Jährliche Archive: 2021


Kraftstoff-Vorratsanzeigen der Bf 109 A bis H

von Harald Helmut Vogt

 

Die Kraftstoff- Vorratsanzeigen der Bf 109 veränderte sich von Typ zu Typ mit den eingebauten Motoren und dem hieraus erhöhten Kraftstoffverbrauch. So wurden von der Bf 109 V1 bis hin zur Bf 109 B die Kraftstoffvorratsmessungen noch pneumatisch durchgeführt. Ab ca. Ende 1937 bis zum April 1938 wurde der Durchbruch mit der elektrischen Kraftstoffvorratsmessung auch in der Bf 109 erreicht. Somit wurden die letzten ca. 30 bis 40  Bf 109 B aus der Fertigung der Fieseler Flugzeug-Werke noch mit dieser ausgerüstet (im W.Nr. Block 3000).

Gerätebrett der Bf 109 A-1, dieses Flugzeug fiel im spanischen Bürgerkrieg dem Feind in die Hände und wurde über Frankreich in die Sowjetunion verbracht und untersucht. Das Flugzeug war die 20. je gebaute Bf 109 und hatte die Werk Nr. 1000 und trug die Kennung 6 x 15.

 

Fotoauszug der Bf 109 A-1,

  1. Luftpumpe LP 3         
  2. Kraftstoffvorratsanzeige

 

1. Pneumatische Kraftstoffvorrats-Messanlage

Die pneumatische Kraftstoffvorratmessung erfolgte über eine kleine Luftpumpe am Gerätebrett und saß bei der Bf 109 A und frühen Bf 109 B in der unteren Instrumententafel ziemlich in der Mitte oben. Bei den späteren Bf 109 B, befand sie sich in der oberen Gerätetafel ganz rechts unten.

 

Funktion der Anlage:

Im Kraftstoffbehälter befand sich ein Tauchrohr, das bis auf dem Boden hin reichte. In diesem Tauchrohr stand – nach dem physikalischen Gesetz der kommunizierenden Röhren – der Kraftstoff genau so hoch, wie im Kraftstoffbehälter. Verdrängte man nun die Flüssigkeit (also den Kraftstoff) aus dem Tauchrohr, indem man mit der Luftpumpe LP3 (Fl.20742-1) von oben Luft hinein pumpte, so war der dazu erforderliche Druck proportional der Flüssigkeitssäule des Kraftstoffes und es entsprach damit genau dem im Behälter vorhandenen Kraftstoffvorrat. Das Membran- Steuerdruckventil verhinderte, dass Kraftstoff in die Messleitung, Handpumpe und das Anzeigegerät gelangte. Es verhinderte dies in allen Fluglagen!

In den Einsatzverbänden wurde noch 1939 das Flugzeug von 1 : 20  bis 1 : 30 Stunde geflogen.

Die später nur noch in den Schulen genutzten Bf 109 B hatten mit 235 Liter Kraftstoff  nur noch eine Flugdauer von 55 Minuten. Man berechnete 100 Liter als Kraftstoffreserve ein um so nicht – wie bei den Einsatzverbänden – durch falsche Anzeigen Not- oder Außenlandungen im Schulbetrieb zu haben.

Anmerkung des Verfassers: es gab zur dieser Zeit noch nicht die Reststandwarnlampe, die den Flugzeugführern durch aufleuchten einer Roten Warnlampe zeigte ….“verbleibende Flugzeit ca. 20 Minuten“.

 

Bild Oben :

Links… Luftpumpe LP 3

Rechts… Membran- Steuerdruckventil MTV mit Tauchrohrnippel

 

Schematische Darstellung der  pneumatischen Kraftstoffvorrats-Messanlage

Das Foto zeigt eine Bf 109 B-1 der frühen Fertigung (Mtt Augsburg), erkennbar an der Position der Luftpumpe LP 3. Die neue Position ist aber hier – wie auch bei der Bf 109 A im Bild zuvor – schon vorhanden (unter dem Drehzahlmesser).

Anmerkung des Verfassers: Ich kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass es nur die Bf 109 B-1 gab. Alle Bf 109 ob A oder B waren schon mit Verstellluftschraube geplant. Lediglich ein Lieferproblem bei VDM brachte eine Notfalllösung mit Holzluftschraube. Diese wurde aber bereits im spanischen Bürgerkrieg umgebaut. Bei der Bf 109 A sehen Sie auf dem Foto die Stellungsanzeige unter einer weißen Abdeckung!

Die Bf 109 B-1 Luftpumpe ist hier in der oberen Position. Vermutlich aus der Fertigung Erla oder Fieseler.

Das Anzeige-Gerät der Bf 109 A und B zeigte einen Kraftstoffvorrat von 240 Liter an!

2. Schwimmervorratsmessung mit elektrischer Fernübertragung

Bei dieser modernen Messung wird die Bewegung eines Schwimmers in einem Rohr, dass eine spiralförmige Führung als Widerstand hat, über die Spannung ständig abgegriffen. Das verändern der Höhe oder auch Tiefe veränderte auch den Widerstand. Diese Veränderung wurde mit der Übertragung zum Anzeigegerät dann zur Anzeige gebracht. Um bei Kunstflug und anderen Flugmanövern die Anzeigenadel nicht ständig zum bewegen zu bringen wurde die Kraftstoffvorratsanzeige innen als Kreuzspuleninstrument verarbeitet, was ein ständiges wechseln der Spannung verhinderte.

Auch wurde hier der Kraftstoff-Reststand abgelesen und zur Leuchte elektrisch übertragen.

Die Messerschmitt Bf 109 C und D hatten einen Tankinhalt von 337 Litern. Die Kraftstoffanzeige dürfte entweder 337 oder 340 Liter zur Anzeige gebracht haben. Auf den vorhandenen Fotos ist nur schwer der genaue Füllstand abzulesen. Ein Original Anzeigegerät liegt dem Verfasser nicht vor. Der Kraftstoffvorrat reichte für 1 Stunde und 20 Minuten Flugzeit!

 

Schematische Darstellung der Schwimmervorratsmessung mit elektrischer Fernübertragung

In der Schematischen Darstellung ist oben Rechts die Reststandwarnung mit enthalten. Diese wurde aber erst bei der Bf 109 C und D mit eingebaut.

Das Foto oben zeigt eine Bf 109 D, die wie auch der Typ C mit elektrischer Vorratsmessung ausgerüstet wurde. Auch die Reststandwarnlampe ist hier auf dem Foto gut zu erkennen. Die Kraftstoffmenge hier wurde mit 340 Liter angezeigt. Beachten sie dazu die Anzeige rechts neben den Nullschuß- Knopf!

Foto: Sammlung Cohausz

Das nächste Foto zeigt die Bf 109 V13 die wie die V14 die Kraftstoff- Vorratsanzeige der  Bf 109 E eingebaut hatte. Die beiden Versuchsträger waren aber eigene Konstruktionen und sind nur zum Teil zur Bf 109 E zuzuordnen. Links neben dem Kühlschacht ist die Anzeige zu sehen.

Foto: Airbus Corporate Heritage

 

Ab der Bf 109 „Emil“ wurde ein Tankinhalt von 400 Liter benötigt. Auch dies aus dem Grund, dass der Motor einen wesentlichen höheren Kraftstoffverbrauch hatte. Im Fokus lag bei der ersten Konstruktion ( Bf 109 V1) bereits das man 1: 30 Stunde fliegen wollte. Auf der Bf 109 E aufbauend wurde auch bei der Bf 109 F die Anzeige und das Volumen das angezeigt wird nicht verändert. Dennoch sind von zwei verschiedenen Herstellern Abweichungen  im Tankvolumen zu sehen. Die Tankinhaltsanzeige von 410 und 400 Liter, warum dies genau war lässt sich nicht klären.

Die Bf 109 F hatte den Tankanschluss seitlich auch in der Gummimasse eingearbeitet, was eigentlich weniger Kraftstoffinhalt zur Folge gehabt haben müsste. Aber die Form des Kraftstofftank war an sich noch anders als bei der späteren Bf 109 G. Die Sessel oder auch Sitztank genannte Form wurde wie bereits geschrieben bei der Bf 109 G zum letzten Mal ausgeformt. Diese verblieb so in der Bf 109 K und auch noch in der H.

Foto vom Gerätebrett der ersten Bf 109 G in der Baureihen Reihe… der Bf 109 G-1

Eine Ausnahme machte die Bf 109 G-12, dieses Umbauflugzeug aus sich in Instandsetzung stehenden Flugzeugen vom Typ G, wurde durch den Umbau eines zweiten Sitzes des Lehrers im hinteren Rumpfbereich auf 240 Liter verkleinert. Dies führte zu einer Flugzeit von unter 30 Minuten. Durch einen meist anders geformten Zusatztank erhöhte man diese wieder auf etwa 60 Minuten. Bei der Bf 109 H konnten in der Verlängerung der Flügel zwei ungeschützte – also Metalltanks – eingebaut werden. Somit erhöhte sich hier das Volumen auf bis zu 600 Liter.

Sicher ist, dass die Tankanzeige der „H“ Stufe I. noch mit der alten Kraftstoffvorratsanzeige ausgerüstet wurde. Bei der Bf 109 G-12 vermutlich war diese auf 240 Liter begrenzt, also farblich markiert oder es wurde eine andere neue Anzeige eingebaut. Funde die das Bestätigen könnten sind nicht bekannt. Nur bei einem Fund war in einer Hilfskonsole rechts noch eine weitere Reststandswarnlampe montiert. Somit dürften Höchst und Reststand wohl angezeigt worden sein.

Als letztes stelle ich hier die Kraftstoffvorratsanzeige der Me 109 H in der Stufe III. vor. Das Flugzeug ist mehr als Neukonstruktion zu sehen als eine Bf 109. Doch ich möchte dieses beeindruckende Flugzeug der Firma zuordnen zu der der Entwurf gehörte. Bevor durch das Reichsluftfahrtministerium die weitere Entwicklung an die Firma Blom & Voss befohlen abgegeben wurde. Die Me 155/ BV 155, diese hatte mehrere zusätzliche Tanks mit einen Gesamtvolumen von 600 Litern.

Gerätebrett der BV 155 B aus den Unterlagen von Deutscheluftwaffe.de

 

Übersicht der Kraftstoffvorratsanzeigen

Typ Anzeige Art der Messung Tankinhalt
Bf 109 A/B 0 bis 240 Liter Messung pneumatisch 235 Liter
Bf 109 B 0 bis 240 Liter Messung elektrisch 235 Liter
Bf 109 C/D 0 bis 340 Liter Messung elektrisch 337 Liter
Bf 109 E/T 0 bis 400 Liter Messung elektrisch 400 Liter
Bf 109 F 0 bis 400 Liter Messung elektrisch 400 Liter
Bf 109 F 0 bis 410 Liter Messung elektrisch 400 Liter
Bf 109 G/K/H* 0 bis 400 Liter Messung elektrisch 400 Liter
Bf 109 G-12 0 bis 400 Liter Messung elektrisch 240 Liter
*Me 109 H (Stufe I) 0 bis 400 Liter Messung elektrisch 400 Liter
0 bis 400 Liter Messung elektrisch Der Einbau 2 x 100 Liter im Flüge L/R möglich
Bf 109 H Stufe III/Bv 155 B 0 bis 700 Liter Messung elektrisch 595 Liter

 

  1. Kraftstoffvorratsanzeige Bf 109 A und B
  1. Kraftstoffvorratsanzeige Bf 109 B späte Fertigung bei der Fa Fieseler/Kassel
  1. Kraftstoffvorratsanzeige Bf 109 C/D (Computer Bild da nur Fotos vom Gerätebrett Vorhanden)
  1. Kraftstoffvorratsanzeige Bf 109 E so auch schon in der V13 und V14 verbaut.
  1. Kraftstoffvorratsanzeige Frühe Bf 109 F oder Herstellervariante…
  1. Kraftstoffvorratsanzeige Bf 109 F
  1. Kraftstoffvorratsanzeige Bf 109G / K und nach bisheriger Kenntnis auch G-12 *1. Auch der Kraftstoffvorratsanzeige Bf 109 H…. Projekt Stufe I. Da in der Bf 109 H zwei Tankausrüstungen möglich waren, wurde wohl die  Anzeige der G/K verwendet. bei Einbau zweier nicht  geschützter Tanks in der Fläche mussten diese über zwei Merkleuchten „Rot“ gelaufen sein.
  1. Kraftstoffvorratsanzeige Me 109 H Stufe III., Projekt 1091. Bei Messerschmitt wurde der Bau auf Grundlagenkenntnis zur Bf 109 H begonnen. Nach RLM wurde dieses Projekt dann unter der Bezeichnung BV 155 an Blom und Voss Hamburg übergeben und mit zwei Versuchsmuster und einer B Variante gebaut. Das Projekt der Stufe II. wurde zum Gunsten der Stufe III. fallengelassen. (Computer Bild da nur Fotos vom Gerätebrett vorhanden)

*1 Es ist davon auszugehen, dass man den  G /K Kraftstoffvorratsmesser nur mit einer Markierung auf 240 Liter versah. Zusätzlich nach Bodenfunden wurde eine zweite Kraftstoffreststand-Anzeige eingebaut. In der Funktion zusammen „Höchst und Reststand“ anzuzeigen.

 

Viele weitere Details zu allen Varianten der Bf 109 lassen sich in den zwei Büchern des Autors nachlesen:

Messerschmitt Bf 109 Einsatzmaschinen – Das NachschlagewerkMesserschmitt Bf 109 Versuchs- und Erprobungsträger und der Weg zur Serienproduktion

 

 

 

 




  • Bezeichnung: Kippschalter
  • Anforderungszeichen: Fl.XXX
  • Gerät-Nr.: 19-9301 A-1
  • Hersteller: LGW-Hakenfelde, Berlin (Siemens)
  • Baujahr: ca. 1944
  • Eingebaut in: zahlreichen Schaltkästen, SZKK 4, 6, u.v.a.

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  • Bezeichnung: Doppeldruckmesser
  • Anforderungszeichen: Fl.20512-1
  • Gerät-Nr.: 127-1011 B-1
  • Messbereich: 0 -1 / 0 – 10 kg/cm²
  • Hersteller: Maximall-Apparate-Fabrik, Paul Willmann, Berlin
  • Baujahr: ca. 1944
  • Eingebaut in: z.B. Fieseler Fi 156, Focke-Wulf FW 44, Messerschmitt Bf 108

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Folgende Instrumente sind eingebaut :

  • elektr. Wendezeiger Fl.22412 (normalerweise war der pneumatische Wendezeiger Fl.22402 eingebaut)
  • Fahrtmesser Fl.22228 / 50 – 350 km/h
  • Feinhöhenmesser Fl.22316-1 / 0 – 1.000 m
  • Magnetkompass FK 38 Fl.23233
  • Grobhöhenmesser Fl.22316-6 / 0 – 6.000 m
  • Variometer Fl.22382 / +15 / -15 m/s
  • Zuggriff zum Entfalten des Bremsschirms (unter 170 km/h)
  • Zuggriff zum Entreffen des Bremsschirm (unter 180 km/h)
  • Zuggriff zur Fahrwerksausklinkung
  • Schauzeichen für die Staurohrheizung Fl.32525-3
  • 5 x Selbstschalter für die Bordnetzanlage Fl.32404-1
  • Verdunkler für die Beleuchtung der Gerätetafel Fl.32402-1
  • Blinddeckel über Einbauloch für Borduhr (Fl.23886-1)

Zum Vergleich eine originale Gerätetafel im Fundzustand, aus der Herstellung der Bücker-Flugzeugbau GmbH, Rangsdorf

 



  • Bezeichnung: Borduhr (8-Tagewerk)
  • Anforderungszeichen: Fl.23886-1
  • Gerät.-Nr.: 127D550 A-1
  • Baumuster: BoUK 2
  • Bauart: 5.Version
  • Hersteller: Kienzle Uhrenfabriken A.G., Schwenningen
  • Baujahr: ca. 1944
  • Besonderheiten: Gehäuse aus Zinkdruckguss

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  • Bezeichnung: Steckverbindung, Anbaugehäuse, 14 Pole
  • Anforderungszeichen: Fl.32111-3
  • Gerät-Nr.: 126-855 A-1
  • Pole: 14
  • Hersteller: Elektro-Mechanik, Heinrich List, Teltow
  • Baujahr: ca. 1944
  • Verwendung: Steckverbindung für Bordnetz
  • Besonderheit: baugleich zum Anbaugehäuse Fl.32111-6
  • Bemerkung: mit Steckdoseneinsatz, Fl.32111-11 (14 Pole), oder Steckereinsatz, Fl.32111-12 (14 Pole)

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  • Bezeichnung: Endmomentumschalter
  • Anforderungszeichen: FlE.582602
  • Gerät-Nr.: 19-5826 B-3
  • Leistungswerte: 15A / 40V , 4A /72V
  • Hersteller: Stotz Apparatebau, Eberbach
  • Baujahr: ca. 1944

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  • Bezeichnung: Tele-Objektiv für Treffer-Kamera Robot II
  • Anforderungszeichen: Fl.XXX
  • Baumuster: Tele-Xenar
  • optische Eigenschaften: f:3,8 / F= 7,5cm
  • Hersteller: Schneider-Kreuznach
  • Baujahr: 1945
  • Werknummer: 1816860
  • Material: Duraluminium, eloxiert und schwarz lackiert
  • Besonderheit: eingeschränkte Einstellmöglichkeiten (entfeinerte Version)
  • Eingebaut an: Treffer- Kamera Robot II

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  • Bezeichnung: Flugzeug-Rumpfkompass
  • Messbereich: 0 – 360°
  • Hersteller: Pfadfinder für Aviatik GmbH, Bremen/ C.Plath, Hamburg
  • Baujahr: 1912
  • Werknummmer: 304 / D.R.G.M. 547940
  • Bemerkung:
    • Flugrichtungsmarkierung auf Deckglas geätzt (schwarzer Strich)
    • zusätzliches, darüberliegende, drehbare Glasscheibe mit geätztem Steuerstrich (roter Strich)
    • kleine Bauform
  • Besonderheiten:
    • Siegerpreis beim Luftrennen „Rund um Berlin“ 1912
    • polierter Kompasskessel, vernickelt (normalerweise schwarz lackiert)
    • kardanische Halterung (vernickelt) im Aufbau auf einer Mamorplatte als Ausstellungsstück
  • Gravierung der Bodenplatte: Dem Sieger im „Rund um Berlin“, Herrn Ingenieur Toni Baierlein, zur freundlichen Erinnerung gewidmet von der Pfadfinder für Aviatik G.m.b.H., Bremen
  • vergleichbarer, baugleicher Kompass für den Flugbetrieb von 1914

 

Der Flugwettbewerb „Rund um Berlin“ von 1912

Die eigenartigste Flugveranstaltung des Jahres 1912 war der Wettflug »Rund um Berlin«. Man hatte einen alten Plan des Berliner Vereins für Luftschiffahrt, des Kaiserlichen Automobil- und des Kaiserlichen Aero-Clubs, alljährlich einen großen deutschen Rundflug zu veranstalten, fallen lassen und statt dessen diesen Wettflug ausgeschrieben.

Denn es hatte sich gezeigt, dass das Publikum den großen Überlandflügen kein allzu großes Interesse mehr entgegenbrachte, da es stets nur den Abflug mit ansehen konnte und dann tagelang warten musste, bis die Flieger zurückkehrten, was wiederum zumeist nicht am gleichen Tag der Fall war. Dieser Wettflug gab dem Publikum zum ersten Mal Gelegenheit, einen spannenden Endkampf in den Lüften zu erleben.

Die Flieger hatten bei jeder Runde eine Strecke von 101 Kilometern zurückzulegen. Der Kurs führte vom Flugplatz Berlin-Johannistal über Lindenberg im Nordosten Berlins, von dort aus südwärts nach Spandau, nach Potsdam und dann in östlicher Richtung über das Flugfeld Teltow wieder nach Berlin-Johannistal zurück. Der Rundkurs musste am 31. August einmal und am 1. September zweimal zurückgelegt werden.

Schon am ersten Tag strömten die Berliner gleich nach dem Mittagessen zu Zehntausenden nach Berlin-Johannistal hinaus. Die Stehplätze wie die Tribünenplätze am Flugplatz waren bald voll besetzt. Dabei ist das Wetter nicht einmal sehr einladend: Es ist regnerisch und der Wind ist böig. Dennoch machten sich die Piloten startfertig und flogen zunächst einige Proberunden. Von 16 gemeldeten Fliegern starten elf. Es sind Krüger, Baierlein, Caspar, Hirth, R. Schmidt, A. Hartmann, Faller, Stiploscheck, Krieger, Boutard und Mohns.

Bei böigem Wind und leichtem Regen startete als ester Boutard auf einer Melli-Beese-Taube. Ihm folgten Caspar auf einem Rumpler-Eindecker und Krieger auf einem Harlan-Eindecker und dann in kurzen Abständen die anderen.Boutard landetmit gebrochenem Propeller und Steuerhebel kurz vor Lindberg. Hirth, der beim Abflug vom Publikum jubelnd begrüßt worden war, muss wegen eines Motorschadens bei Machnow in den Rieselfeldern notlanden, nachdem er Lindenberg passiert hatte.

Nur drei der elf gestarten Flieger bewältigen den Rundkurs am Sonnabend: Leutnant a. D. Ernst Krüger, gebürtiger Berliner, auf Harlan-Eindecker in 1 Stunde und 21 Minuten, Anton Baierlein aus München, der erst am 7. Mai 1912 den Flugzeugführerschein gemacht hatte, auf Ago-Doppeldecker sowie Carl Caspar auf Rumpler-Taube.

Am 1. September erlebt das Publikum das aufregende Ereignis eines zweimaligen Starts und einer zweimaligen Landung. Selten ist der Flugplatz Berlin- Johannistal so gut besucht gewesen. »Eitel Sonne, Tausende von Zuschauern und ein Sport von überragender Güte«, so schilderte eine Tageszeitung diesen zweiten Tag des Wettfluges »Rund um Berlin«. Gestartet wird am Nachmittag um 15.30 Uhr. Acht Piloten sind noch im Wettbewerb, auch Hirth, der in den frühen Morgenstunden die am Sonnabend unterbrochene Runde vollendet hat. Hirth startet als dritter nach Krüger und Baierlein, und er ist seinen Mitbewerbern an Schnelligkeit deutlich überlegen. Mit der Rumpler-Renntaube durchfegt er den Rundkurs in 52 Minuten, benötigt beim zweiten Mal sogar nur 51 Minuten. Er ist wieder der Held des Tages, doch reicht es im Gesamtergebnis für ihn nur zum 4. Platz.

Den Wettbewerb »Rund um Berlin« gewann Ernst Krüger (Harlan-Eindecker, Flugpreis: 26 836 Mark) vor Anton Baierlein (Otto-Zweidecker, Flugpreis 18 810 Mark) und Karl Caspar (Rumpler-Taube, Flugpreis: 8 613 Mark).

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