Horten Ho IX / V-Muster (vermutlich V3)

Das Flugzeug Horten Ho IX, oder auch fälschlicherweise als Gotha Go 229 bekannt , wurde als zweistrahliges Abfangjagdflugzeug , zur Bekämpfung der ins Deutsche Reich einfliegenden angloamerikanischen Bomberverbänden konzipiert. Die extrem kurze Entwicklungszeit forderte natürlich auch im Cockpitbereich viele Kompromisse. Die Platzverhältnisse in der Führerkabine waren sehr eingeschränkt. Sowohl durch die extrem stromlinienförmige Rumpfform des Nurflügeljagdflugzeuges, was revolutionär für die damalige Zeit war, als auch durch die beiden, unmittelbar links und rechts neben der Kabine montierten Strahltriebwerke Jumo 004 und den beiden vorgesehenen Motorkanonen MK103.

Die Form des Gerätebrettes aus Sperrholz wurde absolut perfekt der geschwungenen Rumpfform angeglichen. Maßgeschneiderte Gerätebretter waren bis dato größtenteils aus dem Bereich des Segelfluges bekannt, wo wenig Platz vorhanden war, und Gewicht gespart werden musste.
Die Instrumentierung ist allgemein recht spartanisch, was natürlich auf die eingeschränkten Platzverhältnisse in der Kabine zurückzuführen ist.
Erstaunlich ist nur, dass noch keine Kleininstrumente (Einbaudurchmesser 40mm), bzw. Doppelinstrumentierung eingebaut wurden. Dieser Punkt hätte sich aber spätestens bei einer Serienfertigung geändert. Entsprechende Kleininstrumente wurden ja bereits hergestellt (z.B. Abgastemperaturanzeiger 0-1000°C, Fl.20388).
Der Einbau des großen Führertochterkompasses (Fl.23338) spricht dafür, dass die Ho IX mit einer Jägerkurssteuerung (Schlechtwetterjäger mit Fug 125) ausgestattet werden sollte.

Auch die Stellungsanzeigen von Fahrwerk und Landeklappen, sind keine kommerziell produzierten Geräte, sondern nur vorgefertigte Bleche mit eingesetzten Rollschauzeichen EG 271 (Trommelschauzeichen), zur einfachen Ablesbarkeit der jeweiligen Funktion. Die Beschriftung erfolgte von Hand mit Pinsel und weißer Farbe durch den Bordwart.
Diese vereinfachte Form der Signalübertragung ist bereits vom Gerätebrett der Messerschmitt Bf 109 K-4 bekannt. Im Vergleich zu den früheren Baumustern, wurde hier das Vierlampengerät durch eine einfache Blechblende mit Öffnungen für 3 Merkleuchten (Fl.32529-8) ersetzt.
Auch die Schalter für das Anlassen der Triebwerke, normalerweise die elektr. Starterschalter (Fl.21212), wurden hier durch 2 einfache Kippschalter (Fl.32350) ersetzt.
Auf dem Foto des Gerätebrettes ist deutlich zu erkennen, dass viele Bordinstrumente nur in die vorgesehenen Öffnungen eingesteckt wurden, ohne diese zu Befestigen. Gut erkennbar beim Wendehorizont und beim Führertochterkompass.

Unglaubwürdig für eine spätere Instrumentierung als Einsatzmaschine scheint auch der geringe Messbereich des Fahrtmessers (nur bis 900 km/h), und das Fehlen der Druckmesser für den Schmierstoff 0-10 kg/ cm²(Fl.20504-10).
Sicherlich war für Einsatzmaschinen ein Fahrtmesser bis 1000 km/h (Fl.22241 oder Fl.22245) bzw. der noch bei der Firma R.Fuess in der Entwicklung steckende Machmeter (Fahrtmesser mit Anzeigebereich 0,3- 0,95 Mach) vorgesehen.
Wie auch bei der zweistrahligen Messerschmitt Me 262 waren mindestens folgende 4 Motorüberwachungsinstrumente pro Triebwerk notwendig, um einen reibungslosen Triebwerkslauf zu überwachen:
– elektr. Drehzahlanzeiger/ umschaltbar (Fl.20266)
– elektr. Temperaturanzeiger (Fl.20338)
– Druckmesser für Schmierstoff (Fl.20504-10)
– Druckmesser für Einspritzdruck von Kraftstoff (Fl.20516-1 oder Fl.20516-3)

Das Instrument rechts, unten auf dem kleinen Zusatzpanel (Außenlufttemperaturanzeiger; Fl.20349) ist mit der elektr. Bordnetzkennung 1M10 oder 1M16 gekennzeichnet, was auf alle Fälle für ein elektr. Motorüberwachungsinstrument spricht, und nicht für die Anzeige der Außenlufttemperatur!
Vermutlich waren die Einbaulöcher Nr.5 vorgesehen für 2 elektr. Druckanzeiger (0-120 kg/cm²; Fl.20562) oder 1 elektr. Doppeldruckanzeiger (2x 0-120 kg/cm²; Fl.20563), wodurch die pneumatischen Druckmesser ( Fl.20516-1oder Fl.20516-3 ) entfallen könnten.
Eine weitere Möglichkeit wäre der Einbau des elektr. Doppeldruckanzeigers (2x 0-15 kg/cm² ; Fl.20573).
Aber gemäß den strengen Einsparungsrichtlinien des RLM wäre vermutlich die kleinere, platzsparende und billigere Einbaunorm an Instrumenten, in dem Falle die Druckmesser Fl.20583 (0-10 kg/cm²) oder Fl.20584 (0-15 kg/cm2) zum Einbau gekommen.

Aber das sind wie gesagt nur Spekulationen, die bisher nicht bewiesen werden konnten.

Auch die beiden elektr. Vorratsanzeiger (Tankuhr; Fl.20723), hier scheinbar vom Flugzeugbaumuster FW 190 übernommen, erscheinen mir vom Messbereich absolut unzureichend zu sein. Die Jumo 004 Strahltriebwerke waren ja allgemein dafür bekannt, sehr viel Kraftstoff zu verbrauchen, was für entsprechend größere Tanks spricht als die, die für ein einsitziges Jagdflugzeug mit Kolbenmotor vorgesehen waren.
Da das Hortenprojekt ja noch in den „Kinderschuhen“ steckte, waren sicherlich noch keine genauen Festlegungen über die Größe und Anzahl der Kraftstofftanks bestätigt. So konnte natürlich auch die Industrie noch keine passenden Vorratsanzeiger, mit der entsprechenden Aufschrift des Flugzeugbaumusters produzieren.
Oftmals kam es beim Probefliegen der Versuchsmuster zu Problemen bei der Lastenverteilung, speziell wenn die Kraftstofftanks immer leerer und damit leichter wurden. Ein gutes Beispiel für nachträgliche Veränderungen an den Kraftstofftanks ist die Heinkel He 162 „Volksjäger“.

Zürich, Berlin , 17.03.2006

Wiedmer Erwin, Oliver Jordan

 

Geräte – Ausstatung nach Fl Nummern sortiert

Ausstattung der Horten Ho 229

 

Gerät / Instrument

Messbereich Anforderungszah
2 Drehzahlanzeiger
2.000 – 15.000 Fl 20266
2 Gastemperaturanzeiger ( späte Ausführung )
300 – 1000 °C Fl 20338
2 Einspritzdruckmesser
0 – 160 kg/cm Fl 20516-3
2 Druckmesser für Schmierstoff
0 – 10 kg/cm2 Fl 20504-10
2 elektrische Druckanzeiger
0 -120 kg/cm2 Fl 20562

2 Kraftstoffvorratsanzeiger ( Bezeichnung Ho 229 )

– wurden wahrscheinlich noch nicht produziert !!

? Fl.20723
Fahrtmesser
100 – 1,000 km/h Fl 22241 / Fl 22245
Fein- Grobhöhenmesser
0 – 16.000 m Fl 22326
Variometer ( späte Version ohne Nase )
– 30 / + 30 m/s Fl 22386
Wendehorizont
Fl 22415-1
Führertochterkompass ( mit Jägerkurssteuerung )
Fl 23338
O2-Wächter für Höhenatmer
Fl 30489
Druckmesser für Höhenatemanlage
0 – 250 kg/cm Fl 30496
Anzeigeleuchten für die Landeklappen evtl. – Musterbau
– mit 3 kleinen Rollschauzeichen
Rollschauzeichen EG 271
Schauzeichen für Staurohrheizung
Fl 32525
2 elektr. Merkleuchten ( rot )
Fl 32529-8
Anzeigeleuchten für das Fahrwerk ( evtl. – Musterbau )
– mit 5 kleinen Rollschauzeichen
Rollschauzeichen EG 271
Netzausschalter ( Auslöse Knopf rot eloxiert )
Fl 32315-2
2 Zündschalter
Fl 32350
– bei Serienmaschine evtl. später die Startschalter
Fl.21212
Anzeigegerät für Funknavigation AFN 2
Ln 27002
8 Rollschauzeichen
EG 271
An den Seitenwänden :
Pressluftdruckmesser
0 – 250 kg/cm2 Fl 20519
Voltmeter
18 – 30 V Fl 32510
10 Sicherungsautomaten
19 – 5000
Schalter für das Bugrad (Hydraulikschalter) von : hqm
19-3215 A-1
Prototyp Horten H IX V1 :
Fahrtmesser
80 – 550 km/h Fl 22230
Fein- Grobhöhenmesser ( späte Ausführung )
0 – 10.000 m Fl 22320
Variometer ( späte Ausführung )
– 30 / + 30 Fl 22386
Wendezeiger
Fl 22402
Magnetkompass FK 38
Fl 23233

 

Zukunft der Ho IX / Ho 229

Gerätebrettzeichnung der Horten Ho IX aus dem Jahre 1944

Ho IX – geplannte Version mit neuen Geräten “quadratisches Gehäuse”

Quelle : Archiv USA

Hier kann man gut sehen, dass fast alle deutschen Instrumente ein quadratisches Gehäuse (meist billiges Stahlblech) bekommen sollten. Bei einigen Instrumenten gab es ja schon Datenblätter. Einige Geräte waren ja bereits in der Entwicklung, und teilweise schon produziert worden. Wie zbs. der 1000 C° Temperaturanzeiger in quadratischer Bauform Fl 20338

Kleine Anzeigegeräte (Temp., Druck, Gastemperatur) mit eckigem Gehäuse. Das Gerätebrett mit allen notwendigen Instrumenten, Bewaffnung (1 Schusszähler und 1 Kippschalter, da beide Waffen synchron schossen wie bei Ta 152 H)

Quelle : Archiv USA

15 Variometer, 16 Höhenmesser, 17 Fahrtmesser, 18 Führertochterkompass, 19 Wendehorizont, 20 AFN-Navigation, 22 Drehzahlmesser, 23 Sauerstoff-Anzeigen, 24 Druckmesser-Schmierstoff, 25 Gas-Temperaturanzeiger, 26 Kraftstoffvorratsanzeiger, 27 Anzeigeleuchten für das Fahrwerk “aus”, 28 Anzeigeleuchten für die Landeklappen, 29 Netzausschalter, 30 Waffensicherung-Kippschalter, 31 Anzeigeleuchten für das Fahrwerk “ein”, 34/35 elektr. Merkleuchten, 41 elektrischer Druckanzeiger, 49 Schusszähler

Zürich, 02.12.2006

Erwin Wiedmer