Gerätebrett FES 530 „Lehrmeister“, DDR

 

Quelle: Archiv Peter W.Cohausz

Quelle: Archiv Oliver Jordan/ Deutsche Flugtechnik, 4.Jahrgang, Heft 2

 

Vorgestellt wird ein gut erhaltenes, Bodenfund-Gerätebrett vom Doppelsitzer-Segelflugzeug FES 530 „Lehrmeister“. Das Gerätebrett war im Fundzustand ohne jegliche Instrumentierung, welche aber rekonstruiert und ersetzt wurde. Die Lackierung der Vorderseite wurde behutsam restauriert, um möglichst viel Originallack zu erhalten. Die Rückseite ist im unlackierten Originalzustand. Auf der Rückseite befindet sich ein Einschlagstempel „L12“, was darauf hindeutet, dass das Alublech noch aus alten Beständer der Luftwaffe des letzten Weltkrieges stammt.

 

Das Gerätebrett hat die Maße 500 x 213 mm und hat eine Stärke von 1,3 mm.

Material ist Aluminium / Dural.

Eingebaut waren folgende Geräte:

  • Fahrtmesser (0-250 km/h), LG 35.7377 (DDR)
  • Variometer (+/- 0-5 m/s), LG 35.7170 (DDR)
  • Notwendezeiger, LG 35.5030 (DDR)
  • Führerkompass, LUN 1222.1 (Tschechoslowakei)
  • Variometer (+/- 0-15 m/s), LG 35.7046 (DDR)
  • Fein-Grobhöhenmesser, Fl.22320 (0-13km), LG 35.7031 (ehemals Luftwaffe, 1944, Deutsches Reich)

 

Geräte für Segelflugzeuge aus DDR-Produktion vor 1960

Fahrtmesser, L.G.35.7377, Baujahr: 1958, Hersteller: Schmidt

auch möglich:

Fahrtmesser, LUN IIOI, Baujahr: 1958, Hersteller aus Tschechoslowakei

 

Variometer, L.G.35.7170, Baujahr: 1959, Hersteller: VEB Welta-Werk, Freital

 

Wendezeiger, L.G.35.5030, Baujahr: 1958, Hersteller: VEB Freiberger Präzisionsmechanik

 

Führerkompass, LUN 1222.1 (Tschechoslowakei)

 

Variometer, L.G.35.7046, Baujahr: 1959, Hersteller: VEB Welta-Werk, Freital

 

Auch möglich: Variometer, L.G.35.7001, Baujahr: 1959, Hersteller: VEB Junkalor, Dessau

 

Fein-Grobhöhenmesser, L.G.35.7031, Baujahr: 1944, Hersteller: R.Fuess, Berlin (Fl.22320)

 

Kippschalter, genaue Bezeichnung ist unbekannt

 

Gerätebrett im Fundzustand, Rückseite, ohne Instrumentierung

Allgemeines zum FES 530

Der Lehrmeister löste in der DDR den bis dahin eingesetzten und noch aus den 1930er-Jahren stammenden einsitzigen Schulgleiter SG 38 ab und wurde bis zum Ende der 1970er-Jahre in der DDR geflogen.

Die Konstruktion wurde ab September 1953 im VEB Waggonbau Gotha von Hans Wegerich (Aerodynamik), Wilhelm Zimmermann (Statik) und Hans Hartung (Konstruktion) unter der Leitung des Technischen Direktors Gerhard Renner noch unter der Bezeichnung Gotha Go 530 in Ganzholzbauweise ausgeführt. Letzterer führte auch mit dem Prototyp Go 530 V1 am 15. Juni 1954 in Bienstädt den erfolgreichen Erstflug aus. Allerdings kollidierte Renner bei einem der folgenden Flüge während der Landung mit einem Baum, was zur Beschädigung von Rumpf und Tragflächen führte. Das Flugzeug konnte repariert werden und Renner wurde die Erlaubnis für weitere Testflüge entzogen. Die nachfolgende Erprobung übernahmen Karl Treuter und Kurt Götze. Am 22. Juli 1954 erfolgte der erste Flugzeugschlepp mit einer Z-126 und am 8. November wurde dem Muster die staatliche Zulassung mit der offiziellen Bezeichnung FES 530 (für Forschungs- und Entwicklungsstelle) erteilt. Zu diesem Zeitpunkt war die Produktion schon zum VEB Apparatebau Lommatzsch, der im selben Jahr auf dem Gelände einer ehemaligen Glashütte gegründet worden war, verlagert worden. 1955 erschien die erste Serienausführung des FES 530 mit abgestrebtem Tragflügel in Hochdeckerauslegung. Zeitgleich wurde die Erprobung mit den nunmehr zwei Prototypen, Karl Treuter hatte mit der FES 530 V2 am 5. April 1955 in Leipzig-Mockau die Flüge aufgenommen, fortgesetzt. Dabei kam es zu einem Zwischenfall, als zum Ende der Erprobung am 24. November des Jahres bei einem Geschwindigkeitstest im Bahnneigungsflug sämtliche Flügelendrippen abrissen. Treuter konnte das Flugzeug trotzdem landen und eine anschließende Untersuchung ergab Fehler bei der Herstellung als Ursache. Aufgrund des Vorfalls wurden am Institut für Flugzeugkonstruktion umfangreiche Bruchversuche durchgeführt, die sich bis Anfang 1957 hinzogen. Wahrscheinlich aufgrund dieser Verzögerung wurde das Modell deshalb erst ab 1957 an die GST ausgeliefert. 1959 wurde der Lehrmeister zum FES 530/I mit freitragendem Flügel weiterentwickelt. Im selben Jahr entstand der um zwei Meter Flügelspannweite reduzierte FES 530/II „Lehrmeister II“. Die Entwicklungsgruppe Zimmermann/Wegerich/Hartung wurde 1958 für die erfolgreiche Konstruktion als Aktivist ausgezeichnet.

Vom FES 530 wurden insgesamt 223 Exemplare gebaut, davon wurden 22 Stück ins Ausland (Dänemark, Syrien, Ägypten und Kuba) exportiert. Ein FES 530/II ging als Geschenk nach Österreich.

Bericht zum FES 530 aus der Zeitschrift Deutsche Flugtechnik, 1960

 

Quelle: Archiv Oliver Jordan/ Deutsche Flugtechnik, 4.Jahrgang, Heft 2

 

Quelle: Internet, Gerätetafel einer FES 530 in heutiger Zeit im Flugzustand

 

Quelle: „Flugzeuge der DDR“, 1.Band bis 1962, Detlef Billig/ Manfred Meyer, Motorbuch-Verlag