich gegen den (in 1/8 Sekunde auf den 1. Impuls) folgenden 2. Impuls blieb.. Je nachdem, ob der erste Impuls positiv oder negativ war, ergab sich so eine "Zuckanzeige" nach links oder rechts im Rhythmus der E/T-Tastung. Bei Annäherung an den Leitstrahl wurde die Amplitude der empfangenen E- und T-Signale immer mehr gleich (d.h. die"Lücken" zwischen den Punkten oder Strichen wurden immer mehr ausgefüllt), so daß die resultierenden Impulse und Zeigerausschläge immer kleiner wurden. Genau auf dem Leitstrahl blieb der Zeiger in Ruhelage (im Kopfhörer war dann ein Dauerstrich zu hören).

 

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Abb.43 Bodeneinrichtung - für das Funklandegerät

 


Für den Leitstrahlempfänger EB1 1 bzw. EB1 3 wurde eine Stabantenne benutzt, welche meist im Kunststoff-Antennen mast der Festantenne des FuG 10 untergebracht war. Das zugehörige Antennenanpaß-Gerät enthielt eine Weiche, um den Stab gleichzeitig als Hilfsantenne für das Peil G 5 oder 6 verwenden zu können. Für den Einflugzeichenempfänger EB1 2 war unter dem Rumpf eine Dipolantenne (Abb.37) angebracht. Da diese am Boden leicht durch Steinschlag beschädigt wurde und auch eine Plexiglasverkleidung wenig half, wurde später das Dipol durch eine hinter einem Schlitz angebrachte Rumpfanregungsschleife (Abb.38) ersetzt.

 

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Abb.44 Zielfluganzeige - bei den Funklandegeräten (Umwandlung der tonfrequenten Signale "a" in Gleichstromsignale "b" und Impulse "c")

 



Von der Firma Siemens wurde bereits 1941 eine automatische Navigations- und Blindlande-Anlage - "Bl-Anlage" entwickelt. Sie umfaßte folgende - auch einzeln einsetzbare - Teile:

 

I.
Dreirudersteuerung DK 12
II.
Kursteil, bestehend aus
- Peilzusatz zum Peilgerät Peil G 5
- Bakenzusatz zum Funklandegerät FuBl 1
III.
Höhenteil für Funkhöhenmesser FuG 1o1

 

Diese (noch erweiterbare) Anlage erlaubte folgende Navigationsvorgänge:

 

a)
den automatischen Peilernachlauf (Automatpeilung)
b)
den automatischen Peilzielflug (oder Abflug) zu (bzw. von) einem Sender
c)
den automatischen Peilwarteflug (Kreisen um ein Funkfeuer)
d)
den automatischen Peilstandlinienflug (Anflug eines rundstrahlenden Senders aus einer frei wählbaren Richtung)
e)
den automatischen Landebaken-Standlinienflug (An- und Abflug auf Leitstrahl)
f)
den automatischen Flug mit konstanter Höhe über Grund
g)
die automatische Landung (Motorensteuerung jedoch von Hand!)

 

Die Flüge nach f) und g) wurden durch den elektrischen Höhenmesser FuG 101 Ln 28330-1 (siehe Kapitel "Aktive Funkmeßgeräte") gesteuert. Der Landebakenanflug geschah auf folgende Weise: Das Flugzeug flog den Platz mit Kursteil = automatische Seitensteuerung (Höhenteil ausgeschaltet) in 150 m Höhe an. Bei Überfliegen des Voreinflugzeichens wurde der Höhenteil eingeschaltet, worauf das Flugzeug automatisch auf 50 m Flughöhe ging und diese weiterhin einhielt. Beim Überfliegen des Haupteinflugzeichens nahm der Flugzeugführer das Gas weg. Von da an erfolgte die Landung bis zum Ausrollen selbsttätig. Diese automatische Anlage wurde u.a. für den Einsatz in unbemannten Flugzeugen zur vollautomatischen Navigations- und Blindlandeanlage (mit zusätzlicher Beeinflussung der Motoren) weiterentwickelt (siehe Kapitel "Funklenkgeräte"), ging jedoch auch in der oben geschilderten einfacheren Form nicht in Serie (nur Mustergeräte).

Erst im Jahre 1944, als man eine Aufschaltung der automatischen Peilgeräte auf die Kurssteuerung (mit APZ 5, APZ 6, PPA usf., siehe Absatz "Peilgeräte") bereits serienmäßig verwendete, wurde für Nachtjäger das Funklande-Aufschaltgerät FuG 130 (Siemens) entwickelt.

Der Leitstrahlempfänger EB1 3 (des FuBl 2) wurde zur Aufschaltung auf die Kurssteuerung durch ein Auswertegerät (AWG 1?)ergänzt, d.h. die Seitensteuerung erfolgte beim Anflug automatisch. Eine Zusammenschaltung mit dem FuG 101 a für die Höhensteuerung war aber anscheinend nicht vorgesehen, da sie den Einbau einer Dreiachsensteuerung anstelle der üblichen Zweiachsensteuerung erfordert hätte. Ob das Gerät nach den Erprobungen (Dez. 1944) noch serienmäßig eingebaut wurde, ist nicht bekannt.

 

 

2.4 Funkfeuerempfangsgeräte

 

Ansteuerungsfunkfeuer = Leitstrahlsender mit E/T-Tastung, wie sie als Bodenanlagen für die bereits beschriebenen Funklandegeräte (Sonderform der Funkfeuer-Empfangsgeräte) verwendet wurden, wurden versuchsweise als sog. "UKW= -Leitstrahl-Drehfunkfeuer" (Lorenz) drehbar auf einem Schienenkreis montiert. Ein Motorantrieb sorgte dafür, daß die Anordnung sich z.B. 1 .Mal in 2 Minuten um 360° drehte. Während der Minute, in der sich die Anlage von 180° nach 0° = Norden drehte, wurde in Rundstrahlung (z.B. über die Mittelantenne allein) ein mit der Kennung getasteter Dauerton abgestrahlt. Während der Drehung von 0° ...180° wurde nun der Leitstrahl gesendet, wobei also z.B. bei einem Tastzyklus E+T = 1 Sekunde während dieser Minute 6o Zeichen abgestrahlt wurden. Ein genau im Osten befindliches Flugzeug empfing daher etwa 30 Punkte vor dem Durchgang des Leitstrahles und danach etwa 30 Striche, ein genau im Westen befindliches Flugzeug jedoch zuerst etwa 30 Striche und nach dem Leitstrahl etwa 30 Punkte (wobei jedoch jeweils mindestens eines der Zeichen im Leitstrahl verwischt war). Bei der hier angenommenen Antennendrehzahl und dem Tastzyklus - 1 Sekunde hätte als Funkfeuer-Empfangsgerät das Funklandegerät zusammen mit Kopfhörer und besonderer Stoppuhr (60 Sek - 360°) bzw. besonderer Karte verwendet werden können. Das tatsächlich verwendete Gerät bestand jedoch aus dem Leitstrahlempfänger und einem Anzeigegerät ähnlich einer elektrischen Uhr. Der eine Zeiger wurde nach dem Startsignal durch die Punktsignale, der andere entgegengesetzt laufend durch die Strichsignale schrittweise bewegt, so daß sich leicht die Leitstrahlmitte und Richtung - Azimut ablesen ließen. Die Meßgenauigkeit dürfte etwa der halben Leitstrahlbreite entsprochen haben.

 

 

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Abb.45 Leitstrahl-Drehfunkfeuer - mit "Punkt" "Strich" Tastung

 

Bei einem anderen im Versuch gewesenen Verfahren wurde an Stelle eines rotierenden Leitstrahles ein schmales keulenförmiges Richtdiagramm verwendet. Das "UKW-Richt-strahl-Drehfunkfeuer" (Deckname?) (DVL/Plendl) gab vermutlich zuerst in Rundstrahlung die Kennung und ein Bezugssignal (zur Eichung des Bordgerätes) in Form eines bestimmten Modulationstones. Während der nun folgenden Rotation der Richtantenne wurde der Modulationston in Abhängigkeit vom Azimut verändert. Der Ausgang des Funkfeuer-Empfangsgerätes (Deckname?) war mit einem Frequenzzeiger oder einer Meßbrücke versehen, mit deren Hilfe der jeweilige Modulationston beim Durchgang der Richtkeule gemessen wurde. Es sollen dabei Genauigkeiten von - 0,1° (?) erreicht worden sein.

Aus bereits im Jahre 1939 mit einer Frequenz von 300 MHz (!) erprobten Versuchsanordnung entstand das UKW-Richt-strahl-Drehfunkfeuer_ "Bernhard" (Telefunken, Frequenzbereich 30...33,3 MHz). Seine Richtantenne drehte sich zweimal pro Minute um 360°. Dabei wurde die jeweilige Strahlrichtung der Antenne in Schritten von 1° (später 0,5°) mit Hellschriftmodulation übertragen. Da die Empfangsdauer an Bord des Flugzeuges beim Durchgang des Strahlungsdiagrammes des Bodensenders (2 x pro Minute) nur je 3...5 Sekunden betrug, sollte der Hellschreiber an Bord nur während dieser Zeit in Gang gesetzt bzw. danach wieder gestoppt werden. Zur Kennzeichnung der genauen Richtung mußte auch die exakte Mitte des Strahlungsdiagrammes bezeichnet werden. Zu beiden Zwecken diente ein weiteres abgestrahltes Diagramm (Doppelkeule mit sehr scharfem Minimum) dessen Feldstärke ebenfalls vom Hellschreiber aufgezeichnet wurde und dessen Minimum die exakte Gradzahl angab. Die Frequenz dieser Abstrahlung lag so dicht bei der mit Hellschrift modulierten, daß sie beide mit der gleichen Einstellung des Bordempfängers gleichzeitig empfangen werden konnten. Das Bordgerät = Funkfeuer-Empfangsgerät "Bernhardine" FuG 120 (Siemens) wurde ah 1943 in Serie gefertigt.

Es war kein vollkommen unabhängiges Gerät, sondern war mit dem Funklandegerät FuBl 2 zusammengeschaltet, d.h. der Landefunkfeuer-Empfänger EB1 3 wurde während des Streckenfluges zum Empfang der Drehfunkfeuer "Bernhard" verwendet. Die Ausgangsspannung wurde zu einem Schreibverstärker geleitet, an den ein Peilschreiber oder ein Hellschreiber angeschlossen war. Der Papierstreifen wurde jeweils nur während des Durchganges der Richtstrahlung durch einen Motor bewegt, wobei über der geschriebenen Gradeinteilung mit Kennung auch die Feldstärke der Doppelkeule ausgezeichnet wurde. Es wurden bei 500 m Flughöhe Reichweiten von 400 km bei einer Ablesegenauigkeit von 0,5° erzielt. Bei entsprechender Einrichtung der Bodenstelle war es auch möglich, für Führungszwecke zum Flugzeug kurze Buchstaben- oder Zeichengruppen in Hellschrift zu übertragen, d.h. das FuG 120 wurde auch für Kommando-Übertragung verwendet (s.a. die Kapitel "Kommando-Übertragungsgeräte" und "Funkführungsgeräte"). Etwa 2500 Bordgerätesätze zum Einbau in Junkers Ju 88, Dornier Do 335 und andere Flugzeugtypen waren bis Kriegsende geliefert, eine vielfach höhere Anzahl in Fertigung. Im Januar 1945 waren 3 Bodenanlagen "Bernhard" im Einsatz, monatlich sollte jeweils eine weitere geliefert werden.

 

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Abb.46 Drehfunkfeuer Bernhard - und Schreibstreifen des Bordgerätes "Bernhardine" (Anzeige: 185,5°, Kennung "ES")

 

 

Für Zwecke der Langstrecken-Navigation sollte das FuG 120 bzw. sehr ähnliche Geräte u.a. auch auf Kurzwellen mit dem KW-Empfänger des FuG 10 K 1 und K 2 zum Schreibempfang der KW-Richtstrahl-Drehfunkfeuer "Bernhard 30" (auf der Frequenz 10 MHz - Wellenlänge 30 m), "Bernhaube" und "Haubenlerche" mit elektrisch gedrehtem Leitstrahl verwendet werden. Die Erprobung bzw. die Entwicklung dieser Funkfeuer wurde anscheinend infolge der Kriegsereignisse wieder abgebrochen. bzw. die Entwicklung dieser Funkfeuer wurde anscheinend infolge der Kriegsereignisse wieder abgebrochen. Um an Bord von einmotorigen Jägern zu einem möglichst kleinen Gerätesatz für die Eigenortung zu kommen, kam Ende 1944 das UKW-Richtstrahl-Drehfunkfeuer "Hermine" (Lorenz) mit etwa 5....10 Bodenstellen zum Einsatz. Es arbeitete als sog. Sprechdrehbake, d.h. es rotierte ein tonmoduliertes Richtstrahldiagramm mit 1 U/Minute. Jeweils genau 60 Sekunden nach Durchgang des scharfen Minimums erfolgte die Durchsage des jeweiligen Azimuts mit Telefonie zur Richtungsermittlung mittels Stoppuhr.

 

 

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Abb.47 Gerätesatz des Navigationsgerätes FuG 120 (Zusatz zum Fu Bl 2) mit Hellschreiber (mitte) bzw. Peilschreiber (unten)

 

 

Das zugehörige Funkfeuer-Empfangsgerät "Hermine" FuG 125 (Lorenz ?) hatte einen Frequenzbereich 30,o...33,3 MHz (bzw. 31,7...33,1 MHz - Kanal 18...32). Es bestand aus einem Empfänger EB1 3 G mit Fernbediengerät, einem Verstärker V 3 und einer Stabantenne und war mit dem NF-Teil des Bordsprechgerätes FuG 16 ZY zusammengeschaltet. Das Gerät wurde u.a. bei mit Messerschmitt Me 109 und Focke Wulf Fw 190 bzw. Tank Ta 152 ausgerüsteten Schlechtwettergruppen verwendet und gestattete sowohl den Empfang der Drehfunkfeuer "Hermine" als auch den Zielflug auf dem Leitstrahl von Landefunkfeuern mit Anzeige auf dem Zielfluginstrument des FuG 16 ZY. Auch das bereits besprochene UKW-Bordsprechgerät FuG 24 Z konnte zum Empfang der "Hermine"-Drehfunkfeuer und zum Zielflug auf Landefunkfeuer verwendet werden. (Ein Empfang der Einflugzeichensender entfiel jedoch sowohl beim FuG 125 als auch beim FuG 24 Z).

 

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Abb.48 Empfänger (EBl 3G), Fernbediengerät (FBG 6 mit Kanalwahl und Frequenz-Feinabstimmung) und ausfahrbarer Antennenstab des FuG 125 (über Verstärker V3 zusammengschaltet mit FuG 16)

 

 

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Abb.49 Prinzip des Sprech-Drehfunkfeuers "Hermine" Die Richtungsdurchsage erfolgte jeweils 60 Sekunden nach Durchgang des Minimums der Richtstrahlen.

 

 

Als Parallelentwicklung zum langsam drehenden Funkfeuer "Hermine" wurde in den Jahren 1943/44 auch ein schnelldrehendes Funkfeuer für Jägereigenortung untersucht. Da für die Ortung mit dem UKW-Phasendrehfunkfeuer "Erich" (Lorenz) entwickelte Funkfeuer-Empfangsgerät "Erich-Bord" = "NF-Phasenmesser" FuG... (Kimmel) verwendete wieder den Empfänger EBl 3 G (30...33,3 MHz) und einen Phasenmesser für 50 Hz. Das Verfahren entsprach vermutlich einem der Firma Lorenz bereits am 30.8.1940 (!) erteilten Patent.

 

 

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Abb.50 Prinzip des Phasenfunkfeuers "Erich" mit Bordgerät "NF-Phasenmesser" = "Erich-Bord" (ursprüngliche Form)

 

 

Ein schnell umlaufendes (50 U/sec) kardioidenförmiges Diagramm erzeugte 50 Mal pro Sekunde am Empfänger eine Feldstärkeänderung (pro Umdrehung der Antenne ein Maximum und ein Minimum), die sich praktisch wie eine Amplitudenmodulation des Senders auswirkte; d.h. am Empfängerausgang stand eine 50-Hz-Schwingung = Meßfrequenz, deren Phasenlage jedoch von der jeweiligen Stellung des Empfängers zum Sender abhängig war. (Bei einer Antennenrotation entgegen dem Uhrzeigersinn trat bei einem nördlich des Senders befindlichen Flugzeug z.B. das Feldstärkeminimum eher auf als bei einem westlich des Senders befindlichen Flugzeug, dessen Empfängerausgangsspannung also um den Betrag 1/4 Schwingungsdauer = 90 elektrische Grade nacheilte.) Um eine Messung der elektrischen Phase durchführen zu können, mußte auch eine Bezugsfrequenz von 50 Hz abgestrahlt werden, deren Phasenlage starr, d.h. unabhängig von der Richtung des Flugzeuges, war.

Statt der Rundstrahlung in Amplitudenmodulation auf einer anderen Frequenz, welche einen 2. Empfänger an Bord erfordert hätte, wurde direkt der die rotierende Richtantenne speisende Sender mit der Bezugsfrequenz frequenzmoduliert. Die im Empfänger entstehende Zwischenfrequenz enthielt also die von der Antennenrotation entstehende richtungsabhängige Meßfrequenz als Amplitudenmodulation (AM) und die richtungsunabhängige Bezugsfrequenz als Frequenzmodulation (FM). Die Zwischenfrequenz wurde nun sowohl an einen AM-Demodulator gleitet (welcher auf die FM nicht anspricht), als auch über einen Begrenzer (Beseitigung der AM) zu einem FM-Demodulator geführt.

Die so gewonnenen Frequenzen (Meßfrequenz und Bezugsfrequenz) trieben über je einen Niederfrequenzverstärker je einen kleinen 50-Hz-Synchronmotor an, deren entgegengesetzt laufende Achsen über ein Differential verbunden waren. Ein mit den Sternrädern des Differentials verbundener Zeiger ("Phasenuhr") bewegte sich nur bei Änderungen der Phasenlage der beiden Antriebsspannungen und zeigte somit deren momentane Phasenlage und damit auch die Stellung des Flugzeuges zum Drehfunkfeuer an: Da ein Diagramm mit nur je einem Maximum und Minimum verwendet wurde, erzeugte also eine Antennenumdrehung (= 360° im Raum) eine elektrische Schwingung (= 360 elektrische Grade). Die Grenze der elektrischen Phasenmessung liegt bei etwa 1 elektrischen Grad, es entspricht also die Messgenauigkeit in diesem Falle auch etwa 1° (Raumgrad).

Die nutzbare Reichweite war begrenzt durch das Strahlungsminimum des Richtdiagramms, da am Empfänger eine bestimmte Mindestfeldstärke zur Gewinnung der FM-Komponente (Bezugsfrequenz) benötigt wurde. Ähnlich dem ebenfalls um diese Zeit in Entwicklung befindlichen amerikanischen Phasendrehfunkfeuer VOR wurde später eine unmodulierte rotierende Richtstrahlung verwendet.Die FM-Modulation wurde nun in Rundstrahlung auf einer benachbarten - jedoch noch innerhalb der Bandbreite des Empfängers liegenden Frequenz (oder mittels eines Hilfsträgers von z.B. 10 kHz?) übertragen. (Die Reichweite kann dadurch bei gleicher Senderleistung grösser gemacht werden, der Sender wird jedoch komplizierter).

Bei einem Vorschlag des FFO aus dem Jahre 1939 für ein zur Erzielung einer grossen Reichweite mit Kurzwellen arbeitendes schnelldrehendes "KW-Phasendrehfunkfeuer" (ohne Decknamen!) wollte man ein 8-förmiges Richtdiagramm mit 8 U/sec rotieren lassen und den Durchgang der "Minima" durch die Nordrichtung durch ein kurzes Zeichen ("Nordimpuls") in Rundstrahlung auf der gleichen Frequenz angeben. D.h. am Empfängerausgang wäre eine der doppelten Antennendrehzahl entsprechende Meßfrequenz aufgetreten, deren Phasenlage zu den Nordimpulsen von der Stellung (Azimut) des Flugzeuges zum Drehfunkfeuer abhängig gewesen wäre. Für das zugehörige Funkfeuer-Empfangsgerät (ohne Decknamen!) waren 2 Lösungen ausgearbeitet worden.

Bei der einen sollte die Niederfrequenz-Ausgangsspannung des Empfängers einen Oszillator synchronisieren, dessen sinusförmige Spannung zur kreisförmigen Ablenkung des Elektronenstrahls einer Braunschen Röhre verwendet wurde. Die Nordimpulse und die aus den schmalen Empfangsminima abgeleiteten Impulse dienten zur Helltastung des Elektronenstrahles. Auf der 360 elektrischen Graden entsprechenden Kreisskala waren entsprechend der Verwendung eines Doppeldiagrammes nur 180° Azimutgrade aufgetragen, da man z.B. nordwestlich und südöstlich des Funkfeuers die gleiche Anzeige erhielt. Bei der zweiten Lösung sollten die Nordimpulse und die aus den Empfangsminima abgeleiteten Impulse zur Zündung bzw. Löschung einer Gastriode dienen; die Dauer der Stromführung hing also von der Stellung des Flugzeuges zum Funkfeuer ab. Dieser Strom konnte nach Integrierung einem Zeigerinstrument zugeleitet werden, dessen Eichung direkt das Azimut (0...180° bzw. 180...360°) anzeigte.(Zu Überwachungszwecken bei Störungen sollte jedoch eine zusätzliche oszillagraphische Anzeige beibehalten werden.)

 

 

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Abb.51 Vorschlag (FFO) für ein Phasendrehfunkfeuer und Bordgerät

 

 

Bei dem in den Jahren 1943-45 in Entwicklung befindlichen KW-Leitstrahl-Drchfunkfeuer "Komet" (DVL/Lorenz, Leistung 3 kW, Frequenzbereich ca. 3...25 MHz, beabsichtigte Reichweite bis 2500 km) wurde ein Leitstrahl durch eine Anordnung von 3 Antennen mit je einem Abstand von 1 Wellenlänge erzeugt. Es wurden alle 3 Strahler mit Strömen einer bestimmten gegenseitigen Phasenverschiebung gespeist, wobei jedoch die Phasenlage der beiden äußeren Strahler mit 70 Hz um 180° vertauscht wurde = Umtastung zweier Richtdiagramme. Zusätzlich dazu wurde die Phasenlage der äußeren Antennen mittels eines Phasenschiebers kontinuierlich so gedreht, daß der Leitstrahl in 5 Sekunden eine Umdrehung machte. Bei Stellung 0° = Nord des Leitstrahles wurde ein Bezugssignal in Rundstrahlung gesendet. Da bei Kurzwellen hauptsächlich mit (in der Ionosphäre reflektierten) Raumwellen gearbeitet werden muß, sind Leitstrahlen bei Verfahren mit ungedämpften Wellen für Navigationszwecke nur in einem Bereich von etwa +/- 1,5° beiderseits der Senkrechten brauchbar. Es sollten daher um die gemeinsame Mittelantenne 60 Außenantennenpaare um je 3° versetzt ringförmig angeordnet werden, welche bei der Leitstrahl-Rotation nacheinander in Funktion treten sollten. Auf Grund auftretender Schwierigkeiten mit einer derartigen Versuchsanlage mit 10 Basen fanden bei Kriegsende noch Erprobungen mit einer Anordnung aus nur 2 gekreuzten Basen statt, die trotzdem eine Ausnutzung des Leitstrahles über 360° ermöglichen sollte.

Das Funkfeuer-Empfangsgerät Fu G 124 "Komet-Bord" (Siemens) verwendete vermutlich den KW-Empfänger des FuG 10 K 2 und war mit einem Spezialschreiber ausgerüstet, der auf einem (mit der Leitstrahlrotation synchronisierten) Papierstreifen sowohl das in Rundstrahlung gesendete Bezugssignal, als auch den Durchgang des Leitstrahles aufzeichnete. Das Azimut war aus dem Abstand der geschriebenen Marken abzulesen. Das Gerät kam nicht mehr zu Flugversuchen, nur seine Vorläufer wurden am Boden zu Registrierzwecken verwendet. Es bestand auch ein Projekt, den Schreiber durch ein Anzeigeinstrument zu ersetzen.

Die bisher besprochenen langsam- bzw. schnelldrehenden Funkfeuer verwendeten rotierende Richtdiagramme (keulen-, nieren- oder 8-förmig), die sich mit Antennenabständen kleiner oder gleich einer Wellenlänge realisieren ließen (Kleinbasisanlagen). Durch Verwendung von sternförmigen Richtdiagrammen mit z.B. 12 oder 36 Maxima ergeben sich bei einer Antennenumdrehung um 360°(Raum-grade) am Empfängerausgang 12 bzw. 36 Schwingungen, d.h. 12 x 360 bzw. 36 x 360 elektrische Grade. Die Meßgenauigkeit (entsprechend 1 elektr. Grad) wird dann 1/12° bzw. 1/36° (Raumgrad), Zum Vergleich: normale Peilgenauigkeit mit Peilrahmen im Flugzeug etwa +/- 1...2° (Raumgrade). Diese Erhöhung der Meßgenauigkeit muß nun mit der Mehrdeutigkeit der Messung erkauft werden, bei 12 Maxima gibt es 12 Sektoren, bei 36 Maxima 36 Sektoren um die Sendeanlage, auf denen jeweils die gleichen Meßergebnisse erhalten werden. Dies kann man jedoch in Kauf nehmen, wenn der ungefähre Standort bei Vornahme einer derartigen Feinmessung schon anderweitig (z.B. durch eine Peilung oder eine Grobortung) ermittelt ist. Die Erzeugung stark aufgefiederter Diagramme (mit vielen Maxima) erfordert Antennenbasen, bei denen der Abstand der Strahler ein Mehrfaches der Wellenlänge beträgt (Mittelbasis- bzw. Großbasis-Anlagen). Die Standlinien sind bei diesen Anlagen jedoch nicht mehr Gerade durch den Mittelpunkt der Antennenanordnung, sondern es bildet sich beiderseits der Basis ein fächerförmiges Feld von stehenden Interferenzlinien, deren Zahl vom Verhältnis Strahlerabstand zu Wellenlänge abhängt. Diese Interferenzen entstehen durch gleichphasiges oder gegenphasiges Eintreffen der HF-Schwingungen (Empfangsmaxima bzw. -Minima) und haben die Gestalt von Hyperbeln um die als Brennpunkte dienenden Strahler. In einer zum Vergleich zur Ausdehnung der Antennenbasis größeren Entfernung können die Hyperbeln mit genügender Genauigkeit durch ihre Asymptoten (Geraden) ersetzt werden.

 

 

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Abb.52 Entstehung von Interferenzhyperbeln bei grösserem Abstand ( im Beispiel q = 5 Wellenlängen) der Sendeantennen. gezeichnet sind nur die Linien gleichphasigen Eintreffens der beiden Ab-Strahlungen = Empfangsmaxima

 

Die in den Jahren 1940/41 im Frequenzbereich 250...300 kHz eingesetzten LW-Leitstrahl-Fächer-Funkfeuer "Elektra" (Lorenz) bestanden aus einem Sender und 3 Antennen, welche auf einer Linie mit einem Abstand von je 3 Wellenlängen aufgestellt waren. Bei Speisung der 3 Antennen mit einer bestimmten relativen Phasenlage und Amplitude der Antennenströme ergab sich das in Abb.53 gestrichelte sternförmige (genauer: aus Interferenzhyperbeln zusammengesetzt) Strahlungsdiagramm. Bei Umtastung der Phase um 180° in beiden Außenantennen wurde hingegen das mit Punkten gezeichnete Diagramm abgestrahlt. Beide Diagramme waren jeweils zwar symmetrisch zur Antennengrundlinie, jedoch unsymmetrisch zu einer durch die Mittelantenne gelegten Senkrechten. Das gestrichelt gezeichnete Diagramm wurde jeweils während einer Zeit von 5/6 Sekunden (= Strich) abgestrahlt, während das in Punkten gezeichnete Diagramm im letzten Sechstel der Sekunde (= Punkt) gesendet wurde. Es ergaben sich so beiderseits der Antennengrundlinie Leitstrahlfächer mit je 6 Zonen, in denen nur Striche und 6 Zonen, in denen nur Punkte gehört wurden. Dazwischen lag jeweils eine Dauerstrichzone (= Leitstrahl), in welcher die Punkt- und Strich-Signale gleich stark waren. (Die beiden Zonen in der Verlängerung der Antennenbasis waren für Navigationszwecke nicht brauchbar.) Die "Elektra"-Anlagen strahlten also Leitstrahlfächer mit E/T-Tastung (. (Punkt) = Morsebuchstabe E, - (Strich) = Morsebuchstabe T) ab.

 

Die Tastung der Antennen lief nach folgendem Programm ab:

 

a)
Phasenumtastung (Strich/Punkt-Tastung) 60 Sek.
b)
Sendepause 1 Sek.
c)
Dauerstrichtastung mit Kennungssignal(nur von der Mittelantenne kreisförmig abgestrahlt) . .. 56 Sek.
d)
Sendepause . . . . 3 Sek.

Als Bordgerät konnte der Langwellenempfänger der LW-KW-Station FuG- 10 bzw. der Peilempfänger des LW-Peilgerätes Peil G 4 bzw. 5 oder 6 (in Betriebsart Rundempfang) verwendet werden. Da die "Elektra"-Anlagen nicht tonmoduliert waren, mußte mit Telegrafie-Überlagerer empfangen werden. Zusätzlich zum Zielflug auf einem der Leitstrahlen konnte bei einem Flug quer durch einen Leitstrahlfächer der "Elektra"-Anlage die Position grob durch Abzählen der durchflogenen Punkt- und Strichzonen ermittelt werden. - Die "Elektra"-Anlagen wurden im Jahre 1942 verbessert!

Bei den so entstandenen LW-Leitstrahlfächer-Drehfunkfeuern "Sonne" wurde während der 60 Sekunden der Phasenumtastung der Außenantennen zusätzlich kontinuierlich eine langsame Phasenschiebung um 18o° vorgenommen, so daß die Dauerstrichzonen (Leitstrahlen) symmetrisch zur Antennengrundlinie langsam um eine Leitstrahlbreite rotierten (oberhalb der Basis im Uhrzeigersinn, unterhalb entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn!) Zum Schluß war dann die Lage der Punkt- und der Strichzonen vertauscht. Ein z.B. auf der Linie S befindlicher Beobachter hörte während der Tastung zuerst nur Punkte. Dann wurden auch die Striche langsam lauter, bis Punkte und Striche beim Durchgang des Leitstrahles gleich laut waren - Dauerstrich. Anschließend wurden die Punkte leiser bis nur noch Striche gehört wurden. Wenn er also 35 Punkte vor dem Dauerstrich und danach noch 25 Striche hörte, so gab ihm das an, daß er in einer Punktzone war. Aus einer Spezialkarte konnte er für 35 Punkte /25 Striche das Azimut mit einer Genauigkeit von etwa 0,5...1° bei Tage (bzw, etwa 2° bei Nacht) ermitteln. Die Reichweite betrug bei Tage bis zu 1500 km über Land bzw. 3000 km über See, bei Nacht konnten sichere Messungen jedoch durch die dann neben der Bodenwelle auch auftretenden Raumwelle nur auf wesentlich geringeren Entfernungen getätigt werden. Die Anzeige war natürlich mehrdeutig, da die gleichen Zählergebnisse sich in jeder Punkt- bzw. Strichzone wiederholten. Die grobe Positionsangabe auf ca. 20° genau mußte also auf anderem Wege (z.B. mit dem LW-Bord-Peilgerät) erreicht werden. Die Zonen in Verlängerung der Antennenbasis konnten nicht für Messungen ausgewertet werden (unsichere Zonen). Insgesamt waren während des Krieges 11 "Sonne"-Stationen in Betrieb. Sie wurden laufend von Luftwaffe und Marine (und auch vom Gegner!) zur Ortung verwendet. Die Anlage in Stavanger wurde unter dem Namen "Consol" auch nach dem Kriege weiter betrieben, ebenso wurden später auch die beiden in Spanien gelegenen Stationen wieder in Betrieb genommen. Weitere Anlagen wurden neu errichtet.

 

 

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Abb.53 Leitstrahlfächer der "Elektra"- und "Sonne"-Anlagen. Bei letzteren rotierte das Diagramm pro Tastzyklus jeweils um den von 2 Leitstrahlen eingeschlossenen Winkel

 

 

Ein Verbesserungsvorschlag von Goldmann zur Eliminierung der unsicheren Zonen durch eine kreisförmige Anordnung von Strahlern - LW-Leitstrahlfächer-Drehfunkfeuer "Goldsonne" (heute mit CONSOLOR bzw. LOMOR bezeichnet) wurde nicht mehr ausgeführt.

Aus einer weiter unten besprochenen Hyperbelnavigationsanlage entstand das UKW-Fächer-Phasendrehfunkfeuer "Erika". Bei einer seiner letzten Ausführungsformen bestand das Hauptsystem aus 2 Antennen mit einem Abstand von 3 Wellenlängen, wobei die eine Antenne mit einer Frequenz f1, die zweite mit einer Frequenz f1 + 40 Hz erregt wurde. Bas aus den Interferenzhyperbeln gebildete Feld rotierte nun, ähnlich wie bei den "Sonne"-Anlagen, symmetrisch zur Antennenbasis von der Antenne mit der höheren Frequenz zur Antenne mit der niedrigeren Frequenz; d.h. in 1/40 Sekunde drehte sich das Feld um den zwischen 2 Hyperbeln liegenden Winkel weiter; der zugehörige Bordempfänger empfing also pro Sekunde 40 Maxima und Minima und lieferte an seinem Ausgang die Meßfrequenz - 40 Hz. Zur Erzeugung einer richtungsunabhängigen Bezugsfrequenz an Bord hätte man einen Sender auf einer anderen Frequenz in Rundstrahlung einen Modulationston von ebenfalls 40 Hz abstrahlen lassen können, der dann mit einem 2. Empfänger aufgenommen worden wäre. Um jedoch eine Grobortung und eine Feinortung gleichzeitig durchführen zu können, verwendete man zur Erzeugung der Bezugsfrequenzen ebenfalls rotierende Hyperbelfelder.

Das Bezugssystem für die Grobortung lieferte ein durch 2 Antennen mit 2 Wellenlängen Abstand und den Sendefrequenzen f2 und f2 + 40 Hz erzeugtes Feld. Es rotierte mit der gleichen Geschwindigkeit und im gleichen Drehsinn wie das Feld des obenerwähnten Hauptsystems, war jedoch aus weniger Hyperbeln gebildet. Die Wirkung war die gleiche, wie beim Vergleich eines Systems mit einem Antennenabstand gleich einer Wellenlänge (3 -2 = 1) mit einer festen Bezugsfrequenz, d.h. die Meßgenauigkeit betrug im günstigsten Winkel zur Anlage ca. 1/6°.Für die Feinortung diente das von 2 Antennen mit 27 Wellenlängen Abstand aus den Frequenzen f3 und f3 - 40 Hz erzeugte und entgegengesetzt rotierende Feld. Das in diesem Fall resultierende Feld entsprach einer Anlage mit 30 Wellenlängen (3 + 27 = 30) Antennenabstand mit einer Meßgenauigkeit von etwa 1/180°! Die Bordanlage = Funkfeuer-Empfangsgerät "Erika" FuG 121 (Frequenzbereich um 44 oder 33 MHz?) hatte 2 Empfänger für die Grobortung (zum Empfang der Frequenzpaare f1 und f1+40 Hz bzw,. f2 und f2+40 Hz). Die Ausgangsspannungen (jeweils 40 Hz) beider Empfänger dienten zum Antrieb einer Phasenuhr (Synchronmotoren mit Differential wie bei "Erich"). Für eine gleichzeitig erfolgende Feinmessung wurde nochmals der entsprechende Gerätesatz (zur Auswertung der Frequenzpaare f1 und f1+40 Hz bzw. f3 und f3-40 Hz) benötigt. Der Gesamtaufwand an Bord war also sehr groß, dafür ergaben sich an der Grenze der Reichweite (280 bis 350 hm bei 4000 m Flughöhe) mit dem Feinmeßsystem Genauigkeiten von + 3 Skt = + 2,4 Winkelminuten . Das Gerät sollte außerdem nur in Sonderflugzeugen für den Blindbombenwurf auf Einzelziele in England eingesetzt werden.Neben den Versuchssendern in Dabendorf und Neustrelitz wurden 4 Bodenstellen ( "Erika 1" = Boulogne, "Erika 2" = Cherbourg , für Erprobung auch "Erika 3" = Irschenberg bei München und "Erika 4" - Flachberg bei Wien) errichtet.

Die ab Mai 1943 beginnenden Erprobungen litten unter einer Pechsträhne (dauernde Ausfälle der französischen Bodensender und/oder des Stromversorgungsnetzes, das einzige jeweils zur Verfügung stehende Erprobungsflugzeug fiel 3 x feindlichen Bomben bzw. 1 x Jägern zum Opfer), sodaß brauchbare Ergebnisse erst im August 1944 zur Verfügung standen, als für Bomber kein Interesse mehr bestand. Das Gerät kam daher nicht mehr zum Einsatz, obwohl in der Zwischenzeit ein automatischer Rechner (Zeiß) entwickelt worden war, der den Vorhaltewinkel in Skalenteilen der "Erika"-Uhr anzeigte. Bei Ersatz der Empfänger EBl 3 durch empfindlichere Typen wären bei 400..500 km Reichweite in der Nähe der Mittelsenkrechten der Antennenbasis Genauigkeiten von + 100..200 m entspr. 0,015°zu erwarten gewesen.

Im Jahre 1944 befand sich auch ein UKW-Fächer-Phasendrehfunkfeuer "Mond" (Lorenz) in Entwicklung, das analog den "Sonne"-Anlagen auf UKW (38..42 MHz , ca. 15 kW Leistung) arbeiten sollte. Bordseitig sollte als Funkfeuer-Empfangsgerät das Fu G 16 ZY bzw. das Fu G 24 Z verwendet werden, wobei als Reichweite ca 500 km mit Genauigkeiten von + 0,2° (entspr. + 450 m) erwartet wurden. Erprobungen fanden keine mehr statt!

 


2.5 Hyperbelnavigationsgeräte

 

Bereits im Jahre 1934 wurden von der DVL Vorversuche für Dauerstrich-Hyperbelnavigations-Verfahren durchgeführt. Es entstand das UKW-Fächerfunkfeuer "Erika" (Vorläufer des Phasendrehfunkfeuers gleichen Namens). Zwei in einem Abstand von 13 km aufgestellte Rundstrahlantennen strahlten die gleiche Frequenz (ca.43 MHz) mit genau gleicher HF-Phase ab. Dadurch bildeten sich entsprechend dem Antennenabstand von 1850 Wellenlängen 2700 stehende Interferenzhyperbeln (siehe dazu weiter oben) aus. Bedingt durch Ungleichmäßigkeiten der Ausbreitung verwischten sich die Hyperbeln jedoch vielfach, so daß ein weiterer Versuch mit 2 Antennen mit 2 km Abstand und einer Frequenz von ca. 60 MHz unternommen wurde. Entsprechend einer Basislänge von 400 Wellenlängen ergaben sich 800 Interferenzhyperbeln. Der Winkel zwischen 2 Asymptoten betrug dabei etwa 0,2°. Dies entspricht in 400 km Abstand vom Sendesystem einer Strecke von etwa 200 m.

Die Bordanlage - Hyperbelnavigationsgerät "Erika" (Vorläufer) bestand aus einem Empfänger mit Zählwerk, welches bei einem Flug quer durch den Leitstrahlfächer die Anzahl der Hyperbeln (Empfangsmaxima bzw.-Minima) anzeigte. Man mußte also von einem bekannten Standort (Startpunkt) an ohne Unterbrechung zählen. Da die Richtung des Durchfliegens einer Hyperbel nicht erkenntlich war, durften auch keine Kurven geflogen werden (mehrmaliges Durchfliegen der gleichen Hyperbel). Zu einem Ausbau als Flächennavigationsgerät mit 2 oder mehr Bodenanlagen, deren Hyperbeln sich etwa rechtwinklig schneiden, und einem doppelten Gerätesatz an Bord, welcher gleichzeitig 2 Standlinien und damit direkt den Standort anzeigt, kam es wohl deshalb nicht, weil sowohl kurzzeitige Empfangsunterbrechungen (Störungen) als auch Kursänderungen zu Fehlanzeigen führten. Die weiteren Entwicklungen mit Interferenzhyperhein führten zu den bereits beschriebenen Drehfunkfeuern.

Bei der Firma Siemens wurde in den Jahren 1943 nach dem Vorbild des mit Impulsen auf Ultrakurzwelle arbeitenden englischen Hyperbelnavigationsgerätes "GEE" R 1324 ein Impulshyperbelnavigationsverfahren entwickelt. Um gleichzeitig 2 Standlinien, d.h. direkt den Standort zu erhalten, waren jeweils 3 Bodensender zu einer Hyperbelsenderkette "Bodentruhe" zusammengefaßt. Diese bestand aus einem sogen. Muttersender (A) und zwei von diesem gesteuerten Tochtersendern (B und C). Wenn die 3 Sender gleichzeitig auf der gleichen UKW-Frequenz kurze HF-Impulse,(vergleichbar kurzen Telefoniepunkten, siehe Kap. "Zielsuchgeräte",) aussenden, treffen z.B. die Impulse der Sender A und B bei einem Flug auf der Mittelsenkrechten zur Basis A-B stets zur gleichen Zeit ein, da die Entfernungen und damit auch die Laufzeiten der Impulse gleich sind. Befindet man sich außerhalb der Mittelsenkrechten, so trifft einer der Impulse z.B. 1 Mikrosekunde früher ein (= Laufzeitdifferenz). Die Verbindungslinien der Standorte mit konstanter Entfernungsdifferenz - mit konstantem Laufzeitunterschied sind Hyperbeln um. die beiden Sendeantennen. Für eine eindeutige Anzeige auf der Braunschen Röhre des Bordgerätes, d.h. damit immer ein Impuls des Muttersenders A links der Impulse von B und C stand, wurde z.B. erst A und nach einer (der Strecke A - B) entsprechenden Laufzeit B getastet, darauf nochmals A und dann erst (mit Laufzeitverzögerung entsprechend der Strecke A - C) der Sender C. Nach einem Sicherheitszeitraum begann dann der Tastrhythmus von vorne. Der Muttersender A wurde also doppelt sooft (mit 500 Hz) wie die Tochtersender B bzw. C (mit 250 Hz) getastet.

Das Hyperbelnavigationsgerät "Truhe" FuG 123 (Siemens) bestand u.a, aus einer Stabantenne, einem Empfänger (mit austauschbaren HF-Einsätzen für Bereiche zwischen 18 und 100 MHz, wobei vorerst nur der Bereich 35...50 MHz verwendet werden sollte), und einem Anzeigegerät.

Auf der Braunschen Röhre dieser "Elektronenuhr" konnten durch Ablenkung des Elektronenstrahls wahlweise 2 oder 4 horizontale Linien (Zeitlinien - Zeitbasen) geschrieben werden. Die dazu benötigten Ablenkspannungen waren von einem Quarz gesteuert, mit dessen Hilfe auch über Frequenz teiler Meßimpulse - Zeitmarken erzeugt wurden. Die zu verschiedenen Zeiten eintreffenden Impulse der Bodensender lenkten die Zeitlinien zackenförmig nach oben aus, durch Synchronisierung des Quarzes mit den Impulsen konnten diese an beliebigen Stellen der Zeitbasen zum Stehen gebracht werden, Durch alleinige Darstellung von kleinen Teilen der Zeitbasen ("elektrische Lupe") mit den Auslenkungen durch die Senderimpulse (Betriebsart "Empfang") oder mit eingeblendeten Meßmarken (Betriebsart "Messen") war es dann möglich, Laufzeiten von der Dauer etwa einer Mikrosekunde (1 usec entspricht 300 m Entfernung) darzustellen.

 

 

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Abb.54 Prinzip der Hyperbelnavigation - A- Muttersender, getastet mit 500 Hz und Zusatzimpuls zur Kennung, B- Tochtersender I und C = Tochtersender II, beide mit 250 Hz getastet (jeweils um einen Betrag gegenüber den Impulsen von A verschoben). Die Linien konstanter Laufzeitdifferenz sind Hyperbeln.

 

 

 

(Hierzu Abb. 54...57):

 

 

Der Meßvorgang lief nun wie folgt ab:

Bei der Betriebsart "Empfang/grob" wurden 2 Zeilen ("1" und "3") geschrieben, wobei nach Synchronisierung des Gerätes mit den Senderimpulsen auf der oberen Zeile (1) der gekennzeichnete,(jeder 4.Impuls von A wurde durch einen etwas verzögerten Zusatzimpuls gekennzeichnet.)-Impuls des Muttersenders A und daneben (entsprechend der Laufzeit versetzt) der des Tochtersenders B, auf der unteren Zeile (3) der Impuls von A und derjenige des Tochtersenders C stand. Auf den beiden Zeilen befanden sich verschiebbare "Lücken", in welche die Impulse B und C durch Betätigung von Phasenschiebern gestellt werden mußten. Nun wurde das Gerät zur vergrößerten Darstellung der interessierenden Zeilenabschnitte (mit den Impulsen) auf "Empfang/mittel" bzw. " /fein" umgeschaltet. Es wurden dann 2 Zeilenpaare = 4 Zeilenabschnitte ("1" und "2", desgl. "3" und "4") geschrieben,wobei jetzt auf der oberen Zeile (1) der Impuls des Senders A, auf der darunter befindlichen Zeile (2) versetzt der Impuls des Tochtersenders B stand, welcher genau unter den Impuls A verschoben werden mußte. Auf den Zeilen "3" und "4" erschienen analog die Impulse von A und C, wobei letzterer ebenfalls genau eingestellt werden mußte. An Stelle einer direkten Ablesung der beiden Laufzeitunterschiede aus dem benötigten Drehwinkel der Phasenschieber wurde das Gerät auf die Betriebsarten "Messen grob - mittel - fein" umgeschaltet, wobei nun Meßmarken in 3 verschieden großen Stufen geschrieben wurden (grob = 0...25 Skalenteile,mittel = -0,1..+1,1 Skalenteile, fein - -0,1...+0,25 Skalenteile). Durch Addition der 3 Ablesungen (Hundertstel + Zehntel + Einer) der beiden oberen Zeilen ergab sich eine Zahl, die in einer Spezialkarte eingetragen war = Standlinie B. Durch Vergleich des Senders A (auf der 3- Zeile der Anzeigeröhre) mit dem Sender C (auf der 4. Zeile) ergab sich die Standlinie C. Der Schnittpunkt beider Standlinien war der Standort.

 

 

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Abb.55 Anzeige am Hyperbelnavigationgerät FuG 123 während des Messvorganges am Kreuzungspunkt der Standlinien B=13,75 und C = 52,65

 

 

Es war z.B. jederzeit möglich, auf einer solchen Standlinie entlang zu fliegen bis zum Schnitt mit einer bestimmten anderen Standlinie, welche bereits vorher eingestellt wurde. Bei einer Entfernung von etwa 300 km zu einem Senderpaar betrug der maximale Ortungsfehler etwa 0,5...1 km (entsprechend etwa 0,1...0,2° bezogen auf den Mittelpunkt der Senderbasis). Für Zwecke der Langstreckennavigation wurde auch die Verwendung von Impulshyperbeln im Grenzwellenbereich untersucht. Eine bereits im Jahre 1939 von Telefunken errichtete Bodensendergruppe, (Deckname "Ingolstadt" ?),welche im Bereich 1,5...3 MHz arbeiten sollte, musste bei Kriegsbeginn wieder abgebaut werden, bevor sie in Betrieb genommen werden konnten. (Der gleiche Decknamen wird übrigens auch bei Vorversuchen für ein mit Kurzwellen arbeitendes E-Meßverfahren mit aktiven Bordgeräten genannt)

 

 

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Abb.56 Hyperbelnavigationgerät "Truhe 2" FuG 123, Rechts Gerätesatz komplett - links Einzelansichten, Sichtgerät und Empfänger


Im Jahre 1943 wurden vom FFO nach umfangreichen Voruntersuchungen die ersten Versuche mit einer Navigationsanlage begonnen, welche 1000...3000 km Reichweite haben sollte. Dies bedingte die Verwendung von Kurzwellen, deren Ausbreitungsbedingungen nur die Benutzbarkeit eines Winkelbereiches von etwa + 30° zur Mittelsenkrechten der Verbindungslinie eines Hyperbelsenderpaares (Hyperbelfächer) erwarten liess. An eine Flächennavigation mit Hyperbelsenderketten war also nicht gedacht. (Das damals in den USA entstehende Flächennavigationsverfahren "LORAN" arbeitete mit Grenzwellen, d.h. mit anderen Ausbreitungsbedingungen, und war damals in Deutschland noch nicht bekannt.) Die beiden Sender (mit 500 W, später 10 kW Impulsleistung) der mit 100 km Abstand aufgestellten Hyperbelfächeranlage "Lindenberg" wurden von einer in der Mitte beider Sender aufgestellten Taktgebestelle über UKW-Streckengesteuert. Aus Gründen der leichteren Ablesbarkeit am Bordgerät waren die von beiden Sendern abgestrahlten Impulse um 180° in der Phase (= 1/2 Impulsperiode) versetzt.

 

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Abb.57 Vereinfachtes Blockschaltbild des Gerätes FuG 123

 

 

Das zugehörige Hyperbelnavigationsgerät "Lindenberg"-Bord (Abb.58) bestand aus einem für Impulsbetrieb umgebauten Empfänger des FuG 10, einem Quarzoszillator mit Frequenzteiler und einem Anzeigegerät. Es wurden 2 mit hellgetasteten Meßmarken versehene Zeitlinien ineinander geschrieben, eine für den gekennzeichneten Impuls des Bodensenders A und eine für den Impuls des Bodensender B. Die am Empfängerausgang auftretenden Impulse wurden einem elektronischen Umschalter zugeleitet, welcher jeweils den Impuls des einen Senders direkt, den Impuls des änderen Senders jedoch über eine in 30 Schritten schaltbare Laufzeitkette an Verstärkerstufen abgab. Die Impulse wurden dann in Parallelschaltung an die senkrechten Ablenkplatten der Anzeigeröhre geleitet. Die umschaltbaren Zeitbasen, der elektron.

 

 

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Abb.58 Hyperbelnavigationsgerät "Lindenberg" - Frequenzteiler, Sichtgerät und typische Anzeige (Empfänger=umgebauter E 10 K1)

 


Umschalter und die Meßmarken waren vom Quarzoszillator gesteuert, welcher mit den Empfangsimpulsen auf Gleichlauf gebracht (gezogen) werden konnte. Durch entsprechende Einstellung des Schalters der Laufzeitkette (Ausgleich der Laufzeit-Differenz) konnten die Impulse zur Deckung (Phasenlage 180°) gebracht werden, wobei die Schalterstellung direkt die Laufzeit Differenz = die entspr. Hyperbellinie angab. Bei der letzten Ausführung des Sichtgerätes wurden sie direkt vom elektronischen Schalter kommenden und die über die Laufzeitkette geführten Impulse auch an eine Meßschaltung (bistabiler Flip-Flop) mit Anzeigeinstrument geleitet. Wenn man sich genau auf einer (durch die Stufung der Laufzeitkette festgelegten) Hyperbellinie befand, ergab das Instrument bei richtiger Stellung des Stufenschalters eine Nullanzeige. Bei Abweichungen des Standorts von einer eingestellten Hyperbel ergab sich ein entsprechender Zeigerausschlag "links" bzw. "rechts". Es konnte also auch zwischen 2 festgelegten Hyperbellinien interpelliert werden (Erhöhung der Ablesegenauigkeit).

Zu Flugversuchen kam das Gerät infolge der Kriegsereignisse nicht mehr, am Boden vorgenommene Registrierungen liessen jedoch unter normalen Ausbreitungsbedingungen für 2000...3000 km Entfernung eine Ortungsgenauigkeit von ca +/- 10...15 km (entspr. etwa +/- 0,5°) erwarten.

 

 

 

 

2.6 Entfernungsmeß-Navigationsgeräte

 

In Weiterverfolgung eines bereits bei der Vorkriegsentwicklung "Ingolstadt" (auf dem Kurzwellengebiet) angewandten Verfahrens der direkten Standortbestimmung durch Entfernungsmessung zu zwei Bodenstellen entwickelte Telefunken durch Umbau des Nachtjagd-Funkmeßgerätes (siehe Kapitel "Funkmeßgeräte") FuG 220 das Flächennavigationsgerät! "Baldur" FuG 126.

 

 

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Abb.59 E-Messnavigationsverfahren - Die Standlinien mit konstantem Abstand (d1 bzw. d2) um die Bodensender (B1 bzw. B2) sind jeweils Kreise

 

 

 

Die Entfernungsangabe wurde wie bei einem aktiven Funkmeßgerät aus der Laufzeit (Bord - Boden - Bord) ausgesendeter Impulse ermittelt. Da die beiden Bodenstellen "Baldur" zwar auf der gleichen Frequenz abgefragt wurden, jedoch auf verschiedenen Frequenzen antworteten, bestand das Bordgerät aus einem Sender mit Taktgeber (Tongenerator) und Impulsgerät, 2 Empfängern und einem Sichtgerät mit 2 Phasenschiebern. Die Antennenanlage hatte eine Rundstrahlcharakteristik. Die vom Taktgeber abgegebene Niederfrequenz tastete über das Impulsgerät den Sender, welcher auf einer Frequenz von 66 MHz Impulse abstrahlte. Die 2 Bodenstellen "Baldur" arbeiteten als Impulswiederholer,(siehe Kapitel "Kenngeräte") d.h. sie nahmen die Impulse des Bordgerätes jeweils in einem Empfänger auf und verwendeten sie nach entsprechender Verstärkung wieder zur Tastung eines Senders. Die Bodenstelle 1 strahlte die Impulse auf einer Frequenz von 60 MHz wieder ab, die Bodenstelle 2 arbeitete entsprechend auf 73 MHz. In den beiden Bord-Empfängern wurden die von den Bodenstellen rückgestrahlten Impulse empfangen, gleichgerichtet und jeweils an eine der beiden Kathodenstrahlröhren des Sichtgerätes geleitet, wo sie als senkrechte Auslenkung einer horizontalen Linie (Zeitbasis) angezeigt wurden. Die Zeitbasis wurde vom Taktgeber über je einen Phasenschieber gesteuert. Je nach der von den Impulsen durchlaufenen Entfernung Bord-Boden-Bord (bzw.der benötigten Laufzeit der Impulse) mußte eine andere Einstellung der Phasenschieber gewählt werden, um die empfangenen Impulse auf der Zeitbasis seitlich auf eine Eichmarke zu verschieben.

 

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Abb.60 Blockschema des zusammenwirkens des FuG 126 mit zwei Bodenstellen (Impulswiderholer). Das Tastgerät (TG) tastet den Sender (S1) mit Impulsen und liefert über einstellbare Phasenschieber (PS1/PS2) Ablenkspannungen für die Anzeigeröhren. Die Empfänger (E3/E4) der Bodensender tasten ihre zugehörigen Sender (S2/S3). Die Empfänger (E1/E2) des Bordgerätes nehmen die von den Bodenstellen zurückgesendeten Impulse auf und leiten die den Anzeigeröhren zu. Durch Verstellung der Phasenschreiber (Einstellung der Empfangsimpulse auf Eichmarken) werden die Laufzeiten der Impulse = die Entfernungen zu beiden Bodenstellen gemessen.

 

 

Aus den an den Einstellorganen der Phasenschieber angezeigten Entfernungen zu beiden Bodenstellen wurde auf einer Karte dann der Standort mit einer Genauigkeit von - 50...100 m ermittelt. Es wäre denkbar gewesen, das Gerät (ähnlich den englisch/amerikanischen "Shoran"-und "Micro-H"-Verfahren) zum Blindbombenwurf zu verwenden: Flug mit konstanter Entfernung auf einer Kreisbahn um Bodenstelle 1, Bombenauslösung bei Erreichen einer bestimmten Entfernung von Bodenstelle 2. (Abb.59+60) Die wenigen gebauten "Baldur"-Geräte dürften kaum zum Einsatz gekommen sein, vielleicht deshalb, weil der Geräteaufwand an Bord gleich oder größer als bei einem ev. ebenfalls mitzuführenden Bordfunkmeßgerät war, das in Zusammenarbeit mit Impulswiederholern in ähnlicher Weise zur Navigation verwendet werden konnte. E-Meßver-fahren mit ungedämpften Wellen wurden nur für Führungsverfahren (Fremdortung) verwendet.

 

 

 

III. Zielsuchgeräte (Funkmeßgeräte)

 

3.1 Arbeitsverfahren und Gerätearten

Diese Geräteart, die damals in Deutschland mit "Funkmeßgerät", im Ausland jedoch mit "Radar"-Gerät bezeichnet wurde, besteht grundsätzlich aus einer Antennenanlage, einem Sender, einem Empfänger und einem Anzeigegerät.

Es sind hauptsächlich 3 Arbeitsverfahren (bzw. auch Kombinationen davon) angewendet worden:

a. Das Impulsradar

Es arbeitet in ähnlicher Weise wie ein Echolot. D.h. es werden in einer bestimmten Richtung kurze Hochfrequenzimpulse (mit extrem kurzen Telegrafiepunkten vergleichbar) ausgesendet, die an allen innerhalb des Strahlungsdiagramms und der Reichweite des Gerätes liegenden Gegenständen reflektiert werden und entsprechend der Entfernung = Laufzeit des Impulses nacheinander wieder am Empfänger eintreffen und auf einer z.B. als "Elektronenuhr" arbeitenden Oszillografenröhre des Sichtgerätes an der in km geeichten Skala angezeigt werden. Die Impulse werden in gleichmäßiger Folge hintereinander abgegeben, von einem bis zum nächsten Impuls "macht die Elektronenuhr eine Umdrehung" - schreibt das Sichtgerät einen Kreis; die zwischen den abgegebenen Impulsen eintreffenden Echos lenken den Kreis an der entsprechenden Stelle aus = "Zielzacken". Da die abgegebenen Impulse auch direkt zum Empfänger gelangen, wird am Nullpunkt der Skala das "Nullzeichen" geschrieben. Je schmaler die Impulse sind, desto besser ist die "Entfernungs-Auflösung" des Radars. D.h. bei einer Impulsbreite, die einer Laufzeit von 200 m entspricht, ist sowohl der Nullzacken, als auch der Zielzacken so breit, daß ein in 100 m Entfernung befindliches Ziel im Nullzacken verschwindet bzw. zwei 100 m auseinanderliegende Ziele als ein einziges angezeigt werden. Bei Schwenkung des Antennendiagrammes zum Suchen eines Zieles wird die "Winkelauflösung" genau wie bei einem Scheinwerfer um so größer, je schmaler das Strahlungsdiagramm gemacht werden kann. Dies ist für eine bestimmte Antennengröße (Luftwiderstand!) umso besser zu erreichen, je kürzer die verwendete Wellenlänge - je höher die verwendete Frequenz ist.

b. Das FM-Radar

Bei dieser Art erfolgt die Sendung und der Empfang nicht wie beim Impulsradar nacheinander, sondern gleichzeitig. Der Sender strahlt also dauernd, seine Sendefrequenz wird jedoch periodisch innerhalb bestimmter Grenzen geändert = "gewobbelt". Das jeweils von einem entfernten Gegenstand zurückkommende Echo trifft infolge der Laufzeit (= zur Zurücklegung des Weges benötigte Zeit) am Empfänger mit einer bereits geänderten, direkt vom Sender kommenden, Frequenz zusammen. Die Differenzfrequenz ist proportional der Entfernung. Diese kann mittels eines Frequenzzählers und eines in Metern geeichten Drehspulinstrumentes direkt angezeigt werden. Bei Anwesenheit mehrerer Echos ergibt sich eine Mittelwertsbildung, d.h. eine falsche Anzeige. Zusammen mit anderen Gründen war dies die Ursache, daß dieses Verfahren nur für Feinhöhenmesser (1 Ziel = der Boden) und für einen Abstandszünder (sehr kurze Reichweite, daher nur 1 Ziel = Flugzeug) angewendet wurde.

c. Das Doppler-Radar

Bei diesem erfolgt ebenfalls Sendung und Empfang gleichzeitig. Wenn sich ein Radar und ein Ziel schnell einander nähern, so wird die vom Ziel reflektierte Frequenz (=Empfangs-Frequenz) entsprechend der Relativgeschwindigkeit höher als die Sendefrequenz, beim Abflug vom Ziel jedoch niedriger. Die sich am Empfängerausgang ergehende Schwebungsfrequenz -Dopplerfrequenz kann über einen Frequenzzähler und ein Drehspulinstrument zur Anzeige der Geschwindigkeit ( ! ) oder bei Benutzung einer Richtantenne für eine Ablageanzeige auf einer Braunschen Röhre oder z.B. zur Beeinflussung von Rudern verwendet werden. Beim Vorbeiflug läuft die Dopplerfrequenz sehr schnell durch den Wert Null, da die reflektierte Frequenz vom konstanten höheren Wert auf den konstanten niedrigeren Wert Umwechselt. Dieser Effekt wurde für Annäherungszünder ausgenutzt, indem man beim Unterschreiten einer bestimmten Differenzfrequenz (= kleiner Abstand !) die Sprengladung auslöste.

Die heute weit verbreitete Anwendung des Dopplerradars für Navigationszwecke gab es damals noch nicht!

d. Es müssen hier auch noch Geräte erwähnt werden-

welche mit Rückwirkung eines Gegenstandes (Zieles) auf das Gerät arbeiten. Sie können in gewissem Sinne ebenso wie das FM-und das Doppler-RADAR zur Gruppe der Dauerstrich- (CW-) Radars gezählt werden. Ein vor dem Kriege (1937) von Lorenz, erprobter Landehöhenmesser arbeitete mit Rückwirkung des als Reflektor wirkenden Erdbodens auf die Impedanz der Antenne eines kleinen UKW-Oszillators. Die daraus resultierende Anodenstromänderung des Oscillators wurde in einem Instrument angezeigt. Es gab auch einen kapazitiven Höhenmesser von Siemens mit kapazitiver Rückwirkung des Bodens auf die Stabsonden des Gerätes. Ähnliche und weitere Verfahren wurden für automatische Zünder entwickelt. Außer den 2 genannten Geräten , dem als FM-Radar arbeitenden el. Höhenmesser FuG 101 und einem Projekt "Schuß-Max"=Doppler-Radar wurden bei deutschen Flugzeugen jedoch nur Impuls-Radars eingesetzt.

 

 

Ausführungen Bordfunkgeräte der Luftwaffe

"Ein Teil der Bordfunkmeßgeräte war durch Zusatzgeräte erweitert. So gab es Tag- und Nachtjagdgeräte, bei welchen durch ein automatisches Auslösegerät bei Erreichen einer einstellbaren Zielentfernung die Bordwaffen ausgelöst wurden."

 

Liste_01

 

Mit Nachtjagd- und Schiffssuchgeräten konnten auch besondere Abfrage- und Kenngeräte kombiniert werden, so daß dann auf der Anzeige klar ersichtlich war, ob das erfaßte Ziel ein eigenes ( mit dem gleichen Gerät ausgerüstetes) oder ein fremdes Flugzeug bzw. Schiff war. Diese Kenngeräte und ihre Aufgabe bei der Jägerführung werden gesondert behandelt.

Über den allgemeinen Aufbau der Funkmeßgeräte ist noch zu sagen:

In der Tabelle (weiter oben) wurde bereits angegeben, daß die Funkmeßgeräte zum Absuchen ("Abtastung") bestimmter Räume bzw- zur Ermittlung der Einfallsrichtung der Echos jeweils bestimmte Richtwirkungen (dargestellt im "Antennendiagramm") haben mußten. Bei den deutschen Bordfunkmeßgeräten wurden verschiedene Antennendiagramme angewendet. Die im Abb.61 zuerst gezeigten Diagramme a .. c wurden bei den Geräten angewandt, welche mit Meterwellen bzw. Dezimeterwellen arbeiteten,hatten aber infolge der geringen Bündelung den Nachteil, daß auch vom Boden starke Echos kamen. Durch diese konnten Echos von Zielen verdeckt werden, deren Entfernung gleich oder etwas größer als die Flughöhe war. Die Reichweite war daher gleich der Flughöhe; bei Verzicht auf den Bereich 0...3 km konnten weiter entfernte Ziele bei sehr niedriger Flughöhe erfaßt werden, weil dann die Bodenechos ("Seeschlange") bereits entsprechend abgeklungen waren. Nachdem in den letzten Kriegsjahren das Problem der Erzeugung und Verstärkung von Zentimeterwellen gelöst war, konnte zu größerer Antennenbündelung mit dem Vorteil einer entsprechenden Winkelauflösung geschritten werden, so daß sich statt einer groben Ablageanzeige (durch Vergleichspeilung nur -0° meßbar,Winkel über einigen Grad nur schätzbar) eine tatsächliche Winkelanzeige ergab. Die Art der Umschaltung der Antennen (und der Empfänger-Ausgangsspannungen) wird bei den einzelnen Geräten besprochen.

Bei Impulsradar erfolgte die Impulstastung durch ein mit dem Sender im gleichen Gehäuse untergebrachten Tastgerät (z.B. Gastriode in Kippschaltung oder Tongenerator mit Differenzierungsschaltung und Verstärker), welches kräftige Gleichstromimpulse (Stromstöße) von sehr kurzer Dauer (="Impulsbreite", z.B. 1 Mikrosekunde) und von bestimmter Häufigkeit pro Sekunde (="Impulsfolgefrequenz", z.B. 500 Hz) erzeugte. Das Tastgerät lieferte außerdem eine (z.B. sägezahnförmige) Spannung an das Sichtgerät zur Auslösung der Zeitlinie (s.weiter unten!). Da der Sender meist nur die positiven Impulse des Tastgerätes als Anodenspannung zugeführt bekam, konnten also die Röhren nur während der kurzen Impulszeit schwingen und Hochfrequenzenergie abgeben (="Impulstastung"). Da außerdem die Tastzeit nur sehr klein gegenüber der Sperrzeit war, konnten die Senderöhren (bei geeigneten Aufbau) ca. die 30fache Leistung (und mehr) abgeben, als wenn sie dauernd schwingen würden (= "Dauerstrichbetrieb"). Beim FM-Radar, bei welchem der Sender dauernd schwingt, erfolgte die Modulation der Frequenz des Senders durch einen kleinen Motor, welcher den Abstimmkondensator des Senders antrieb. (Beim Dopplerradar erfolgte die "Modulation" sozusagen "unterwegs", d.h. auf dem Weg der Strahlung zwischen Sende- und Empfangsantenne.)

Die Anzeige erfolgte beim Impulsradar fast ausnahmslos mit Hilfe einer oder mehrerer Bildröhren (Braunscher Röhren). Die Ablenkung des Elektronenstrahls zur Darstellung der (horizontalen, vertikalen, kreis- oder sternförmigen) Zeitlinie (=Zeitbasis) erfolgte durch eine vom Sendertastgerät gelieferte und in einer weiteren Stufe entsprechend verformte Ablenkspannung, welche an 2 bzw. 4 Ablenkplatten der Röhre (elektrostatische Ablenkung) geleitet wurde. Lediglich bei Rundsuchgeräten mit sternförmiger Zeitlinie wurden außerhalb der Röhre angebrachte Elektromagnete (elektromagnetische Ablenkung) angewendet. Da nur ein Teil der Zeitlinie (nicht jedoch der Rücklauf des Elektronenstrahles) interessant war, wurde eine eigene vom oder mit dem Ablenkverstärker gesteuerte Helltaststufe vorgesehen, welche eine entsprechende Spannung an das Gitter bzw. die Kathode der Röhre zur Helltastung des Elektronenstrahls lieferte. Die vom Empfänger gelieferte Ausgangsspannung (Senderimpuls und die Zielechos) wurde meist zur Auslenkung des Elektronenstrahls (Zackenanzeige) an 2 Ablenkplatten oder im anderen Falle zur Steuerung der Helligkeit des Elektronenstrahles (Hell- oder Dunkeltastung) an die erwähnten Elektroden der Anzeigeröhre geführt.

Beim FM-Radar erfolgte die Anzeige in einem Zeigerinstrument, dessen Skala gemäß der Anwendung des Gerätes als Landehöhenmesser direkt in m Flughöhe geeicht war.

 


3.2 Aktive Zielsuchgeräte

 

Die Entwicklung aktiver Funkmessgeräte für den Einsatz in Flugzeugen war schon vor dem Krieg besonders in Form von elektrischen Höhenmessern bei den Firmen Siemens, Telefunken u.a. betrieben worden. Ihr Einsatz verzögerte sich jedoch um mehrere Jahre, da einerseits in den deutschen Flugzeugtypen für die damals sehr grossen und schweren Versuchsmuster zu wenig Platz und Zuladungsreserve vorhanden war, andererseits durch den vom techn. Amt kategorisch geforderten Einbau aller Antennen innerhalb des Flugzeugrumpfes bzw. dessen Verglasung keine diskutablen Reichweiten erzielt werden konnten.

Es entstanden daher als Zwischenlösung einige mit Wärmewellen ("Ultrarot", heute mit "Infrarot" bezeichnet) arbeitende Geräte!

 

Spanner I

Abb.61 Spanner I (13 kg)

 

Die UR-Zielsuchgeräte "Spanner I - IV" (Abb.62) verwendeten als"Sender" einen starken Scheinwerfer mit vorgeschaltetem Filter, als "Empfänger" und"Sichtgerät" diente eine Spezialoptik mit Bildwandler. Die Geräte konnten aktiv (mit Scheinwerfer) oder passiv (zur Erkennung der Auspuff-Flammen und -Gase) angewendet werden, waren aber infolge der Reichweitenminderung durch Mondlicht oder Wolken etc. durch die Verwechslungsmöglichkeit zwischen echten Zielen und Sternen und die Abhängigkeit der Reichweite von der jeweiligen Stellung zum Ziel kaum einsatzfähig. Auch später während des Einsatzes der Funkmeßgeräte wurden die UR-Geräte für den Fall, dass die Funkmeßgeräte durch Störmaßnahmen unwirksam würden, noch weiterentwickelt. Eines der letzten Geräte, das UR-Zielsuchgerät "Kiel Z" FuG 280, verwendete eine Bleisulfid-Fotozelle mit Verstärker und eine Braunsche Röhre zur Anzeige; bei 42 kg Gewicht war seine Reichweite ca. 4 km, der Auffassbereich war + 10° (schwenkbar um + 60°), die Peilgenauigkeit errechte + 1°. Da die UR-Geräte eine andere Technik wie die Funkmeßgeräte benutzten und auch nicht in einem annähernd vergleichbaren Umfang zum Einsatz kamen, kann hier auf eine Beschreibung der genauen Wirkungsweise verzichtet werden.

 

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Abb.62 Ultrarot-Gerät Spanner II (Messerschmitt Me 110)
Ultrarot-Gerät Spanner II

 

Spanner III

Abb.63 Spanner III (20 kg)

 

 

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Spanner Gereate

 

 

Die nachfolgenden aktiven Funkmeßgeräte werden nicht in der naheliegenden Reihenfolge: Rückwärtswarngeräte / Schiffssuchgeräte / Nachtjagdgeräte .....

u.s.f. erläutert, da viele Geräte mit kleinen Abwandlungen jeweils für den einen oder anderen Zweck verwendet wurden. Mit Ausnahme der Funkhöhenmesser werden die Geräte daher zur Vermeidung all-zuvieler Wiederholungen in "Hohentwiel"-Geräte (FuG 200) mit Vorläufern /"Neptun"-Geräte / "Lichtenstein"-Geräte und "Berlin-Geräte mit Nachfolgern eingestellt.

 

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Rückwärtswarngerät (Tagjagdgerät)

 

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Schiffsuchgerät

 

 

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Nachtjagdgerät
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Nachtjagdgerät

 

 

a) Funkhöhenmesser (elektrische Höhenmesser)

Diese Geräte dienten zur direkten Messung der absoluten Flughöhe über Grund (unabhängig vom barometrischen Höhenmesser), Sie wurden daher amtlich zu den Funknavigationsgeräten gezählt, obwohl die Mehrzahl der Geräte ihrer Funktion nach Funkmeßgeräte waren. In Minenraumflugzeugen, die eine Flughöhe von max. 20 m über dem Wasser einhalten mussten, war ein kapazitiver Höhenmesser "KH-Gerät" (FuG...?) (Siemens, Sendefrequenz" 11 kHz, Meßbereich 0...50 m) eingebaut. Dieser bestand aus einem Generator und einer Kapazitätsmeßbrücke deren einer Zweig durch die von der Flughöhe abhängige Kapazität zwischen 2 an den Flügeln befestigten Stäben und dem Erdboden gebildet wurde. Die Anzeigengenauigkeit wurde bei Annäherung an den Boden, immer grösser. (Die bei den Minenraumflugzeugen, unter den Flügeln angebrachte grosse Spule wurde fälschlicherweise oft für ein Suchgerät gehalten. Das in dieser Spule erzeugte starke Magnetfeld - der benötigte Strom wurde von einem Dieselaggregat im Rumpf geliefert - diente zum Auslösen magnetischer Minen in schmalen Fahrrinnen z.B Donau Kanäle usf.). Die Produktion des "KH-Gerätes" welches auch in Ausführung für Jagdflugzeuge mit einer einzigen Stabsonde gebaut wurde, wurde 1942 zu Gunsten des FuG 101 eingestellt. Von einem akustischen Höhenmesser FuG 27 wurden anscheinend nur Mustergeräte gefertigt!

 

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Rundsuchgerät

 

Ab 1942 wurde in fast alle mehrmotorigen Flugzeuge der Funkhöhenmesser FuG 101 (alte Bezeichnung FuNG 101) (Siemens, Sendefrequenz 337...400 MHz, Meßbereiche 0...150 m und 0...1500 m, Sendeleistung 1,5 W) eingebaut. Der Sender und der Empfänger, an denen jeweils direkt die Antenne befestigt war, wurden meist auf der Unterseite des linken Flügels in einem Abstand von ca. 1,5 m eingebaut. Die Anzeige erfolgte an einem Drehspulinstrument AFN 101, dessen Zahlen je nach dem eingeschalteten Bereich in entsprechenden Fenstern sichtbar waren. Das Gerät arbeitete nach dem Prinzip des FM-Radars, d.h. die Frequenz wurde gleichmässig geändert (gewobbelt).

 

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Abb.64 Funklandehöhenmesser FuG 101a - Einbau in einer Focke Wulf Fw 190

 

Das das vom Boden zurückkehrende Echo einen längeren Weg hatte, traf gleichzeitig mit ihm (direkt von der Sendeantenne kommend) bereits eine andere Frequenz ein, so dass sich je nach Flughöhe eine bestimmte Differenzfrequenz bildete, die über einen Frequenzzähler direkt in eine Instrumentenanzeige umgesetzt wurde. (Beim Überschreiten von ca. 1700 m Flughöhe "kippte" der Zeiger auf einen falschen Wert, das Gerät musste dann ausgeschaltet werden). Eine Verbesserung dieses Gerätes, das FuG 101 a. hatte die Bereiche 0...150 m und 0...750 m. Von diesen Geräten sind weit über 30 000 Stück hergestellt worden. Seine Meßgenauigkeit betrug + 10 % der jeweiligen Flughöhe, im Feinmeßbereich waren 0 m und 3 m noch klar zu unterscheiden, sodass es besonders als Landehöhenmesser und Feinhöhenmesser für Torpedowurf gute Dienste tat. (Das entsprechende amerikanische AN/AFN 1 war in über 100 000 Militärflugzeuge eingebaut!)

 

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Abb.65 Funk- Landehöhenmesser Sender
Abb.66 AFN 101a
Abb.67 Funk- Landehöhenmesser Empfänger

 

 

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Abb.68 vereinfachtes Schema des Feinhöhenmessers Fu G 101 a.Die Frequenz des Senders(s)wird periodisch verändert.Am Empfänger(E) treffen daher 2 verschiedene Frequenzen ( eine direkt v.Sender,eine vom Boden reflektiert) ein.Ihre Differenz wird mittels eines Frequenzzählers in einen entspr. Strom für das Anzeigeinstrument(J) umgeformt.

 

 

 

Der Großhöhehmesser FuG 102 (A), Sendefrequenz 182 MHz, Meßbereich 0...15 km, Sendeleistung 80 W, arbeitete als Impulsradar "elektrisches Echolot" Die Anzeige erfolgte auf einer Oszillografenröhre, deren Strahl je einmal in der Zeit einen Kreis beschrieb, die für ein Echo aus 5 km benötigt wurde. Das z.B. aus 3 km eintreffende Echo tastete den Strahl dunkel, so dass eine Lücke bei der Eichmarke 3 km erschien.

 

FuG 102

FuG 102 A Gerätehandbuch pdf. 3 MB

 

Da die Anzeige ja kontinuierlich war und das Überschreiten von 5 km Höhe der Besatzung bekannt war (auch durch Vergleich mit dem barometrischen Höhenmesser), konnte eine Anzeige für 7 km Höhe, die dann erst beim 2. Durchgang bei der 2 km-Marke erfolgte, als 5+2=7 km abgelesen werden usf. Die kleinste ablesbare Flughöhe betrug ca. 200 m, der grösste Anzeigefehler etwa 100 m. Dieser Höhenmesser diente zur Bestimmung der Flughöhe für den Bomenwurf und war in einigen Baureihen der Focke Wulf Fw 200 eingesetzt.

 

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Abb.69 Vereinfachtes Schema des Großhöhenmessers FuG 102. Der Sender (S) strahlt über die Sendeantenne (SA)einen Impuls ab ( und gibt gleichzeitig eine Spannung zur Zeichnung des Zeitkreises an das Sichtgerät SG). An der Empfangsantenne (EA) trifft zuerst der direkte Senderimpuls und etwas später das Echo vom Boden ein. Beide werden im Empfangsteil (E) verstärkt und gleichgerichtet und tasten den Zeitkreis an den entsprechenden Stellen der Höhenskala dunkel.

 


Die Antennen waren auf der Unterseite der inneren Motorgondeln montiert. Das Gerät war auch in einigen Heinkel He 177 eingebaut. Die Antennen waren jedoch in diesem Falle innerhalb der Flügel (abgedeckt durch eine Plexiglasscheibe) untergebracht, Die Aufgabe der Bestimmung der Flughöhe wurde aber später durch das Schiffssuchgerät "Hohentwiel" FuG 200 übernommen, bei dem ja die (an sich unerwünschten und störenden) Bodenechos ebenfalls direkt die Flughöhe angaben.

 

 

Fw200_FuG200

Abb.96a Focke Wulf Fw 200 mit FuG 200 Antennen

 

Als Weiterentwicklung des FuG 102 kann der Großhöhehmesser FuG 103 (Zeiß) betrachtet werden, welcher auf einer höheren Frequenz und mit kleineren Leistung (10 W) trotz eines einfacheren Empfängers (Audion) bei gleichem Meßbereich eine Genauigkeit bis zu + 25 m erreichte. Die kleinste ablesbare Flughöhe betrug etwa 100 m . Die Anzeige erfolgte wie beim FuG 102 auf einer braunschen Röhre mit Kreisskala 0...5000 m jedoch mit Helltastung der Echos. Es gab 2 Ausführungen des Sichtgerätes, die sich jedoch nur geringfügig unterschieden. Der daraus durch nochmalige Weiterentwicklung entstandene Grobhöhenmesser FuG 104 "Jena" (Zeiß) hatte eine grössere Sendeleistung und einen verbesserten Empfänger, die erzielbare Meßgenauigkeit war etwas besser wie beim FuG 103.

 

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Abb.70 Empfänger (mit Sichtgerät) und Sender des Funk-Großhöhenmessers FuG 102. Das Sende- u.das Empfangsdipol wurden längs zur Flugrichtung unterhalb der Motorengondeln bzw.unter Abdeckungen in den Flügeln angebracht .

 

SGFuG102a

Empfänger & Sichtgerät für das FuG 102a (Ln 29461)

 

 

Bei Beiden Geräten war wie beim FuG 101 die Sendeantenne direkt mit dem Sender, die Empfangsantenne direkt mit dem Empfänger zusammengebaut. Beide Geräte wurden in Gehäusen im gleichen Flügel mit quer zur Flugrichtung stehenden Dipolen montiert. Über ihren Einsatz ist nichts Bekannt geworden.

 

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Abb.71 Sender des Funk-Großhöhenmessers Fu G 103 im Flügel einer Dornier Do 215

 

 

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Abb.72-73 Sichtgerät FuG 103 Sender und Empfänger des FuG 103, rechts Anzeige

 

 

FuG103

 

Abb.73a Sichtgerät (Ln 29212) FuG 103

 

 

b) "Hohentwiel"-Geräte und Vorläufer

Eine Versuchsauführung eines Schiffssuchgerätes (Hersteller?, Sendefrequenz ca. 136 MHz) war 1941 in eine Focke Wulf Fw 200 (Werk-Nr. 0023) eingebaut und Bestand aus wenigen sehr kleinen und handlichen Geräteblöcken. Ein Sichtgerät war im Funkraum, ein zweites beim Flugzeugführer angeordnet. Die Sendeantenne (Dipol) war auf einem Dreibein unterhalb der Kanzel angeordnet, die Empfangsantennen (je 1 Stab von 1/4 Wellenlänge) waren links und rechts des Rumpfes angebracht, so dass ihre Hauptempfangsrichtung durch die Abschattungswirkung des Rumpfes nach rechts bzw. links zeigte. Die Sendeleistung und die Bündelung der Antennen dürften aber zu schwach gewesen sein, so dass die erzielte Reichweite nicht genügte.

 

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Abb.74 & 75 ? FuG "Atlas" ? , Schiffortungsgerät in Erprobung mit Focke Wulf Fw 200 C-0 Wk.Nr.0023,Herbst 1941 in Bordaux-Mérignac (74), Antennen- und Sichtgerät (75)

 

 

Auch bei dem nur in einem Exemplar gebauten Schiffssuchgerät "Neptun S" FuG 216 S (FF0) genügte die Reichweite nicht. Das im November 1942 im Truppenversuch (Warneuchen) gewesene Schiffssuchgerät "Prof. Scherzer" (NVK, Sendefrequenz 125 MHz) sollte einen Suchwinkel von 300° und eine Suchbreite von 80 km erreichen. Da der vordere und der seitliche Suchbereich getrennt auf jeweils einer Anzeigeröhre angezeigt wurden, besass das Gerät auch 2 getrennte Empfänger, Die Antennenanlage bestand aus einem "Wald" von 18 (teilweise hydraulisch einfahrbaren) vertikalen Stäben. Die Versuche wurden abgebrochen, da die Reichweite, Anzeigegenauigkeit und Höhenfestigkeit noch ungenügend waren.

 

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Abb.76 Antennenanordnung des Schiffsuchgerätes "Prof. Scherzer" (NVK, Sendefrequenz 125 MHz) Dornier Do 217

 

 

Zur gleichen Zeit entwickelte die Firma GEMA (bekannt durch ihre Flugmeldegeräte) ihr Schiffsuchgerät "Rostock" FuG ?. Die Betriebsfrequenz lag bei 120 MHz. Trotz Verwendung des kleinen Empfänger-Umformers des FuG 10 wurde eine Impulsleistung von 1,5 kW erzielt, die eine Reichweite von über 30 km gegen Schiffe erbrachte. Der Empfänger und das Sichtgerät waren zu einer Einheit zusammengebaut, die vom Beobachter bedient wurde. Vor dem Bug des Flugzeuges befand sich die Sendeantenne (2 horizontale Dipole mit je einem Reflektor), links und rechts an den Flügeln waren die gleichartig aufgebauten und etwas schräg nach aussen gerichteten Empfangsantennen für die Seitenpeilung angebracht. Am Sichtgerät wurde die Zeitlinie vertikal von unten nach oben geschrieben, die von der linken bzw. rechten Antenne kommenden Echos ergaben Zacken nach links bzw. rechts. Es war jedoch von der ganzen Zeilinie (entspr. 60 km) nur ein mittels eines Drehknopfes verschiebbarer Teil sichtbar (elektrische Lupe). Die Entfernung des jeweils unter der (in das Deckglas eingeätzten) Eichmarke stehenden Echos wurde an der Skala des Zeigerknopfes abgelesen. Das Gerät wurde nur in 15 Fernaufklärer Focke Wulf Fw 200 C-4 eingebaut. Die sehr grossen Antennengebilde waren sehr empfindlich gegen Vereisung, und die Frequenzstabilität und Meßgenauigkeit befriedigten nicht ganz.

 

Abb.77 - Links das Sichtgerät, rechts, die Flächenantennen für das FuG "Rostock" an einer Focke Wulf Fw 200 C-4

77

 

1
Oszillatorenabstimmung
6
Helligkeit
2
Vorkreisabstimmung
7
Schärfe
3
Röhrenheizung
8
Entfernungsskala
4
Umformer
9
Entfernungsbedienung (E-Meßknopf)
5
Braun'sches Rohr mit 0-Strich
10
Verstärkung

 

 

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Abb.79 Schiffssuchgerät "Rostock" oben linke Empfangsantenne (am Flügel) und unten Sendeantenne (am Bug). Rechts: Anzeige

 

 

80

 

Abb.80 Vereinfachtes Prinzipschema der Schiffssuchgeräte "Rostock" und FuG 200 Der Sender(s) strahlte über die mittlere Antenne Impulse ab und steuerte die Zeitlinie der Anzeigeröhre im Sichtgerät (SG). Der motorangetriebene Antennenschalter sorgte dafür,daß die von der linken Empfangsantenne (L) aufgenommenen Impulse auf der Anzeigeröhre an der entsprechenden Stelle der Zeitlinie als "Zacken" nach links,die von der rechten Antenne (R) aufgenommenen Impulse nach rechts geschrieben wurden.

 

 

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Abb.81 Vereinfachtes Prinzipschema des FuG 200 mit zusätzlichen Seitenantennen

 

 

Zwei weitere Geräte, das von Telefunken speziell für den Torpedoentwurf entwickelte Schiffsuchgerät "Lichtenstein" BC/T (FuG 202 T ?) mit guter Nahauflösung, aber nur 6,5 km Reichweite, und das mit grossem Suchwinkel ausgestattete Schiffsuchgerät "Lichtenstein S" FuG 213 mit einer Reichweite von 30 km gingen nicht in Serie (siehe Kapitel"Lichtenstein"-Geräte). Nur das etwa zur gleichen Zeit (Sommer 1942) entwickelte Schiffsuchgerät "Hohentwiel" FuG 200 * (Lorenz) wurde eingeführt und blieb auch bis zum Kriegsende in Produktion (insgesamt mindestens 500 Geräte.)

*= sog. Kehrbildanzeige. Waren beide Zacken gleichgross, so lag das Ziel genau voraus, war der linke Zacken grösser, so lag es mehr links u.s.f.. Dieses Peilverfahren hiess "Vergleichspeilung" A/N-Peilung"

 

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Abb.82 Schiffssuchgerät FuG 200 "Hohentwiel" Focke Wulf Fw 200

Abb.82a Normale Antennen Anlage Focke Wulf Fw 200 C-4

 

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Abb.83 Schiffssuchgerät FuG 200 "Hohentwiel" Messerschmitt Me 410

Abb.83a Antennen Anlage Messerschmitt Me 410

 

 

87

 

Abb.84..86 Sichtgerät u.Schaltkasten in. einer Focke Wulf Fw 200; & Vollständiger Gerätesatz (Prüftafel). Abb.87 Rechts: Anzeige am FuG 200: a) Ziel in 1? km rechts abliegend; b) Ziel nach Kursänderung des Flugzeugs nun genau voraus!

 

Das (ursprünglich für eine andere Verwendung konstruierte) Gerät arbeitete zuerst auf 550 MHz, später wurden jedoch in den Bereichen 545...565 bzw.505...525 MHz abstimmbare Gerätesätze geliefert. Die Impulsleistung betrug 30 kW. Infolge der verwendeten kürzeren Wellenlänge konnten die Antennen (bei etwa gleichen Luftwiderstand wie die "Rostock"-Antennen) mit je 8 Dipolen und 8 Reflektoren versehen werden, was eine bessere Bündelung der Strahlung der Antenne und zusammen mit der grosseren Sendeleistung Reichweiten bis 80 km gegen Schiffe ergab. (Steilküsten wurden bis auf Entfernungen von weit über 100 km angezeigt.) Auch bei diesem Gerät wurde - im Gegensatz zu den beiden genannten "Lichtenstein"-Geräten - ohne Weiche d.h. mit einer getrennten Sendeantenne und je einer schräg nach links und nach rechts gerichteten Empfangsantenne gearbeitet. Um den Suchwinkel von ca. 110° auf fast 300° zu vergrössern, wurden auch einige Flugzeuge links und rechts des Rumpfes mit je 1 Sende- und 2 parallelgeschalteten. Empfangsantennen versehen. Es konnte dann festgestellt werden, ob sich rechts oder links seitlich des Flugzeuges ein Ziel befand.

 

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Abb.87a FuG 200 “Hohentwiel” Messerschmitt Me 410 B-6

 

Zur Vergleichspeilung und zum Zielanflug musste dann jedoch nach entsprechender Kursänderung auf die vorderen Antennen umgeschaltet werden. Sehr bald wurden die Sichtgeräte umschaltbar für die Bereiche 0...15 km und 0...150 km ausgeführt. Die Entfernungsskala war in das Deckglas eingeäzt. Da auch die See ein der Flughöhe entsprechendes Echo ergab, wurde auf diese Weise für den Bombenwurf die Flughöhe und die Zielentfernung festgestellt. Bei Annäherung an das Ziel konnte durch Vergleich der optischen mit der Funkmeßpeilung der Seitenwinkel (Abtriftwinkel) und mit einer "X-Uhr" Ln 28901 (einfaches Rechengerät) der richtige Auslösepunkt für die Bomben ermittelt werden.

 

xuhe
Typenschild Xuhr
"X-Uhr Ln 28901"
& Typenschild

 

Zur Verringerung des Luftwiderstandes der Antennen, der sich besonders bei kleineren Aufklärern und deren höheren Fluggeschwindigkeiten sehr bemerkbar machte, wurden im letzten Kriegsjahr unter Inkaufnahme einer kleineren Reichweite auch Antennen mit weniger Elementen und Stielstrahler angewendet. Die Schaltung zur Tastung des Senders und zur Ablenkung der Anzeigeröhre war auf vorbildlich einfache Weise (mit insgesamt 3 gegenüber bis zu 18 Röhren bei anderen Geräten) gelöst. Sie wurde zum Vorbild für viele andere Geräte, deren später durchgeführte "Entfeinerung" (z.B. das Einheits Sichtgerät) nicht nur wegen der Materialknappheit, son dem auch aus Gründen der rationellen Herstellung und einer höheren Betriebssicherheit erfolgte.

Das auch für die Schiffssuche vorzüglich geeignete Rundsuchgerät "Berlin A" FuG 224 (Telefunken, siehe Kapitel "Berlin-Geräte") wurde nur in wenigen Exemplaren zu Erprobungszwecken eingesetzt, da die gesamte Fertigungskapazität von HF-Teilen dieses Gerätes für die Nachtjagdgeräte und Bodengeräte der Flakartillerie benötigt wurde. Die Entwicklung einer geplanten Version der "Neptun-Geräte" mit 100 kW Leistung - des Schiffsuchgerätes "Weilheim b" FuG 219 b (Siemens) wurde mindestens zeitweise eingestellt (Febr. 44).

 

 

c) "Neptun"-Geräte

In den Jahren 1941/42 wurde im Flugfunkforschungsinstitut Oberpfaffenhofen (FFO) das Rückwärts-Warngerät "Neptun R 1" FuG 216 (Betriebsfrequenz 182 MHz, Impulsleistung 1 kW) entwickelt. Das Gerät bestand aus Sender mit Impulsteil, Empfänger, Sichtgerät und Umformer. Die Sende- und die Empfangsantenne waren gleich ausgebildet und bestanden jeweils aus 4 Stäben (Reflektor, eigentliche Antenne, Direktor + Direktor), die wie Stacheln aus dem rechten und linken Tragflügel nach unten (bzw. oben) herausstanden. Das so entstehende keulenförmige Diagramm war vom Flugzeug aus nach rückwärts gerichtet. Das Gerät wurde hauptsächlich in allein über England fliegende Bomber eingebaut und zeigte auf dem Sichtgerät die Annäherung eines feindlichen Flugzeuges (Nachtjäger). Es war nur eine Entfernungsanzeige vorgesehen (Meßbereich einstellbar 2...10 km). Die Zeitlinie = Entfernungsskala wurde waagrecht von links nach rechts geschrieben, die Empfängerausgangsspannung (Nullzeichen und Zielechos) lenkten den Elektronenstrahl nach oben aus. Zur Ablesung der Entfernung wurden Dunkelmarken mit je 2 km Abstand eingeblendet. Eine Angabe der Richtung (links, rechts, oben, unten) war nicht nötig, da in jedem Fall bei Annäherung eines Flugzeuges Abwehrbewegungen (Kurvenflug, Sturzflug etc.) durchgeführt wurden, um das andere Flugzeug abzuschüttel bzw. aus dem Meßbereich des Nachjagdgerätes des verfolgenden Flugzeugs zu kommen.

 

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Abb.88 "Stachelantennen" des Rückwärtswarngerätes "Neptun R" bzw "R1"- FuG 216 bzw.Fu G 217 R - Abb.89 Sender, Empfänger und Sichtgerät Abb. 90 Gerätesatz des FuG 217 R

 

 

Titel

Pdf, Datei Neptun R II (Grösse 3 MB)


 

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Abb.91 Schirmbild mit Zielen in 4,1km und 5,1 km (gravierte Entfernungs-Skala des "Neptun-Lilliput"
Abb.92 Vereinfachtes Blocksehema der Rückwärtswarngeräte FuG. 216 und 217 R.(Tastteil im Sender nicht besonders gekennzeichnet).

 

 

Als Versuch wurde ein Schiffsuchgerät "Neptun S" FuG 216 S gebaut, das jedoch nicht in Serie ging. In Weiterentwicklung entstand das Rückwärts-Warngerät "Neptun R 2" FuG 217 R. das sich in einigen Punkten vom Vorgänger unterschied: Der Sender und der Empfänger konnten während des Fluges elektrisch auf 2 Rastfrequenzen im Bereich 158...187 MHz abgestimmt werden (Ausweichen gegenüber Störern) und die Sendeleistung wurde auf 2 kW (Impuls) erhöht. Der Gerätesatz war mechanisch vollkommen neu durchkonstruiert worden. (Abb.93)

 

SG216

Abb.92a ( Ln 29342) Sichtgerät 216

 

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Abb.93 Schirmbilder für Seitenpeilung (S) bzw. Höhenpeilung (H) bei den Nachtjagdgeräten FuG 217 J 1 bzw. FuG 218 V1 (mit Hellmarken) dto. bei FuG 217 J2 (mit Skalenstrichen), Bereich jeweils 10 km, Ziel voraus in 2,3 km, Ziel rechts-hoch in 4,2 km, Bodenechos (entspricht der Flughöhe) ab 5 km.

 

 

Die nächste Version, die in grosser Stückzahl eingeführt wurde, war das Nachtjagdgerät "Neptun J" (1) ......

Die Empfangsantennen für die Peilung links/rechts waren auf den Flügeln, diejenigen für die Peilung oben / unten waren ober- und unterhalb des Rumpfes und die Sendeantenne oben auf dem Heck des Flugzeuges angebracht. Zum Einbau in einmotorige Nachtjäger wurde das Sichtgerät so verkleinert, daß es nur die Anzeigeröhre enthielt und in die Instrumentenplatte vor dem Flugzeugführer eingebaut werden konnte? Die Röhren zur Erzeugung der Anlenkspannung und der Entfernungsmarken wurden in einem besonderen "Röhrengerät" untergebracht. Die linke und die rechte Empfangsantenne wurden durch einen Motorschalter abwechselnd an den Empfängereingang gelegt, der Empfängerausgang wurde synchron dazu auf die linke bzw. rechte Ablenkplatte der Anzeigeröhre gelegt, so dass sich z.B. bei einem rechts vom Kurs abliegenden Ziel rechts der Zeitlinie ein grösseres Echo als links davon ergab. Der Kurs wurde zum Zielanflug solange nach links geändert, bis die beiden Echos gleich gross wurden (Vergleichspeilung). Das Ziel lag dann genau voraus. Für die Höhenpeilung konnte das Sichtgerät durch Betätigung eines Druckknopfes so umgeschaltet werden, dass die Zeitlinie waagerecht von links nach rechts und die Echos nach oben und unten geschrieben wurden.

Für zweimotorige Nachtjäger war dieser Gerätesatz unter der Bezeichnung Nachtjagdgerät "Neptun J/R' FuG 217 J/R mit einer zusätzlichen nach hinten gerichteten Sendeantenne und Empfangsantenne ausgerüstet. Bei der Funktion als Rückwärts-Warngerät wurden die Echos gleichgross beiderseits der Zeitlinie geschrieben, es konnte also (aus bereits oben erwähnten Gründen) nur die Entfernung abgelesen werden.

 

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Abb.94 Focke Wulf Fw 190 mit Antennen des Nachtjadgerätes FuG 127 J 1 (u.a. FuG 217 J 2)

 

(Abb.,94,96)

 

 

An diesen Gerätesätzen wurden verschiedene Formen einer dreidimensionalen Anzeige (gleichzeitige Ablesung der Entfernung + Seitenablage + Höhenablage) versucht, sind jedoch nicht mehr zum Einsatz gekommen. Gegen Ende des Krieges wurden beim FFO (Flugfunkforschungsinstitut Oberpfaffenhofen) unter teilweiser Verwendung von Siemens entwickelter Geräteteile (siehe weiter unten) noch weitere Ausführungsformen, z.B. das Nachtjagdgerät "Neptun J2" FuG 217 J2 erprobt.

 

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Abb.95 Focke Wulf Fw 190 mit Flächenantennen für das FuG 217 J 1

 

Ln29382

Abb.95a (Ln 29382) SG 17= Sichtgerät 217

 

 

So wurden die Stachelantennen verlassen und 4 Dipole mit Reflektoren verwendet, von denen 2 Dipole am linken Flügel nebeneinander, die beiden anderen am rechten Flügel übereinander angeordnet wurden. Für die Seitenpeilung wurden die übereinander angeordneten Dipole parallel an den Sender gelegt, die nebeneinander angeordneten Antennen wurden durch eine Umwegleitung miteinander verbunden. Wenn nun die rechte(bzw. linke)Antenne durch den Motorschalter über die Umwegleitung, die linke (rechte) Antenne jedoch direkt an dem Empfänger gelegt wurde, ergab sich jeweils ein nach rechts (bzw. links) "schielendes" Antennendiagramm (="Phasenumtastung"). Der Empfängerausgang wurde wie üblich wieder über den Motorschalter an die entsprechende linke oder rechte Ablenkplatte der Anzeigeröhre geleitet, so dass sich die übliche Seitenanzeige ergab. Durch dieses Verfahren wurde eine besondere Sendeantenne eingespart und durch die Ausnutzung aller Antennenelemente eine bessere Bündeln und damit eine grössere Reichweite erzielt. Für die Höhenpeilung wurde analog umgekehrt verfahren (Parallelschaltung der nebeneinanderliegenden Dipole als Sendeantenne, Umschaltung der übereinanderliegenden Dipole als Empfangsantenne). Der verwendete Sender enthielt bereits ein einfacheres Tastteil, d.h. insgesamt nur 3 gegenüber 9 Röhren, es entfielen auch das Röhrengerät zur Erzeugung der Ablenkspannung (direkt aus der Sendertastspannung abgeleitet) und der Entfernungsmarken (ersetzt d. Gravierung der Glasscheibe). Zur Stromversorgung genügte daher auch ein kleinerer Umformer (U 10 E).

 

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Abb.96 Vereinfachtes Prinzipschema der Nachtjagdgeräte FuG 217 J (1) / FuG 217 JR und FuG 218 V1 (Vorserie) mit Stachelantennen (Umwegleitung (U) und Leitungskreuzung nur bei FuG 218 V1)

 

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Abb.97 Vereinfachtes Prinzipschema der Nachtjagdgeräte FuG 218 J2 mit Dipolantennen (L=links, R=rechts, H=hoch, T=tief).

 

 

Im Zuge weiterer teilweise durch Einsparmassnahmen erzwungener "Entfeinerungen" wurde in den letzten Kriegstagen noch das Rückwärts-Warngerät "Neptun-Lilliput" entwickelt, das gegenüber dem Fu G 217 J2 noch weitgehend vereinfacht (1 Frequenz) und verkleinert war. (Abb.98)

Die Firma Siemens war schon frühzeitig in die Fertigung der "Neptun"-Geräte eingeschaltet worden und hatte bereits das Nachtjagdgerät "Neptun-V" FuG 216a entwickelt (Mustergerät).

Durch Weiterentwicklung des FuG 217 entstanden bei Siemens (parallel zu den beim FFO entwickelten Abarten) verschiedene Versionen des FuG 218. Neben dem - anscheinend nur in kleiner Stückzahl gefertigt "Rückwärts-Warngerät " Neptun R3" FuG 218 R wurde das Nachtjagsgerät "Neptun V1" FuG 218 V1 für Einsitzer gebaut. Die Antennenanordnung der Vorserie war ganz ähnlich derjenigen beim FuG 217 J1. Die nun aus 4 Stäben bestehende Sendeantenne konnte jedoch mittels eines Relaiskontaktes so umgeschaltet werden, dass sie rückwärts strahlte.

 

 

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Abb.98 Beispiel für ein vereinfachtes Funkmeßgerät :"Neptun-Lilliput". ( Die gestrichelt eingezeichneten Linien gelten für FuG 217 J2, Sender-Fernabstimmung und Beleuchtung der Sichtgeräteskala nicht eingezeichnet.)

 

 

Unter dem Flügel wurde eine zusätzliche rückwärts gerichtete Empfangsantenne angebracht, so dass dieses Gerät auch als Rückwärtswarngerät verwendbar war. Das Sichtgerät und das Röhrengerät (-Kippgerät) wurden fast unverändert vom FuG 217 J1 übernommen, die Bediengeräte, der Sender und der Empfänger waren jedoch neu konstruier. Der Sender konnte im Frequenzbereich 158...187 MHz auf 6 voreinstellbare Rastfrequenzen ferneingestellt werden, die 6-Rastenausführung des Empfängers war jedoch nicht früh genug serienreif, sodass praktisch nur ein Frequenzwechsel am Boden durch Austausch des HF-Teiles möglich war. Da der Empfänger während des Sendeimpulses über ein kleines "Eintastgerät" gesperrt wurde, konnte die Nahauflösung des FuG 218 gegenüber dem FuG 217 verbessert werden (ca. 120 m statt 200 m). Die Sendeleistung betrug 1,5 ... 2 kW, die Reichweite gegen Flugziele max. 5 km. (Abb.99)

 

 

99

Abb.99 Antennen-Anordnung beid er Vorserie des FuG 218 V1

 

Sg218

Abb.99a (Ln 29710) Sichtgerät SG 218

 

 

SG218Fw190

Abb.99b Sichtgerät SG 218 hier eingebaut in einer Focke Wulf Fw 190

 

 

Die Serienausführung des FuG 218 V1 dürfte die gleiche Antennenanordnung mit 4 Dipolen vor den Flügeln wie das FuG 217 J2 verwendet haben. Da nun auch eine Senderweiche entwickelt war, wurden nur jeweils 2 Dipole für Sendung und Empfang (Seiten- oder Höhenpeilung) verwendet, während die beiden anderen unbenutzt blieben. (Abb. 102)

 

 

Me262 B-1a/U1

Abb.100 Antennen des FuG 218 V2 an einem Nachtjäger Messerschmitt Me 262 B-1a/U1 ("Rote 12")

 

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V056
Abb 101 Antennen des FuG 218 V2 am Nachtjäger (V=V-Muster)
Abb 101a Messerschmitt Me 262 B V056

 

 

Bei dem Nachtjagdgerät "Neptung V2" (V/R) FuG 218 für zweimotorige Nachtjäger waren die Antennen für 3 wärtsbetrieb (genau wie beim FuG 220 b, siehe dazu weiter unten!) im Viereck vertikal polarisiert an der Kanzel angebracht, so, dass jeweils 2 Antennen parallelgeschaltet und direkt gespeist wurden, während die 2 anderen über eine Umwegleitung phasenverschoben angeschlossen waren. Es waren also alle 4 Antennen gleichzeitig für Sendung und Empfang in Betrieb. Ihr Charakteristik zeigte abwechselns schräg nach vorne, oben, rechts, unten und -links.(Abb. 100,101,103)

 

102

 

Abb.102 Vereinfachtes Prinzipschema des Nachtjagdgerätes Fu G 218 V1 (Serie) für Einsitzer mit Antennenweiche (w) u.Dipolantennen an den Flächen

 

 

Für Rückwärtsbetrieb war zusätzlich am Heck des Flugzeuges hinter dem Leitwerk eine einzige horizontal polarisierte Dipolantenne mit Reflektor angebracht, zur Anzeige sollte auch das gleiche "Einheitssichtgerät" mit getrennten Anzeigeröhren für Seiten-und Höhenpeilung verwendet werden, wie es bei den späteren Serien des "Lichtenstein SN 2" und des "Berlin N1" (siehe weiter unten!) eingesetzt wurde.

 

103

 

Abb.103 Vereinfachtes Prinzipschema des Nachtjagdgerätes Fu G 218 V2 für 2 mot.-Flugzeuge mit Viereck-Anordnung der Dipolantennen am Bug. (L/H= links/hoch, L/T= links tief u.s.f.)

 

 

Auch in diesem Falle konnten Seiten- und Höhenpeilung nur abwechselnd-nicht gleichzeitig -vorgenommen werden. Von den Ausführungen FuG 218 V1 und V2 sollen aus der laufenden Großserie bis End April 1945 noch ca. 150 Geräte geliefert worden sein. Eine noch stärkere Ausführung (mit etwa 100 kW Impulsleistung und über 15 km Reichweite) war als Nacht jagdgerät "Weilheim" FuG 219 a in Entwicklung (l2),Die Ausführung FuG 219 b (Entwicklung 1944 eingestellt) sollte ein Schiffsuchgerät werden.

Bei den "Neptun"-Geräten (FFO und Siemens) kam es anscheinend zeitweise zu Doppelverwendungen, und nach träglichen Änderungen von Decknamen und FuG-Nummern, da sich die heute noch zur Verfügung stehenden Unterlagen oft widersprechen.


Zu den "Neptun"-Geräten Fu G 217/218 und anderen Funkmeßgeräten war u.a. (bei Opta) ein Visierzusatz "Gnom" entwickelt worden, der es gestattete; ein beliebiges Echo auszuwählen und dieses durch Speicherung der 4 Werte (oben/rechts/unten/links) auf einen besonderen Visier (Revi ?) als Kreis darzustellen. Wenn das Ziel genau voraus lag, lag der Kreis genau konzentrisch zu einem Fadenkreuz.

Da bei den inzwischen mit den Turbojägern erreichten hohen Geschwindigkeiten der Flugzeugführer mit Zielanflug und Abdrehen vollauf beschäftigt und die rechtzeitige Auslösung der Bordwaffen grossen Kalibers mit ihrer relativ kleinen Schlußfolge pro Sekunde (Kanone, Raketen) sehr problematisch war, wurde vom FFO das Auslösegerät "Elfe 3" EG 3 entwickelt. Ein vom Senderimpuls über einen Phasenschieber abgeleiteter Nachlaufimpuls wurde auf dem Sichtgerät des FuG 217 (bzw. FuG 218, 219 und anderer Geräte) bei der 3 km-Marke in Wartestellung gebracht. Wenn das Zielecho sich dieser näherte und anschliessend einlief, wurde der Nachlaufimpuls von Zielecho über eine besonders Nachlaufeinrichtung mitgenommen, bis eine vorher eingestellte Entfernung (z.B. 1,5 km) erreicht war. In diesem Moment löste der Nachlaufimpuls die Bordwaffen aus. Das Gerät "Elfe" bestand aus einem einzigen kleinen Geräteblock, der seine Stromversorgung aus dem Funkmeßgerät bezog. Die Fertigung erfolgte bei Siemens. 12 Bei Tagjägern sollte es zusammen mit dem Tagjagdgerät FuG 217 R (identisch mit dem Rückwärtswarngerät FuG 217 R - es waren lediglich die Antennen so eingebaut, dass sie nach vorne strahlten -) eingebaut werden.

 

Fw190

Abb.104 Focke Wulf Fw 190 mit Antennen des FuG 217 R als Tagjagdgerät

 

Bei dieser Gerätekombination wurde also nur die Entfernung gemessen und die Auslösung der Bordwaffen veranlasst. Eine Seiten- oder Höhenpeilung entfiel, da das Zielen rein optisch erfolgte, Bei einer von Galland veranlassten Vorführung (Weihnachten 1944) bezeichnete Göring diese Gerätekombination als "Panzerfaust der Luftwaffe". Ob die "Elfe" in Tag- oder Nachtjägern zum Einsatz kam, ist nicht bekannt geworden. Fest steht nur, dass ihr Einsatz lange nicht freigegeben wurde, u.a. um sie überraschend beim "letzten grossen Schlag" einsetzen zu können. Der Großteil der Geräte fiel während dieser Zeit am Boden den Luftangriffen zum Opfer. (Abb.104..107)

 

 

104

 

Abb.104a Antennen des FuG 217 R als Tagjagdgerät Focke Wulf Fw 190 (nur zur Entfernungsmessung und Waffenauslösung!)

 

 

 

 

105

 

Abb.105 Vereinfachte Darstellung , des Auslösegerätes "Elfe 3" = EG. Der Sendeimpuls SJ wurde im Phasenschreiber Ph verschoben zum Nachlaufimpuls NJ. Wenn im Impuls-Vergleich JV der NJ und der Empfangsimpuls EJ "nicht" gleichzeitig eintrafen, zog das Relais R, das über den Motor M die Phasenschaltung so nachstellte, dass der NJ mitgenommen wurde. Bei 1,5 km Zielentfernung wurden die Bordwaffen ausgelöst!

 

 

 

106

 

Abb.106 Phasenbilder der Waffenauslösung durch "Elfe 3"

 

 

Elfe3

 

Abb.107 Auslösegerät EG 3 "Elfe 3" geöffnet

 

 

 

 

d) "Lichtenstein"-Geräte

 

Der größte Teil der aktiven Bordfunkmessgeräte wurde von der Firma Telefunken entwickelt. Aus Vorkriegsarbeiten für einen elektrischen Höhenmesser ("Lichtenstein B") entstand 1940 das Nachtjagdgerät "Lichtenstein BC" FuG 202. Seine Betriebsfrequenz lag bei 490 MHz, unter Verwendung des Senderumformers U 10 S des FuG 10 gab der Sender eine Impulsleistung von 1,5 kW ab. Der Empfänger war dem damaligen Stand der Technik entsprechend ein Pendelaudion mit 6-stufigem NF-Verstärker (Geradeausempfänger), während fast alle anderen Geräte, (die ja auch erst viel später entwickelt wurden), einen Überlagerungsempfänger (Super) hatten. Die Betriebssicherheit hing dementsprechend sehr von sachgemässer Wartung ab und war nicht übertrieben hoch und die Reichweite von 4 km gegen Flugziele wurde nicht immer erreicht. Auch die Tastschaltung für den Sender war noch sehr kompliziert. Andererseits war das Gerät aber bahnbrechend für alle anderen deutschen Nachtjagdgeräte Es verwendete erstmalig die Antennen über eine Weiche gemeinsam für Sendung und Empfang, desgleichen erstmalig deren Anordnung im Viereck vor der Kanzel (die Arbeitsweise wurde bereits beim "Neptun V" = FuG 218 V2 weiter oben, beschrieben). Jede der 4 Antennen bestand aus 4 Dipolen mit Reflektoren. Auch das Sichtgerät war von sehr weitschauender Konzeption. Es hatte 3 Anzeigeröhren.

 

 

108
Antenne
Abb.108 Drehverteiler für die Antennen!
Abb.108a Antenne Ln 28203 Nachtjagdgerätes "Lichtenstein BC2"

 

109
109a
Abb.109 "Lichtenstein BC2" Fug 202 an einer Junkers Ju 88 R-2
Abb.109a Junkers Ju 88 C-6

 

Do17
Do217_2
"Lichtenstein BC2" Fug 202 an einer Dornier Do 217 N-2
Nachtjäger Dornier Do 217 J-1

 

 

Die linke zeigte auf einer kreisförmigen Zeitbasis in radialer Auslenkung (nach aussen) alle Ziele des Meßbereiches 8 km. Diese Kreisform ergibt einen Abstand der km-Marken, der mit einer geraden Z&itbasis nur mit einer Röhre von weit über 2 mal so grossen Durchmesser zu erreichen wäre. Die beiden anderen Röhren für die Seiten- bzw. Höhenpeilung hatten eine vertikale bzw. horizontale Zeitbasis, an der die Echos Rücken an Rücken - geschrieben wurden -. Diese beiden Röhren zeigten aber zur genauen Ablesung vom Gesamtmeßbereich nur einen Teil mit 1,5 km, der für beide Röhren mit einem Drehknopf (Phasenschieber, ähnlich wie beim Rostock-Gerät, jedoch ohne Eichung) frei wählbar war. Dieses Gerät war in grosser Stückzahl eingesetzt, zum Teil auch zur Vergrösserung des Suchwinkels (wie bei "Hohentwiel") mit zusätzlichen Seitenantennen - "Lichtenstein BC/S". ( Abb.108..114)

 

110

Abb.110....112 Links, Empfängerbaustein (E) (Pendler) und der Sendeteil (S), rechts das Sende- und Empfanggerät (SE) des FuG 202 G

 

 

Ln28202

Sichtgerät SG 202

 

1
3
Seitensicht von vorne Sichtgerät SG 202
Draufsicht "Ln 28202"

 

113

 

Abb. 113 das Sichtgerät SG 202 "Ln 28202" des FuG 202, mit Anzeige (1.Ziel in 1,3 km links hoch, 2.Ziel in 2,1 km genau voraus, Bodenechos ab 3,7 km-Flughöhe).

 

 

114

 

Abb.114 Vereinfachtes Prinzipschalthild der Nachtjagdgeräte FuG 202 u.212. Der linke Teil des Antennenschalters war als Drehverteiler ( HF-Umschalter mit 4 Umwegleitungen) ausgebildet.

 

 

115

 

Abb.115 Vereinfachtes Prinzipschema des Rückwärtswarngerätes FuG 214 (mit Stachelantennen , ohne Weiche , kreisförmige Zeitlinie).

 

 

Aus dem "Lichtenstein BC" entstand im November 1942 ein speziell für den Torpedozielwurf entwickeltes Schiffssuchgerät "Lichtenstein'BC/T" (FuG 202 T ?). Von den 4 Antennengruppen waren 2 weggelassen worden, ebenso wie die mittlere Anzeigeröhre (Höhenpeilung) des Sichtgerätes. Auf der E-Meßröhre war jedoch ein drehbarer Zeiger angebracht, welcher bei Nachführung mit dem Zielzacken über eine Fernübertragungseinrichtung dem Flugzeugführer die jeweilige Entfernung auf einer Kreisskala anzeigte. Obwohl die E-Meßgenauigkeit (+100 m) und auf die Nahauflösung (ca. 150 m?) sehr gut waren, genügte die Reichweite mit etwa 6,5 km nicht. Auch die Peilgenauigkeit (+2,5°) war wegen des grossen Suchwinkels (ca. 120°) nicht genügend gross. Ausser Mustergeräten wurde es daher nicht weiter gefertigt. (Abb. 116...119)

 

He111H6

Abb. 118 Heinkel He 111 H-6 mit Torpedo-Zielwurfgerät "Lichtenstein BC/T" (FuG 202 T?)

 

116
117
118
Abb.118a Heinkel He 111 H-6 mit Antennen
Abb.117 Sichtgeräte mit Nachführungsknopf für.....
Abb.119 ... Entf. Anzeige beim Flugzeugführer
119

Abb.119 Entfernungsanzeige des (FuG 202 T?) beim Flugzeugführer (0..8 Hektometer) (1 Hektometer= 100.00, Meter)

 

 

Hinweis: Beschreibung eines Beschreibung Luft-Torpedoangriff`s (neuses Browserfenster!)

 

Eine weitere Version des "Lichtenstein. BC" war das nur in mittleren Stückzahlen gefertigte Rückwärts-Warngerät "Lichtenstein BC/R" FuG 214, Bei diesem waren im Sende-Empfangsgerät die frequenzbestimmenden Bausteine gegen solche mit einer Betriebsfrequenz von 260 bzw. 333 MHz ausgetauscht, da die ursprüngliche Betriebsfrequenz der BC-Beräte (490 MHz) bei 3 Versuchsmustern zu geringe Reichweiten erbrachte. Im Sichtgerät wurde (aus bereits bei den anderen Rückwärts-Warngeräten besprochenen Gründen) nur die E-Meßröhre (mit kreisförmiger Anzeige) belassen, der Platz für die beiden anderen Röhren wurde abgedeckt. Spätere Geräte erhielten ein verkleinertes Sichtgerät. Das "Lichtenstein. BC/R" war das einzige Telefunkengerät, das für Sendung und Empfang getrennte Antennen hatte. Es wurde eine ähnliche Bauart (Stachelantenne) und die gleiche Anordnung (links und rechts vom Flügel) wie beim "Neptun R" verwendet. Die Fertigung wurde Anfang 1944 zugunsten, des FuG 217 eingestellt. (Abb.115,120,121 )

 

120
Abb.120 Rückwärts-Warngerät "Lichtenstein BC/R" FuG 214 die Sendeantennen
121
Abb.121 Die neuere Ausführung des Sichtgerätes. Das Sende- / Empfangsgerät -entsprach der Abb.109. Blockschema siehe Abb. 115!

 

SG214

Abb.121a (Ln 29263) Sichtgerät SG 214a

 

 

 

Als Nachfolger des"Lichtenstein BC" entstand das Nachtjagdgerät "Lichtenstein C 1" FuG 212. In Schaltung und Bedienung glich dieses Gerät seinem Vorläufer FuG 202, es wurden auch die gleich Anordnung der Antennen und die gleiche Betriebsfrequenz (490 MHz) verwendet. Das Sende-Empfangsgerät, das Sichtgerät, der Drehverteiler (Umschaltung für die Antennen) und der Einbausatz (Schwingrahmen etc.) waren jedoch mechanisch vollkommen neu durchkonstruiert worden. Das Gerät war in grosser Stückzahl ab 1943 im Einsatz und hat sich sehr bewährt. Da die Antennen durch ihren Luftwiderstand die maximale Fluggeschwindigkeit um 30 bis 40 km herabsetzen, ist es - wie auch bei anderen Funkmeßgeräten - vorgekommen, dass das in vielen Arbeitsstunden eingebaute und justierte Lichtensteingerät nach Übernahme der Flugzeuge durch die Truppe von dieser sofort wieder ausgebaut wurde. Wenn aber durch entsprechende Einweisung und Übung das entsprechende Vertrauen zum Gerät gefaßt war, blieben die Erfolg nicht aus. Es gab auch ein "Lichtenstein C 1/S" mit Seitenantennen zur Vergrösserung des Auffaßbereiches. Das Lichtenstein C 2 besaß statt des Pendelaudions einen Überlagerungsempfänger, der im Zuge der Aktion "Wismar", wie auch der Sender, im Bereich 420...480 MHz durchstimmbar gestaltet wurde.( Abb,122..125 )

 

122

Abb.122 Normale Antennen des Nachtjagdgerätes "Lichtenstein C1" FuG 212 an einer Junkers Ju 88 C-6

 

Bf-110G-Zerstorer-FuG-212-Lichtenstein-C-1

 

Abb.123 Weitwinkelantenne des FuG 212 an einer Messerschmitt Me Me 110 G

 

124
125
Abb.124 Gerätesatz des FuG 212
Abb.125 Nahaufnahme des Sichtgerätes FuG 212

 

SG212

Abb.114a Sichtgerät SG 212 FuG 212

 

Wegen seiner guten Nahauflösung (ca.200 m) wurde das Lichtenstein C-Gerät (und auch die noch vorhandenen Lichtenstein BC-Geräte vielfach als "Nahsuchgerät" mit dem"Weitsuchgerät" Lichtenstein SN 2 (siehe weiter unten!) kombiniert. Die 4 einzelnen Antennengruppen mit je 4 Dipolen wurden dann durch eine (sehr ähhlich aussehende) einzige Antennengruppe mit 4 einzelnen Dipolen ("Weitwinkelantenne" mit grösserem Suchwinkel und geringerer Reichweite) ersetzt, da das Suchen auf grösserer Reichweite durch das Lichtenstein SN 2 übernommen wurde. Das Sichtgerät mit 3 Anzeigeröhren wurde ebenfalls durch das vereinfachte Einheitssichtgerät mit 2 Röhren (nur Seiten- und Höhenpeilung mit umschaltbaren Bereichen 0...4 km/0...10 km und einblendbaren 2 km-Eichmarken) ersetzt. (Abb. 123,128,129 )

 

 

 

129

 

Abb.128 Antennen des FuG 220 Serie b an einer Heinkel He 219, in der Mitte eine Weitwinkelantenne des FuG 212 (E-Messung bei kurzer Entfernung)

 

 

128
128a
Abb.128a Antennen des FuG 220 an einer Heinkel He 219
Abb.128b Seltene Flug-Aufnahme eines Nachtjägers Heinkel He 219

 

127

Abb.129 Antennen des Nachtjagdgerätes "Lichtensteins SN2" FuG 220 "Serie a" Flächenentennen an einer Junkers Ju 88 C-6

 

 

Das "Lichtenstein C2/B" und "Lichtenstein E" (mit den Meßbereichen 0...1 km und 0 ... 12 km, mit einer Nahauflösung von angeblich 100 m! kombiniert mit einem Auslösegerät "Lichtenstein-Pauke") waren vermutlich nur geplante Vorläufer des FuG 215.

Ein Nachtjagdgerät "Lichtenstein 0" zum Schiessen nach oben (in Zusammenarbeit mit der "schrägen Musik") blieb vermutlich nur ein Projekt. Das Nachtjagd- und Blindzielgerät "Pauke A" FuG 215 wurde nur zur Verfahrensklärung in 10 V-Mustern gebaut. Es arbeitete im Bereich 410 ... 490 MHz (mit 6 Rastfrequenzen) und einer Impulsleistung von 30 kW. Die einzige (gemeinsam für Sendung und Empfang verwendete) Antenne sollte zuerst wie die Winkelweitantenne des FuG 212 (jedoch mit dickeren Dipolen) ausgeführt werden. Sie wurde jedoch dann in dem mit Sperrholz verkleideten Bug des Flugzeugs untergebracht und mit einem mechanisch bewegten Spiegel von 70 cm Durchmesser versehen. Zur Anzeige wurde das Einheitssichtgerät (wie bei FuG 220) verwendet. Dieses Nachtjagdgerät war mit einer zusätzlichen Nachlauf- und Auslösevorrichtung ausgerüstet (Wirkung wie "Elfe"), Der Meßbereich war 0 ...1,5 km. Die Meßgenauigkeit betrug + / - 5 m (?).

 

130
131
Abb.130 Antenne des FuG 220 an einer Junkers Ju 88 C-6
Abb.131 Rückwärtsantenne des FuG 220 an einer Heinkel He 111

 

Das Schiffssuchgerät "Lichtenstein S" FuG 213 arbeitete auf 72 MHz, später auf 91 MHz und war wieder eine vollkommene Neukonstruktion (1942). Der Sender und der Empfänger (Überlagerungsempfänger) saßen auf einem gemeinsamen Aufhängerahmen. Das Sichtgerät hatte 2 Röhren, eine Entfernungsröhre mit kreisförmiger Zeitlinie für den Bereich 0...60 km und eine Seitenpeilröhre mit Phasenschieber, auf der wieder ein beliebiger Teilbereich eingestellt werden konnte. Sender und Empfänger waren über eine Weiche und einen Antennenumschalter gemeinsam mit den beiden links und rechts vor der Flügelvorderkante angebrachten Drahtantennen verbunden. Dieses Schiffssuchgerät kam jedoch (wie sein aus Bausteinen des FuG 202 bestehender Vorläufer "Lichtenstein BC/T") nur in wenigen Exemplaren zum Einsatz. Die erflogenen Reichweiten gegen Schiffsziele lagen bei 60 km, die Nahauflösung war mit 300 ... 500 m relativ gering (Abb.126,127,134)

 

132

 

Abb.132 Empfänger (m.Weiche), Sender und (Einheits-) Sichtgerät des FuG 220

 

Sg220
2
Abb.132a Sichtgerät SG 220
Abb.132b Frontansicht Ln 29371

 

 

133

Abb.133 Typische Schirmbilder auf der Seitenpeilröhre (links) und der Höhenpeilröhre (rechts). Bereich 10 km, Eichmarken im Abstand von je 2 km. Unten bzw. links das Nullzeichen (vom eigenen Sender), in 4,5 km Entfernung ein Ziel genau voraus, in 5,1 km ein Ziel etwas rechts tief ab 7,7 km (entsprechend der Flughöhe) starke Bodenechos.

 

 

Der Gerätesatz des "Lichtenstein S" wurde mit den Betriebsfrequenzen 73 bzw. 81 oder 91 MHz bei dem Weitsuch-Nachtjagdgerät "Lichtenstein SN 2" FuG 220 verwendet. Das Sichtgerät (mechanisch gleich demjenigen des Lichtenstein S) erhielt je eine Röhre für Seiten- und Höhenpeilung mit den Bereichen 0 ... 4 km und 0 ... 10 km und eingeblendeten 2 km-Entfernungsmarken. Die Höhen und die Seitenpeilung konnten jedoch nicht mehr gleichzeitig wie beim "Lichtenstein C1", sondern nur abwechselnd vorgenommen werden. (Aus diesem Anzeigegerät entstand das bereits mehrfach erwähnte Einheitssichtgerät.) Die Antennen bestanden aus 4 grossen Dipolen mit je einem Reflektor. Bei der Serie "a" wurden genau wie bei FuG 218 V1 für die Seitenpeilung für Sender und Empfänger gemeinsam nur die beiden am linken Flügel nebeneinander angebrachten vertikalen Dipole, für die Höhenpeilung nur die beiden am rechten Flügel übereinander angebrachten horizontalen Dipole verwendet. Bei der Serie "b" wurden wie bei FuG 218 V2 die 4 Dipole senkrecht (in wenigen Fällen wegen des Waffeneinbaues auch schräg) im Viereck am Bug angebracht. In diesem Falle wurden dann für die Höhenpeilung die beiden nebeneinanderstehenden Dipole parallelgeschaltet, für die Seitenpeilung wurden die links bzw. rechts übereinanderstehenden Dipole parallelgeschaltet. Dadurch, dass nun wieder alle 4 Antennen gleichzeitig (über Umwegleitungen) verwendet wurden, ergab sich zwar ein kleinerer Suchwinkel, aber durch die bessere Bündelung eine grössere Reichweite. Dieses war, wie bei allen bisher besprochenen Geräten (Meter- und Dezimeterwellenbereich), von der Flughöhe (Überdeckung der Flugzielechos durch starke Bodenechos) abhängig. Es wurden trotz einer Senderleistung von nur etwa 2 kW Flugziele bis zu einer Entfernung von 8 km erfasst. Ab 1944 wurden die Geräte in grosser Stückzahl (mehr als 2000!) eingesetzt.

 

134

Abb.134 Vereinfachtes Prinzipschema des Schiffsuchgerätes FuG 213 mit Drahtdipolen an den Flächen

 

 

Die deutschen Nachtjäger errangen ihren grössten Erfolg mit "Lichtenstein" Geräten in der Nacht vom 30. auf den 31.März 1944, in der von 795 anfliegenden RAF-Bombern 95 abgeschossen wurden. Da die , Nahauflösung der SN-2-Geräte anfänglich sehr mager (300...500 m) war, wurden sie mit Nahsuchgeräten "Lichtenstein C" mit Weitwinkel-Antenne (siehe oben!) kombiniert. Versuchsweise wurde auch eine Ausführung des "Lichtenstein" Gerätes mit Zeigeranzeige für den Flugzeugführer gebaut. (Abb.128..133,135,136)

 

 

135

 

Abb.135 Vereinfachtes Prinzipschema des Nachtjagdgerätes FuG 220 / Serie "a" mit Dipolantennen an den Flächen

 

136

 

Abb.136 Vereinfachtes Prinzipschema der Nachtjagdgerät "Lichtenstein SN 2" FuG 220 "Serie b" und "Lichtenstein SN 3" FuG 228

 

Die letzte Form der "Lichtenstein"-Geräte war das Weitsuch-Nachtjagdgerät "Lichtenstein SN 3" FuG 228. Es besass einen stärkeren Sender mit 20 kW Impulsleistung; die Reichweiten gegen Flugziele scheinen nicht wesentlich über 8 km hinausgegangen zu sein, die Nahauflösung betrug 220...250 m. Der Sender und der Empfänger besassen 10 Rastwellen im Bereich 100...125 MHz (später beabsichtigt 100...158 MHz). Die Antenne war ähnlich der SN-2-Antenne, die vorderen Dipole waren jedoch dicker (breitbandiger). Für die Junkers Ju 388 J-2 war auch eine "Morgenstern" Antenne (4 Stachel-Antennen auf einer konischen Rumpfspitze) entwickelt worden. Das Anzeigegerät und die Funktion (mit Rückwärtswarnung) waren wie bei seinem Vorläufer. Von den bestellten 100 Anlagen sollen im März 1945 noch 10 geliefert worden sein.(Abb.137,138)

 

137
138
Abb.137 Entwicklungsziel - "Breitbandnachtjagdsuchgerät" (als Ablösung von Li SN 2 gedacht) Breitbandantenne des FuG 228
Abb.138 strömungsgünstige "Keulen" Antenne (Morgensternantenne) des FuG 228 an einer Junkers Ju 388 J-2 (V-Projekt)

 

NJG 4

Junkers Ju 88 NJG 4 - Beutemaschine in England mit strömungsgünstige "Keulen" Antenne (Morgensternantenne)??

 

Ein Übersichts-Warngerät "Falkenauge" war im Februar 1944 bei der Fa. Schwarzer & Co, als Versuchsaufbau vorhanden. Dieses Gerät arbeitete auf 73 MHz mit einer Impulsleistung von 2 kW und war aus Teilen des "Lichtenstein SN 2" aufgebaut. Die über eine Rundstrahlantenne (!) ausgesendeten und von Luftzielen reflektierten Impulse wurden über eine als Kreuzrahmen oder Kreuz-Adcock äusgeführte Empfangsantennenahordnung mit einem Doppelempfänger aufgenommen und als radialer Leuchtstrich (-Azimutangabe auf einer Anzeigeröhre mit 360° - Skala) dargestellt. Als Meßgenauigkeit für die Richtungsanzeige (Seitenwinkel) erwartete man +/- 0,5°. Über das weitere Schicksal des Gerätes ist uns nichts bekannt (vermutlich Entwicklung eingestellt.)

 

 

 

e) "Berlin"-Geräte und Nachfolger

 

Im Winter 1941/42 war bei Rotterdam das Labormuster Nr.6 des englischen cm-Wellen-Panoramagerätes H 2 S ohne Antenne und Sichtgerät in die Hände der Deutschen gefallen, das zur Verwunderung der Entwickler in Deutschland nicht nur über See die Schiffe anzeigte, sondern auch bei Flug über Land die Flußufer, Seen und Städte in Form einer Elektronenkarte so deutlich darstellte, daß danach navigiert werden Konnte. Dieses "Rotterdam"-Gerät wurde bei Telefunken (trotz fast völliger Zerstörung bei einem Luftangriff) wieder zum Funktionieren gebracht und für eigene Untersuchungen herangezogen. Auf Grund dieser Ergebnisse wurden die im Laufe des Krieges unterbrochenen Arbeiten wieder aufgenommen und verstärkt an der Entwicklung geeigneter Funk-Wellen-Bauteile (Magnetons, Klystrons, Scheibenröhren, Detektoren, Schwingkreise usf.) gearbeitet.

 

139

 

Abb.139 Rundsuchgerät "Berlin A" FuG 224, Verkleidete Antenne an einer Focke Wulf Fw 200

 

Das erste deutsche mit Zentimeterwellen arbeitende Funkmeßgerät für Flugzeuge war das vor Telefunken im Jahre 1943 herausgebrachte (Rundsuch-Gerät "Berlin A" FuG 224 (auch als "Panoramagerät" oder "Bodenbetrachtungs-Gerät" bezeichnet) das bei einer Betriebsfrequenz um 3300 MHz (9 cm Wellenlänge) mit einer Impulsspitzenleistung von 20 kW arbeitete und trotz seines noch sehr labormässigen Aufbaues unter teilweiser Verwendung von Rundfunkröhren doch wesentlich kleiner und leichter als das "Rotterdam"-Gerät war. Die für Sender und Empfänger gemeinsame Antenne bestand (ähnlich der Antenne des "Naxos Z" (siehe dazu im Kapitel "passive Zielsuchgeräte")) aus 4 keramischen Stielstrahlern, die eine schmale, fächerförmige Strahlungscharakteristik ergaben. Diese unterhalb des Flugzeugs unter einer Plexiglashaube angebrachte Anordnung wurde durch einen Motor mit 400 U/min um die senkrechte Achse gedreht. Bei jedem Sendeimpuls (1500 Impulse/Sekunde) wurde auf der grossen Anzeigeröhre des Sichtgerätes der Elektronenstrahl von der Mitte in der jeweiligen Antennenrichtung nach aussen abgelenkt. Der Sendeimpuls tastete den Elektronenstrahl an seinem Anfang (= Bildmitte) hell, die später intreffenden Echos entsprechend später zum Bildrand zu. Beim nächsten Impuls war die Antennenrichtung bereits um 1,6° gedreht, so daß auch der Elektronenstrahl entsprechend gedreht gezeichnet wurde, Da (glatte) Wasserflächen die auftretenden Impulse wegspiegelten, Uferböschungen, Häuser, Wälder, Türme, Flugzeuge, Schiffe etc. jedoch Echos zurückwarfen, wurde so ein Panoramabild der Umgebung bzw. eine "elektronische Karte" gezeichnet.

 

140
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Abb.140 SG 224 Sichtgerät-Einzelansicht
Abb.141 Sichtgerät und Steuergerät in einer Focke Wulf Fw 200 (Sende und Empfangsteil siehe unter Abb.147)

 

Sg224

Abb.141a Sichtgerät SG 224 FuG 224

 

 

Durch Verbindung mit dem Kurskreisel wurde bei Bedarf das Bild stets so gedreht, dass Norden nach oben zeigte. Der Flugzeugkurs wurde als leuchtender Radius eingetastet. Der Entfernungsmessbereich war umschaltbar von 18 km (= 36 km Durchmesser) auf 60 km Radius. Auf einer zweiten Bildröhre wurde eine horizontale Zeitbasis geschrieben, die durch die Echos nach oben ausgezackt wurde. Das erste Echo war stets die Flughöhe. Mittels eines Drehknopfes wurde eine verschiebbare Höhenmarke mit dem Bodenecho in Deckung gebracht. An einer Skala wurde dann die Flughöhe abgelesen. Daher wurde diese kleinere Bildröhre auch als "Höhenrohr" bezeichnet. Auf der grösseren Bildröhre - "Panoramarohr" war ein Kreis veränderlichen Durchmessers - "Entfernungsmarke" eingeblendet.(Abb...144,147)

Durch Verstellen eines weiteren Knopfes wurde dieser Kreis so gross eingestellt , daß er durch das betrachtete Zielecho lief.

 

142

 

Abb.142 Draufsicht auf die Drehantenne und Querschnitt durch einen elektrischen Stielstrahler

 

143

 

Abb.143 Typisches Schirmbild eines FuG 224 (Standort über einer Hafeneinfahrt mit Schiffen!)

 

144

 

Abb.144 Vereinfachtes Prinzipschema des Rundsuch-Funkmeßgerätes FuG 224. Links die rotierende Antenne mit 4 Stielstrahlern. Mit ihrem Antriebsmotor (M) war ein Generator (G) gekuppelt, der eine Spannung für die (mit der Antennenrotation synchrone) Rotation der Zeitlinie der Übersichtsröhre lieferte. Die Übersichtsröhre konnte von der Kurszentrale her so gedreht werden, daß Norden stets nach oben zeigte. An die Bedienungsknöpfe der Höhenmeßröhre und der Übersichtsröhre war ein Rechengerät (RG) für den Bombenwurf angeschlossen.


An einer zugehörigen Skala konnte dann die Entfernung (Schrägentfernung) abgelesen werden. Bei Ergänzung durch ein einfaches Rechengerät (Meßzusatz), einer besonderen Stoppuhr (zur Ermittlung der Geschwindigkeit über Grund) und Strichplatten zum Auflegen auf das Panoramarohr konnte das Berlin-Gerät zum Bombenwurf verwendet werden. Da um diese Zeit aber bereits die Verteidigung immer wichtiger wurde und grössere Bombenabwurf-Aktionen der deutschen Luftwaffe nicht mehr in Frage kamen, wurde das Gerät nur in wenigen Exemplaren als Schiffssuchgerät verwendet. Die Reichweite lag für 3000 m Flughöhe bei 45 km gegen ein 5000 to-Schiff.

Ein Rundsuchgerät auf den 3 cm-Bereich (grösseres Auflösungsvermögen) war als "Berlin D"- FuG 241 in Vorbereitung (Das einzige betriebsfähige 3 cm-Funkmeßgerät war ein (teilweise aus Beuteteilen) noch mit Koaxialer Technik (ohne Hohlrohrleitungen) aufgebautes Versuchsgerät "Rotterdam X").

 

145

Abb.145 Antenne des Nachtjagdgerätes "Berlin N 1" FuG 240/1 uner einer Holzhaube am Bug einer Junkers Ju 88 G-7 (An den Flächen Antennen eines FuG 217 R)

 

 

Der Sende- und Empfangsteil des Berlingerätes wurde auch in dem Nachtjagdgerät "Berlin Nla" FuG 240/1 verwendet, das in verschiedenen Versionen projektiert war. Bei der Ausführung "Berlin N 1a" war im Flugzeugbug unter einer Holzhaube ein Spiegel von 70 cm Durchmesser angebracht, in welchem, durch einen Motor angetrieben, das für Sender und Empfänger gemeinsame Dipol etwas versetzt. von der Mittelachse des Spiegels rotierte.

 

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Abb.146 Antennenspiegel des FuG 240/1 mit Steuerung

 

 

Der Sende- und Empfangsteil des Berlingerätes wurde auch in dem Nachtjagdgerät "Berlin Nla" FuG 240/1 verwendet, das in verschiedenen Versionen projektiert war. Bei der Ausführung "Berlin N 1a" war im Flugzeugbug unter einer Holzhaube ein Spiegel von 70 cm Durchmesser angebracht, in welchem, durch einen Motor angetrieben, das für Sender und Empfänger gemeinsame Dipol etwas versetzt. von der Mittelachse des Spiegels rotierte.

 

 

147

 

Abb.147 Geräte (Feld 1 & 2) mit Sende- und Empfangsteil der "Berlin-Geräte" Das Sichtgerät des FuG 240/1 war gleich dem SG 220 ins Abb.132

 

 

Das resultierende Antennendiagramm beschrieb daher einen Kegelmantel. Der mit dem Antriebsmotor verbundene Motorschalter gab je nach der Stellung "oben/rechts/unten/links" dem Empfängerausgang auf die entsprechenden Ablenkplatten der Anzeigeröhren des Sichtgerätes (der gleiche Typ wie bei Lichtenstein SN 2). Es ergab sich so bei genau in Flugrichtung eingerastetem Spiegel für den Zielflug das gleiche Bild wie bei dem SN 2. Da die Bündelung jedoch wesentlich grösser war als beim SN 2 (ca.+ 10° gegen ca.+ 50°), ergab sich zwar eine höhere Peilgenauigkeit (+/- 1° gegenüber +/- 2°), das Ziel wäre jedoch schwerer gefunden und bei Abwehrbewegungen leichter verloren worden. Daher war der Antennenspiegel noch zusätzlich durch den Beobachter mittels Knüppelsteuerung über Motoren nach allen Seiten um 60° schwenkbar. Die Spiegelstellung wurde dem Flugzeugführer durch ein Lichtmarkeninstrument mit Fadenkreuz angezeigt, sodaß sofort die benötigten Kursänderungen ohne vorherige mündliche Durchsage vorgenommen werden konnten. Das Gerät war im März 1945 beim Nachtjagsgeschwader 1 Gütersloh eingesetzt und führte zu 10 Abschüssen. Die Reichweite betrug 4...5 km,die Nahauflösung 350 m. Es waren 100 Geräte bestellt, davon sollen im März 1945 25 Gerätesätze geliefert und 10 davon in Flugzeugen eingebaut worden sein. (Abb.145-.148)

148

Abb.148 Vereinfachtes Prinzipschema der Nachtjagdgeräte FuG 240 und des FuG 244. Die im Antennenspiegel rotierende Dipolantenne erzeugte ein stiftförmiges Diagramm, das sich auf einem Kegelmantel bewegte. Für die Kehrbildanzeige (wie bei Fu G 220) wurden nur die Sektoren hoch / rechts / tief / links ausgewertet. Zur Vergrößerung des Auffaßbereiches konnte die gesamte Antennenanordnung zusätzlich über 2 Motoren und einen Verstärker (V) durch Betätigung des Steuerknüppels des Richtgerätes (RG) um bis zu 60° zur Flugzeug-Längsachse geschwenkt werden. Beim Flugzeugführer war ein Lichtpunktvisier zur Anzeige der jeweiligen Antennenstellung (AZ) angeordnet. Mit dieser Antennenanordnung wäre auch eine dreidimensionale Anzeige auf einer einzigen Anzeigeröhre ( "Zielscheiben-Anzeige", siehe Bild 149 ) möglich gewesen!

 

 

Durch Zusatz eines Abstandgebers (zur Auswahl eines bestimmten Zieles) und eines 2. Sichtgerätes mit Visieranzeigebild für den Flugzeugführer enstand aus dem "Berlin N1a" das Nachtjagd-Blindzielgerät "Pauke S" FuG 222 (Telefunken). Es wurden jedoch nur 3 Anlagen zur Verfahrensklärung für spätere Geräte aufgelegt, vermutlich jedoch nicht mehr fertig entwickelt. Ein ähnliches Projekt "Pauke Q" mit Summendifferens-Peilung wurde nicht ausgeführt.

Bei einer einzigen Anlage des "Berlin A" wurde die rotierende Stielstrahlerantenne auf der Rumpfoberseite eingebaut, so dass der Raum oberhalb des Flugzeuges (wie beim passiven Gerät "Naxos Z", siehe dazu weiter unten) abgebildet wurde. Das mit Nachtjagdgerät "Berlin N 4" (N 3?) FuG 240/4 (/3?) bezeichnete Gerät wurde auf seine Eignung für Fühlungshalter untersucht. Wegen Schwierigkeiten mit dem Antennendiagramm (Abschattung durch Leitwerk, Flügel und Führerkabine) und des Fehlens einer Höhenanzeige wurde diese Form der Abtastung des Zielraumes für aktive Funkmeßgeräte verlassen.

Das Nachtjagdgerät "Bremen 0" FuG 244 war als Nachfolgegerät für das "Berlin N 1" gedacht und arbeitete mit 10 kW Impulsleistung ebenfalls im 9-cm-Bereich (um 3300 MHz). Die Reichweite betrug 5 km, die Nahauflösung war auf 200 m verbessert. Die Antenne, das Schwenksystem und die Anzeige waren die gleiche wie bei "Berlin N 1". Die Schußauslösung sollte durch die "Elfe" erfolgen. Der Gerätesatz war leichter und kleiner als derjenige der "Berlingeräte". Es wurden 100 Geräte als Nullserie (daher "Bremen 0") bestellt, das erste und einzige Gerät befand sich bei Kriegsende in Diepensee.

Das projetkierte Seriengerät mit neuen Röhren (Schreibenröhren) und 100 kW Sendeleistung sollte "Bremen" FuG 245 heißen. Bei den "Berlin"- und "Bremen" -Geräten wurden die verschiedensten Antennenformen bzw. Abtast- und Anzeigeformen (z.B. Zeilenabtastung) untersucht, um die Geräte gleichzeitig oder umschaltbar als Übersichts- und Blindzielgerät verwenden zu können.(Abb.145)

Als Nachfolgegerät für "Bremen" war das Nachtjagdgerät "Bremerhaven" FuG 247 geplant. Zur Verbesserung der Auflösung auf 2...3° sollte es im 3-cm-Bereich (9400 MHz) arbeiten, einen Kegelraum von 120° spiralförmig abtasten und eine Reichweite von 10 km, unabhängig von der Flughöhe (Bodenechos!), ergeben. Dem Jäger sollte ein möglichst vollwertiger Ersatz der optischen Sicht geboten werden.

Für einmotorige Tagjäger war ein Jägerschießgerät "Eule" FuG 248 mit kleineren Abmessungen in Planung. Betriebsfrequenz 10 880 MHz (1,6 cm Wellenlänge), Reichweite 3 km unabhängig von der Flughöhe. Das Zielen sollte optisch erfolgen, die Trichterantenne (Flügeleinbau) sollte automatisch um den Vorhaltewinkel geschwenkt werden. Die Entfernungseingabe sollte automatisch über die "Elfe" in das EZ 42 Visier erfolgen. Projektierter Einsatz: Herbst 1945.

 

EZ 42

Beschreibung zum EZ 40 und Ez 42 Visier finden Sie hier !

 

Im Dezember 1944 waren auch die Funksehanlagen "München (T/L)" FuG 242 und "München 0" FuG 246 für Seeziel- und Panzerbekämpfung in Planung. Die Reichweite gegen Seeziele sollte 100 km betragen. Die Anzeige sollte mit einerAuflösung von 1° den ganzen Raum unterhalb des Flugzeuges (auch beim Überfliegen) und bis auf sehr kleine Entfernungen darstellen, so dass auch eine Panzerbekämpfung oder Blindlandungen ermöglicht würden. Die Stromversorgung sollte aus dem 500-Hz-Bordnetz erfolgen, der Einbau sollte in der Arado Ar 234, Messerschmitt Me 262 und Dornier Do 335 vorgenommen werden.

In Planung oder noch im Zustand von Vorversuchen befanden sich bei Kriegsende auch folgende 3 mit Zentimeterwellen arbeitende Geräte:

 

1.)
Das Nachtjagdübersichtsgerät "Schwabing" (Atlas-Werke, Sendefrequenz 3150 MHz, Impulsleistung 10 kW) sollte eine Zielanzeige mit Sektorpanorama 90° für Seite und Entfernung erhalten. Die relative Flughöhe der Flugziele sollte durch Farbumschlag auf dem Sektorpanorama dargestellt werden, höher = rot / gleichhoch = gelb/ tiefer = grün.
2.)
Das bei Telefunken in Bearbeitung befindliche Verfahren bzw. Nachtjagdgerät "Erkner" sollte mit Hilfe des Dopplereffektes und einer besonderen Antenne die alleinige Anzeige bewegter Flugziele (dem heute üblichen M.T.I. entsprechend) unabhängig von der jeweiligen Flughöhe ermöglichen. (Bei fast allen anderen Geräten wurden diejenigen Ziele durch starke Bodenechos verdeckt, deren Entfernung gleich oder größer der Flughöhe war. Die Reichweite war also praktisch meist gleich der Flughöhe).
3.)
Ein von Blaupunkt als Abwandlung des Zielsuchgerätes "Max A" (für Flak-Raketen) projetkiertes Bordwaffenzielgerät "Schuß-Max" sollte mit einer Frequenz von 7700 MHz arbeiten) Doppler-Radar!


Eine weitere über den damaligen Stand der Technik hinausgehende Steigerung des Auflösungsvermögens hätte neben einer radikalen Verkleinerung der Wellenlänge (schärferes Antennendiagramm) eine Erhöhung der Rotationsgeschwindigkeit der Antenne und eine Erhöhung der Impulsfrequenz erfordert, was sich aus den verschiedensten Gründen nicht verwirklichen liess. (Z.B. muss die Antenne in einer Richtung verweilen, bis der Sendeimpuls den Weg Antenne - Ziel - Antenne zurückgelegt hat, erst dann kann die Antenne zur Aussendung des nächsten Impulses geschwenkt werden). Es wurde daher vorgeschlagen, einen gewissen Raum mit einer Sendeantenne im "Dauerstrich" zu "beleuchten", während die Empfangsantenne mit hoher Geschwindigkeit (keine mechanische, sondern elektrische) Diagrammschwenkung die Gegend abtastet. Auf die Laufzeit braucht nicht mehr geachtet zu werden, da infolge der dauernden Anstrahlung durch den Sender gleichzeitig an allen Orten verschiedener Entfernung Rückstrahlenenergie eintrifft.

Es entfällt damit zwar die Entfernungsmessung, man erhält aber dafür einen weitgehenden Ersatz für die optische Sicht, so daß die E-Messung meist entfallen kann. Das Verfahren ist genau analog dem beim Fernsehen mit Hilfe der Lichtwellen angewandten (Ikonoskop). Der Gerätesatz würde kleiner und leichter als wenn Impulsbetrieb angewendet würde. Für das Blindschießen mit Vorhalt wäre allerdings ein zusätzliches einfacher E-Meß-gerät (gegf. FM-Radar) nötig, das aber nur auf genau voraus liegende Ziele ansprechen müsste.

 

 

 

3.3 Passive Zielsuchgeräte

 

Diese enthielten keinen Sender, sondern nur Antennen, Empfänger und Sichtgerät und dienten zur Feststellung feindlicher Flugzeuge, welche ein aktives Funkmessgerät (mit Sender) oder ein Störgerät (Störsender gegen Funkmeßgeräte) eingebaut hatten, das gerade in Betrieb war. Da diese passiven Geräte infolge des fehlenden Senders nur "halbe" Funkmeßgeräte waren, enthielten die meisten Tarnbezeichnungen dieser Geräte das Wort "....-Halbe", ( Bei fast allen aktiven Funkmeßgeräten war übrigend der Sender für "Halbe-Betrieb" = Zielflug auf ein feindliches aktives Gerät oder Störsender abschaltbar.) Das passive Zielsuchen hatte den Vorteil, dass man sich nicht durch Abstrahlungen eines Senders verriet, setzte aber voraus, dass das feindliche Gerät auch (im aktiven Betrieb) eingeschaltet war. Ausserdem war durch den Fortfall des Senders nur die Richtungsbestimmung, d.h. ein Zielflug, jedoch keine Entfernungsmessung möglich. Deshalb wurden sie in Nachtjägern meist zusammen mit einem aktiven Funkmeßgerät eingebaut, welches aber nur kurzzeitig oder bei abgeschaltetem Feindgerät verwendet wurde. Trotz ihrer Verwandschaft zu den Navigationsgeräten (spez. Zielfluggeräten) wurden die passiven Geräte wegen des Aufbaues (Antennenumschaltung, Anzeige usf.) zu den Funkmeßgeräten gezählt.

 

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Abb.150 Antennen des passiven Nachtjagdgerätes"Rosendaal-Halbe" FuG 221 a (links und rechts,in der Mitte Weitwinkelantennen des aktiven Gerätes FuG 212) Messerschmitt Bf 110
Abb.151 Antennen (H,Tu.L) des passiven Nachtjagdgerätes "Flensburg I"-"ASV Halbe" Fu G 227 (Ähnlich die Antennen des "Freya-Halbe" FuG 221)

 

Für in sehr grosser Nähe arbeitende Funkmeßgeräte wirkte in gewissem Grade das Funklandegerät (FuBl 1 bzw. 2) als Warngerät, da dessen Glimmlampe (im Zielfluginstrument) ansprach. Im Gegensatz zur Marine setzte die Luftwaffe keine reinen Warngeräte gegen die englischen und amerikanischen Funkmessgeräte im UKW-Bereich ein. Man ging gleich einen Schritt weiter und schuf zum Zielflug auf Flugzeuge, die mit Störsendern gegen das Boden-Funkmeßgerät "Freya" ausgerüstet waren, in kleiner Stückzahl das passive Zielsuchgerät "Freya-Halbe" FuG 221 (Siemens, ca. 115...135 MHz). Die 4 Richtantennen (je 1 Dipol mit Reflektor) wurden über einen Antennenschalter mit Motorantrieb so an den Empfängereingang geschaltet, daß nacheinander die von vorne rechts, oben, links und unten kommenden Signale empfangen, verstärkt, gleichgerichtet und zum Sichtgerät geleitet wurden. (Man nennt diese Methode der periodischen Anschaltung von Einzelrichtantennen "Vergleichspeilung" bzw. "A/N-Peilung")

 

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Abb.152 Nachtjäger Junkers Ju 88 C-6 mit passivem Gerät Fu G 227 und aktivem Gerät Fu G 212. (Bei letzterem Antennen für Einsätze über See horizontal polarisiert)

 

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Abb.153 Sichtgerät (mit Anzeige rechts-tief), Empfänger-Fernbediengerät und Empfänger (mit Motor für Fernabstimmung) des FuG 227

 

Sg227

 

Abb.153a Sichtgerät SG 227a Ln Ln 29576-1

 

 

Durch eine Hilfsspannung, welche vom Antennenschalter mitgeschaltet wurde, verschob man den Lichtpunkt der Anzeigeröhre im Sichtgerät so, dass er in Stellung "links" sich links, in Stellung "rechts" in der Mitte, in den Stellungen "hoch" und "tief" jedoch rechts auf dem Bildschirm befand. Gleichzeitig wurde die bei Erfassung eines Zieles sich ergebende Empfängerausgangsspannung über den Antennenschalter bei den Stellungen "links""rechts" und "hoch" an die obere Ablenkplatte, bei der Stellung "tief" jedoch an die untere Ablenkplatte der Röhre geleitet. Waren die 4 geschriebenen Striche alle gleichgross, so befand sich das Ziel genau voraus, war jedoch der Strich für "hoch" grösser als der für "tief", so lag das Ziel höher als das eigene Flugzeug usf. (Abb. 151,153,154)

 

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Abb.154 vereinfachtes Prinzipschema der passiven Zielsuchgeräte FuG 221 und FuG 227

 

Als Weiterentwicklung entstand für den Zielflug auf gegnerische Funkmeßgeräte im 200-MHz-Bereich (Schiffssuchgeräte "ASV", Rückwärtswarngeräte "Monica", "Rosendaal", "Magie-Box" etc.) das passive Zielsuchgerät "Rosendaal-Halbe" FuG 221 a (Siemens, 190...220 MHz), das aber nur in kleiner Serie gebaut wurde. Die Anzeige war die gleiche wie beim FuG 221, die Antennenanordnung und Umschaltung war jedoch anders: (Abb. 150,155)

Am Bug des Flugzeuges waren nach links und nach rechts je 2 übereinander liegende Antennen vorgesehen. Für die Seitenpeilung wurde das linke bzw. rechte Antennenpaar parallel geschaltet und abwechselnd an den Empfängereingang gelegt (A/N-Schaltung). Für die Höhenpeilung waren die beiden linken Antennen über eine sogen. Umwegleitung, desgleichen die beiden rechten Antennen über eine Umwegleitung verbunden. Je nach dem, ob der Empfängereingang gleichzeitig direkt an die oberen Antennen oder die unteren Antennen gelegt wurde, "schielte" das Antennendiagramm nach oben oder unten ("Phasenumtastschaltung"). Bei der Seitenpeilung waren also jeweils 2 Antennen, bei der Höhenpeilung jedoch alle 4 Antennen in Betrieb, so dass sich u.a. eine etwas höhere Reichweite als bei Einzelanschaltung der Antennen erreichen liess.

 

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Abb.155 Vereinfachtes Prinzipschema des passiven Zielsuchgerätes FuG 221 a.

 

Vermutlich weil das "Hirschgeweih" des FuG 221a räumlich nicht gleichzeitig mit dem grossen Antennengebilde des Nachtjagdgerätes FuG 220 am Bug des Flugzeuges unterzubringen war, griff man bei dem dann in einer Stückzahl von 210 eingeführten passiven Zielsuchgerät "Flensburg" - "ASV-Halbe" FuG 227 (I) (Siemens /PTR, 172..,222 MHz) auf die Anordnung von Einzelantennen wie beim FuG 221 zurück. Die Anzeige blieb die gleiche wie bei beiden Vorläufergeräten. Obwohl das Gerät in grosser Stückzahl hergestellt und eingesetzt wurde, war bei ihm als einzigem deutschen Bordfunkgerät der behelfsmässige Aufbau (Stahlrohren, fliegende Verdrahtung etc.) des Versuchsgerätes unverändert übernommen worden, was wohl durch die Fertigungsart (Einzelfertigung in kleinen Handwerksbetrieben) bedingt war. Da das Gerät "Monica" später nur noch selten benutzt wurde, wurden weitere Versionen mit anderen Frequenzbereichen für den Zielflug auf Störsender -"Flensburg II" (120..,177 MHz),"Flensburg III" (80...120 MHz) entwickelt, weitere (IV..VI) wurden nicht mehr fertig, (Abb.151..154)

Als im weiteren Verlauf des Krieges von den Engländern das im 9-cm-Bereich arbeitende Rundsuch-Funkmeßgerät "Rotterdam" (H2S) zum Einsatz kam, wurde als Schnell-Lösung das aus Teilen des FuG 25 gefertigte aperiodische Warngerät "Naxos" FuG 350 (Telefunken, 2500...3750 MHz) eingesetzt, das im Kopfhörer die Impulsfrequenz jedes im genannten Bereich arbeitenden Funkmeßgerätes bis zu Entfernungen von ca.8km hörbar machte. Es bestand aus Antenne mit Hochpass und Detektor und einem mehrstufigen NF-Verstärker mit Stromversorgung (Umformer) (Abb.156,157). Dieses Gerät, das in abgewandelter Form auch auf U-Booten eingesetzt war, wurde später als passives Zielsuchgerät "Naxos Z", FuG 350 Z mit einer rotierenden Richtantenne (keramische Stielstrahler nach Mallach) versehen, welche mit der fächerförmigen, um die senkrechte Achse rotierenden Richtcharakteristik den halbkugelförmigen Raum oberhalb des Flugzeuges absuchte.

 

 

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Abb.156 Warngeräte "Naxos" FuG 350 und "Naxos A" FuG 350a. In der Mitte "Finger" Antenne (mit Hochpaß und Detektor) des FuG 350, links Dreifachantenne des FuG 350a, rechts der Gerätesatz beider Geräte mit Umformer,Verstärker und Bediengerät (gefertigt aus mechanischen Teilen des FuG 25)


Ein mit dem Antennenmotor gekoppelter Zweiphasengenerator lieferte 2 (um 90° in der Phase verschobene) Ablenkspannungen an Ablenkplatten der Braunschen Röhre im Sichtgerät (umgebautes Sichtgerät des FuG 217). Der Lichtpunkt beschrieb so genau synchron mit der Antenne einen Kreis (kreisförmige Zeitlinie) unter der angebrachten 360°-Skala. Bei Eintreffen eines Signales aus einer bestimmten Richtung wurde der Elektronenstrahl vom Empfängerausgang her hellgetastet, so daß der Seitenwinkel zu (einer fast beliebigen Anzahl von) Rotterdam-Geräten angezeigt wurde. Die Höhenablage musste optisch (gegf. durch "Ziehen" oder "Drücken" der Maschine und Beobachtung des Stärker- oder Schwächerwerdens der Anzeige) ermittelt werden.

 

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Abb.157 Vereinfachtes Prinzipschema Warngeräte FuG 350 und FuG 350a (A=Antenne HP=Hochpaß, D = Detektor, V=Verstärker, BG-Bediengerät, KH=Kopfhörer
Abb.158 Vereinfachtes Prinzipschema der verschidenen Ausführungen des FuG 350 Z! Der Motor M trieb die rotierende Antenne A an, der Generator G lieferte eine Ablenkspannung an das Sichtgerät SG,sodaß der Elektronenstrahl synchron mit der Antenne rotierte. Die Ausgansspannung des Verstärkers tastete den Elektronenstrahl hell.


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Abb.159 FuG 350 Z in einer Messerschmitt Me 109 G-6 als Nachtjäger

 

Dieses Gerät, von welchem verschiedene Ausführungen existierten und das überraschenderweise Reichweiten bis 50 km ergab, war in grosser Zahl (1500 Geräte) in zweimotorigen Nachtjägern, desgleichen auch bei 2 Staffeln mit Me 109 G für die "helle Nachtjagd" eingesetzt. 1944 wurde auch ein "Naxos ZX" - FuG 350ZX mit einem Frequenzbereich von 2500...12000 MHz entwickelt, nachdem auch amerikanische Geräte im 3-cm-Bereich ("Meddo" = AN/APS 15) eingesetzt wurden. Von beiden Geräten gab es auch je eine Ausführung mit 2 zusätzlichen "Finger-Antennen" für Rückwärtswarnung = FuG 350 ZR und FuG 350 RX. Ein kombiniertes (beide Frequenzbereiche umfassendes) Gerät mit 2 übereinandergesetzten gemeinsam rotierenden Antennen (Stielstrahler + Hohlspiegel) mit gemeinsamer Anzeige auf einem Sichtgerät war bei Kriegende noch im Versuchsstadium. Allein für den Einbau in Flugzeuge waren mehr als 25 Versionen des "Naxos" in Entwicklung, von den Ausführungen FuG 350 Z und FuG 350 ZR waren etwa 600 Geräte, vom FuG 350 ZX etwa 100 Geräte im Einsatz. (Abb.158..161)

 

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Abb.160 Gerätesatz des passiven Nachtjagdgerätes "Naxon Z" FuG 350 Z; links Drehantenne mit Motor und Generator und Hochpass mit Detektor, rechts Verstärker mit Unformer und Sichtgerät (SG) mit Unformer und Hochspannungs Gleichrichter

 

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Abb.161 Ausführung "Naxos Zc" FuG 350 Zc in einer Junkers Ju 188, links Drehantnne (darunter Hochpass mit Detektor), rechts das mit Verstärker und Hochspannungss Gleichrichter kompinierte Sichtgerät (SG). (Umformer E 10 E nicht sichtbar).

 

Sg350
2
Abb.161a Sichtgerät SG 350 Zc
Abb.161b Ln 29448

 

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Abb.162 Schirmbilder bei FuG 350 Z und Zc (Punktanzeige) bzw. FuG 350 Za und Zb (Zackenanzeige; die ungleichmäßige Anzeige ist bedingt durch die verschiedne Drehgeschwindigkeit der Empfangsantennen und den Antennen des empfangenen Rundsuchgerätes und deren Verhältnis zur Impulsfolgefrequenz)

 

Das passive Zielsuchgerät "Korfu Z" FuG 351 Z (2500...3750 MHz) verwendete die gleiche rotierende Antenne und die gleiche Anzeige wie das FuG 350 Z. Als Empfänger wurde jedoch eine Ausführung des auch im FuMbo - Dienst (Funkmeßbeobachtung) eingeführten Überlagerungsempfängers "Korfu" benutzt. Im Gegensatz zu den weiter oben genannten breitbandigen ("aperiodischen") Geräten FuG 350 und FuG 350 Z, welche gleichzeitig alle innerhalb der Reichweite und im entsprechenden Frequenzbereich arbeitenden Sender aufnahmen, war dieses Gerät abstimmbar, so dass zwar ständig die Skala durchgedreht werden musste (also leichter ein Feindgerät übersehen oder zu spät bemerkt wurde), aber andererseits eine genaue Frequenzbestimmung möglich war. Infolge der gegenüber dem Detektorempfänger "Naxos" viel höheren Empfingdlichkeit wurden - in Abhängigkeit von der Flughöhe = Sichtweite - Reichweiten von 300 km und mehr erzielt. (Abb.162..164 )

 

163

Abb.163 Passives Nachtjagdgerät "Korfu Z" FuG 351 Z in einer Junkers Ju 88 Antenne

 

164

 

Abb.164 Empfänger und Sichtgerät des FuG 351 Z (HGL 350 und U 10 E nicht sichtbar)

 

FuMB282

 

Abb.164a Diese äußerst seltene Sichtgerät war eine Weiterentwicklung des FuMB 23. (Rundsuchpeilanlage) Es besitzt einen mit dem Anzeigegerät kombinierten Verstärker mit 4 Stahlröhren und einer DG7 (/2) als Kathodenstrahlröhre. Im Netzteil findet sich eine RFG5 (Hochspannung) und eine EZ11. 1700 Geräte waren beim RPZ (Reichspostzentralamt) bestellt, aber es wurden nur 22 Geräte im August 1944 ausgeliefert. Auf der Frontplatte befinden sich Regler für Empfindlichkeit und Helligkeit, sowie ein Nah/Fern-Schalter, seitlich Regler für Schärfe und Strahllage (Vert/ Horiz.)

 

 

Das in wenigen Exemplaren gegen das amerikanische 3-cm-Radar "Meddo" eingesetzte passive Zielsuchgerät "Korfu V" FuG 351 V (9700 MHz) war mit 4 im Viereck angeordneten, schräg nach aussen gerichteten (hoch/rechts/tief/links), Stielstrahlern ausgerüstet und arbeitete analog dem FuG 227 (Zielflug nach Seiten- und Höhenpeilung). Die Anzeige dieses Gerätes scheint jedoch wesentlich einfacher und sinnfälliger gewesen zu sein: Fortfall der Zeitlinie und Zuordnung der linken/ oberen/ rechten/ unteren Ablenkplatte zur jeweils eingeschalteten Antenne (links/hoch/rechts/tief). Es wird so bei Vorhandensein eines Zieles anstelle eines Lichtpunktes ein "Kreuz" geschrieben (durch eine der jeweiligen Empfangsfeldstärke entsprechende Auslenkung des Lichtpunktes nach links/rechts/ oben/unten). Bei genau voraus liegendem Ziel werden der linke und der rechte, desgleich der obere und der untere Balken des geschriebenen Kreuzes gleich lang. Als Empfänger wurde nicht der normale abstimmbare Überlagerungsempfänger E 351 e, sondern ein mit einem Hysteron bestückter Pendelfrequenzempfänger (vom Zielsuchgerät "Max P" für Flakraketen) verwendet, der mit einer Abstimmung einen Bereich von ca. 50...60 MHz Breite erfasste. (Abb.165)

 

165

 

Abb.165 Vereinfachtes Prinzipschema des passiven Nachtjagdgerätes "Korfu V" FuG 351 V

 

Gegen Kriegsende sollten noch die aperiodischen Warngeräte ("Wim") "Stieglitz" FuG 360 (Pintsch, 2000...6000 MHz) FuG 361 (Telefunken, 1200...2000 MHz) und FuG 362 (Opta, 600...1200 MHz) eingeführt werden. Über ihren Einsatz ist uns jedoch nichts bekannt!

 

 

3.4 Halbaktive Zielsuchgeräte

 

Von den passiven Geräten FuG 221 und FuG 227 waren weitere Abarten mit der Bezeichnung FuG 223 "X-Halbe lang" (mit den Frequenzbereichen 60..95 MHz/75..120 MHz/110...175 MHz/ 160... 250 MHz) und eine weitere Reihe "X-Halbe kurz" (mit den Bereichen 250...400 MHz u. 400...600 MHz) im Versuch bzw. in Planung . Die Frequenzbereiche dieser Geräte stimmten mit denen unserer Bodenfunkmeßgeräte "Wassermann", "Freya","Würzburg" u.s.f. überein (daher die Tarnbezeichnungen "Wassermann-Halbe", "Freya-Halbe" u.s.f.). Sie sollten teilweise als passive Geräte gegen Feinflugzeuge angesetzt werden, welche Störsender gegen die genannten Bodengeräte trugen, hauptsächlich aber sollten sie als halbaktive Geräte im Verfahren "Licht" zur Anwendung kommen. Dabei sollten die gegnerischen Flugzeuge von den Bodenfunkmeßgeräten (mit Impulsleistungen von 100 kW und mehr) wie mit Schweinwerfern angestrahlt werden. Die auftretende Rückstrahlung sollte zum Zielflug mit den "X-Halbe Gerät, ausgenützt werden und somit eine Erfassung auch derjenigen Feindflugzeuge ermöglichen, welche kein Funkmessgerät an Bord bzw. dieses nicht in Betrieb hatten. In Entwicklung befindliche Synchronisierzusätze sollten durch gleichzeitigen Empfang der direkten Strahlung der Bodengeräte den Vergleich mit der von den Zielen reflektierten Strahlung und somit eine grobe Ermittlung der Zielentfernung ermöglichen. Ein einziges (aus einem FuG 227 durch Umbau erzeugtes) Versuchsgerät des FuG 223 soll bei Kriegsende fertig geworden sein. Wieweit bzw. ob die geplanten Abarten des FuG 223 mit den Ausführungen FuG 227 III..VI identisch waren, ist aus den wenigen erhaltenen Unterlagen nicht ersichtlich.(Abb.166)

 

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Abb.166 Vereinfachte Darstellung des Verfahrens"Licht". Sowohl das feindliche Flugzeug als auch der Nachtjäger werden vom Bodensender angestrahlt ("beleuchtet"). Die Rückstrahlung wird ( gegf. zusammen mit dem direkten Strahl) im passiven Zielsuchgerät des Nachtjägers zum Zielflug ausgewertet

 

 

 

Besonders interessant ist das auf dem Verfahren "Licht" beruhende Zielfluggerät "St. Moritz" (RPF), das für die Nachtjagd im Raum von Wien projektiert war, Es sollte sich 1.) das Nachtjagdflugzeug nicht durch eigene Abstrahlung verraten, 2.) sollten insbesondere für Flug in den Wolken bzw. bei schlechtem Wetter auch kürzeste Abstände erfaßt werden und 3.) sollten dem Flugzeugführer die erforderlichen Werte akustisch übermittelt werden, damit er nicht durch die Betrachtung einer Sichtanzeige von seinen übrigen fliegerischen und taktischen Aufgaben abgelenkt würde. Das Feindflugzeug sollte vom Bodenfunkmeßgerät erfaßt und mit einem synchron mitbewegten Sender, der einen Dauerträger ausstrahlte, "angeleuchtet" werden. Im Flugzeug waren 4 gerichtete Antennen (links/ rechts/hoch/tief/, die durch einen Motorschalter kontinuierlich abgetastet wurden) zum Empfang der vom Gegner zurückgestrahlten und durch den Dopplereffekt verschobenen Frequenz und eine Rundempfangantenne zum direkten Empfang der vom Bodensender abgestrahlten Frequenz vorgesehen.

Bei der Mischung der von beiden Antennengruppen gelieferten Spannungen ergab sich eine mit der Dopplerschwebung modulierte Hochfrequenz. Diese wurde im Empfänger gleichgerichtet und einer Logarithmierschaltung zugeführt. Es wurden so für jede Stellung des Antennenschalters eine bestimmte Regelspannung gewonnen. Über eine weitere Ebene des Schalters wurde bei der Stellung "hoch" ein Tongenerator mit einem hohen Ton bei der Stellung "tief" ein solcher mit einem tiefen Ton ausgelöst. Diese Töne wurden bei der Stellung "links" an die linke Muschel des Kopfhörers geleitet. Es ergab sich so bei"links-hoch" liegendem Ziel ein hoher Ton in der linken Muschel, bei der Stellung "voraushoch" ein hoher Ton in beiden Muscheln usf., d,h. es wurde ein "plastischer" Eindruck von der Lage des Gegners vermittelt. Gleichzeitig konnte mit dem Kopfhörer der Sprechverkehr mit dem Boden abgewickelt werden. Mit Hilfe eines Schalters konnte auch die logamithmierte Dopplerfrequenz an den Kopfhörer geleitet werden. Die Tonhöhe ergab dann die Verfolgungsgeschwindigkeit, der Klirrfaktor ("Rauhigkeit") des Tones gab nach einiger Übung ein Maß für den Abstand. Die Arbeiten an dem Verfahren kamen jedoch über Vorversuche nicht mehr hinaus.(Abb.l67)

 

 

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Abb.167 Vereinfachtes Blockschema des halbaktiven Zielsuchgerätes "St.Moritz" Der Empfänger und der Antennenschalter steuern 2 Tongeneratoren u. 2 Verstärker so, daß ein "plastisches Hören" in den getrennten Muscheln des Kopfhörers für die Ablage ( hoch/tief/links/rechts) ermöglicht wird.

 

 

 

 

3.5 Funkmeß-Beobachtungs- und -Störgeräte

 

In Flugzeugen der Sonderkommandos für Funk-bzw. Funkmeß-Beobachtung (grösstenteils Heinkel He 111, Dornier Do 217 und Junkers Ju 188) waren eine Reihe weiterer Geräte eingesetzt, die sonst vielfach nur als Boden- oder Schiffsbordgeräte Verwendung fanden, z.B. die Horchempfänger "Samos" Fu MB 4 (Rohde & Schwarz, 80..480 MHz) "Fanö" Fu MB 5 (R & S, 400..1600 MHz) und "Korfu" Fu MB 11..15 (Blaupunkt, 5 Haupttypen im Bereich 1670...11000 MHz), die an drehbare Dipole (grobe Peilmöglichkeit) angeschlossen waren, Durch Drehen der Abstimmung wurde die Betriebsfrequenz der gegnerischen Geräte ermittelt, mit Hilfe eines mit dem Empfängerausgang verbundenen Oszillografen und eines Tongenerators konnte ausserdem Modulationseigenschaften (z.B. Impulsfrequenz, Impulsbreite u.s.f.) ermittelt werden. Da das ständige Absuchen von Hand sehr ermüdend war, wurde oft der Abstimmantrieb mit einem abschaltbaren Motor gekuppelt ("Durchdrehempfänger").(Abb.168...169)

 

168

Abb.168 Zusätzliche Peil- und Rundempfangsantennen für FuMB-Empfänger an einer Heinkel He 111

 

169

 

Abb.169 FuMB-Empfänger "Samos" bzw. "Fanö" (nur Frequenzbereich unterschiedlich)

 

 

Eine Weiterentwicklung dieser Geräte bildeten die sogenanten Wellenanzeiger. Mit Hilfe eines mit der Achse des Abstimmantriebsmotores gekuppelten Drehwiderstandes und einer Stromquelle erzeugte man eine Ablenkspannung für die wagrechten Ablenkplatten einer Anzeigeröhre. Das Plattenpaar für senkrechte Ablenkung wurde mit dem Empfängerausgang verbunden. Jedem Punkt der Zeitlinie entsprach eine bestimmte Frequenz, die Höhe der vertikalen Auslenkung entsprach der einfallenden Feldstärke der Sendung, aus der Form der Auslenkung konnte auf die Modulationsart geschlossen werden. Es wurden also alle in dem Bereich arbeitenden Sender gleichzeitig angezeigt. Im Gegensatz zur Marine wurden an Bord von Flugzeugen nur wenige Versuchsausführungen von Wellenanzeigern eingesetzt, so z.B. das Gerät "Wessling" (FFO, Frequenzbereich 120...600 MHz), in einem Muster beim K.G.40. Die Wellenanzeiger werden auch vielfach als "Frequenzpanorama-Geräte" (bei sehr grosser Dehnung der Frequenzsskala auch als "Spektrums-Analysatoren") bezeichnet, während für Anzeigen wie beim "Berlin A" oder "Naxos Z" der Ausruck "Sichtpanorama-Geräte" (Rundum-Sichtanzeige) angewendet wird.(Abb. 170..172)

 

170
171
Abb.170 FuMB-Gerät "Wessling" mit fernsteuerbarer Antenne, Durchdreh-Empfänger und Ozillografen-Anzeige.
Abb.171 Wellennnzeiger W.Anz.g2 Anzeige von Sendern bei 183 MHz und 209 MHz

 

172

Abb.172 stark vereinfachte Darstellung eines Wellenanzeigers = Frequenz-Panoramagerätes. Der Leuchtfleck über der Skala der Anzeigeröhre wird jeweils synchron mit der Empfängerskala bewegt. Die senkrechte Auslenkung des Flecks entspricht der Empfängerausgangsspannung bei der jeweiligen Frequenz.

 


In den Flugzeugen der Funkmeß-Beobachtungskommandos waren neben den Überwachungsempfängern meist auch Störsender eingebaut, um die gegnerische Funkmeß-Navigations- oder Funksprechtätigkeit lahmzulegen oder zu täuschen. Je nach der Art der in den Empfängern ermittelten und zu störenden gegnerischen Geräte wurden verschiedenartige Modulationsverfahren (z.B. Impuls-Gemische, Rauschen, mehrere durcheinanderlaufende Heultöne usf.) angewendet. Die Frequenz der Sender war meist zusätzlich durch einen Motor gewobbelt (periodisch verändert), um auch Ausweichfrequenzen der gegnerischen Geräte zu erfassen. Mit Rücksicht auf die Wirksamkeit der Störung konnte jedoch der Wobbelbereich nicht zu gross gemacht werden, so daß zum Stören breiter Bereiche stets eine größere Anzahl von Störsendern mit ihren Antennen angeordnet werden mußten.(Abb. 173,174)

 

173

Abb.173 Störsender "Starnberg" mit Umformer, Sendeteil und Modulationszusatz (Stabantenne nicht gezeichnet)

 

Für die Störung des gegnerischen Funksprechverkehrs wurden z.B. durcheinanderlaufende Heultöne angewendet. Funkmeßgeräte und Impulsnavigationsgeräte (GEE, Oboe etc.) konnten durch Rauschmodulation oder Modulation mit Impulsgemischen gestört werden. Auf dem gegnerischen Sichtgerät wurden dann die Zacken durch "Gras" oder durcheinanderlaufende Impulse überdeckt. Wirksamer war die Störung durch Impulse, welche mit dem gegnerischen Gerät synchronisiert waren, d.h. der Störsender arbeitete ähnlich den weiter unten besprochenen Impulswiederholern, welche Impulse empfangen und (meist etwas zeitlich verzögert) wieder auf der gleichen Frequenz mit der gleichen Impulsfolge abstrahlen. Wenn nun die empfangenen Impulse obendrein vervielfacht wurden, erschienen auf dem gegnerischen Anzeigegerät hinter dem richtigen Echo noch 5 und mehr weitere (von) Störgerät abgestrahlte - "Echos", so daß ein einzelnes Flugzeug einen Verband vortäuschen konnte. (Bei bekannten Durchbrüchen der deutschen Schlachtschiffe durch den Kanal wurde u.a. diese Maßnahme auf mehreren gegnerischen Frequenzen gleichzeitig durchgeführt, damit sich die Meldungen verschiedener englischer Geräte nicht widersprachen.) Bei den Impulsnavigationsgeräten konnten synchronisierte Störimpulse so zwischen die Meßimpulse gestellt werden, daß eine Identifizierung des Meßimpulses erschwert oder unmöglich gemacht wurde. Obendrein ergab sich der Vorteil, dass den ausge-sendeten Störimpulsen automatisch die gleichen Kennzeichen gegeben werden konnten, welche die Meßimpulse hatten (periodische Form - oder Amplitudenänderungen usf.).

 

174

Abb.174 Störsender ( Deckname??): oben Breitbanddipole ,darunter-2 Ansichten des Senders (gefertigt an mechanischen Teilen des U 10 E). (Umformer U 10 S nicht gezeigt)

 

 

In Entwicklung waren auch mit Störsendern gekoppelte Wellenanzeiger, bei denen die Abstimmung (des Empfängers und abgeschalteten Senders) synchron verändert wurde. Wenn während des Suchvorganges ein gegnerisches Gerät entdeckt wurde, so stoppte automatisch der Abstimmungsantrieb unter gleichzeitiger Einschaltung des Störsenders.

Da die Bordstörsender nur in kleinen Stückzahlen bzw. in Einzelfertigung erstellt wurden, sind nur wenige Angaben erhalten geblieben (siehe Tabelle).

Es wurde übrigens auch ein Abwurf-Störsender "Frosch IV" FuG 305 (Wega) entwickelt, der zusammen mit einem Fallschirm in einem bombenförmigen Behälter untergebracht war und vom Flugzeug abgeworfen wurde. Bei großen Flughöhen wurden Fallzeiten von ca.30 Minuten erreicht. Während dieser Zeit arbeitete der Sender zur Störung der gegnerischen Funkmeßgeräte (siehe auch Abb.196 b und Absatz, "Peilsender" im nächsten Kapitel).

 

 

 

IV. Funkführungs- und Funklenkgeräte

 

4.1 Arbeitsverfahren und Gerätearten

Nachfolgend können nur Verfahren und Gerätekombinationen besprochen werden, bei denen entweder das Flugzeug geführt oder gelenkt wurde (Flugzeug = "Führungsobjekt" oder "Lenkobjekt"), oder aber die lenkende Stelle für Lenkobjekte im Flugzeug untergebracht war (Flugzeug= "Lenkstand"). Des allgemeinen Überblickes halber müssen hier der Besprechung der Gerätearten die wichtigsten Führungs- und Lenkungsver- fahren in Tabellenform vorangestellt werden,

a.) = Flugsicherung

b.) = Kampfflugzeugführung

c.) = Jägerführung

 

 

a.) = Flugsicherung

Die Funkführungsverfahren beruhen auf einer Kombination von einer oder mehreren Ortungsarten und einer Nachrichtenübermittlung. Ihre einfachsten Formen waren die Flugsicherungsverfahren. Sie dienten dazu, die Flugzeuge sicher an den Flughafen heranzuführen. Die auf Anforderung mit dem normalen Bordnachrichtengerät abgegebenen Zeichen wurden am Boden gepeilt und so die Richtung des anfliegenden Flugzeuges festgestellt (Fremdortung). Die Heranführung wurde gegf. durch ungerichtete Funkfeuer (gegf. auch durch Impulswiederholer) am Platz ergänzt, die das Flugzeug mit seinem Navigationsgerät (bzw. seinem Zielsuch-Funkmeßgerät) anflog (Eigenortung). Zur Landung bei schlechtem Wetter konnte das Flugzeug seine Funklandeanlage (Navigationsgerät) zum Zielflug auf das Landefunkfeuer einsetzen (Eigenortung), oder es wurde vom Boden aus mit einem "Würzburg"-Gerät angemessen (Fremdortung) und "heruntergesprochen", d.h. es empfing die Angaben über die Entfernung und die notwendigen Kurskorrekturen ( Die Höhenkorrekturen wurden an Bord entspr. der jeweiligen Entfernung und der Anzeige des elektr. Höhenmessers ermittelt, da eine Höhenmessung mit dem "Würzburg"-Gerät wegen der kleinen Erhebungswinkel nicht mehr möglich war.) mit dem Nachrichtengerät. Da sämtliche hier genannten Bordgeräte bereits in den anderen Kapiteln besprochen wurden, sind Sie im Folgenden nicht mehr gesondert erwähnt!

 

Tabelle Flugsicherung

 

b.) = Kampfflugzeugführung

Die Führungsverfahren für Kampfflugzeuge erreichten bei der Luftwaffe, der Entwicklung des Krieges entsprechend, nicht die Bedeutung, welche sie auf der Seite der Aliierten erlangten.


Kampfflugzeugführung

 

c.) = Jägerführung

Bei den Führungsverfahren für Tag- und Nacht Jagdflugzeuge hingegen lagen die Verhältnisse umgekehrt. Bei beiden Verfahren wurden meist mehrere spezielle Bordgeräte gleichzeitig benötigt, d.h. es wurden auch verschiedene Ortungsverfahren gleichzeitig (=Mischortung) angewendet (z.B. Zielflug auf besonderem Leitstrahl = Eigenortung + Standortbestimmung vom Boden aus = Fremdortung).

 

Jeagerfuehrung

 

 

Die Funklenkverfahren waren teils reine Fernlenkverfahren mit optischer Ziel- und Objektortung, teils waren sie kombiniert mit Fremdortungsverfahren (Peilung des Lenkobjektes) oder Eigenortungsverfahren (Annäherungszünder, Abstandszünder etc.). (Die Zielweisung und Abstandsmeldung sind keine Eigenortungs- sondern Fremdortungsverfahren, da die Auswertung nicht im Lenkobjekt, sondern im Lenkstand stattfindet). Eine Eigenortung und Aufschaltung auf die Kurssteuerung (Selbstlenkung) war beim Siemensgespann durchführbar und sollte auch bei den Projekten der automatischen Zielsuchgeräte Anwendung finden.

In diesem Teil werden auch einige Wettererkundungsverfahren erwähnt, soweit die verwendeten Wetterfunkgerate an Bord von kleinen Ballonen eingesetzt (Radiosonden),von Flugzeugen aus abgeworfen (Abwurfsonden) oder von Raketen auf die Sollhöhe gebracht wurden (Raketensonden). Ihre Geratetechnik zeigt interessante Anwendungen und auch Kombinationen von Verfahren, welche auch bei der Funkführung von Flugzeugen angewendet wurden .(Daß Radiosonden und Raketensonden- hier behandelt werden, obwohl sie nicht von Flugzeugen mitgeführt wurden, hat seinen Grund darin, daß die entsprechende Literatur dem Nicht-Meteorologen etwas schwerer zugänglich ist wie die Veröffentlichungen über die Annaherungszünder etc. in Raketen).

 

Gerätearten für Funkführung und Funklenkung (ohne Bodengeräte): Folgende Gerätearten waren ausser den bereits besprochenen Nachrichtengeräten und Navigationsgeräten (Kap. I und II), eingesetzt bzw. in Entwicklung:

 

a)
Führungsempfangsgeräte:
=Geräte zum Empfang besonderer Führungssignale.
a) Kommandoübertragungsgeräte = Zusätze zu normalen Sprechgeräten, welche laufend gegebene Befehle für die Navigation (befühlender Kurst Flughöhe etc.) anzeigen. Anzeige: Zeigerinstrumente mit ansprechender Beschriftung,
b) Leitstrahlempfangsgeräte - spezielle Geräte zum Zielflug auf Führungsleitstrahlen bzw. zur Auswertung durchflogener Leitstrahlen, gegf. aufschaltbar auf die Kurssteuerung. Anzeige: Zielfluginstrument und Kopfhörer.
b)
Wiederholergeräte:

= Sende-Empfangsgeräte für E-Meß-und Identifizierungszwecke.

a) Relais-Sendegeräte = Besonders geschaltete Funksprechgeräte, welch einen von der Bodenstelle für Entfernungsmeßzwecke abgestrahlten Meßton empfangen und auf einer anderen Frequenz zur Bodenstelle zurückstrahlen. Die E-Messung, gegf. auch die Messung der Richtung des Flugzeuges erfolgt auf der Bodenstelle. Anzeige: (Keine) (Kontrolle im Kopfhörer), teilw.Bandaufzeichnung

b) Kenngeräte = Sende- Empfangsgeräte, welche von FuMG's abgestrahlte Impulse empfangen und auf der gleichen (Impulswiederholer) oder einer anderen Frequenz (Impulsrelaissender) wieder zum FuMG zurückstrahlen. Sie sind gegebenenfalls wahlweise umschaltbar als Abfragegeräte (Zusatz zu FuMG's zur Abfrage von anderen Kenngeräten).

c)
Peilsendergeräte:

= Im Flugzeug oder Lenkkörper mitgenommene Sendegeräte für Zielflug-- und Peilzwecke.

a) Zielkennzeichnungs- und Sonden Gerätesender, welche zur Kennzeichnung einer taktischen Stelle vom Flugzeug abgeworfen bzw, im Seenotfall von der Besatzung verwendet werden.

b) Peilzeichengeber = Zusatzgerät zu Funksprechgeräten, welche automatisch Peilzeichen geben die von der Führungsstelle gepeilt werden.

c) Ortungssendegeräte = Sender in Flugkörpern, welche automatisch Zeichen geben, die vom Lenkstand gepeilt werden.

d)
Funklenkgeräte:

= Geräte zur Lenkung von Flugkörpe mittels Funksignalen.

a) Lenksendegeräte die je nach der Stellung eines Gebers (kleiner Steuerknüppel) entsprechende Lenksignale (gegf. auch weitere Kommandos) abgeben.

b) Lenkempfangsgeräte, die entsprechend den eintreffenden Lenk Signalen verschiedenartige Ströme an ein Aufschaltgerät abgeben, das direkt die Ruder des Lenkkörpers (gegf. auch die Sprengsatzzündung usf.) betätigt.

e)
Zielweisungsgeräte:

= Geräte zur Kontrolle der Funklenkung

a) Annäherungsmeldegeräte = Sender, welche die Annäherung des Flugkörpers an das Ziel zum Lenkstand melden.

b) Annäherungsempfangsgeräte, welch die Annäherungsmeldung aufnehmen. Meist aufschaltbar auf das Zündkommando des Funklenkgerätes.

c) Zielweisungsendegeräte (einfache Fernsehsender mit Kamera), welche ein Bild des vor dem Lenkkörper liegenden Zielraumes aussenden.

d) Zielweisungsempfangsgeräte (einfache Fernsehgeräte), die das vom Zielweisungssender abgestrahlte Bild empfangen und darstellen, damit der Lenkkörper entsprechend gelenkt werden kann.

 

Die automatischen Zünder und die automatischen Zielsuchgeräte werden hier nicht mehr als Bordfunkgeräte betrachtet und daher nur kurz gestreift (Absatz "Ergänzungsgeräte für die Fernlenkung").Die Radiosonden und Abwurfsonden (Wetterfunkgeräte) werden aus Darstellungsgründen bei den Peilsendegeraten mitbesprochen!

 

 

 

4.2 Kommando-Übertragungsgeräte (Daten-Übertragungsgeräte)

 

Bei den Y-Führungsverfahren für Jäger und Kampfflugzeuge befriedigte die Übermittlung der Befehle über Sprechfunk mit den verschiedenen Versionen des FuG 16 und FuG 17 nicht ganz, u.a. aus Gründen der zu geringen Schnelligkeit der Übermittlung,der Möglichkeit von Hörfehlern und der leichten Abhör- und Stör-barkeit. Es wurden daher ab 1942 verschiedene Kommandoübertragungsgeräte entwickelt; welche als Zusätze zu den vorhandenen Sprechgeräten ausgebildet waren.

Das Kommandoübertragungsgerät "Uhu" FuG 135 und dessen Weiterentwicklung "Uhu 2" = "Fuchs" FuG 134 ermöglichten die Übermittlung dreier Werte (z.B. vorgeschriebener Kurs, Flughöhe und Entfernung) von der Jägerleitstelle zum Flugzeug. Der Sender der Bodenstelle wurde durch 3 Zeichengeber, zur Einstellung der gewünschten Kommandos, und einen Umsetzer erweitert, so daß er zusätzlich zur Sprachmodulation 3 Werte von je 1 sec. Dauer in Form bestimmter Kombinationen tonfrequenter Impulse (4260 Hz und 5340 Hz) übermitteln konnte.

Der Empfänger des Bordgerätes FuG 16 bzw. FuG 16 ZY wurde durch ein Auswertegerät ergänzt, das mit Hilfe von drei beim Flugzeugführer angebrachten Instrumenten die übermittelten Werte gleichzeitig zur Anzeige brachte. Jedes Zeichen wurde dabei auf richtige Zusammensetzung überprüft, bei irgendwelchen Fehlern wurde es unterdrückt. Bei laufender Durchgabe wurden die Werte alle 3Sekunden wiederholt, so dass sich eine hohe Übertragungssicherheit ergab. Das Kurskommando konnte auch auf die Kurssteuerung aufgeschaltet werden. Bin besonderer Sprechzusatz "Papagei" ermöglichte die Verschlüsselung der gleichzeitig übertragenen Sprache. Beim Einsatz der 1.Serien-Geräte im Herbst 1942 zeigte sich jedoch, dass das Y-Verfahren wesentlich ungenauere Werte ergab als die volle Ausnutzung der Übertragungsgenauigkeit des "Uhu" erforderte. Andererseits glaubte die Nachtjagd nicht auf den Sprechzusatz verzichten zu können und beantragte die Lieferung von 9000 Geräten. Wegen des hohen Aufwandes an Spezialrelais wurde die Bestellung im November 1943 auf 500 Stück reduziert, im Februar 1944 zusammen mit dem ähnlichen Kommando-Übertragungsgerät "Sägezahn" FuG ... (Lorenz) (Abb.175 ) jedoch von der Liste der genehmigten Entwicklungen gestrichen. Auch der Navigationszusatz "Bernhardine" FuG 120 a (= Hellschreibzusatz zum Funklandegerät FuBl 2, (siehe dazu Kapitel "Navigationsgeräte") konnte als Kommando-Übertragungsgerät verwendet werden. In diesem Falle wurde der Bodensender durch einen Geber ergänzt, an welchem durch Stöpseln eine aus wenigen Buchstaben oder Zeichen bestehende Nachricht eingestellt werden konnte, welche dann automatisch mit Hellschreibmodulation übertragen wurde. Ein an den Empfängerausgang des Bordgerätes angeschlossener Hellschreiber drückte dann die Nachricht auf einen Papierstreifen.

 

175a
175b
Abb.175a Bordanlage zum FuG 135 (mit Sender FuG 16)
Abb.175b Bordanlage zum FuG 135 in Verbindung mit FuG 16 ZE und Umformersatz

 

Für Zwecke der Kampfflugzeugführung wurde das Kommandoübertragungsgerät "Luftkurier" FuG... (Telefunken) als Zusatz zum FuG 17 ZY entwickelt, jedoch dann vermutlich mit dem FuG 16 ZY verwendet. (Das FuG 17 ZY ging aus Gründen der Typenbeschränkung nicht in Serie?) Der Geber am Bodensender hatte einen Wahlschalter mit 12 Stellungen (Befehle). Die Aussendung des gewählten Befehles erfolgte selbsttätig nur einmal in Form zweier Impulse von je 20 Mikrosekunden Länge in Impulszeitmodulation (Abstandsänderung). Die nicht mit der Nachricht belegte Zeit wurde durch Tarnmodulation besetzt. Die Übermittlungsdauer für 1 Kommando betrug etwa 1/12 Sekunde.

Die an den Bordempfänger angeschlossene Anzeigevorrichtung hatte die Form eines Zeitmessers mit 12 Feldern. Das Eintreffen einer neuen Nachricht wurde durch einen Heulton von 1 Sekunde Dauer in der EiV-Anlage gemeldet. Die Löschung der Anzeige erfolgte je nach Wahl nach 3 oder 30 Sekunden selbsttätig. Für dieses Gerät wurde im November 1943 ein Auftrag von 50 Stück erteilt. Für Jägerführung nach dem "Erstling"-Verfahren mit den Bodenfunkmeßgeräten "Egon" (abgeändertes "Freya") bzw. "Würzburg-Riese" waren die Kommando-Übertragungsgeräte "Nachtfee" FuG 136 "Barbarossa" und "Sprechstange" (Hersteller?) in Erprobung. Bei letzterem Gerät sollte die Abstrahlung des FuMG mit der Sprachfrequenz moduliert und diese dann an Bord am FuG 25 a abgehört werden. Eine gute Übertragungsqualität hätte sehr hohe Impulsfrequenzen am Funkmeßgerät (günstig bei "Würzburg"(3,75 kHz),ungünstig bei "Freya"(500 Hz)) erfordert. Über einen weiteren Einsatz ist Nichts bekannt geworden. Ein Gerät zur Übermittlung von Kartenskizzen, beliebigen Texten usf. mit Hilfe einfacher Fernsehverfahren war in Arbeit, wurde aber anscheinend nicht fertig entwickelt.

 

4.3 Leitstrahl-Empfangsgeräte

 

Bereits im Jahre 1934 begann man in der deutschen Luftwaffe mit der Entwicklung eines Funk-Führungsverfahren für gezielten Blindbombenwurf, Dieses sogenannte X-Verfahren entstand in Abwandlung der bei den Funklandeverfahren verwendeten Leitstrahltechnik. Der Leitstrahl der Funklandebaken hatte einen Öffnungswinkel von etwa 5° (entsprechend 5 km Breite in 100 km Entfernung) und war für die Markierung von Punktzielen zu ungenau. Es wurde daher ein verlastbarer Bakensender "Knickebein" (bzw."Wotan I") geschaffen, dessen Antennensystem (Breite x Tiefe ca. 20 m x 3 m x 1,5 m) auf einem Schienenkreis drehbar war und mit Punkt-Strich-Tastung den geringsten theoretisch erreichbaren Öffnungswinkel des Leitstrahles von ca. 1/20° (entsprechend einer Breite von 100 m in 100 km Entfernung) weitgehend realisieren konnte. Die Frequenz wurde aus Geheimhaltungsgründen in einem Bereich weitab der bisher verwendeten Wellenlängen gelegt. 1935 fanden bereits mit Laborgeräten die ersten Versuchsflüge mit 2 Bodenstellen statt, wobei Reichweiten von 400 km (3000 m Flughöhe) bezw. 550 km (bei 6000 m Höhe) dank der hohen Aufstellungsorte der Sender (über 1000 m) erreicht wurden.

 

176
177
Abb.176 Leitstrahlempfangsgerät (für Blind-Bombenwurf) "X-Gerät" FuG 2??
Abb.177 "X-Uhr" (Ln 28901 Bäuerle & S. Schwenningen) zur Auslösung der Bomben

 

Als Bordgerät entwickelte die Firma Siemens das "X-Gerät" FuG 22.? das aus einer Kombination von 2 Empfängern (Frequenzbereich 66,5... 75.0 MHz), 2 Auswertegeräten, 2 Zielfluginstrumenten und 2 Stabantennen bestand. Die elektrische Wirkungsweise entsprach weitgehend derjenigen der Leitstrahlempfänger der Funklandeanlagen. Ein Empfänger wurde vom Flugzeugführer zum Zielflug auf dem Leitstrahl A (=Marschweg) benutzt, der zweite Empfänger (mit einer anderen Frequenz) wurde vom Funker zur Aufnahme der für den Lpitstrahl A rechtwinklig kreuzenden Leitstrahlen B und C verwendet, welche z.B. in 20 km und 10 km vor dem Ziel eine Meßstrecke (zur Ermittlung der Geschwindigkeit über Grund) kennzeichneten.

 

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Abb.178 Pfadfinderflugzeug Heinkel He 111 H-3 (H-6) mit zusätzlichen Stabantennen für das "X-Gerät" resp. "Y-Gerät"

 

Aufnahme der für den Leitstrahl A rechtwinklig kreuzenden Leitstrahlen B und C verwendet, welche z.B. in 20 km und 10 km vor dem Ziel eine Meßstrecke (zur Ermittlung der Geschwindigkeit über Grund) kennzeichneten. Beim Durchfliegen von B wurde genau in der Mitte des Leitstrahls die mitgeführte und entsprechend der Flughöhe (= Flugzeit der Bomben) voreingestellte "X-Uhr" (Ln 28901 Bäuerle & S. Schwenningen) in Gang gesetzt, bei welcher ein Zeiger zu laufen begann. In der Mitte des Leitstrahles C wurde die Taste der Uhr nochmals gedrückt, wodurch der erste Zeiger gestoppt wurde und ein zweiter Zeiger zu laufen begann. Wenn die Zeiger in Deckung kamen, wurden die Bomben durch einen Kontakt ausgelöst (Prinzip der "zurücklaufenden Stoppuhr" = ein Chronografo a Ritorno! - englischer "Bomtimer" Stoppuhr). (Abb. 176, 177, 181)

 

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Abb.179 ältere Ausführung des Leitstrahlempf-Gerätes FuG 28
Abb.180 Relais-Sendegerät FuG 17 E und Leitstrahlempfangs-Gerät FuG 28 a ("Y-Gerät-Kampf")

 

 

181

 

Abb.181 Vereinfachte Darstellung des "X-Verfahrens" (Eigenortung)

 

 

Bei den ersten Vorführungen im Juni 1936 (in Grafenwöhr) war auf 300 km Entfernung eine Zielfläche von 300 x 300 m realisierbar. Trotz des Widerstandes einflußreicher Kreise (ähnlich dem Widerstand alter Kavalleristen gegen die Panzer) konnten wenigstens im Juli 1938 8 Bodenstellen (gefordert 10) und die Kampfgruppe 100 (mit 2 Staffeln, gefordert waren 100 Flugzeuge) in Dienst gestellt werden.

Bei Kriegsbeginn standen nur die beiden genannten Staffeln (ausgerüstet mit Heinkel He 111 H-6, teilweise mit Aufschaltung des X-Gerätes auf die Kurssteuerung) und 75 weitere Gerätesätze für Ersatz und Neubestückung zur Verfügung, Der 1.Einsatz der hervorragend ausgebildeten Einheiten erfolgte am 26.August 1939 gegen polnische Munitionsanstalten, wobei sich die hohe Genauigkeit des Verfahrens bestätigte.

Einsätze gegen den Westen erfolgten aus Gründen der Geheimhaltung erst 1/2 Jahr später, wobei ein weitgehend zerstörtes Gerät (Sprengsatz!) den Engländern in die Hände fiel und grosse Rätsel aufgab. Die Flugzeuge der K.Gr. 100 wurden als Pfadfinder zur Zielmarkierung mit Brandbomben für die übrigen auf Leitstrahlen marschierenden Kampfverbände eingesetzt. An der Kanalküste waren 4 Bodenstellen errichtet, welche je nach Bedarf Leitstrahlen (A) oder Querstrahlen (B,C) darstellen konnten. Es arbeiteten immer die Bodenstellen zusammen, deren Strahlen über dem Zielgebiet annähernd einen rechten Winkel bildeten, die übrigen wurden zur Tarnung auf Scheinziele eingerichtet. Die Einschaltung der Leitstrahlen erfolgte erst, wenn sich die Pfadfinder etwa bis auf 120 km dem Ziel genähert hatten. Das System wurde nun erst voll an den Engländern erkannt, so daß Churchill am 26.9.1941 von einer "Gefahr ersten Ranges" sprach!

Erst im Jahre 1943 gelang jenseits des Kanales die Fertigung eines vergleichbaren Konkurrenzgerätes ("Oboe"), das zusammen mit dem ersten Zentimeterwellen-Funkmeßgerät ("Rotterdam") in nach deutschem Vorbild (s.Churchill "Memoiren") eingerichteten Pfadfindergruppen eingesetzt wurde.

 

182

 

Abb.182 Vereinfachte Darstellung des "Y-Verfahrens" (Kampf) (Eigenortung & Fremdortung mit E-Messung durch zwei Stellen)

 

Schon 1938 wurden auch bei der Luftwaffe Überlegungen angestellt für ein Verfahren, das dem Gegner weniger Möglichkeiten zur Vorausbestimmung des voraussichtlichen Zieles und zur Konzentrierung der Abwehr bot. (Das Einrichten und Vermessen der Strahlen nahm etwa 12 Stunden in Anspruch. Trotzdem dabei nur mit stark verringerter Sendeenergie gearbeitet wurde, war ein Abhören und eine Auswertung durch gegnerische Beobachtungsflugzeuge nicht zu verhindern). Da damals die deutsche Industrie bereits voll ausgelastet war, wurde bei der Entwicklung der Bordgeräte für das Y-Verfahren auf das damals in Einführung stehende UKW-Sprechgerät FuG 17 zurückgegriffen und eine (mit "Y-Gerät" bezeichnete?) Kombination des UKW-Sprechgerätes - Relaissender FuG 17 E (siehe weiter unten!) mit dem UKW-Zielfluggerät FuG 28a (Lorenz, Frequenzbereich 42,1...47,7 MHz) verwendet. Letzteres Gerät diente zum Zielflug auf dem beibehaltenen Führungleitstrahl (A) ( Bodenanlage "Wotan II") nach Hör- und Sichtanzeige, wobei verschiedene Ausführungen im Einsatz waren. Die erste Serie (FuG 28 ?) bestand aus einer Stabantenne und dem Empfänger E17 Xs, einem Auswertegerät (vom X-Gerät übernommen) und einem Zielfluginstrument (AFN1 bzw.AFN2). Bei der Ausführung FuG 28a wurden der Empfänger E 17 mit einem neuen Auswertegerät AW 28 a zu einem Geräteblock (ähnlich dem FuG 17) zusammengefasst. Zur Aufschaltung auf die Kurssteuerung diente ein Aufschaltgerät LKZG. Die Querstrahlen B und C des X-Verfahrens entfielen jedoch und wurden durch eine Entfernungsmessung vom Boden aus (mit Hilfe des Relaissenders FuG 17 E) ersetzt. Das Flugzeug musste also nur noch den Leitstrahl suchen, ihn auf die Kurssteuerung aufschalten und auf das Bombenabwurfkommando vom Boden warten. Das Zusammenwirken der Geräte FuG 28a und FuG 17E wird im nächsten Absatz genauer besprochen.

 

 

4.4 Relaissender

 

Verschiedenes der bereits besprochenen UKW-Sprechgeräte waren zu Führungszwecken im"Y-Verfahren" für die Betriebsart "E-Messung eingerichtet. Von der Bodenstelle wurde bei diesem Dauerstrichverfahren eine mit 300 Hz bzw. 3000 Hz modulierte Sendefrequenz abgestrahlt, die vom Bordempfänger aufgenommen wurde. (Abb.183 ,184)

Die an seinem Ausgang stehende Modulationsfrequenz wurde über den Bordsender gleichzeitig auf einer anderen Frequenz (1,9 MHz tiefer) wieder abgestrahlt (= Relaissendung) und von der Bodenstelle empfangen. Entsprechend der Entfernung bzw. der Laufzeit der elektrischen Wellen (Bodensender — Bordempfänger — Bordsender— Bodenempfänger) eilte die Phase der Modulationsfrequenz, welche am Boden wieder empfangen wurde, nach gegenüber derjenigen, die der Bodensender gerade abstrahlte. Mit Hilfe einer Phasenmeßbrücke wurde nun ein Vergleich beider Modulationsphasen durchgeführt. Jedem Phasenwinkel entsprach dabei eine gewisse Entfernung, wobei die Laufzeit innerhalb des Bordgerätes (fest eingestellt) abgezogen werden musste, was durch eine Voreinstellung automatisch erfolgte. Die Meßgenauigkeit dieses Dauerstrichverfahrens lag bei 100...200 m, die Meßbereiche hingen von der Modulationsfrequenz ab:mit 300 Hz =Grobbereich 0...500 km, mit 3000 Hz = Feinbereich 0...50 km.

 

183

Abb.183 Vergleich der Entfernungsmessung mit Tonmodulation ( z.B. Y-Verfahren) und mit Impulsmodulation ( z.B. Abfrage eines Kenngerätes="Egon"-Verfahren, "Baldur"-Verfahren ). I= Hiweg ,II= Rückweg, TG=Tongenerator, S= Sender ,E= Empfänger, SG= Sichtgerät mit E-Ablesung . Die Laufzeiten innerhalb der Geräte sind schraffiert, ihre Summe muß von der E-Messung abgezogen werden, die Entfernungaskala ist daher um diesen Betrag nach rechts versetzt (Voreinstellung der festliegenden Gerätelaufzeiten); gemessen wird nur die Laufzeit I+II

 

Beim Y-Verfahren für_Kampfflugzeuge wurde der Führungsleitstrahl (A) des X-Verfahrens (siehe dazu weiter oben!) als Marschwegkennzeichnung beibehalten. Wenn das Flugzeug etwa 150 km vor dem Ziel voraussichtlich in der Nähe des Leitstrahles angekommen war, meldete es dies und die gewählte Flughöhe (Vereisung!) über das UKW-Sprechgerät FuG 17 E (Lorenz, 42,1...47,7 MHz) zur Bodenstelle A, welche nun den Leitstrahl einschaltete. Dieser wurde mit dem Leitstrahlempfangsgerät FuG 28 a aufgenommen und dann auf die Kurssteuerung aufgeschaltet (siehe weiter oben).

Die Bodenstelle A strahlte nun auch intermittierend den Meßton ab, welcher vom Flugzeug über das FuG 17 E auf entsprechende Anforderung bzw. (bei Ausrüstung mit Trägersperre) automatisch zurückgestrahlt wurde. Bei Erreichen von 3 vorher genau geodätisch errechneten Meßpunkten (mit bestimmten Entfernungen zur Bodenstelle A = Aufstellungsort des Leitstrahlsenders) wurden nach telefonischer Absprache mit einer rechtwinklig zum Leitstrahl liegenden Bodenstelle B von dieser noch 3 Entfernungsmessungen durchgeführt (Kontrolle, ob sich das Flugzeug richtig auf dem Leitstrahl bewegte). Die Ermittlung der Fluggeschwindigkeit erfolgte also mit Hilfe der X-Uhr (Ln 28901) und Abstandsmessungen von der Bodenstelle A, welche auch über Sprechfunk den Befehl zum Bombenwurf erteilte. (Abb.178...180,182)

Durch Verlegung des ganzen Meßvorganges auf die Bodenstellen mit ihren Hilfsmitteln wurden erwartungsgemäß noch höhere Genauigkeiten erzielt als beim X--Verfahren.

Mitte 1940 war die II. Gruppe des K.G. 26 (Flugzeuge Heinkel He 111 H-6) mit dem Y-Gerät ausgerüstet, desgleichen waren am Kanal 5 (meist schon für das X-Verfahren ausgerüstete) Bodenstellen auch für das Y-Verfahren benützbar. Zur Vergrösserung der Reichweite der Führungsverfahren, wie sie bei Angriffen auf die Flottenstützpunkte auf den Orkney-Inseln erforderlich gewesen wären, wurden schon 1940 erfolgreiche Versuche durchgeführt, Man liess in etwa 400...500 km Entfernung von der norwegischen Küste eine Dornier Do 217 in 7000 m Höhe mit Jagdschutz kreisen, welche als Relaissender (Funkbrücke) fungierte. Die Bereitstellung besonderer Höhenflugzeuge genügend grosser Reichweite und Flugdauer für Langstreckeneinsätze wurde jedoch "von oben" abgelehnt.

Obwohl die Y-Bordgeräte in Serie liefen, die Zuverlässigkeit und Präzision des X- und Y-Verfahrens bewiesen war, unterblieb eine Ausrüstung weiterer Verbände. Auch die Forderung nach leichten und schnellen Höhenflugzeugen wurde abgelehnt. (Die Engländer bewiesen die Brauchbarkeit dieses Vorschlages später durch ihre "Mosquitos" mit "Oboe"-Geräten). Die Masse der Kampfflieger lehnte derartige "überzüchtete" Verfahren wegen der "Einschränkung der fliegerischen Initiative" ab und auch der Grossteil der Führung glaubte an schnelleren Erfolg durch massiven Einsatz der damals noch ungebrochenen Kraft der Kampfverbände. Die Verstärkung der englischen Abwehr führte später zu den bekannten Folgen. Die Wirksamkeit der nur in "homöopathischen Dosen" eingesetzten Y-Flugzeuge liess ebenfalls nach, da die inzwischen veraltete Heinkel He 111 eine leichte Beute der Abwehr wurde und nicht durch neuere Typen ersetzt wurde.

Bei der Überbeanspruchung der Luftwaffe im Rußlandfeldzug wurden im Frühjahr 1942 die X- und Y-Geräte ausgebaut und die K.Gr: 100 und die II./K.G. 26 vom Westen nach der Krim verlegt, wo diese Einheiten bei Einsätzen auf Sewastopol und Stalingrad aufgerieben wurden.

Später wurde das Y-Verfahren für Kampfflugzeuge anscheinend nochmals aufgegriffen. (Die Engländer berichten noch Herbst 1944 von laufenden Einsätzen von Junkers Ju 88 mit Y-Gerät). Wieweit dabei das aus dem FuG 17 E weiterentwickelte UKW-Sprechgerät =Relaissender FuG 17 ZY (im Februar 1944 wieder gestrichen) oder statt dessen das (für die Jägerführung ab Oktober 1943 in Serie anlaufende) FuG 16 ZY zusammen mit dem Kommandoübertragungszusatz "Luftkurier" (siehe dazu weiter oben!) noch eingesetzt wurde, ist nicht bekannt. Die Engländer hatten seit dem Frühjahr 1941 wirksame HF-Störmaßnahmen (Erzeugung falscher Leitstrahlen usf.) entwickelt. Damit noch nicht von Bodenfunkmeßgeräten erfasste Flugzeuge sich nicht in der gefährlichen letzten Phase des Anfluges = für ca. 10...15 Minuten durfte weder Kurs noch Höhe verändert werden) durch Funksignale verrieten, sollten die E-Meßsignale extrem kurz (0,1 Sekunden) gehalten werden. Die Bodenstellen hatten dazu eigene Speicherschaltungen, um die rückgestrahlten Signale im Gerät für den Meßvorgang auf einige Sekunden zu verlängern("Y-Bodenstörbefreiung).

 

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Abb.184 Vereinfachte Darstellung des Y-(Jäger-)Verfahrens ( Fremdortung mit E-Messung und Winkelmessung ) und der Funktion der Geräte, TC-Tongenerator , S - Sender , Ph - einstellbarer Phasenschieber, E = Empfänger , EP = Bodenempfänger mit Peilantenne , SC = Sichtgerät. ( Zielortung nicht dargestellt!)

 

 

Bei dem 1943 als Ablösung für das Peilrufverfahren eingeführten Y-Verfahren_für_Jäger entfiel der Führungsleistrahl. Die aus Sender, Empfänger und E-Meßgestell bestehende Y-Bodenstelle wurde durch eine Adcockpeilantenne ergänzt, da in diesem Falle der Standort der Flugzeuge durch gleichzeitige Entfernungs-Messung und Peilung ermittelt wurde. Auch der Befehlsfunk wurde auf den gleichen Frequenzen durchgeführt. Als Flugzeugbordgerät wurde zuerst das UKW-Sprechgerät FuG 16 ZE verwendet, welches nur die Betriebsarten Telefonie und E-Messung aufwies. Bei den Tagjägern war nur jeweils die Führermaschine als Relaissender durchgeschaltet. Die Begleitflugzeuge arbeiteten auf den gleichen Frequenzen wie die Bodenstelle, so daß sie weder untereinander, noch mit der Bodenstelle, sondern nur mit dem Führerflugzeug sprechen konnten. (Ihre Geräte konnten jedoch bei Bedarf während des Fluges mittels eines Schalters über die Abstimmungsfernantriebe auf Y-Führung durch die Bodenstelle und 2 weitere Frequenzkombinationen umgeschaltet werden). Als Verkehrsart wurde Gegensprechen angewendet, d.h. der Empfänger war auch während des Sprechend betriebsbereit, so daß sich die sprechenden Stellen jederzeit wie beim Telefon gegenseitig unterbrechen konnten. Bei den Nachtjägern wurde jede Maschine einzeln geführt, d.h. für jeden Tagjagdverband bzw. jeden einzelnen Nachtjäger wurde je eine komplette Bodenstelle genötigt. Die Verkehrsart war Gegensprechen, die E-Meßtöne wurden nur kurzzeitig auf Anforderung vom Boden oder automatisch (durch Einbau einer Trägersperre) zurückgestrahlt.(Abb.184)

 

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Abb.185 Vereinfachte Darstellung des Peilruf-Verfahrens (Fremdortung mit Winkelmessung durch 3 Bodenstellen.( Zielortung nicht dargestellt! )

 

Da es beim FuG 16 E als Mangel empfunden wurde, daß es gegenüber seinem Vorläufer FuG 16 Z keinen Zielflug (zum Sammeln, Auffinden von Fühlungshaltern oder Suchen des Platzes) ermöglichte, wurde 1944 allgemein das UKW-Sprechgerät FuG 16 ZY mit den Betriebsarten Telefonie, E-Messung, Zielflug, Telegrafie tönend eingeführt. Bei Tagjägern wurde neben der oben angegebenen Frequenzverteilung = "Y-Prinzip" noch das sog. "Altrogge-Prinzip" angewendet, bei welchem die Empfänger und Sender der Begeleitflugzeuge auf der gleichen Frequenz wie der Sender der
Bodenstelle arbeiteten. Auch hier waren in jedem Flugzeug 4 Frequenzen bzw. Frequenzpaare wählbar (siehe dazu auch unter Kapitel "UKW-Sprechgeräte"). Bei Nachtjägern war das FuG 16 ZY wie auch schon das FuG 16 ZE mit der Eigenverständigung des FuG 10 zusammengeschaltet. Um den Störungen des Telefonieverkehrs zu begegnen, wurden teilweise tönende Telefrafiezeichen verwendet oder auch verschiedene Kommando-Übertragungszusätze "Uhu", "Fuchs" usf. (siehe dazu weiter oben!) eingebaut.

Ende 1944 waren etwa 500 Y-Bodenstelle (diese waren teilweise zur Erhöhung der Störfestigkeit mit Suchtonverfahren für die Peilung, Nullanzeige zur E-Messung u.a.( "Y-Störbefreiung-Boden") ausgerüstet) im Einsatz. Parallel zum Y-Verfahren lief der Ausbau und Übergang der Jägerführung zum "Erstling-Verfahren" unter Verwendung der nachfolgend beschriebenen Kenngeräte.

 

 

4.5 Kenn- und Abfragegeräte

 

Die Kenngeräte (Freund/Feind) sollten den Funkmeßgeräten der Flugmelde- (Flum) und Flugabwehr-Einheiten die Unterscheidung zwischen eigenen und feindlichen Flugzeugen ermöglichen. Sie ergaben auch eine Erhöhung der Meßreichweite der Boden-FuMG's und wurden auch später für die Jägerführung verwendet. Die vom Funkmeßgerät gemeldeten Impulse (= Abfrage) wurden vom Empfangsteil des Kenngerätes aufgenommen, verstärkt und nach einer gewissen Verzögerung im Rhythmus eines Morsezeichens (= Kennung) über den Sendeteil, eine Weiche und die gemeinsame Sende-Empfangsantenne wieder abgestrahlt. Am Funkmeßgerät werden die Kennsignale abgehört oder aber im Sichtgerät zur Anzeige gebracht. Letztere Methode hat sich später allein durchgesetzt, denn nur so konnte man bei Vorhandensein mehrerer Ziele, welche mit verschiedener Entfernung in der gleichen Richtung lagen, feststellen, welches Echo zur eigenen Maschine gehörte. Da die Verzögerung im Kenngerät bekannt war (z.B. 400 m), konnte man das Kennungssignal auf der Zeitlinie der Anzeige jeweils direkterem Echo zuordnen. Ausserdem konnte man auch bei Vorhandensein mehrerer eigener Flugzeuge deren Anzahl feststellen, sofern sie nicht zu nahe beieinander flogen.

Kenngeräte, deren Empfangsfrequenz ("Abfragefrequenz") und Sendefrequenz ("Kennungsfrequenz") gleich der Betriebsfrequenz des Funkmeßgerätes ("Ortungsfrequenz") waren, wurden also dauernd abgefragt und gaben dementsprechend dauernd Kennung, erforderten aber beim Funkmeßgerät keinen zusätzlichen Aufwand. Sie waren jedoch nur für die Kennung einzeln fliegender Flugzeuge (z.B. Fernaufklärer) gegen einzelne Funkmeßgeräte (z.B.eigenes U-Boot) verwendbar.

Bei Vorhandensein mehrerer Funkmeßgeräte auf der gleichen Frequenz sprach ein solches Kenngerät dauernd auf alle Abfragen an. Die Kennung auf die eigene Abfrage war am Sichtgerät des Funkmeßgerätes zwar gut, die Ortung wurde jedoch durch die nicht synchronen Antworten für die Nachbartunkmeßgeräte (= über die ganze Entfernungsskala laufende Impulse) empfindlich gestört oder gar unmöglich gemacht.

Aus diesem Grunde und weil die Flak- und Flug-Funkmeßgeräte schon von vorneherein auf verschiedenen Frequenzen arbeiteten ("Würzburg"-Geräte auf 560 MHz/ "Freya"-Geräte auf 125 MHz), wählte man bei den meisten Kenngeräten für Abfrage und Kennung verschiedene Frequenzen. Je nachdem, ob die Abfrage- oder die Kennungsfrequenz mit der Ortungsfrequenz des Funkmeßgerätes zusammenfiel, musste das Funkmeßgerät mit einem zusätzlichen Kennungsempfänger oder einem (mit dem Funkmeßsender gemeinsam getasteten = synchronisierten) Abfragesender ausgerüstet werden. Da nun die Aufschaltung des Kennungsempfängers auf das Sichtgerät bzw. die Abfrage nur kurzzeitig bei Bedarf erfolgte und eine Störung der Ortung nur während dieser Zeit erfolgte, konnten diese Kenngeräte auch zur Jägerführung bei Flugmeldenetzen verwendet werden.

 

 

Da später Ausweichen gegen Feindstörungen die Funkmeßgeräte mit Ausweichfrequenzen versehen wurden (Aktion "Wismar") und praktisch jedes Gerät mit einer anderen Ortungsfrequenz arbeitete, wurden die Kenngeräte mit einer synchronen Wobbelung (= periodische Veränderung) der Empfangs- und Sendefrequenz (= Abfrage- und Kennungsfrequenz) versehen. Die Kennung (und damit auch die nichtsynchronen Störungen durch die Abfrage der Nachbargeräte) erscheint dann z.B. nur jede halbe Sekunde. Die Ablesung einer Morsekennung ( = Unterscheidung einzelner Jäger) wird aber sehr erschwert.

 

Tabelle : Verkehrsmöglichkeiten zwischen Funkmessgeräten und Kenngeräten

Tabelle

Wenn mehrere eigene Flugzeuge auf eine Abfrage antworten, so geschieht das jeweils abwechselnd und ergibt bei grossen Einflügen ein sehr verwirrendes Bild der Anzeige. Die Ortungsfrequenzen wurden im weiteren Verlauf dann soweit gestreut, dass sich automatisch eine Trennung zwischen der Ortungsfrequenz einerseits und der Abfrage- und der Kennungs-frequenz andererseits ergab. (Die Abfrage- und die Kennungs-frequenz konnten nun wieder identisch sein). Alle Flugmeldegeräte wurden dementsprechend mit gesonderten Abfragesendern ("Kuh") und Kennungsempfängern ("Gemse") ausgerüstet. Damit war ein so zufriedenster Stand der Kennungstechnik erreicht, dass schliesslich die Jägerführung mit ihrer Hilfe durchgeführt wurde.

 

186

 

Abb.186 Kenngerät "Zwilling" / Abb.187 Kenngerät "Erstling" FuG 25 a. - Darüber Steckschlüssel für Kennungsgeber

 

Für die Kennung der Bord-zu Bord wurden auch Geräte entwickelt, welche wahlweise als Kenngeräte oder in Zusammenarbeit mit dem Bordfunkmeßgerät als Abfragesender + Kennungsempfänger verwendbar waren. Bereits bei den von der Truppe in den Jahren 1938/1939 durchgeführten Erprobungen hatte sich herausgestellt, daß man im Falle der gleichzeitiger Erfassung mehrerer Flugzeuge durch das Bodengerät in der Lage sein musste, die vom eigenen Flugzeug rückgestrahlte Kennung auf der Anzeige des Funkmeßgerätes genau entfernungsmässig zuordnen zu können. Das damals erprobte und diesen Anforderungen entsprechende Kenngerät "Stichling" kam jedoch trotz der Forderungen der Truppe nicht in Fertigung.

 

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Abb.188 Bord-zu-Bord-Kenngerät "Biene W"="Wobbelbiene" FuG 225
Abb.189 Antennen des Abfrage- und Kenngerätes "Neuling" FuG 226.

 

Statt dessen wurde ein "einfaches Gerät", das Kenngerät "Zwilling" FuG 25 (Telefunken, Empfangsfrequenz 554...566 MHz, Sendefrequenz 160 MHz, Leistung 1 W) in grossen Stückzahlen gebaut. Etwa ab 1940 wurden alle Flugzeuge mit dem entsprechenden Einbausatz ausgerüstet. Dieses Kenngerät musste zur Abfrage durch das Bodengerät (FuMG 62 "Würzburg") mit einer Impulsfrequenz von 5 kHz (normal 3.75 kHz) angestrahlt werden, daher um das Kenngerät nicht zu oft auszulösen, wurde anstelle einer getrennten Abfragefrequenz zwar die gleiche Trägerfrequenz, aber eine vom Ortungsbetrieb abweichende Impulsfolgefrequenz gewählt. Der Sendeteil des Kenngerätes strahlte seinerseits nun aber keine Impulse, sondern nur einen mit der Morsezeichen tonmodulierten Träger ab, der mit dem gesonderten Kennungsempfänger E 62 "Steinziege" abgehört, aber nicht entfernungsmässig zugeordnet werden konnte. Während der Abfrage gab das "Würzburg" keine Ortung. Die Folge war, dass das FuG 25 in der Praxis versagte und nicht eingesetzt werden konnte. Die Kennung erfolgte jeweils durch einen der beiden vom Umformer angetriebenen (und vom Flugzeugführer wählbaren) Nockenschalter. Die in diese einsteckbaren Schlüssel waren mit 10 Ausbrechnocken versehen, so daß beliebige Morsebuchstaben erzeugt werden konnten. (Abb.186,190)

 

190

 

Abb.190 Funktion der Abfrage und Kennungsgabe Fu G 25 Würzburg" + "Steinziege" (Anzeige durch Kopfkörer), Fu G 25 J1 "Würzburg" + E62J bzw. FuG 25 a "Freya" + "Gemse" (Anzeige am Sichtgerät). Wt=Weiche , FS=Funkmeß-Sender, FE=Funkmeß-Empfänger,SG=Sichtgerät,KE=Kennungsempfänger, AE=Abfrage-Empfänger, KT=Kennungstaste KS=Kennungs-Sender

 

 

Um eigene Jäger zwischen Feindverbänden unterscheiden zu können, musste daher das Bordgerät auch sendeseitig auf Impulsbetrieb umgestellt werden. Als Notlösung war 1942 bei der FAS III innerhalb weniger Monate durch Umbau der vorhandenen FuG 25 das Kenngerät "Zwilling J1" FuG 25 J1 entstanden, das erfolgreich im Bereich Berlin eingesetzt wurde.

Im Bordgerät durchliefen die vom Boden empfangenen Impulse (nunmehr mit einer Folgefrequenz = 3,75 kHz) den Kennungsgeber und tasteten dann im Rythmus der Morsezeichen den Sender. Im entsprechend umgebauten "Würzburg-Gerät" erschienen die vom FuG 25 J1 zurückgestrahlten Impulse auf der Anzeige mit einer Verzögerung (Laufzeit im Kenngerät) von 400 m im Rythmus der Kennung getastet rechts der schwächeren direkten Echos. Die Reichweite von 20...30 km genügte für die Flakzielgeräte. Eine andere Entwicklung mit Entfernungszuordnung war das Kenngerät "Zwilling J2" FuG 25 J2 (Telefunken, Empfangsfrequenz 554...566 MHz, Sendefrequenz 560 MHz + 9,5 MHz gewobbelt, ohne eigentliche Kennungstastung), das Reichweiten bis zu 95km ergab. Es wurde unter anderem deshalb nicht eingeführt,weil das nachfolgendebeschriebene Gerät als Einheitsgerät vorgesehen war.

 

191

 

Abb.191 Funktion des Kenngerätes FuG 25a bei Abfrage durch einen besonderen Abfraresender AS bei "Freya oder "Würzburg" mit Streuwellen oder Wismar

 

Ab 1943 gelangte das Kenngerät "Erstling" Fu G 25 a (GEMA , Empfangsfrequenz 125 +/- 1,8 MHz gewobbelt ,Sendefrequenz 160 MHz Impulsleistung 600 W) zum Großeinsatz. Seine Funktion war genau analog dem Fu G 25 J1, der Empfangsteil wurde jedoch mit einem Überlagerungsempfänger ausgerüstet. Da es für große Abfrage- und Rückmeldereichweiten ausgelegt war und hauptsächlich mit den Vorwarn- und Flugmeldegeräten Zusammenarbeiten sollte, wählte man als Empfangsfrequenz (Abfrage)die ursprüngliche Betriebsfrequenz der Flugmeldegeräte ("Freya"usf.) welche ihrerseits mit einem Kennungsempfänger "Gemse" ausgerüstet wurden.(Für Funkmeßgeräte der Flak mußten besondere Abfragesender "Kuh" bzw.Kombinationen aus Abfragesender und Kennungsempfänger z.B."Kuckuck" entwickelt werden). (Abb.187 ,191)

Bei der Erprobung der ersten Mustergeräte des FuG 25 a ergaben eich Kennungsreichweiten von ca. 100 km. Dies führte schon ab 1941 dazu, diese Geräte zur Führung von Jägern auszunutzen = "Erstling-Verfahren" Mittels eines entsprechend ausgerüsteten "Freya"- oder "Würzburg-Riese"-Gerätes am Boden und des FuG 25 a an Bord wurde aus der ermittelten Richtung und dem Abstand der jeweilige Standort des Jägers ermittelt (= Jägerortung). Letzterer wurde dann über Funk (Kurzwelle bzw. später UKW ) zu der von einem weiteren "Freya"-Gerät ermittelten Position eines gegnerischen Bombers ( = Feindortung) geführt .In den beiden folgenden Jahren gab man jedoch dem bereits besprochenen "Y-Verfahren (Jäger)" den Vorzug und verwendete das FuG 25a meist nur zur Kennung.

 

192

 

Abb.192 Vereinfachte Darstellung des Egon-"Kampf-Verfahrens" (Fremdortung mit E-Messung + Winkelmessung). Das Egon-Verfahren für Jäger war analog, durch die Eigenbewegung des Zieles=Feindflugzeuge, wurde die Flugbahn des Jägers jedoch eine Kurve!

 

 

Im Jahre 1943 entwickelte die Erprobungsstelle Rechlin jedoch als Ergänzung bzw. Ablösung des "Y-Verfahrens (Kampf)" das "Egon"Verfahren" (Kampf)" (aus Erstling - Gemse -Offensive-Navigation) zur Führung von Beleuchterflugzeugen (Pfadfindern). Der Standort des Flugzeuges wurde am Boden wieder mittels eines "Freya"-Gerätes mit Kennungsempfänger "Gemse" aus Richtung und Entfernung bestimmt (Abb.192).Weitere Fluganweisungen erhielt das geführte Flugzeug über UKW-Sprechfunk (FuG 16 g ?).

Die E-Stelle Rechlin hatte auch ein besonderes Kommandoübertragungsgerät "Nachtfee" Fu G 136 als Zusatz zum FuG 25 a entwickelt und in 5 Exemplaren gefertigt , das bei einem Teil der Einsätze auch verwendet wurde. Im Zuge einer Weiterentwicklung entstand das "Egon - 2 -Stande Verfahren" (Abb. 193), bei welchem ein "Stand" ("Freya"-Gerät) das Beleuchterflugzeug auf einem Kreisbogen führte, während der 2.Stand laufend die Entfernung zum Ziel kontrollierte und auch die entsprechenden Abwurfkommandos gab .(Es glich damit dem englischen " OBOE " -Verfahren (Deutsch: "Bumerang") bzw. bildete das Gegenstück zur Eigenortung durch 2 Entfernungsmessungen mit dem bereits besprochenen FuG 126 "Baldur".) Die Erprobung wurde im Jahre 1944 auf der Basis Rechlin-Straußberg durchgeführt , es kam jedoch nicht mehr zu echten Einsätzen .

 

193

 

Abb.193 Vereinfachte Darstallung des 2-Stand-Egon-Verfahrens ( Fremd-Ortung mit E-Messung durch 2 Bodenstellen)

 

 

In der Zwischenzeit war im Reichsgebiet ein sehr dichtes Netz mit Flugmeldegeräten entstanden, welche im Verlauf der sog. "Wismar"-Aktion auf Frequenzbereiche zwischen 62 und 250 MHz umgerüstet wurden und daher zusätzlich zum Kennungsempfänger "Gemse" auch einen Abfragesender "Kuh" erhielten. Es ergab sich so eine vollkommene Trennung der Ortungsfrequenzen von den Frequenzen für Abfrage und Kennungsgabe . Dadurch und durch die teilweise Verwendung von Kenngeräten mit geänderten Frequenzen = "roter Erstling","grüner Erstling" ....= FuG 25 b, c (und d ?) und auch des weiter unten genannten "Neuling" FuG 226 ergab sich die Möglichkeit der gleichzeitigen Führung einer weit größeren Anzahl von Jägern als je geliefert werden konnten.

Es entstand so 1944 im Heimatkriegsgebiet nach dem "Erstling-Verfahren" das "Egon-Verdahren (Jäger)" als Weitführungsverfahren. Auch dabei erfolgte wieder die Jägerortung durch "Freya"-Geräte durch Ermittlung von Richtung und Entfernung. Die Übermittlung der Befehle erfolgte allgemein über Sprechfunk (FuG 16 ZY usf. gegebenenfalls zusätzlich mit Kommandoübertragungsgeräten). Auch die Schlachtflieger haben sich übrigens dieses Verfahrens besonders bei Nachteinsätzen bedient. Es waren auch besondere Jägerortungsgeräte entwickelt worden. So gab es z.B. bei Kriegsende 5 "Jagdhütte"-Geräte (Fu MG 405 ,S&H),welche jeweils aus Abfragesender, Tastgerät, Kennungsempfänger, Sichtgerät und einer großen rotierenden Doppelantenne(Sende- und Empfangsfrequenz verschieden!) bestanden und die Standorte der mit Kenngerät ausgerüsteten Jäger in Panoramadarstellung zeigten. Feindflugzeuge wurden nicht angezeigt. Dafür betrug aber die Reichweite der Verbindung "Erstling"---"Jagdhütte" bis zu 300 km ,während die normale Kennungsreichweite ca. 100 km betrug.

Um Störungen des FuG 25 a durch gegenerische Bordstörsender ("Zustopfen" durch hohe Impulsfolgen)zu erschweren , liefen Untersuchungen für einenImpulsverschlüsselungszusatz zum Bodengerät und einen Impuls-Auswahlzusatz FuG 139 zum FuG 25 a , welcher den Sendeteil nur beim Eintreffen bestimmter Impulsgruppen oder -Breiten freigeben sollte. Es war auch an eine gleichzeitige Tarnmodulation des Boden-Fu MG's mit einer Impulsfolge von 20 kHz gedacht. Schon bei den Anfängen der Nachtjagd war eine gegenseitige Abfrage und Kennung der Nachtjäger untereinander gefordert worden. Als Behelfslösung erließ man ein Verbot des Angriffes auf zweimotorige Flugzeuge! Gleichzeitig aber suchte man nach technischen Lösungen mit tragbarem Geräteaufwand.

Durch Vertauschung der Sende- und der Empfangsfrequenz des FuG 25 a und Zusammenschaltung mit dem Bordfunkmessgerät des Flugzeuges entstand ein Abfragegerät Bord-zu-Bord "Erstling Verkehrt" - "Bordanton" (Lorenz), das zum Kenn-und Abfragegerät "Neuling" FuG 226 (Lorenz) weiterentwickelt wurde. Zur Abfrage wurde(synchron getastet mit dem Sender des Bordfunkmessgerätes) mit einer Impulsleistung von 750 W auf einem der Kanäle 110/113/116/229/122 od. 125 MHz gesendet und gleichzeitig auf einem der Kanäle 143/146/149/152/155 od. 158 MHz empfangen. Die Empfängerausgangspannung wurde parallel zu derjenigen des Funkmessempfängers in das Sichtgerät eingespeist (Entfernungszuordnung der Kennung). Beim Betrieb als Kenngerät wurde die Sendefrequenz (143..158 Mhz) gleichzeitig mit der Empfangsfrequenz (111..125) MHz gewobbelt. (Abb. 189 Abb.194). Die Geräte sollten später mit Synchronisierungszusätzen für Blindlandung, Richtantennen für Bord-Bord-Abfrage und Rastfrequenzen für Jägerführung ergänzt werden. Eine Vorserie war im Einsatz bzw. Versuch, bei Kriegsende lief die Grosserie mit 1900 Stück.

 

 

 

 

Abb.194 (folgt in Kürze!)

 

In Entwicklungsplanung war ein im 12 cm-Bereich arbeitendes Kenngerät "Frischling" FuG 229 (Lorenz, Sende- und Empfangsfrequenz 2500 MHz, Arbeitsweise ähnlich "Neuling"), wurde jedoch nicht gebaut. Gemäss einigen Unterlagen sollte es nicht als eigenes Gerät, sondern als cm-Wellen-Vorsatz zum FuG 226 ausgeführt werden. Neben der Entwicklung von Kenngeräten, welche in grosser Anzahl zusammen mit weitreichenden und sich gegenseitig überdeckenden Funkmessgeräten der Flum-Einheiten eingesetzt wurden, liefen noch Erprobungen für ein einfaches kleines Gerät zur Verwendung über See (geringe "Verkehrsdichte" Flugzeug gegen Flugzeug oder Schiff) und zur Zusammenarbeit mit den Funkmessgeräten der Flak (mit Reichweiten von 30 km), um bei letzteren zusätzliche Abfragesender und Kennungsempfänger einzusparen. Dies bedeutet: Ortungsfrequen z=Abfragefrequenz =Kennungsfrequenz.

Die Firma Wega lieferte dazu im Februar 1942 einen interessanten Beitrag in Form des Kenngerätes "Biene" FuG ? (Frequenzbereich ca. 550...570 MHz) 6 Dieses nur mit 2 Röhren bestückte Gerät nützte die Tatsache aus, daß Pendelfrequenzempfänger ohne Vorstufe bei Empfang einer Frequenz diese auch wieder über die Antenne abstrahlen. Verstärkt wurde diese Wirkung dadurch, dass das Pendelaudion (und auch der Pendelfrequenzgenerator) mit Senderöhren bestückt wurde. Bei normalen Kenngeräten kann Abfrage und Kennung auf der gleichen Frequenz nur erfolgen, wenn eine Verzögerung zwischen Empfang und Sendung eingeschaltet und der Empfänger während der Sendung gesperrt wird, da im anderen Falle das Gerät infolge Rückkoppelung zwischen Sender und Empfänger dauernd strahlen würde. Beim Gerät "Biene" erfolgten jedoch Empfang und Sendung gleichzeitig, dabei wurden Reichweiten von über 65 km erreicht. Da das Gerät schon bei gleichzeitigem Empfang einer ungetasteten Trägerfrequenz ein breites Frequenzband mit Störimpulsen zudeckte, war seine Anwendung als Kenngerät für die Flak nicht möglich, es wurde daher seine Anwendung als Störsender vorgeschlagen. (Es gab auch eine Höhenwindsonde namens "Biene"). (Siehe dazu weiter unten!)

 

 

 

 

Abb.195 (folgt in Kürze!)

 

Im Frühjahr 1944 kam das Kenngerät "Biene W" bzw. "Wobbel-Biene" FuG 225 (Telefunken, Sende- und Empfangsfrequenz 416...580 MHz gewobbelt) zur Erprobung, das versuchsweise in Seeaufklärern und Torpedoflugzeugen, desgleihen als 2.-Kenngerät (zusätzlich zu FuG 25 a) in zweimotorigen Nachtjägern eingebaut war. Es hätte eine Kennung Bord-Boden gegen "Würzburg"-Geräte und Flugzeug-Schiff (U-Boot) gegen "Hohentwiel"-Geräte ohne zusätzliche Abfragesender und Kennungsempfänger ermöglicht, Die beabsichtigte Bord-Bord-Kennung gegen "Lichtenstein" BC und C1 kam nicht ganz zur Auswirkung, da die Fertigung dieser Geräte zu Gunsten der Geräte "Lichtenstein SN2 und SN3" gestoppt war.(Abb.188,195)


Man erwog Ende 1944 ausschliesslich für die mit dem FuG 200 "Hohentwiel" ausgerüsteten Seefernaufklärer und Torpedoflugzeuge das einfache Kenngerät (Impulswiederholer) "Hohentwiel-Biene Bord" FuG 243 (Wega, Funktion ähnlich der "Bïene", Frequenzbereich 545...565 MHz) zu fertigen. Die Abfrage bzw. der Empfang der Kennung wurde mit dem "Hohentwiel"-Gerät des Flugzeuges bzw. Schiffes durchgeführt. In welchen Stückzahlen das Gerät noch zum Einsatz kam, ist nicht bekannt.(Abb.195)

Es gab auch ein ähnliches Gerät, den Impulswiederholer "Biene blind" FuG ?, welcher am Boden als Anflugbake für den Zielanflug des Flugplatzes mit dem FuG 200 verwendet wurde.
In wenigen Exemplaren war vermutlich in Seeflugzeugen das (aus dem Marine-Kenngerät "Wespe g" Fu KG 42 g - Fu ME 2 umgebaute) Kenngerät "Wespe f" (Fu G?) (GTW, Sende- und Empfangsfrequenz 125 MHz, Impulsleistung 300 W) eingesetzt. 5 dieser Geräte wurden später von Siemens umgebaut. Diese Impulswiederholer "Biene lang" (Sende- und Empfangsfrequens 91 MHz) sollten als Anflugbaken für Flugzeuge mit "Lichtenstein SN 2" Fu G 220 verwendet werden. Für im cm-Bereich arbeitende Bordfunkmeßgeräte ("Berlin" u.s.f.) waren verschiedene Arten des Impulswiederholers "Glühwürmchen" in Entwicklung, welche z.B. als Anflugbaken am Boden oder auch an Bord zur Entfernungsangabe Flugzeug-Flugzeug im Formationsflug dienen sollten.

In den letzten Kriegsmonaten entstand in der Erprobungsstelle Werneuchen (?) ein Impulswiederholer "Biene (SN 3 ?)" (Funktion wie Fu G 243,Frequenzbereich ca.100...156 MHz ), der in Nachtjägern mit eingebautem "Lichtenstein SN 3"=FuG 228 zum Zielflug verstreuter Maschinen auf den Gruppenkommandeur bzw.Fühlungshalter verwendet werden sollte. Auch eine Aufstellung am Boden als Platzanflugbake war vorgesehen.


 

4.6 Peilsendegeräte (Ortungssendegeräte usf.)

 

Zur Markierung taktisch wichtiger Stellen auf See (z.B. des Standortes eines Geleitzuges etc.), welche dann von weiteren Flugzeugen in Zielflug mit FuG 17 Z bzw. FuG 16 Z (ZY) angeflogen werden sollten, wurde die Abwurf-Funkboje "Schwan-See" C I FuG 302 (FFO) in einigen Dutzend Stück gebaut. Am Heck des bombenförmigen Körpers qar eine Teleskop-Stabantenne angebracht, die nach Abwurf des Gerätes aus dem Heck des senkrecht im Wasser schwimmende Gerätes ausgefahren wurde. Ein Uhrwerk, dass während des Fluges entsprechend eingestellt werden konnte, schaltete den Sender nach dem Aufprall im Wasser zuerst zur Funktionsüberprüfung für 10 Minuten ein und wieder ab. Es setzte ihn dann erst wieder nach einer eingestellten Zeit (1...30 Stunden) in Betrieb und löste nach einerweiteren eingestellten Zeit (2...72 Stunden) den Sprengsatz aus.

 

 

196a

Abb.196a FuG 301 Windgeschwindigkeitssonde für Sperrballone, links Aufhänrung des Senders mit Dipol am Ballon, rechts Sender mit Anemometer (ohne Schutzkorb und ohne angeschlossene Dipoldrähte)

 

Der quarzgesteuerte Sender strahlte mit 3 Watt auf einer festen Frequenz (40 MHz für Zielanflug mit FuG 16 Z bzw. 45 MHz für Zielanflug mit FuG 17 Z). Obwohl ein solches Gerät 1941 zur Zeit der damals noch erfolgreichen Angriffe mit der Focke Wulf Fw 200 auf Geleitzüge von der Truppe gefordert und die Anwendung mit der Vorserie des FuG 17 Z ( = "Möve") unter Anleitung der Entwickler ausreichend geübt worden war, ist kein praktischer Einsatz bekannt geworden. Die Bojen wurden aus ungeklärten Gründen meist wieder mit zurückgebracht, (Abb.196b)

 

 

196b

Abb.196b Sendegeräte,welche vom Flugzeug abgeworfen wurden, von links nach rechts: Funkboje FuG 302 nach Abwurf im Wasser, FuG 302 vor dem Abwurf, FuG 303, Funkboje für Abwurf über Land, Fu G 304 - Seenot-Funkboje, FuG 305 -Abwurf-Störsender (mit Fallschirm), Fu G 508 - meteorologische Abwurfsende, darunter: Querschnitt durch FuG 302.

 

 

196c

 

Abb.196c Querschnitt durch FuG 302

 

Es gab noch zwei weitere Versionen dieser Funkboje, das FuG 301 "Schwan-Land", welcher zum Abwurf auf Land mit einer scharfen Spitze und einem Bremsring versehen war, und eine Ausführung "Schwan-Luft" (anderer Entwickler?), der offensichtlich für Abwurf aus sehr grosser Höhe gedacht war und an einem Fallschirm hängend während der Fallzeit strahlen sollte. Ähnlich dem "Schwan-Luft" war der Abwurf-Störsender "Frosch IV" FuG 305 (Wega), welcher Fallzeiten - von 30 Minuten erreichte. Die Abwurf-Funknotboje FuG 304 diente den gleichen Zwecken wie die nachfolgend beschriebenen Seenotsender.

- Zu der Nummerngruppe FuG 301...ca. 310 zählten auch Funksonden für meteorologische Zwecke, der Windgeschwin digkeitsmesser für Ballonsperren "Frosch III" = FuG 310 (Sendefrequenz 13,416 MHz) und andere Hilfsgeräte siehe Absatz c) !

 

a) Seenotsender:

Von diesen Geräten, die nur von über See fliegenden Flug zeugen mitgeführt und im Seenotfall von der Besatzung im Schlauchboot in Betrieb gesetzt wurden, sind folgende besonders bekannt geworden: Von diesen Geräten, die nur von über See fliegenden Flug zeugen mitgeführt und im Seenotfall von der Besatzung im Schlauchboot in Betrieb gesetzt wurden, sind folgende besonders bekannt geworden: Das Seenotsendegerät NSG 1 war behelfsmässig aus dem Sender des alten Langwellen-Bordfunkgerätes FuG XXI hergestellt, welcher zusammen mit einem Batteriesatz und einer Antennenhaspel in ein schwimmfähiges Gehäuse eingebaut war.(Abb.197a)

 

197a

 

Abb.197a LW-Seenotsendegerät NG l (gefertigt aus S 21)

 

Dieses grosse und unhandliche Gerät wurde im Jahre 1941 durch das Seenotsendegerät NSG 2 (Telefunken) ersetzt, da es nur etwa 30 x 25 x 25 cm gross war und auch von den Alliierten als SCR 578 nachgebaut wurde.(Abb.197b)

Es enthielt keine Batterien, sondern einen Generator, der mir einer Handkurbel betrieben wurde. Das Gerät konnte automatisch oder durch Handtaste Signale von 8 W Leistung auf der internationalen Seenotwelle (500 kHs geben, auf die mit allen Schiffspeilern Zielfahrt und mit den Flugzeug-Bordpeilgeräten (Peil G5 etc.) Zielflug durchgeführt werden konnte. Die max. Reichweite betrug 450 km. Als Antenne diente ein auf einer Haspel untergebrachter langer Draht, welcher je nach der herrschenden Windgeschwindigkeit von einem zerlegbaren Drachen oder einem Ballon (zu füllen aus einer kleinen Gaspatrone) getragen wurde. Die Ausführung NSG 2a war elektrisch gleich, jedoch mechanisch vereinfacht. Für einmotorige Jäger wurden ab 1941 extrem kleine Seenotsendegeräte entwickelt, welche infolge ihrer kleinen Abmessungen vom Flugzeugführer am Anzug getragen werden konnten.

 

197b

 

Abb.197b Seenotsendegeräte NSG 2 bzw. NSG 2 a, (nur mechanischer Unterschied)

 

NS2
NS2a
Abb.197c Notsender NS 2
Abb.197d Notsender NS 2a

 

 

Das aus zwei Teilen (Sendeteil und Batterienteil mit automatischer Taste) bestehende Seenotsendegerät "Jäger" NSG 3 (Rohde & Schwarz) ging nicht in Serie, da die Parallelentwicklung NSG 4 (Opta, ohne automatischem Zeichengeber) nur aus einem einzigen Kästchen bestand und leichter war. Die Sendefrequenz lag zwischen 58,4 und 58,8 MHz und wurde automatisch beim Abwickeln der 1,04 m langen Stahlbandantenne mit einer Leistung von 0,3 W tonmoduliert als Dauerstrich abgestrahlt. Die Speisung und Modulation erfolgte durch einen eingebauten Sammler mit Zerhacker. Mit dem Zielfluggerät FuG 141 der Seenotflugzeuge konnten bei Flughöhen von 1000 m Reichweiten von 60 km erreicht werden. Spätere Ausführungen (NSG 4c und d) arbeiteten mit 42,0...42,5 MHz im Bereich des FuG 16 ZS (?) bzw. Überlappungsbereich des FuG 16 Z (Y) und FuG 17 Z (Abb.198 a, b und Abb. 199)

 

198a
198b
Abb.198a UKW-Seenotsendegerät NSG 3, "Jäger" (links der Sender in Kleinbauweise)
Abb.198b UKW-Seenotsendegerät NSG 4 mit ausgefahrener Antenne

 

 

199

Abb.199 Seenotzielfluggerät FuG 141 und Peilrahmen mit Hilfsantenne (PR 141). Daneben die Peilrahmen des FuG 16 Z und FuG 17Z

 

 

 

b) Peilzeichengeber

Bei den Flugsicherungsverfahren wurden die Peilzeichen, mit deren Hilfe das Flugzeug von der Bodenstelle gepeilt wurde, mit dem normalen Bordnachrichtengerät gegeben. Wie schon erwähnt, wurde der Flugsicherungsverkehr anfänglich bei grösseren Flugzeugen (mit dem FuG III bzw. FuG 10) auf Langwelle, bei Jägern (mit dem FuG VII) auf Kurzwelle im Tastverkehr abgewickelt. Im späteren Verlauf des Krieges, als alle Flugzeuge (Ausnahme Stukas?) mit UKW-Geräten ausgerüstet waren, waren auch über 200 Fliegerhorste mit UKW-Adcock-Peilern (Fu Peil A 80 "Pulm" bzw. "Tornado") versehen, die zusammen mit einer FuG 16- bzw. FuG 17-Bodenstation einen Flugsicherungs-verkehr mit Telefonie auf UKW ermöglichten, der weniger leicht auf grosse Entfernungen abgehört werden konnte. Bei Aufnahme des Flugsicherungsverkehrs war meist der taktische Funkverkehr bereits beendet. Die KW- und UKW-Peiler konnten auch zur Feststellung des jeweiligen Standortes der Jäger für die Jagerführung im Peilrufverfahren verwendet werden. Es erwies sich jedoch als günstig, die Peilzeichengabe und den BzB-Verkehr auf verschiedenen Frequenzen abzuwickeln. Da die

Jägerbordgeräte meist für den Piloten unzugänglich im Heck eingebaut waren, wurde daher für das FuG VII eine Frequenzfernwahleinrichtung FB 7 mit 2 voreinstellbaren Rastfrequenzen entwickelt. Der Flugzeugführer konnte damit den jeweils mit einem Motorantrieb versehenen Sender und Empfänger für die Peilzeichengabe kurzzeitig auf eine 2.Frequenz (max. Abstand 100 kHz) fernabstimmen. Analog des englischen "Pip-Squeak"-Verfahren wurde die Zeichengabe von Hand (mit der Sprechtaste) durch einen automatischen Zeichengeber ZG 7 und eine Schaltuhr SU 7 automatisiert, daher die Frequenzumschaltung und Peilzeichengabe wurden automatisch nach einem eingestellten Zeitplan durch geführt, so daß die Bodenstelle nacheinander laufend die einzelnen Nachtjäger bzw. die Führermaschine von Tagjagdverbänden peilen konnte.(Der BzB-Verkehr war während der Peilzeichengabe unterbrochen). Die Peilreichweite war bei 1000 m Flughöhe etwa 30...80 km, bei 4000 m Flughöhe 55...120 km.(Abb.185)

Auch für die neueren Tagjagd-Maschinen mit FuG 16 Z und die Nachtjäger mit FuG 16 wurde eine Frequenzfernwahleinrichtung FB 16 mit 4 voreinstellbaren Rastfrequenzen eingeführt. Da die UKW-Peiler jedoch keinen Telegrafieüberlagerer hatten (aus Gründen der geringeren Frequenzstabilität der UKW-Geräte), erhielten die Bordgeräte zusätzlich zum Zeichengeber ZG 7 und zur Schaltuhr SU 7 einen Modelungszusatz MZF 16, so daß die automatisch abgestrahlten Peilzeichen tonmoduliert waren. Auch in diesem Falle war der BzB-Sprechverkehr während der Peilzeichengabe (alle 2 Minuten) unterbrochen. Die Peilreichweite war bei 1000 m Flughöhe etwa 100 km, bei 4000 m Flughöhe etwa 200...250 km. Die Verwendung der Kurzwelle ergab nur bei sehr kleinen Flughöhen bessere Reichweiten als auf UKW. Wie bereits erwähnt, wurde das Peilrufverfahren bald durch das Y-Verfahren (Jäger) - siehe weiter oben - und spater durch das Egon-Verfahren (ebenfalls bereits besprochen) ersetzt.

Bei den Tag- und Nachtjägern gaben Fühlungshalter oft Peilzeichen mit dem UKW-Sprechgerät (durch Drücken der Sprechtaste), sodaß andere Flugzeuge Zielflug auf die Fühlungshalter durchführen konnten. Die mit FuG 17 Z, ausgerüsteten Seefernaufklärer hatten zu diesem Zweck am Schaltkasten des UKW-Gerätes (Abb.201) einen eigenen Schalter zur Abstrahlung eines Dauerstriches, welcher zur schwereren Erkennung durch die Gegenseite unmoduliert war (Gravierung irrtümlicherweise "A1" statt "A0"). Auch die im Bereich des FuG 17 Z arbeitende Funkboje "Schwan-See" FuG 302 war übrigens, unmoduliert, während die im Bereich des FuG 16 Z arbeitende Ausführung mit einem besonderen Modulationszusatz versehen war.

 

Anmerkung zu den Flugsicherungsverfahren auf Langwelle:

Während der Dämmerung und der Nacht treffen an einer LW-Bodenpeilstation nicht nur die Bodenwelle, sondern auch eine von der Heavisideschicht reflektierte Raumwelle ein. Die Wechselwirkung zwischen Boden- und Raumwelle ist einer dauernden Änderung unterworfen, welche sich beim Rahmenpeiler in einer dauernden "Wanderung"der Peilung bemerkbar macht. Zur Vermeidung von Peilfehlern infolge dieser Effekte wurde daher vor dem Kriege auch die Impulspeilung angewendet. Die mit FuG III oder FuG 10 ausgerüsteten Flugzeuge strahlten zu diesem Zweck mit der Betriebsart "Impulssendung" (Po) Impulse von ca. 300 Mikrosekunden Dauer und einer Folgefrequenz von 300 Hz ab. Auf der Anzeigeröhre der von Telefunken gebauten Impulspeilanlage (Spez.2036 N) erschienen die direkten Impulse als senkrechte Auslenkung auf der horizontalen Zeitbasis, während die von der Ionosphäre reflektierten Impulse (Raumwelle) infolge der größeren Laufzeit rechts der direkten Impulse als weitere Auslenkung(en) angezeigt wurden. Bei der Peilung wurden nur die direkten Impulse beachtet. Da die Impulspeilung sehr breite Frequenzbänder belegte und auch für gegenerische Abhördienste sehr auffällig war, wurde diese Betriebsart bei Kriegsbeginn verboten und die entsprechenden Einrichtungen der Bordgeräte stillgelegt. Die Peilung erfolgte dann bis zur Einführung der UKW-Geräte meist durch Adcockpeiler, welche wenig gegen Nacht- und Dämmerungseffekte anfällig waren.

 

 

 

c) Radiosonden und Abwurfsonden

Die Bedeutung meteorologischer Angaben für die Planung und Durchführung von Luftoperationen ist allgemein bekannt und braucht; hier nicht weiter erörtert zu werden. Zwei Arten der Wetterfunkgeräte, die zur punktweisen Erfassung und Meldung von Zusatzdaden der Atmosphäre (z.B. Luftdruck,Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung,Windgeschwindigkeit) verwendet wurden,können auch zu den "Bordfunkgeräten" gezählt werden: Die von einem Pilotballon (oder auch von einer Rakete) getragenen Radiosonden und die mit einem Fallschirm versehenen Abwurfsonden, welche vom Flugzeug aus abgeworfen wurden.

200

 

Abb.200 (a ....e)

 

Beide Gerätearten enthielten jeweils einen meteorologischen Meßteil und einen Hochfrequenzteil zur Datenübermittlung. Über die sehr interessante Gestaltung der Meßteile sei nur erwähnt, daß zur Messung der Temperatur meist Bimetallstreifen (Abb.200k),(aber auch z.B.Kontaktthermometer =Abb.200h oder stark temperaturabhangige Kondensatoren = Abb.200i ),zur Messung des Luftdrucks fast ausschließlich luftleere Druckdosen (Abb.200g und Abb.200k) und zur Bestimmung der Luftfeuchtigkeit Haarhygrometer oder mit einem befeuchteten "Strumpf" überzogene temperaturabhangige Kondensatoren (Abb.200i) verwendet wurden. Die Umwandlung der Meßwerte für die Modulation des HF-Teiles geschah vielfach mechanisch (z.B.durch einen rotierenden Kontaktarm mit Windrad-, Uhrwerk- oder Elektromotor-Antrieb), wobei periodisch feststehende Eichmarken und die in ihrer Stellung variablen Zeiger der Meßgeräte berührt wurden oder durch eine rotierende Morsezeichenwalze (Abb.200k) - an welcher nacheinander jeweils der Zeiger jedes Meßgerätes eine bestimmte Morsezeichenfolge abtastete.

 

200g
200h

Abb.200g Radiosonde "Kölzer-Graw" =Heeressonde geöffnet, ohen Batterie, links im Rohr (Schutz gegen Sonneneinstrahlung) der Temperaturfühler

Abb.200h Radiosonde RS3 (Marine), vorne das Kontaktthermometer das entsprechend der Temperatur eine bestimmte Anzahl der Koppelspulen-Windungen kurzschliesst

 

200i
200k
Abb.200i Wettersonde MS 10 = Vorläufer der geplanten "Einheitssonde". Links geöffnet mit den Messkondensatoren, rechts komplett.
Abb.200k Neuerer Aufbau der "Graw-Sonde" Messteil mit Thermostr. Morsez-Walze und Druckdose

 

200l
200m
Abb.200l Relaissonde "Mücke" WSE 2 (links) mit angebautem Messteil der Sonde "RfW Model Lang" (rechts)
Abb.200m Relaissonde "Biene" mit Batteriekasten. Links der Rahmen für ein Metalmessteil (Morsezeichensonde)

 

Bei der zuerst genannten Art der Tastung ergab sich eine Zeitmodulation (Meßwert = Abstand Eichmarke--Meßmarke), bei der zweiten Art eine Zeichenmodulation (Meßwert = bestimmte Morsezeichenkombination). Es wurde aber oft auch eine elektrische Umwandlung der Meßwerte durch stufenlose Betätigung des Plattenabstandes eines variablen Kondensators (bzw.durch Änderung der Dielektrizitätskonstante bei temperaturabhängigen Kondensatoren) oder die Schaltung von Spulenabgriffen angewendet, so daß die Sendefrequenz in diesen Fällen auf kapazitivem oder induktivem Wege verändert wurde (evtl. in periodischem Wechsel mit der Zuschaltung Von Eichkondensatoren). Bei Vorhandensein mehrerer Meßgeräte wurden die verschiedenen Modulationsarten teilweise auch gemischt angewendet, z.B.Tastung des Senderträgers durch den Luftdruck und Änderung der Sendefrequenz durch die Temperatur.

 

201

Abb.201 Schaltkasten des FuG 17 Z (zusätzlich zum Schaltkasten des FuG 10 eingebaut) mit "Schalterstellung" A 1 Dauerstrich unmoduliert ( für Zielanflug anderer Flugzeuge auf den Führungshalter)

 

Wenn der HF-Teil nur eine Antennenanordnung (Reflektor) enthielt, sprach man von passiven Radiosonden, die aktiven Radiosonden enthielten jedoch auch einen kleinen Sender (ca.40..100 mW Leistung) und in Sonderfällen auch zusätzlich einen Empfänger. Bei den (aktiven) Abwurfsonden wurden wesentlich größere Reichweiten und eine mehrmonatige Betriebsdauer (intermittierender Betrieb) gefordert, so aß diese mit quarzgesteuerten Sendern mit Leistungen von einigen W und wesentlich größeren Batterien ausgerüstet wurden. Ihr Gewicht betrug daher ca. 25 kg gegenüber 0,5..1,5 kg bei den Radiosonden. Bei beiden Sondenarten diente als Antenne meist ein Teil des Aufhängeseiles am Ballon bzw. Fallschirm.

Die Radiosonden wurden (zusammen mit einem kleinen Fallschirm) an frei aufsteigende (mit Wasserstoffgas gefüllte) Pilotballone gehängt. Während des Aufstieges übermittelte die Sonde die Meßwerte drahtlos zum Boden. Es dehnte sich aber auch das Gas des Ballons immer mehr aus (z.B.von ca. 2,6 m am Boden auf etwa 73 m/3 bei 25km Höhe), bis die Ballonhülle platzte (meist zwischen 20 und 25km Höhe), worauf die Sonde am sich nun öffnenden Fallschirm wieder zur Erde zurückkehrte.

 

Die bekanntesten Radiosonden waren:

 

- Luftwaffensonde = "Radiosonde RfW-Modell Lang" = aktive Sonde, z.B. 3,3 oder 27,8 MHz, für Temperatur/Druck/Feuchte, Tastung mit Zeitmodulation, (Abb. 200e)

- Heeressonde RI 3 (alte) = aktive Sonde, 3,75 MHz, für Temperatur = Frequenzänderung und Luftdruck = Morsetastung, (Abb.200g )

- Heeressonde (neue) = aktive Sonde, 27,8 oder 90 ? MHz,für Temp. / Druck/Feuchte mit Morsetastung, (Abb.200k)

- Marinesonde RS 3 = aktive Doppelsonde, Sender 1 =8,0 MHz für Temp. Sender 2 = 10,5 MHz für Luftdruck und Feuchte, beide mit Frequenzanderung, (Abb.200h)

 

Einheitssonde Fu G ... (aktive Sonde,17,7..19,3 MHz, für Temp./ Druck/Feuchte mit Frequenzanderung,kleine Vorserie - Marinesonde MS 10 in Erprobung, aber noch nicht einsatzfahig ). Die Auswertung an der Bodenstelle erfolgte bei diesen Sonden je nach der Modulationsart mit Empfängern mit Registriereinrichtung oder Frequenzmeßeinrichtung oder auch durch Hörempfang. Von den zur Gewinnung der Windwerte (Geschwindigkeit und Richtung in Abhängigkeit von der Höhe) verwendeten Sonden sind folgende zu nennen :

- Marinesonde RS 7 = (aktive Windpeilsonde, 95,8..97,7 MHz,getastet durch Barometer). Der Flugweg dieser Sonde wurde durch 3 besondere Peilempfänger (UKW PE Kopsch) verfolgt mittels Dreifachpeilung (Triangulation) im sog. "MW 2-Verfahren": die Flughöhe ergab sich aus der Tastung der Sonde. Die Luftwaffe ihrerseits entwickelte unter Erweiterung der Y- Entfernungsmeßtechnik durch zusätzliche Datenübertragung Bord-Boden das sogenante F -"Fledermaus"-)Verfahren, das ab 1941 im Einsatz war ( Abb.200a)....Die zugehörige:

- Wettersonde "Mücke" WSE 2 (aktive Relaissonde mit UKW-Empfänger, KW-Sender mit Meßteil für Temp./Druck/Feuchte und Tongenerator 3 kHz, (Abb. 200i ) nahm einen von der Bodenstelle auf UKW ausgesendeten E-Meßton von 7,5 kHz auf und verwendete ihn wieder zur Modulation des Sendeteiles der Sonde. Zur Übertragung der meteorologischen Meßwerte wurde eine Frequenz von 3 kHz getastet und ebenfalls der Sendefrequenz aufmoduliert. Die Bodenstelle "Maus" FuG 502 (Opta) bestand aus einem UKW-Sender mit Richtantenne (Diagramm = 2 Keulen mit scharfem Minimum) und 7,5 kHz- Modulator, KW-Empfänger mit Rundempfangsantenne und Phasen-bzw. Entfernungsmeß-Einrichtung, Funkschreiber (Auswertung der getasteten 3 kHz-Frequenz für Temp./Druck/Feuchte),Entfernungsschreiber (Aufzeichnung der Entfernung) und einem mit der Drehvorrichtung der Senoeantenne gekoppelten Peilschreiber (Aufzeichnung des Azimutwinkels des Empfangsminimums: die Antenne wurde jede Minute 1x von Hand um +/- 40° zur Ballonsonde geschwenkt = Minimumpeilung. Zusätzlich Gehörpeilung durch Abhören des auf 1,5 kHz umgesetzten 7,5 kHz-tones möglich). Die Windwerte ergaben sich aus jeweiliger Entfernung,Azimutwinkel und Luftdruck (= Flughöhe). Die max. Reichweite des Systems betrug etwa 180 km.

Etwa ab 1941/42 wurden bei der Marine (Becker) auch verschiedene passive Windsonden (HF-Reflektor-Sonden) erprobt. An die Pilotballone wurden dabei HF-Reflektoren gehängt, um diese "Gespanne" mit einem Funkmeßgerät "Würzburg" oder" W.-Riese" oder"Freya" verfolgen zu können. Als HF-Reflektoren wurden unabgestimmte Drähte, Draht-Kegel und Netze oder auf die Wellenlänge der Geräte (560 bzw.125MHz) abgestimmte Dipolnetze, Tripelspiegel (Abb.200c) und "Raumkreuze" (sternförmige Anordnung von 3 Dipolen) verwendet. Die kleinsten Reichweiten ergaben sich mit den Raumkreuzen (6 bzw 18 bzw.25 km in der oben angegebenen Reihenfolge der Fu MG's), wogegen mit Reflektornetzen (für 560MHz pro Quadratmeter 300 Dipole = 3 Gramm Gewicht!) durchschnittliche Reichweiten von 40 bzw. 80 km (für"Freya" mit 60 Dipolen etwa 100 km,max.155km) erreicht wurden. Die Windgeschwindigkeit und -Richtung wurden von den Fu MG's aus der gemessenen Entfernung und dem Azimut bestimmt, bei den "Würzburg"-Geräten konnten aus dem Höhenwinkel außerdem auf die Flughöhe des Gespannes geschlossen werden. Auch eine passive ....

- Wettersonde "Raumkreuzsonde" (Abb.200d) wurde erfolgreich erprobt ,welche ein Meßteil (Temperatur/Druck/Feuchte mit Morsetastung) enthielt, das die Mitten der 3 Dipole eines Raumkreuzes im Rhythmus der Zeichen schloß bzw. öffnete. Beim anstrahlenden Fu MG ("Freya") konnten so die Meßwerte als Tastung der Echozeichen abgelesen (bzw. abgehört) werden (Reichweiten ca 25 km). Wesentlich größere Reichweiten (bis 80km) ergab die aktive ...

- Windsonde "Biene" .... (560 MHz) der Luftwaffe (beim Heer "Meteo-Weitsonde" genannt), welche wie das gleichnamige Kenngerät (siehe dort!) als Pendler (= Rückstrahlverstärker mit unverzögerter Rückstrahlung auf der gleichen Frequenz) arbeitete (Abb.200f und Abb.200m). Als Bodenstation diente hier ein "Würzburg"- oder "Würzburg-Riese"-Gerät. Verschiedentlich wurde sie durch zusätzliche Ausstattung mit einem meteorologischen Messteil mit Morsetastung der Pendlerröhre als aktive Wettersonde verwendet.

Erwähnt werden müssen hier auch erfolgreiche Versuche der Marine mit Raketensonden (Kombination pass. Reflektor für Windwerte + akt. Temeperatursonde mit Frequenzmodulation) welche in ca. 30 km Höhe von der Spezialrakete freigegeben wurden und während des Abstieges am Fallschirm hängend vom Funkmeßgerät angestrahlt bzw. zusätzlich mit einem Empfänger abgehört wurden; d.h. gegenüber den vorgenannten Sonden wurde hier am Boden ein Fu MG und ein Empfänger benötigt. Bei der Luftwaffe (Reichsamt für Wetterdienst = RfW) war ebenfalls eine ähnliche Entwicklung angelaufen. Diese Raketensonde "Sisyphus" war etwa 3..4 kg schwer und sollte in ca. 60 km Höhe von V2-Raketen ausgestoßen werden. An einem durch Federkraft geöffneten Fallschirm hängend sollte diese Sonde mittels eines auf 3..4 NF-Kanäle erweiterten "Fledermaus"-verfahrens Luftdruck-und Temperaturdaten u.s.f. übermitteln. Diese aktive Relaissonde wurde mehrfach erfolgreich durch Abwürfe aus Flugzeugen erprobt, zum Einsatz der 2 fertigen Geräte in Raketen kam es jedoch nicht mehr.

Bei Sperrballoneinheiten war zur Überwachung der zulässigen Windgeschwindigkeiten die Windgeschindigkeitssonde "Frosch III" FuG 301 eingeführt, welche einen kleinen quarzgesteuerten Sender (0,5 W Leistung; 13,416 MHz) enthielt, welcher durch ein Anemometer getastet wurde. (Abb.196a) Als automatische Wetterstation in unzugänglichen Gebieten (Waldgebiete, Arktis etc.) dienten die von einem Flugzeug (meist durch ein Rohr im Rumpf) abgesetzten Abwurfsonden.

Sie enthielten den gleichen meteorologischen Meßteil wie die Radiosonden, jedoch stärkere Sender (deren Frequenz im Kurzwellenbereich entsprechend der jeweils zu überbrückenden Entfernung gewählt wurde) und Batterien für ca. 2 Monate Lebensdauer. Es wurden verschiedene Muster von Abwurfsonden gebaut, zum Einsatz kamen jedoch seitens der Luftwaffe in größerem Umfange (einige 100 Stück?) die Abwurfsonde "Frosch VI" FuG 308 ?? ( für Temperatur/Druck/Feuchte) und die Abwurfsonde "Maulwurf" Fu G ... (spez. für Luftdruck-Bodenwerte). Sie übermittelten ihre Meßdaten wahrend der Fallzeit am Fallschirm, nach dem Aufsetzen am Boden nach kurzer Zeit abgeschaltet und aus taktischen Gründen dann nur noch mit Hilfe einer Schaltuhr alle 3 Stunden für jeweils 3 Minuten in Betrieb gesetzt, was, sich auch günstig auf die Lebensdauer der Batterien auswirkte. Die Meßdaten wurden sowohl vom abwerfenden Flugzeug , als auch später von einer Wetterfunkstelle am Boden abgehört und ausgewertet. Nach Umstellung der Abwurfsonden von A1- auf A2-Betrieb erfolgte die Aufnahme fast ausschließlich an Bord von Flugzeugen (beim "Maulwurf" außschließlich von Flugzeugen) mit Hilfe von Band- oder Folienaufnahmegeräten.

Die entsprechende von der Marine entwickelte Abwurfsonde "Baumaffe" kam anscheinend nur in wenigen Exemplaren vom Flugzeug aus zum Einsatz.Die von der Luftwaffe ursprünglich als Abwurfsonde konzipierte automatische Wetterstation "Kröte" war für den Abwurf zu schwer (Sender -TO-Sender des FuG 13, Batteriesatz für 3 Monate) und wurde daher nur von gelandeten Flugzeugen oder Schiffen aus abgesetzt. Auch Wetterbojen waren für den Abwurf vom Flugzeug aus zu schwer und. wurden nur von Schiffen aus eingesetzt.

 

d) Ortungssender

Zur Standort- bzw. Flughahnbestimmung der Fieseler Fi 103 ("V 1") (= FZG 76 = "V 1") jenseits der Sichtweite war etwa in jede 10. Zelle ein Ortungssender FuG 23 eingebaut. Er war als Gerät für einmalige Verwendung sehr primitiv mit Holzgehäuse aufgebaut und strahlte über eine Schleppantenne seine mit einer Morsekennung getastete Frequenz (FuG 23a...d = 340...500 kHz, FuG 23 E = 3,0...3,5 MHz) ab, welche dann von 3 Adcockpeilern am Boden laufend gepeilt wurde. Die Abstimmung auf eine bestimmte Frequenz geschah einfach durch Abzwicken von Kondensatoren mit dem Seitenschneider! Während des Fluges war die abgestrahlte Frequenz durch die Erschütterungen des Verpuffungstriebwerkes moduliert, während des Absturzes (nach automatischer Abstellung des Triebwerkes) jedoch unmoduliert bis zum Aufschlag. Die ermittelte Flugbahn des Geschosses wurde dann zur Verbesserung der Voreinstellung für die folgenden Geschosse (Berücksichtigung der Abtrift durch Wind etc.) verwendet. (Abb.202)

 

202

Abb.202 Sender des KW-Ortungssendegerätes FuG 23 a das in Zellen der Fieseler Fi 103 = "V1" eingebaut wurde

 

 

Als Nachfolgegerät war der Ortungssender "Ewald-Bord" (Sendefrequenz 0,5...1 MHz, Leistung 1 kW impulsgetastet) vorgeschlagen, der nach einem Zeitplan die laufende Peilung mehrerer gleichzeitig verschiedener Körper und deren sofortige Kurskorrektur mit einem Funkfernlenkverfahren "Sauerkirsche" ermöglichen sollte (siehe dazu in Kapitel "Lenkgeräte").

Für Flakraketen ("Wasserfall", "Schmetterling HS 117", "Enzian" etc.)war zusammen mit einem Funklenkempfangsgerät (FuG 230) usf. der Einbau des Ortungssenders "Rüse" vorgesehen, dessen über einen Stielstrahler abgestrahlte Frequenz (ca. 600 MHz) am Boden vom Raketenortungsgerät "Rheingold A" (passives Funkmeßgerät mit Seiten- und Höhenpeilung, ohne Sender) zur Standort bzw. Flugbahnbestimmung der Rakete benutzt wurde.

 

 

4.7 Funklenkgeräte

Zur Fernlenkung der Fallbombe "Fritz X" SD 1400 X und der Gleitbombe HS 293 durch Funksignale vom Flugzeug aus, wurde in den Jahren 1939 - 42 das Funklenk-Sendegerät "Kehl" FuG 203 (verschiedene Firmen, 18 Frequenzkanäle im Bereich 48,2...49,9 MHz) entwickelt. Aus Geheimhaltungsgründen erfolgten sowohl die Entwicklung und Fertigung der einzelner Geräteteile bei verschiedenen Firmen, als auch die Betreuung und Prüfung bei der Truppe durch streng getrennte Einheiten und in verschiedenen Hallen, die das Flugzeug vor dem Einsatz durchlaufen musste. Je nach Stellung eines kleinen Steuerknüppels am Kommandogerät wurde der Sender des FuG 203 2 x 2 Tonfrequenzen moduliert, welche mit verschiedener Zeitdauer entsprechend umgetastet waren. Die modulierte Hochfrequenz wurde über eine Dipolantenne abgestrahlt, deren Drähte beiderseits des Rumpfes schräg zu den Enden des Höhenleitwerkes gespannt waren.(Abb.203...207)

 

203

Abb.203 Lenkschschütze in einer Heinkel He 111 H-6 - Rechts der Geber und der Schaltkasten des Funklenksendegerätes "Kehl I" FuG 203a.

 

204
204a
Abb.204 der Sender des FuG 203
Abb.204a das Modulationsgerät des FuG 203

 

PrueftafelFuG203

Abb.204c Prüftafel einer FuG 203 Funkanlage

 

 

 

 

205


Abb.205 Schema des für den Zielwurf und der Lenkung verwendeten (Doppel-) Deckungsverfahrens: Der Lenkkörper ist stets nach Seite und Höhe in Deckung mit dem Ziel

 

206

 

Abb.206 Vereinfachtes Schema des Zusammenwirkens "Kehl --Straßburg" vor dem Abwurf. Nach dem Abwurf ( Lösung des Trennsteckers) übernimmt die Batterie des Lenkkörpers die Stromversorgung der Empfangsanlage. KG-Kommandogerät mit Steuerknüppel, MT = Modulationsteil, S = Sender, US = Senderumformer, SchK = Schaltkasten, AAG = Antennenanpaßgerät, E = Empfänger, AG = Aufschaltgerät, K = Kreisel, EU = Empfängerumformer, UK = Kreiselumformer

 

 

Sehen Sie hierzu auch aus unserem Beitrag zum Funkanlage Kehl-Strassburg!

Raketen Luftwaffe

(neues Browserfenster wird geöffnet!)

 

Im Lenkkörper wurden die Signale über die Antenne aufgenommen, und im Funklenk-Empfangsgerät "Straßburg" FuG 230 (Staßfurt) in entsprechende Steuersignale für die Ruder umgewandelt. (Letztere führten Flatterbewegungen aus; die Dauer des Ausschlages nach der einen und der anderen Seite war durch die Funksignale bestimmt, so daß sich bei ungleichmässiger Dauer eine entsprechende Ruderwirkung ergab.) Für die Inbetriebsetzung des Empfangsgerätes im Fernlenkkörper, die Vorbereitung zum Abwurf und den Abwurf selbst und die Steuerung des seitlichen Ablaufes der Schaltvorgänge diente ein Schaltkasten der Flugzeuganlage; die Verbindung zwischen Bordanlage und Empfangsanlage war vor dem Abwurf über einen l4 poligen Abreißstecker hergestellt. (Abb.208...212)

 

207

Abb.207 Antennen an einem Kampfflugzeug Dornier Do 17 K-2

Normalausrüstung:
LW-KW-Station FuG 10 bzw. FuG 10 K1 (Fest- und Schleppantenne) . UKW-Sprech-und Zielfluggerät FuG 16 Z (Y) (Sende-Empfangsantenne und Zielflugpeilrahmen )^ LW-KW-Peil und Zielfluggerät Peil G 6 ( Eisenpeilrahmen mit Hilfsant an der Plexiverkleidung) Funklandegerät Fu Bl 2 ( Antennenstab und Dipol ) Kenngerät Fu G 25 a ( Antennenstab für Sendung und Empfang) Feinhöhenmesser FuG 101a (Sender und Empfänger mit je 1 Antenne/am rechten Flügel!)
Sonderausrüstung:
Rückwärtswarngerät FuG 217 R ( Sende- bzw.Empfangsantenne am linkem bzw. rechtem Flügel)

 


Im Laufe der Entwicklung waren verschiedene Versionen der Bordanlage geschaffen worden: "Kehl I" = FuG 203 a zur Steuerung von einer Fall- Gleit-Bombe "Fritz X", "Kehl III" = FuG 203b zur Steuerung von einer HS 293, "Kehl IV" = FuG 203 c zur wahlweisen Steuerung einer "Fritz X" oder einer HS 293, FuG 203 d und folgende zur Steuerung von 1...4 Körpern, Auch das Empfangsgerät wurde in verschiedenen Ausführungen eingesetzt.

 

208

 

Abb.208 FallbombeX 1 - "Fritz X" SD 1400 X mit Funklenkenkempfangsgerät "Strassburg A" ! FuG 230 a


 

209

 

Abb.209 Empfänger Einbau und Schleifenerregung des Leitwerks bei SD 1400 X

 

 

Die Fallbombe SD 1400 X (= "Fritz X") war ohne eigenen Antrieb, hatte Kreuzflügel von ca. 1,6 m Spannweite und war 3,2 m lang. Die Bombe sollte hauptsächlich gegen Kreuzer und Schlachtschiffe eingesetzt werden, da sie Panzerdecks bis 12 cm Dicke durchschlagen konnte. Sie wurde im normalen Zielanflug mit dem Lotfernrohr-Zielgerät (Lotfe 7 D) aus 4000 bis 7000 m Höhe abgeworfen.

 

Sehen Sie hierzu auch aus unserem Beitrag zum Lotfefernrohr!

Raketen Luftwaffe

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Der Lenk-Empfänger war im Heck untergebracht. Als Antenne dienten isoliert eingesetzte Teile des kastenförmigen Leitwerkes. Durch die Wirkung der vom Lenkempfänger betätigten Störkanten im Bombenleitwerk konnte die Flugbahn so korrigiert werden, daß 50% aller Bomben in einem Kreis mit einem Radius von 7 m (für 100% Radius - 13 m) lagen. Der bekannteste Erfolg war die Versenkung des Schlachtschiffes "Roma" am 14.September 1943 durch eine einzige Bombe.

 

Sehen Sie hierzu auch aus unserem Beitrag zur Roma mit Fritz X !

Raketen Luftwaffe

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Die Minengleitbombe Henschel HS 293 hatte gerade Flügel mit einer Spannweite von 2.90 m, ihre Länge betrug 3,40 m, ihr Gesamtgewicht war 791 kg. Sie hatte die Wirkung einer SC-5OO-Bombe (500 kg. Sprengstoff) und war hauptsächlich für den Einsatz gegen Handelsschiffe, Zerstörer und leichte Kreuzer gedacht. Ein unter dem Körper angebrachter Raketenantrieb verlieh eine Endgeschwindigkeit von ca. 600 km/h. Bei 400 m Abwurfhöhe betrug die Reichweite 3,5 bis 5 km, bei 6000 m Flughöhe bis zu 15 km, so dass der Angriff mehr den jeweiligen Verhältnissen (Flak- und Jägerabwehr) angepasst werden konnte. Treffgenauigkeiten von 5 x 5 m (!) waren erreichbar. Die Antenne des Lenkempfängers in der HS 293 war schräg vom Rumpf zum Leitwerk gespannt. Durch die Funksignale wurden die Quer-und die Höhenruder beeinflusst. Es wurde nach dem "Zieldeckungsverfahren" (genauer "Doppeldeckungsverfahren") gearbeitet, d.h. der am Heck (bei Tag durch Leuchtsatz, bei Nacht mit Scheinwerfer und Filter) farbig gekennzeichneter Körper war stets (nach Seite und Höhe) in Deckung mit dem Ziel zu bringend Durch die Verwendung der Farbkennzeichnung und der 18 Frequenzkanäle konnten von verschiedenen Flugzeugen gleichzeitig bis zu 18 Körper gesteuert werden. Da der Körper während des Lenkvorganges stets (Abb.205) im Sichtkreis des in der Flugzeugkanzel sitzenden Schützen bleiben musste, war naturgemäss die Aufgabe für den Flugzeugführer sehr schwierig (möglichst langsame Fluggeschwindigkeit, keine Abdrehbewegungen).

 

 

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Abb.210 Minengleitbombe Henschel HS 293 mit Raketenantrieb

 

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Abb.211 Heckteil der HS 293 mit Funklenkempfangsgerät "Strassburg" FuG 230 b

 

Sowohl die SD 1400 X, als auch die HS 293 waren ab Frühjahr 1943 einsatzbereit. Dementsprechend wurden 140 Dornier Do 217, 107 Heinkel He 177 und 40 Focke Wulf Fw 200 mit Kehlgeräten ausgerüstet. Sie wurden hauptsächlich im Mittelmeer und der Biskaya eingesetzt und erzielten anfangs durch das Überraschungsmoment und die Zersplitterung der Abwehr auf Flugzeug und Lenkkörper 80 bis 100 % Volltreffer. Ihr Großeinsatz bei der Invasion ergab jedoch relativ enttäuschende Ergebnisse, die großenteils auf damals ungeklärte Versager in der Steuerung und die inzwischen verstärkte und eingespielte Flak- und Jagerabwehr zurückzuführen waren. Besonders unangenehm wirkte sich trotz der hohen Anzahl der sich bietenden Ziele die Methode aus, zwischen die Schiffe parallel und senkrecht zueinander künstliche Nebelvorhänge zu legen. Da die so gebildeten"Kammern" kleiner als der Drehkreis der Flugzeuge waren, konnten die Lenkkörper nur am Anfang ihrer Bahn gelenkt werden, da sie -ebenso wie das Ziel - schnell aus der Sicht verloren wurden. Trotzdem konnten bis Ende des Krieges bei 40% Volltreffern insgesamt mehr als 400 000 t Schiffsraum versenkt werden.

 

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Abb.212 Funklenkempfangsgerät FuG 230 b (in HS 293). Oben Gerätebrett-Backbord eite Empfänger, Umformer und Aufschaltgerät (Steuerbordseite siehe Abb.212 oben). Darunter Innenansichten des Aufschlatgerätes und des Empfängers (von rückwärts und von unten)

 

 

Für den Fall einer Störung der bei den Geräten "Kehl-Straßburg" verwendeten Frequenzen wurden entsprechende Sender und Empfänger mit Ausweichmöglichkeiten bereitgehalten, brauchten jedoch nicht eingesetzt zu werden. Die späteren Anlagen von FuG 203 und FuG 230 waren so gestaltet worden, dass sie ohne grossen Aufwand auf vereinfachte Geräte ohne HF-Teile (Funk-Sender und -Empfänger) zur Übermittlung der Steuersignale über Draht hätten umgerüstet werden können. Die schwierige Frage des Abspulens der beiden hauchdünnen Steuerdrähte (gleichzeitige Abwicklung aus je 2 Spulen am Flugzeug und am Lenkkörper) war befriedigend gelöst. Das Drahtlenk-Sendegerät "Dortmund" = FuG 207 und das zugehörige Drahtlenk-Empfangsgerät "Duisburg = FuG 237
für die HS 293 und SD 1400 X arbeitete mit Niederfrequenzsignalen; die weiter vereinfachten Geräte "Düren" FuG 208 und "Detmold" FuG 238, die nur für SD 1400 X geeignet waren, arbeiteten mit Gleichstromsignalen, gingen aber nicht in Serie.

 

 

Kehl

Abb.212a Gerätesatz aus einer Gleitbombe HS 293 mit Kreisel-Gehäuse, Sammelgerät SAG 230, Wechselstromgenerator, 24V Sammler

 

 

212a

 

Abb. 212a/b Bilder von der Prüfung und Justierung der Funklenk-Empfangseinrichtung der HS 293

 

Von der Gleitbombe HS 293 A (Geschoß Luft - Boden) waren verschiedene Versionen (HS 293 B bis H) mit Umstellungsmöglichkeit auf Drahtlenkung mit anderen Triebwerken, Fernsehkopf (siehe dazu weiter unten!) und geänderten Kreiseln (für Steilabwurf) in Erprobung. Die der HS 293 ähnliche HS 294 sollte den letzten Teil des Weges nach Absprengen der Flügel unter Wasser fortsetze die HS 295 sollte ein grösseres Kaliber (ca. 2000 kg) erhalten und die HS 296 sollte mit Fernsehkopf ausgerüstet werden. Das als Luft-Luft-Geschoss entworfende HS 297 wurde später in "HS 117 Schmetterling" umgetauft und sollte mit zusätzlichen abwerfbaren Startraketen hauptsächlich vom Boden aus als Flabrakete Verwendung finden. Die Jägerrakete (Luft-Luft-Geschoß) HS 298 hatte eine Länge von 2,3 m, eine Spannweite von 1,3 m und ein Gesamtgewicht von 295 kg. Als Funklenk-Sendegerät diente das Fu G-206 "Kehl...". Das zugehörige Funklenk-Empfangsgerät "Colmar" FuG 232 war wesen lieh einfacher als die Geräte "Straßburg", da eine Reichweite von 1,5 km als ausreichend erachtet wurde. Die Empfangsantenne war vom linken Flügel der HS 298 zum Rumpf gespannt. In der Spitze des Geschosses sollte ein Annäherungszünder (hauptsächlich das Dezimeterwellengerät "Kakadu") untergebracht werden. Die Stromversorgung beider Geräte sollte ein Windschraubengenerator übernehmen.(Abb.214)

 

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Raketen Luftwaffe

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Im Januar 1945 wurde die Entwicklung der HS 298 zugunsten der einfacheren Jagerrakete X4 ("8-344")) gestoppt, deren Serie gerade zu Kriegsende anlief. Diese Rakete, deren Entwicklung im April 1944 (bei DVL/Ruhrstahl AG.) begonnen hatte, war 2,1 m lang und hatte Kreuzflügel mit 86 cm Spannweite. Die Drahtlenk-Sendeanlage "Düsseldorf" FuG 510 war über 2 Drähte mit der Empfangsanlage (ohne eigenen Namen) verbunden, wobei die Drähte von je 5500 m Länge nur am Lenkkörper abgespult wurden. Der Aufwand für die Lenkung durch Gleichstromsignale war äusserst klein.

Da der Körper u.a. aus Gründen der Stabilisierung mit ca. 60 U/min rotierte (durch leichte Anstellung der Flügel), wurden die Steuersignale über einen mit dem Lagekreisel gekoppelten Kommandoverteiler zu den Leitwerksflossen geleitet. An der Spitze des Körpers war hinter einer besonderen Verkleidung mit Mikrofonschlitzen ein akustischer Abstandszünder "Meise" untergebracht, Das vielversprechende Geschoss kam jedoch nicht mehr zum Einsatz. (Abb.215)

Die parallel zum FuG 203 / FuG 230 von Lorenz entwickelten und mit Frequenzmodulation arbeitenden Geräte Funklenk-Sendegerät "Greifswald" = FuG 205 und Funklenk-Empfangsgerät "Kolberg" FuG 235 wurden nicht eingesetzt. Auch die von Telefunken ab 1944 im Programm "Kogge" für universellen Einsatz entwickelten Funklenkgeräte "Kai" = FuG 512, "Kran" = FuG 513 (im Flugzeug bzw. Flkraketen-Lenkstand) und "Brigg" = FuG 530 - "Fregatte" = FuG 331 (im Lenkkörper) gingen nicht mehr in Serie. Sie sollten auf einer Frequenz von 1100 MHz arbeiten, um zu kleineren Antennenabmessungen zu kommen. Der Aufbau der geplanten Flakraketen-Leitanlagen "Grüne Wiese" bzw."Rheinland" u.s.f., bei denen die genannten Funkgeräte mitverwendet werden sollten, desgleichen die vom Heer bearbeiteten Funklenkanlagen für die "V 2" u.s.f. Das 1940/41 von den Argus-Motorenwerken erbaute Zielübungs-Kleinflugzeug "Mo 12" für Übungszwecke der Flakartillerie, das mit Propellerantrieb vom Boden aus starten und landen konnte, wurde wie die Gleitbomben nur durch Funk gelenkt. Als Bodenstation diente das Funkfernlenkgerät "Kehl II" FuG 204. Im Flugzeug war ein von Lorenz entwickelter Spezialempfänger (ähnlich "Straßburg") eingebaut. Neben den bei den "Kehl"-Geräten üblichen Kommandos für die Ruder konnte noch ein Einzelkommando "Zündung ein/aus" für den Motor übermittelt werden. Die Landung des Flugzeuges erfolgte dann bei abgestelltem Motor im ferngelenkten Gleitflug. Als Notlösung war gegen Kriegsende der "Abwurf" mit Sprengstoff gelandener Kampfflugzeuge auf taktisch besonders wertvolle Ziele (Hydrierwerke, Schiffsansammlungen und Bomberverbände) geplant.

Zu diesem Zweck hatte man z.B. aus verschrottungsreifen Junkers Ju 88 alle entbehrlichen Teile ausgebaut und die Kanzel mit Sprengstoff gefüllft (Abb.213) Auf den Rücken des Flugzeuges wurde ein Jäger (z.B. Messerschmitt Me 109 oder Focke Wulf Fw 190) gesetzt, der u.a. mit dem Funklenkgerät FuG 206 ausgerüstet war. In derJunkers Ju 88 war das Funkempfangsgerät "Straßburg" H FuG 230h eingesetzt, das später durch Zielsuchgeräte und Annäherungszünder ergänzt werden sollte. Diese Kombination, welche unter anderem die Decknamen "Huckepack, "Mistel" und "Vater und Sohn" führte, sollte mit 3 Motoren (einer im Jäger, 2 im Sprengflugzeug) starten. Bei Annäherung an das Ziel sollte sich der Jäger lösen und das Sprengflugzeug über Funk in das Ziel lenken. Einige dieser Flugzeugkombinationen waren in den letzten Kriegstagen zur Sprengung der Rhein- und Oderbrücken in aller Eile bereitgestellt worden (Angeblich soll Herbst 1944 im Kanal 1 erfolgreicher Angriff auf ein Kriegsschiff erfolgt sein, ohne daß weitere Einsatzbefehle folgten.(??)) .

 

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Abb.213 "Mistel" - Gespann, bestehend aus einer Junkers Ju 88 mit FuG 230 h und einer Focke Wulf Fw 190 mit FuG 206

 

 

Als die Fi 103 ("V 1") durch vorgenommene Verbesserungen Reichweiten bis zu 370 km erreichte, brachte dies eine untragbare Vergrösserung der Streuung mit sich. Es wurde daher vorgeschlagen, die Flugbahn mehrerer Geschosse gleichzeitig gemäss einem Zeitplan zu verfolgen und nach jeder 2. oder 4. Ortung entsprechende Fernlenk-Kommandos für Grob- oder Feinkorrektur zu geben. Schon beim bereits erwähnten Ortungssender "Ewald-Bord" (zur Peilung der Flugbahn) sollte ein Verschlüsselungsverfahren angewandt werden (Zeitlich gesteuerte Abgabe eines Impulses von 50...80 msek Dauer, welcher mit 1500 Hz 100 % moduliert ist. Verriegelung der Großbasis-Peilempfänger "Minerva'' wenn die beiden Seitenbänder der Sendung nicht einen bestimmten Abstand haben, Winkelmessung = Messung der NF-Phasen der Empfängerausgangsspannungen). Auch die Fernlenkung sollte möglichst störsicher sein. Bei der am Boden befindlichen Funklenk-Sendeanlage "Sauerkirsche" sollten über einen Wähler eine der benötigten Kurskorrektur entsprechende Anzahl von Impulsen gegeben werden, die durch einen Kommandogeber "Mosel" mit mehrfacher Abtastung auf einem Magnetband zeitlich verschlüsselt jeweils nach der 2. und 4. Peilung über einen Sender ("Ehrenmal", 1 kW, Frequenz zwischen 1,5 und 3 MHz) abgestrahlt werden sollten. Die Funklenk-Empfangsanlage "Sauerkirsche" (Bord) sollte aus einer Antenne, einem Empfänger und einem Kommandonehmer "Mosel" bestehen, in dem die ankommenden Impulse auf ein geschwindigkeitsgesteuertes Magnetband aufgenommen werden sollten. Nur warn die Impulse in allen angeordneten Abtastköpfen koinzidierten, sollten sie über ein Aufschaltgerät an die Rudermagnete geleitet werden. Da die vorher übliche Abschaltung des Triebwerkes mit Auslösung des Abstiegs durch einen Wegstreckenzähler (angetrieben durch eine kleine Luftschraube) nicht genügt hätte, sollten auch diese Funktionen durch Kommandos über das Aufschaltgerät eingeleitet werden. Man rechnete mit einer Treffgenauigkeit von +/- 2 km über 400 km Entfernung, so dass 3 ferngelenkte Geschosse denselben Erfolg (im Zielkreis von 4 km 0) wie 189 ungesteuerte erzielen sollten.

Wieweit dieser Vorschlag realisiert wurde, ist nicht bekannt. Unabhängig von den bisher genannten Geräten entwickelte die Firma Siemens (Luftfahrtgerätewerk) eine Funklenkanlage für die Fernleitung von Flugzeugen ("Siemens-Gespann"). Das Flugzeug war mit einer automatischen Dreiachsensteuerung (Autopilot), einer Triebwerksteuerung, einem Programmsteuergerät und einer Zweikanal-Funklenkempfangs-einrichtung ausgerüstet. Der Lenkstand, d.h. die Bodenstelle und ein Begleitflugzeug waren ihrerseits jeweils mit einer Zweikanal-Funklenksendeeinrichtung versehen. Der eine Funkkanal wurde für die Flugprogrammsteuerung (Start-Stop-System), der zweite jedoch nur für Dauerkommandos für die Höhenruder bei Start und Landung verwendet. Es konnten damit am 19.Mai 1945 erstmalig mit einer unbemannten Junkers Ju 52 sowohl selbsttätig programmgesteuerte (= Selbstlenkung) als auch ferngelenkte Flüge mit Übermittlung aller Befehle (Gasgeben, Starten, Steigen, Kurven, Sinken, Landen und Bremsen) ausgeführt werden. Die Programmsteuerung enthielt eine vollautomatische "Funknavigations- und Blindlande-Anlage", d.h. für die horizontale Navigation konnten je nach Bedarf der Automatpeiler (Peil GV mit Automatpeilzusatz) z.B. zum Zielflug auf einen voreingestellten Sender oder der Leitstrahlempfänger der Funklandeanlage (FuBl I bzw. II) zum Zielflug auf einen Leitstrahlsender auf die Kurssteuerung aufgeschaltet werden (s.a. APZ 5 und "Bl-Anlage", Kapitel "Navigationsgeräte").

Bei einer ebenfalls möglichen selbstgelenkten = vollautomatischen Blindlandung wurde zusätzlich ein automatischer Gleitflug mit Abfangen für eine Dreipunktlandung durch eine entsprechende Zusammenschaltung des Horizontkreisels der Dreiachsensteuerung, eines Funkhöhenmessers (FuG 101) und des Einflugzeichenempfängers der Funklandeanlage erreicht. Beim Überfliegen des Haupteinflugzeichend wurde automatisch die Regelkennlinie umgeschaltet und die Motoren gedrosselt, bei Erreichen einer Flughöhe von 10 m wurde darauf die Abfangbewegung eingeleitet. Der 1. vollautomatischen Blindlandung (mit einer Heinkel He 111 im Jahre 1941 in Berlin-Diepensee) folgten noch viele weitere mit verschiedenen Flugzeugmustern. Abgesehen von diesen Versuchen und den weiter oben erwähnten Flakziel-Kleinflugzeugen ist aber auf deutscher Seite kein Einsatz selbstgesteuerter oder ferngelenkter Flugzeuge mit Rückkehr und Landung erfolgt, da u.a. der erforderliche Geräteaufwand als zu hoch erachtet wurde.

 

 

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Abb.214 Jägerrakete Hs 298
Abb.215 Jägerrakete X4 = DVL mit kreuzförmigen Flügeln
Abb.216 Minengleitbombe Hs 294

 

 

 

4.8 Zielweisungsgeräte

 

Da die Funklenkung in ihrer letzten Phase am schwierigsten war und es nicht immer zu vermeiden war, dass der Lenkkörper dicht am Ziel vorbeiflog, waren verschiedene Funklenksende- und Empfangsgeräte (FuG 206, FuG 230 h usf.) mit einem weiteren Kanal zur zusätzlichen Übertragung eines Zündkommandos zur Auslösung der Sprengladung versehen. Um nun den Augenblick des geringsten Abstandes zwischen Lenkkörper und Ziel erfassen zu können, wurde als einfachste Form der Zielweisungsgeräte ein Annäherungsmeldegerät "Marder" (EOI) entwickelt. Dieses einfache Sendegerät bestand aus einer Oszillatorröhre, an deren Schwingkreis direkt eine an der Spitze des Lenkkörpers angebrachte Stabantenne oder eine vom Körper nachgeschleppte Drahtantenne angeschlossen war. Bei Annäherung an das Ziel ergab sich durch die Rückwirkung auf die Antenne eine Verstimmung des Schwingkreises, so daß sich die Sendefrequenz änderte. Sie lag zwischen 6 und 10 MHz, da dann die Abmessungen des Zieles in der Nähe einer halben Wellenlänge lagen und so die grösste Rückwirkung (Impedanzänderung) auf die Antenne erzeugten. Das zugehörige Meldeempfangsgerät "Marder" war mit einer selbsttätigen Scharfabstimmung ausgerüstet, so dass langsame Frequenzänderungen (durch Änderung der Bordnetzspannung im Lenkkörper) ausgeregelt wurden. Bei plötzlichen Frequenzänderungen, d.h. beim Vorbeiflug am Ziel wurde jedoch am Empfänger ein Signal ausgelöst, das auf das Zündkommando des Lenksendegerätes aufgeschaltet werden konnte.

 

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Abb.217 Ha 293 mit zusätzlicher Zielweisungs-Fernseh-Sendeeinrichtung ( FS-Kamera."Tonne" )
Abb.218 Fernsehkamera. "Tonne"

 

 

Die Geräte kamen jedoch nicht mehr zum Einsatz. Das Verfahren war gegenüber manchen Formen der direkten Auslösung durch Annäherungszünder (siehe dazu weiter unten) relativ unempflindlich gegen Störmaßnahmen. Die nachfolgend beschriebenen Geräte waren wesentlich aufwendiger, erlaubten jedoch eine kontrollierbare Fernlenkung über sehr grosse Entfernungen. In die in einer kleinen Serie gebaute Gleitbombe HS 293 D (die später durch die HS 296 ersetzt werden sollte) war zusätzlich zum Funklenk-Empfangsgerät FuG 230 das Zielweisungssendegerät "Tonne A" (Fernseh GmbH) eingebaut. Dieses bestand aus einer in der Spitze des Lenkkörpers untergebrachten Fernsehkamera und einem Fernsehsender, der auf der Frequenz 400 MHz (Leistung 10 ...20 W, 441 Zeilen, 25 Bilder/Sekunde) das aufgenommene Bild des Zieles über eine (über das Heck des Körpers hinausragende) Yagi-Antenne abstrahlte. Im lenkenden Flugzeug war zusätzlich zum Funklenk-Sendegerät: FuG 203 das Zielweisungsempfangsgerät "Seedorf" eingebaut, das sich aus einer Empfangsantenne und einem Spezial-Fernsehempfänger (mit einer Bildgrösse von 8 x 9 cm) zusammensetzte. Es übermittelte dem Schützen ein Bild des vor dem Lenkkörper liegenden Zielvolumens, das er für die Abgabe von Lenkkommandos entsprechend auswertete. Flugversuche ergaben bei sehr grosser Flughöhe des Flugzeuges und des Lenkobjektes Reichweiten bis 150 km! Die Flugbahn des Lenkkörpers verlief im Gegensatz zu der beim Doppeldeckungsverfahren angegebenen in einer "Hundekurve", daher das Ziel wurde mehr tangential von hinten getroffen, da es immer in Blickrichtung der Kamera = Längsachse des Lenkkörpers gehalten wurde. Die Flugbahn war zwar länger, aber günstiger in Bezug auf die Seitensteuerbarkeit der Lenkkörper (grosser Kurvenradius). (Abb.217..219)

 

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Abb.219 Zielweisungsempfänger "Seedorf" -Fernseh-Anzeigeteil (Serienausführung)
Abb.220 "Seedorf" Fernseh-Anzeigeteil in druckfester Ausführung zur Verwendung in großen Flughöhen.

 

 

Weitere Entwicklungen zielten auf eine weitere Verkleinerung de: an und für sich schon sehr kleinen Geräte (Grösse der Fernsehkamera der "Tonne" bzw. des Empfängers "Seedorf" mit HF-Teil jeweils etwa 17 x 22 x 40 cm). Bei einem in den Jahren 1943... 45 entwickelten Empfangsgerät wurde ein interessanter Aufbau verwendet, d.h. alle Röhren waren auf scheiben- bzw. ringförmigen Chassisteilen um die Bildröhre herumgebaut. Da im druckfest gebauten Gerät praktisch kein Luftraum mehr vorhanden war, wurde die entstehende Wärme von den Röhrenumhüllungen über das Chassis und das Gehäuse nach aussen abgeleitet. Durch Anordnung von Steckverbindungen zwischen den einzelnen Scheiben war eine leichte Wartungs- und Reparaturmöglichkeit gegeben. Dieser Hochleistungsempfänger (Nach unseren Erkundigungen war dies eine Spezialausführung eines Anzeigeteiles für Einsätze in großen Höhe zugehöriger Empfangsteil -"Seedorf") hatte einen Durchmesser von 17 cm bei 37 cm Länge (ohne HF-Teil) die Bildgrösse war dabei 11 x 11 cm.(Abb.220)

Die Entwicklung des Zielweisungsgerätes "Adler" (Opta) mit Spiralabtastung wurde später wieder eingestellt. Die bei Kriegsende noch in Arbeit befindlichen Zielweisungsgeräte "Sprotte" (Fernseh-GmLH/Telefunken/RPF) mit Schrägzeilenraster und "FB 50" (Fernseh-GmbH, stark vereinfachtes Gerät mit mechanischer Abtastung durch eine Nipkow-Scheibe) und weitere von der DFS bearbeitete Geräte waren hauptsächlich für den Einsatz in Flakraketen gedacht.

 

 

4.9 Ergänzungsgeräte für die Fernlenkung

 

Da die nachfolgend genannten Geräte hauptsächlich in Flak-Rakete und weniger in vom Flugzeug mitgeführten Raketen zum Einbau kommen sollten und bereits sehr ausführliche Darstellungen in anderen Literaturen existieren, kann hier lediglich eine kurze Übersicht gebracht werden.(Siehe auch Tabellen im Anhang!)

Zur selbsttätigen Auslösung der Sprengladung von Flugkörpern waren eine Reihe von automatischen Zündern (etwa 15 Projekte) in Bearbeitung:

a) Abstandszünder: welche bei Erreichen eines bestimmten voreingestellten Abstandes zum Ziel die Sprengladung auslösen. (Nachteil: Sie lösen auch dann vor dem Ziel aus, wenn ein direkter Treffer zu erzielen wäre.)

b) Richtungszünder, welche bei Erreichen einer bestimmten Richtung zum Ziel auslösen.

c) Annährungszünder, welche bei Erreichen des kleinsten Abstandes zum Ziel auslösen.

Die Geräte arbeiteten grösstenteils mit Funk, d.h. mit Dopplereffekt, mit Antennenrückwirkung oder als FM-Radar (Beispiele: FuG 380, "Kakadu", "Pinscher " A...E", "Trichter","Marabu", "Kugelblitz", "Wiesel", "Fox"). Weitere Projekte arbeiteten mit Kapazitätsänderung, mit Selbstindusktionsänderung ("Isegrimm"), mit Änderung des elektrostatischen Feldes("Kuhglocke") oder mit Schallwellen ("Meise").

Noch höhere Trefferaussichten boten Lenkkörper, welche mit automatischen Zielsuchgeräten ausgerüstet waren. Bei den als Funkmeßgeräte arbeitenden Arten wurde die Empfängerausgangsspannung über die 2. Ebene des Antennenschalters (statt zu den Ablenkplatten der Anzeigeröhren) zu 4 Relais geführt, welche entweder im letzten Teil des Fluges auf die Ruder aufgeschaltet wurden, oder über Motoren die schwenkbar gestaltete Antenne stets in Richtung auf das Ziel drehten. Mit der Antennenhalterung waren dann Potentiometer verbunden, bei deren Verstellung die Ruder über entsprechende Dämpfungsglieder beeinflusst wurden. Die Geschlosse lenkten sich also im 2.Abschnitt der Flugbahn selbst in das Ziel = Selbstlenkung, wobei auch zusätzliche Kombinationen mit Annäherungszündern etc. vorgesehen waren. Auch hier gab es etwa 15 Projekte. Neben den passiven, halbaktiven und aktiven Funkmeßgeräten (z.B. "Radieschen","Dackel", "Max A", "Max P", "Licht Z", "Moritz", "Windhund") gab es auch entsprechend arbeitende Ultrarotgeräte ("Emden I", "Hamburg", "Kottbus Z", "Madrid", "Pistole", "RT 101" usf.) und auch mit Peilung der vom Ziel ausgehenden Schallwellen arbeitende Ausführungen (wie "Dogge" und "Lux").

Die meisten der genannten Geräte waren bei Kriegsende noch in Bearbeitung, sofern ihre Entwicklung nicht vorher gestoppt worden war. Nur wenige waren serienreif wie z.B. der Annäherungszünder "Kakadu" (DONAG, Dopplereffekt mit Sende-Empfangsfrequenz 600 MHz), von dem 20 000 Stück bestellt waren!

 

Zusammenfassung:

Obwohl nicht alle Geräte im Vorstehenden genannt werden konnten, ergibt sich eine Vielzahl von Geräten, die trotz des deutschen Grundsatzes "Das Beste ist gerade gut genug" in den - zum Entwicklungsumfang gesehen - wenigen Jahren herausgebracht werden konnten. Die im Ausland geübte Praxis "das drittbeste Gerät genügt, weil das zweitbeste zu spät und das beste nie fertig wird" brachte zwar eine schnellere Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten, aber auch eine geringere Betriebssicherheit und ein grösseres Gerätevolumen (für das in den meisten deutschen Flugzeugen der Luftwaffe kein Platz war).

Der damalige hohe Stand der deutschen Funktechnik wird durch die ausgesprochende Anerkennung der Gegenseite ("Well designed from all points of view"), die Weiterverwendung (in Einzelfällen sogar der Nachbau) deutscher Geräte und die Anwendung deutscher Erfahrungen und Entwicklungen nach dem Kriege belegt!

 

 

 

V. Anhang Dokumente

 

 

- Verzeichnis deutscher Bordfunkgeräte aller Art

 

Titel

Pdf Datei Grässe 15 MB !

 

 

 

VI. Gallery

 

ju88c6
2
Junkers Ju 88 C-6
Junkers Ju 88 C-6
he111
ju88
Junkers Ju 88 C-6
Heinkel He 111 H-18
me262
ju88
Messerschmitt Me 262 V-56
Junkers Ju 88 H-1

 

 

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Mail... deutscheluftwaffe@bluewin.ch

 

 

 

 

 

 

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