Messerschmitt Me 109 K-4 „Kurfürst“

Vorbemerkung:

Die Bf 109 K-4 stellt gewissermaßen die letzte Variante einer langen Typengeschichte der 109 während der Zeit des III. Reiches dar, zumindest, was die auch wirklich in Serie gebauten Muster betrifft.
Die K-4 ist aber auch die einzige Variante der „Kurfürst“, die in Serie ging und wirklich noch eingesetzt wurde.
Zu der Zeit, als der Serienbau der „Kurfürst“ anlief (er fand nach heutigen Erkenntnissen ausschließlich bei Mtt. Regensburg und den angeschlossenen Zweigwerken und Zulieferern statt), nämlich im Oktober 1944, waren bereits alle Maßnahmen resultierend aus der Verknappung von Rohstoffen und der Umstellung auf „Sparstoffe“, soweit irgend möglich, voll zum Tragen gekommen. Dies schlug sich natürlich auch auf das Instrumentenbrett und dessen Bestückung nieder.

Gerätebrett im USAF Museum Dayton/Ohio USA – Bf 109 „K-4“ – 1945

Bild-Quelle „Bokelmann via Cohausz“

Es ist nicht ganz einfach mit Hilfe der noch vorhandenen Unterlagen die Bestückung des Gerätebrettes der Serienmaschinen eineindeutig zu rekonstruieren, da bisher kein Foto eines Cockpits einer Einsatz- 109 K-4 bekannt ist. Alle bekannten Fotos sind entweder von einer Vorserienmaschine (Handbuch) oder einer Versuchsmaschine für die K-2 Version (Attrappe in Wienerneustadt). Bleibt nur noch das unverändert erhalten gebliebene Exemplar, welches ein GI damals als Souvenir mitgenommen hat und das heute in einem Amerikanischen Museum ausgestellt ist. Auf dieses ist nachfolgende Beschreibung auch aufgebaut. Allerdings hat auch dieses Brett Nachteile: Zum einen ist es nicht vollständig bestückt, was die Vermutung nahe legt, dass es sich hierbei um kein aus einer herumstehenden Maschine ausgebautes Brett handelt, sondern vielmehr um eine unfertige Baugruppe, die in einem Zweigwerk der Messerschmitt AG oder einem Zulieferer aufgefunden wurde, zum anderen ist weder der Gerätespant, noch das Zusatzgerätebrett vorhanden.

Allgemeines:

Das Gerätebrett der 109 K-4 bestand im Wesentlichen aus zwei Teilbrettern: Die Haupt – Gerätetafel 209.968-011 H 002, gefertigt aus 16mm Sperrholz, war mittels 4 Sechskant-Schrauben M6 direkt an den Gerätespant 109.116-149 geschraubt. Dieser Tragebogen, ebenfalls bereits aus Sperrholz gefertigt, diente gleichzeitig als Spant für den Windschutzaufbau und zur Befestigung des Reflex-Visiers und einiger Geräte. Zusätzlich erfüllte er eine Überrollbügel-Funktion. Das sog. Standard-Blindflugbrett Fl.22000 , gefertigt aus 8mm Sperrholz, wurde über 4 Senkschrauben M5 und 4 Schwingmetall-Lager auf das Hauptgerätebrett geschraubt. Die 109 K-4 war die erste 109 Version, bei der das vom RLM standardisierte Blindfluggerätebrett für Tagjäger zum Einsatz kam. Beide Bretter waren zur Gewichtsreduzierung und Erreichung der optimalen Stabilität hinten ausgefräst. Die Bretter und der Gerätespant waren in RLM 66 lackiert. Die Stromkreiskennzeichen waren in der Regel mit weißer Farbe aufgestempelt, manche Hinweise aber von Hand ergänzt. Auch die Verwendung von Abziehbildern hielt bereits Einzug, z.B. für die Hinweisschilder „Mg 151 links“ und „Mg 151 rechts“ bei den Merkleuchten im Tragebogen.

Rückseite Gerätebrett im USAF Museum Dayton/Ohio USA – Bf 109 „K-4“ – 1945

Bild-Quelle „Bokelmann via Cohausz“

Instrumentierung:

Generelle Bemerkung: Die 109 K-4 ging erst kurz vor Kriegsende (Oktober 1944) in Serie. Diese Zeit war vor allem geprägt durch Rohstoffverknappung und Sparmaßnahmen wo es nur ging. Die eingebauten Geräte konnten deshalb auch von Maschine zu Maschine variieren, da eine kontinuierliche Versorgung mit passenden Geräten eben nicht mehr richtig funktionierte. Die Einbaugeräte sind fast ausnahmslos solche späten oder sehr späten Baumusters. In der Regel zeichnen sich solche Geräte u. A. durch folgende Gemeinsamkeiten aus: Firmenlogos sind nicht mehr angebracht und ggF. durch 3-Buchstaben-Codes ersetzt, Typenschild als Abziehbild, Angaben darauf auf das wesentlichste beschränkt (Ausnahmen bestätigen die Regel), Gehäuse oft aus nicht mehr eingefärbtem Bakelit, deshalb oft braun mit Flecken, bzw. aus Stahlblech o.Ä. Zusätzlich waren die Instrumente häufig nur noch mit 2 Schrauben befestigt.

Auszug aus dem Flugzeughandbuch „Sammlung Cohausz“

Hinweis:

Es bleiben noch die erhalten gebliebenen Originaldokumente als Nachweis, dies wären: „Ersatzteil-Liste Me109 K“, Ausgabe Juli 1944, „Bf 109 K-4 Flugzeug-Handbuch“, Ausgabe November 1944 und „Bf 109 K-4 Bedienungsvorschrift Fl“, Ausgabe Januar 1945. Diesen Original-Dokumenten kann man in Bezug auf tatsächliche Ausrüstungsstände immer nur bedingt trauen. Wie die Ausgabedaten bereits verraten, wurden dise Unterlagen bereits vor dem Serienanlauf im Oktober 1944 erstellt. Vieles hat sich erst nach Serienanlauf ergeben, was in diese Dokumente nicht mehr eingearbeitet wurde. Allerdings erhalten bereits diese Dokumente Hinweise auf Teile, die später entfallen werden, was bei der Serie auch umgesetzt wurde.
Seit kurzem ist ein Filmausschnitt aufgetaucht, der das Instrumentenbrett einer hinter deutschen Linien im April 1945 notgelandeten K-4 „weiße 8“ zeigt. Die Bilder sind allerdings von schlechter Qualität; sie dienen mir aber zur Bestimmung und Untermauerung der Gerätetypen, die im erwähnten Brett nicht eingebaut sind.

Nachfolgende Beschreibung basiert auf dem obigen Titel-Foto, einem Bf109 K-4 Serienbrett, welches noch original erhalten geblieben ist und den Ausschnittfotos aus dem besagten Film. Auf Änderungen in der Ausstattung bezüglich Prototypen, Nullserienmaschinen und anderer, projektierter Varianten, wird durch entsprechende Hinweise bei den Instrumentenbeschreibungen eingegangen.

Regensburg, 14.02.08

Harald Melchner

Fl-Nummern Geräte-Liste

Pos. Stück Bezeichnung Verwendung
Bemerkung
Anf. Z Ger. Nr.
Baugr. Nr.
Alternativteil Stromkreis-
kennz.
1 1 Fahrtmesser Fl. 22234 Fl. 22245
2 1 Wendehorizont Fl. 22415 Fl. 22410
Fl.22411
1L104
3 1 Variometer Fl. 22386 Fl. 22383
Fl. 22384
4 1 Höhenmesser Fl. 22322 Fl. 22320
Fl. 22326
5 1 Führertochterkompaß 127-659 A Fl. 23334 1L101
6 1 Anzeigegerät AFN2 Ln. 27002 F155
6a 1 Glimm-Lampe, Ba15d in AFN Fl 26682
6b 1 Stecker für AFN2 in AFN Ln 27003 F154
7 (1) Drehschauzeichen nicht immer vorhanden Fl. 32530-7 ?
8 1 Druckanzeiger doppel 2/10 Fl. 20512-2
9 1 Drehzahlmesser Fl. 20227
10 1 Ladedruckmesser Fl. 20555 Fl 20555-2
Fl. 20555-1
11 1 Temp. Anzeiger 130°C oder 150°C Fl. 20358 1M103 (Wasser)
12 1 Temp. Anzeiger 130°C oder 150°C Fl. 20358 1M104 (Öl)
13 1 Stellungsanz. Luftschr. Fl. 18503-2
14 1 Fahrw. Notzughebel mit Schild 109.272-001
14a 1 Führungsstück in Gerätebrett 209.968-011.006
15 1 Vorratsanzeige Kraftst. Me 109 (400l) Fl. 20723 1M102
16 1 Merkleuchte rot Restst. Warnlampe Fl. 32529-1 1M101
17 1 Druckanzeiger MW50 Fl. 20504-3
18 1 Netzausschalter FLE 583601 Fl. 32315-2
Fl. 32315-1
1A104
19 1 Hebel für Scheibenspülung 109.175-002
20 1 Starter incl. Sich. -klappe SGK 5/1 Z Fl. 21211 1B100
21 1 Zündschalter Fl. 21118 1B102
22 1 Kippschalter Einb. MW50 Fl. 32350 Fl.32346-3 1T100
23 1 Merkleuchte rot für Fahrwerksanzeige Fl. 32529-1 Fl. 32526 1E191
24 2 Merkleuchte grün für Fahrwerksanzeige Fl. 32529-2 Fl. 32526 1E190, 1E192 (r, l)
25 2 Fahrwerksschalterknopf incl. Abdeckklappe 209.950-002
25a 1 Klappe für Fahrw. -Druckknöpfe 209.968-011
26 (1) Zünderschaltkasten nur bei Jabo vorhanden Fl. 50869 1R101
27 1(+3) Merkleuchte weiß nur bei Jabo vorhanden Fl. 32529-1 1R102, (103, 104, 105)
28 1 Borduhr in Gerätetafelträger oder GB Fl. 23885
29 2 Merkleuchte weiß incl. Befestigungsblech Fl. 32529-1 1P151, 1P152
30 1 Schalt- u. Kontrollkasten in Gerätetafelträger Fl. 47318 Fl. 47317 1P102
30b 2 Schußzähler in Gerätetafelträger Fl. 47312
31 1 Schwenkkonsole für REVI 209.988-004
31a 1 Befestigungsplatte für REVI Fl. 52962
31b 1 Kontaktstück für REVI Fl. 52963 1P112 ?
32 1 Revi 16 B Fl. 52955 1P112

Galerie

Filmausschnitt, der das Instrumentenbrett einer hinter deutschen Linien im April 1945 notgelandeten K-4 „weiße 8“ zeigt

Die Bilder sind allerdings von schlechter Qualität