Gerätetafel der Heinkel He 162 „Volksjäger“

Die hier beschriebene Gerätetafel für den Flugzeugführers stammt von einem der letzten verwirklichten Flugzeugprojekten der ehemaligen deutschen Luftwaffe. Man könnte sagen, es war der sprichwörtliche „letzte Versuch“ der Luftwaffenführung am Ausgang des Krieges noch etwas zu ändern. Das Belegfoto wurde vermutlich kurz nach Kriegsende gemacht, und zeigt eine komplett instrumentierte Gerätetafel der He 162.

 

Allgemeines:

Der Jagdeinsitzer Heinkel He 162 „Volksjäger“ war das Ergebnis einer Ausschreibung des RLM (vom 08.09.1944) im Rahmen des „Jäger-Notprogramms“. Zielstellung war, in allerkürzester Frist einen gebrauchsfähigen, preiswerten Jäger mit Strahltriebwerk, in großen Stückzahlen, zum Einsatz zu bringen. Die Großserienfertigung sollte laut RLM bereits im Januar 1945 anlaufen.
Diese extrem kurze Zeitspanne von der Ausschreibung bis zur Großserienfertigung (ca. 4 Monate) wäre heute, wo 10-15 Jahre Entwicklungszeit Normalität sind, einfach absolut unvorstellbar!

Die Kenndaten der Ausschreibung lauteten:
– Triebwerk: BMW 003 (920kp)
– Fluggewicht: max. 2000 kg
– Flächenbelastung: max. 200 kg/m²
– Kurze Startstrecke
– Bewaffnung: 1-2 großkalibrige Bordwaffen (z.B. MK 108)
– Höchstgeschwindigkeit: min. 750 km/h
– Flugzeit in geringer Höhe: min. 20 Minuten

 

Diese Richtwerte ließen wenig und der geforderte Zeitpunkt des Produktionsbeginnes gar keinen Spielraum frei.
Man musste sich hier für die einfache Anordnung der Strahlturbine auf dem Rumpf entscheiden. Damit war ein Metallrumpf und ein doppeltes Seitenleitwerk unumgänglich, für die Tragfläche konnte eine Holzkonstruktion vorgesehen werden.
Die Entscheidung für den Entwurf P 1073/II der Heinkelflugzeugwerke fiel bereits am 15.09.1944. Sofort wurde bei Heinkel (Schwechat) mit der Konstruktion, und wenige Tage später auch mit dem Bau der ersten Versuchsmuster begonnen.
Bereits am 06.12.1944 erfolgte der Erstflug. Da waren gerade 82 Tage von der Auftragserteilung bis zum ersten Flug vergangen!

Für den Großserienbau schaltete man eine Reihe von Flugzeugbaufirmen und Unterlieferanten ein.
Die Serienausführung hatte abwärts gerichtete Tragflächenenden und einen Schleudersitz, hydraulisch betätigte Landeklappen und Fahrwerk, FT-Anlage, Höhenatmer und 2 Bordwaffen (MK 108 oder MG 151/20).

Die Gerätetafel:

Diese Gerätetafel eines strahlgetriebenen Jagdflugzeuges ist an Einfachheit kaum noch zu überbieten. Hier kann man getrost den Spruch anbringen „Zurück zu den Wurzeln“ (Back to the Roots).
Bewusst hat man beim Volksjäger keine Fernkompassanlage eingebaut, und stattdessen den Notkompass „FK 38“ (Fl.23233) als Führerkompass eingebaut. Auch der fortschrittliche Wendehorizont wurde durch einen normalen Wendezeiger (Fl.22412) ersetzt. Dadurch konnte man nicht nur Geld und Platz, sondern besonders auch Gewicht einsparen.
Das Kombigerät des Sauerstoffanzeigers (10-6901 A-1), welches rechts neben der Gerätetafel platziert ist, ersetzte die beiden Einzelgeräte für die Höhenatmeranlage.
Der Schalt- Zähl- und Kontrollkasten (SZKK 2) für die Überwachung der Bordwaffen wurde durch 2 einfache Gitterschauzeichen (Fl.32525) ersetzt.
Auch beim Reflexvisier wurde der Bügel mit Farbglas weggelassen.
Es wurden natürlich auch im Cockpitbereich Teile aus anderen Flugzeugbaumustern verwendet, wie man gut an der eingebauten Handpumpe für Landeklappen sehen kann. Dieses Bauteil wurde für die Heinkel He 112 gebaut/ entwickelt.

Die recht einfach gehaltenen Gerätetafel aus 8mm starkem Sperrholz ist recht übersichtlich gestaltet. Sie ist ausreichend zur Aufnahme aller wichtigen Instrumente.
Auf dem Belegfoto ist die Lackierung im luftwaffentypischen Farbton „RLM 66“ gut zu erkennen. Die Anschlusswerte für das elektrische Bordnetz wurden per Hand (Pinsel) mit weißer Farbe aufgetragen.
Auffällig ist, dass nicht alle vorgesehenen Einbaulöcher belegt sind.
Die Hinweisschilder im oberen Bereich der Gerätetafel bestehen aus stabilem, weißen Karton (Überzug aus transparentem Schutzlack), welche mit folgendem Wortlaut bedruckt sind:

linkes Schild:

rechtes Schild:

Die Instrumente sind mittels Holzschrauben (Halbrundkopf) in der Gerätetafel befestigt. Meist wurden hier auch nur 2 Schrauben pro Gerät verwendet.
Links und in der Mitte sind die Geräte zur Flugüberwachung und Navigation untergebracht, rechts die Motorüberwachungsinstrumente, sowie die Durchladekontrolle für die Bordwaffen.

Da der Volksjäger vorrangig von jungen, unerfahrenen Flugzeugführern geflogen werden sollte, sind die wichtigsten Instrumente und Bedienhebel besonders deutlich durch entsprechende Farbmarkierungen gekennzeichnet. Dadurch sollte der Umgang mit diesem neuen Flugzeugtyp erleichtert werden.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Dietmar Lemp für die freundliche zur Verfügungsstellung von Fotomaterial.

Berlin, den 04.April 2008

Oliver Jordan

          Geräteauflistung der Heinkel He 162 A-2 „Volksjäger“

Es wird speziell nur auf die Instrumentierung der Gerätetafel des hier abgebildeten Belegfotos eingegangen!

1. elektr. Wendezeiger Fl.22412
2. Fahrtmesser Fl. 22234
3. Drehschauzeichen Gerät-Nr. 19-6824 N-1 Fl.32530-_?
4. Variometer Fl.22386
5. Handpumpe (für Landeklappen) (R8-112.201-1401) Gerät-Nr. 19-1158 A
oder R8-162.460.1 = (R8-111.429-64)
6. AFN 2 Ln.27002
7. Fein-Grobhöhenmesser Fl.22326
8. Führerkompass FK 38 Fl.23233
9. elektr. Temperaturanzeiger Fl.20338
10. Druckmesser Fl.20504-10
11. Einbauloch für Borduhr Bo-UK1 Fl.23885
oder elektr. Spannungsmesser Fl.32500-2
12. Blinddeckel für Differenzdruckmesser Fl.20515
oder elektr. Außentemperaturanzeiger Fl.20349
13. Druckmesser Fl.20516-3
14. elektr. Vorratsanzeiger Fl.20723
15. Einbauloch (für Merkleuchte) Fl.32529-8
16. elektr. Drehzahlanzeiger Fl.20266
17. 2 x Gitterschauzeichen Fl.32525-_?
18. Sauerstoffanzeiger Gerät-Nr. 10-6901 A-1
19. Reflexvisier Revi 16 B (ohne Farbglas) Fl.52955

Quellenangabe:

– Ersatzteilliste und Baubeschreibung der EHAG (Ernst Heinkel Aktiengesellschaft, Werk Wien), Oktober 1944

– „Cockpits deutscher Flugzeuge“, Peter W. Cohausz, Aviatic Verlag, 2000

– „Das Buch der Deutschen Luftfahrttechnik“, Bruno Lange, Verlag Dieter Hoffmann, 1970

Literaturempfehlung:

– „Cockpits deutscher Flugzeuge“, Peter W. Cohausz
Aviatic- Verlag, 2000, ISBN 3-925505-57-1

– FLUGZEUG CLASSIC, Ausgabe 3/2000, „Cockpits historischer deutscher Flugzeuge im Detail“, Teil 1

– Cockpit Profile, Ausgabe Nr.6, Peter W. Cohausz, FLUGZEUG Publikations GmbH, 2000, Bestell-Nr.8007