- Bezeichnung: Dämpfungskreisel DK 21
- Anforderungszeichen: Fl.XXX
- Gerät-Nr.: 127-7634 A
- Baumuster: DK 21
- Hersteller: jlq = V.Hodek, Flugzeuggeräte, Prag
- Baujahr: ca. 1944
- Eingebaut in: LGW Kurssteuerung
Entwicklung des ZFR 3A
(Anfertigung nur für die Henschel Hs 129)
Das ZFR 3A ist ein optisches Doppelvisiergerät für starre Flugzeugbordwaffen, bei welchem ein Fernrohrvisier und ein Reflexvisier kombiniert mit parallelen Visierachsen zueinander liegen. Der Einblick des Fernrohres ist nach oben geneigt, so daß die okularseitige Fernrohrachse die Visierlinie des Revi in der Austrittspupille des Fernrohres schneidet. Visiert wird über die Fernrohrvisierung um das eigentliche Ziel auszumachen. Wodurch dann mit geringe Augendrehung nach oben zum leuchtenden Abkommen des Revi`s übergegangen werden kann, wobei bei Einhaltung des vorgesehenen Augenabstandes von 255 mm (okularseitiger Schnittpunkt beider Visierachsen) zur Schussabgabe gezielt wird.
Ausgangslage….
Um die Wirkung resp. die Kampfkraft der Flugzeuge (als Waffenträger) gegen Bomberpulcks und Bodentruppen (Panzer) zu verbessern, wurde über grosskalibrige Waffen nachgedacht und diese ab 1942 in verschiedenen Kalibern auch eingesetzt. Es wurde Seitens der E-Kommandos darauf hingewiesen, das ein ZFR unerlässlich zur frühzeitigen Erkennung des Flugwinkels gegnerischer Flugzeugpulks. Diese Zeitersparnis, konnte der Schütze nutzen um den Vorhaltewinkel zu bestimmen, bevor er vom gegnerischen Begleitschutz bedrängt wird.
Schon 1942 hat sich die Firma Henschel Gedanken darüber gemacht wie Sie bei Ihrem Kampfflugzeug Henschel He 129 mit 3 & 3,7 cm Kanonen den Seitendrift resp. die Richtgenauigkeit für den Schützen verbessern konnten. Erste Vorschläge kamen seitens Nicolaus Borchert dem Konstrukteur und Flugzeugführer der Firma Henschel für einige einfache Ab-Hilfsmassnahmen. „Durch Schränkung der Ruderhinterkante, Anbringen von Leisten zur Verbesserung der Strömmungsverhältnisse um eine bessere Richtgenauigkeit des Baumusters zu erhalten.“
Gerade bei sich bewegenden Zielen hatte man grosse Schwierigkeiten zur Berechnung des Vorhaltes bei der Schussabgabe. Die Ergebnisse an den Schiessschulen und E-Stellen brachten die Probleme zu Tage. Es wurden nach Lösungen gesucht um die Trefferquoten mit Seitenwind und beim driften des Flugzeuges zu verbessern. Eine Theorie bestand darin “ …ob Zielanflüge bei Seitenwind mit richtiger Schräglage des Flugzeuges die theoretisch zu erwarteten besseren Trefferergebnisse zeigen würden?“… Schlussendlich, führte kein Weg daran vorbei ein optisches Gerät zu finden, das den Bedürfnissen der Kombination „Grosskalibrige Waffen und Flugzeug“ gerecht werden konnte.
Das ZFR 3 ist ein sogenannte „komponiertes optisches System“ aus einem Reflexvisier und einem Zielfernrohr. Das Zielfernrohr wurde hauptsächlich zur Früherkennung des eigentlichen angestrebten Zieles benutzt. Die Schussabgabe erfolgte dann beim Zielanflug über die Reflexvisierscheibe mit leuchtendem Abkommen.
Visiert wird über die Fernrohrvisierung um das eigentliche Ziel auszumachen. Wodurch dann mit geringe Augendrehung nach oben zum leuchtenden Abkommen des Revi`s übergegangen werden kann, wobei bei Einhaltung des vorgesehenen Augenabstandes von 255 mm (okularseitiger Schnittpunkt beider Visierachsen) zur Schussabgabe gezielt wird.
Suche nach Lösungen: schon früh wurde nach einer „optischen Doppelvisier Lösung“ bei der Luftwaffe gesucht… hier eine Hs 129 B-2’s MK beim Auf munitionieren einer 30 mm MK 101
Die Entwicklungen fanden bei der Firma Leitz für beide Baumuster gleichzeitig statt, für das ZFR 3A (Henschel Hs 129) sowie für das ZFR 4A.
Nach einem Bericht aus einer der Dienstreisen vom 7. Mai 1943 des Luftwaffen Stabsingenieurs Bötz zu den Leitz Werken nach Wetzlar, kann folgendes festgehalten werden…
Am 7. Mai 1943 wurden Zeichnungen und ein erstes Laborgerät ZFR 4A bei der Firma Leitz in Wetzlar vorgestellt. Dabei sind auch viele Verbesserungsvorschläge durch die Firma Leitz für ein erstes „Mustergerät“ vorgeschlagen worden. Ein Mustergerät sollte dann in ca. 8 – 10 Wochen für eine erste Erprobung zu Verfügung stehen. Das Laborgerät selbst sollte nicht zur Erprobung abgegeben werde, da die weiteren Baumuster wesentlich besser ausfallen erden.
–“ Auf Veranlassung der E-Stelle über GL/C-E6 entwickelte die Firma Steinheil Zeitgleich eine „Fernrohrbrille“ mit 4-5-facher Vergrösserung. GL/C-E6 war angehalten diese Entwicklung zu beschleunigen, da diese als parallel Entwicklung zum ZFR angesehen wurde“—
11. Mai 1943 wurden die ersten 20 Mustergeräte der Firma Leitz durch das technische Amt der Luftwaffe genehmigt. Die Notwendige Erprobung sollte dann bei der E-Stelle Tarnwitz stattfinden. Die Firma Leitz, wurde ebenso angewiesen mit der E-Stelle (Erprobungsstelle) enger zusammen zu abreiten.
27. Juli 1943 Nach einer Besprechung im Beisein von General der Jagdflieger Major Kristel, und Vertretern der Firma Leitz (Herr Schäfer) Ende Juli, wurde das erste Baumusters des ZFR 3A dabei vorgestellt! Die Vergrösserung des Gerätes war etwa 2 fach statt 2,5 fach.
Dabei wurde an dieser Sitzung folgendes vereinbart:
…“Das Gerät wird schnellstens der E`Stelle zum Einbau in eine Me 110 des Erprobungskommandos 25, Wittmundhafen, zur Verfügung gestellt. Es wird von der Firma Leitz vor Absenden an die E`Stelle nochmals auf Druckdichtigkeit geprüft. Die Einbauzeichnungen in die Me 110 werden vond er Firma Messerschmitt angefordert. Die Beschaffung der durchbohrten Panzerscheiben besorgt ebenfalls die Firma Messerschmitt. Nach der Beendigung der Einbauvorbereitung wird die E`Stelle sich mit Hptm. Geyer zur Durchführung des Einbaus in Tarnewitz in Verbindung setzen. Der Einbau soll möglichst bis 9.8.1943 fertiggestellt sein. Die E`Stelle wird mit dem Erprobungskommado 25 engste Verbindung behalten, um schnell zu Erfahrungsberichten mit ZFR zu kommen. Das 2. Baumuster des ZFR 3A steht der Firma Messerschmitt für Einbau in die Me 109 G zur Verfügung….“
Vom General der Jagdflieger wurde der grosse Raumbedarf des Gerätes in der Kabine beanstandet und die bereits vorgesehene Abnehmbarkeit nochmals dringend gefordert.
Ausserdem wurde angeregt, durch Anbringung eines leuchtenden Abkommens im Fernrohr gleiche
Gesichtsfelder zu erhalten. Firme Leitz liefert weitere 5 Geräte Ende August 1943!
Zur Zeit hatte die Firma einen Auftrag über 70 ZFR 3A. Davon sind 20 Stück auf Veranlassung des Erprobungskommandos 25 in Auftrag gegeben worden !
Die E`Stelle wies darauf hin, dass mit dem ZFR 3A einige grundsätzliche Fragen (Vergrösserung, Gesichtsfeld, Einbau) zu klären sind, bevor weitere Aufträge erteilt werden.
30. Juli 1943 Berlin – nach einer Besprechung verlautet Stabsingenieur Monden, dass nur noch die Zielfernrohre ZFR 3A und ZFR 4A zu entwickeln seien. Die Entwicklungs- und Erprobungsarbeiten an sämtlichen anderen Geräten sind abzubrechen !
August 1943 Wittmundhafen
17.08.1943 (Erprobungskommando 25) – Die Verwendung des Gerätes wurde am Hptm. Geyer und Obltn. Hartje erläutert. Es wurden Zielübungen mit dem ZFR 3A durchgeführt. Die Besprechungen ergaben, dass das Gerät hauptsächlich zur besseren Erkennbarkeit der Gegnerflugrichtung und zur genaueren Entfernungsmessung benutzt werden soll. Von der E`Stelle wurde aufgrund der Vorversuche darauf hingewiesen, dass eine merkliche Vergrösserung der Abkommgenauigkeit bei 2,5 –facher Vergrösserung nicht zu erwarten ist und die Sicht durch Beschlag gestört werden kann, da der Raum zwischen Obejektiv und Abdeckglas nur ungenügend ausgetrocknet ist, bezw. Die Heizung nicht ausreicht den Niederschlag zu unterbinden. Der Einbau des Gerätes mit Flak 18 wurde durchgeführt. Gleichzeitig wurde eine Robot-Kamera mit 36 cm-Teleobjektiv und elektr. Auslösung eingebaut. Es wurde vereinbart, das die Erfahrungen des Erprobungskommandos 25 mit ZFR 3A und die aufgenommen Filme umgehend der E`Stelle Tarnewitz zur Auswertung zugeteilt werden.
August 1943 das Erprobungskommando 25 testet im August 43` diverse Zielfernrohre des Typs ZFR 3A und ZFR 4A in verschiedenen Flugzeugbaumustern wie der Me 109 G, Me 110 und der Fw 190. Dabei wurden alle Schussversuche alles auf Film festgehalten.
21. August 1943 weitere Besprechungen ergaben, dass die Zielfernrohre hauptsächlich zur besseren Erkennbarkeit der Gegnerflugrichtung und zu genaueren Entfernungsmessung benutzt werden soll!
29. November 1943 Bericht durch Hptm. Geier und Obltn. Hartke aus dem Erprobungskommando 25 zu ZFR 3A und ZFR 4A
—-„Für Zielbekämpfung auf Entfernungen um 1000 m ist, wie die Einsätze mit ZFR 3A und 4A ergeben haben, die Verwendung eines Fernrohres zusätzlich zum Reflexvisier unerlässlich. Die im ZFR verwirklichte Verbindung beider Geräte ist sehr günstig, da der Schütze ohne Kopfbewegung wahlweise über beide Geräte zielen bezw. beobachten kann. Das Fernrohr im ZFR dient in der Hauptsache zum Beobachten der Zielbewegung, der Abwehrtätigkeit des Zieles (Beobachtung der Waffenstände), der Geschosseinschläge am Ziel, zur schnelleren Erkennung von Abkommfehlern und zur E-Messung.
„….Die Planung sah vor, das ZFR 3A bis 1944 durch das ZFR 3B abzulösen“ Was aber bedingt durch Fehlplanung und die Kriegswirren nicht eingetreten ist…..“
29. Februar 1944 E-Stelle Tarnewitz – bereits werden grössere und regelmässige Feindeinwirkungen zu einem Problem um die benötigten und wichtigen Testreihen für Geräte und Flugzeugbaumuster in nützlicher Frist zu erledigen. Natürlich galt dies auch für den Nachschub und die wirtschaftliche Leistungen um einen erfolgreichen Krieg führen zu können. Verzögerungen in allen Bereichen führten dazu, dass viele Ideen wie zum Beispiel das ZFR 4B schlussendlich fallen gelassen wurden!
9. März 1944 E-Stelle Tarnewitz – nicht nur die Feindeinwirkung machten den Ingenieuren und Testpiloten einen Strich durch die Rechnung, Auch schlechtes Wetter zu dieser Zeit brachten erhebliche Verzögerungen mit sich, im Winter 1944.
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Eine Henschel Hs 129 B – beschädigt, aus der Schlacht bei El Guettar , Nord-Afrika
13. März 1944 E-Stelle Tarnewitz – Die Firma Leitz führte das erste Mustergerät des ZFR 4B mit abnehmbaren Okularteilen inkls. Revi vor. Leitz forderte vor einer Freigabe des Gerätes eine weitere Erprobungsserie. Als Termin für deren Abschluss der entsprechenden Erprobung wird der 31.April 1944 ins Auge gefasst. Gemäss Vereinbarungen mit der Firma Leitz, werden die Einbauntersuchungen an der Me 410 in Tarnewitz durchgeführt.
1. April 1944 Wetzlar – Leitz Werke – Die optischen Werke von Leitz fingen an, durch die immer grösser werdende Gefahr durch Alliierten Luftangriffe, ihre Dezentralisation voran zu treiben. Stollenbau zur Unterbringung der Belegschaft und der wichtigen Produktion unter Tage. Dies wirkte sich natürlich auf die laufende Produktion der ZFR aus. Zur Zeit fertigte die Firma monatlich 50 ZFR 3A und 40 ZFR 4A aus. Dies bei einem Arbeitsaufwand von etwa 90 Stunden pro Gerät.
Auf Grund der von der E-Stelle vorgetragenen Erprobungsergebnisse und der von General der Jagdflieger sowie dem General der Schlachtflieger mitgeteilten Fronterfahrungen mit ZFR Geräten wurde beschlossen:
„Für die Bekämpfung von Luftzielen wird lediglich die Messerschmitt Me 410 mit BK 5 und dem ZFR 4A ausgerüstet, und zwar nicht in Erwartung einer höheren Trefferprozentzahl sondern zur Zielerkennung. GL/C-B6 sorgt für Bereitstellung der erforderlichen Geräte. Für den Bereich General der Schlachtflieger wird nur die Henschel Hs 129 und dem ZFR 3A ausgerüstet. Hierfür genügen die bereits in Auftrag gegebenen 430 Stück“
Ab Juli 1944
Da es kaum Bilder einer Henschel Hs 129 mit eingebautem ZFR 3A gibt, ist es anzunehmen, das neben der eigentlichen Erprobungen in den einzelnen Erprobungskommandos, es kaum Einsätze gab an den verschiedenen Kriegsfronten, oder zu mindestens nur Einzelne.
Es liegt nahe, das es den Flugzeugführern einfacher gewesen sein muss, die Ziele durch das leuchtende Abkommen anzuvisieren und zu bekämpfen, anstelle des optischen 2 Fach Zielfernrohres. Ebenso waren die kurzen Anflüge, in geringen Höhen, gegen Bodenziele wie Panzer äusserst gefährlich. Dies in Bezug auf die mögliche unstabile Fluglage des Flugzeuges nach dem Schuss, zBs. mit der riesigen 7,5 cm Bordkanone, (diese konnte nach dem erwähnten Schuss im Notfall durch den Flugzeugführer vom Flugzeug abgetrennt und abgeworfen werden). Die Vibrationen des Flugzeuges taten ebenso ihren Beitrag um die optische Beobachtung durch das Zielfernrohr zu beeinträchtigen. Die kurze gefährliche Flugdauer in Bodennähe beim Angriff, die durch feindliches Bodenfeuer erheblich gestört wurden, machten auch nur eine kurze Zeitspanne für den Zielvorgang möglich, was natürlich ebenso hinderlich war um durch ein kleines Zielfernrohr die Orientierung auf das Ziel zu behalten.
Schlussfolgerung….
Somit, wurde die Produktion, des ZFR 3-A hinsichtlich dieser vielen Schwierigkeiten zu Gunsten des Reflexvisieres Revi 12 fallen gelassen. Und es wurden nur sehr wenige ZFR 3-A produziert. Für diese These, haben wir aber leider keine handfesten Beweise gefunden! …. Tatsache ist es aber ,wie bereits oben erwähnt, das es kaum ein historisches original Bild gibt, einer Henschel Hs 129 mit eingebauten ZFR 3A ! – Für weitere Bilder diesbezüglich, wären wir Ihnen Dankbar ?
Der „Büchsenöffner“ -die Henschel Hs 129 mit seiner 7,5 Bordkanone
Es stellte sich heraus, dass die Bewaffnung der Hs 129 B-1 die Panzerung der neuen sowjetischen T-34 Panzer nicht durchschlagen konnte. Aus diesem Grund schuf man die Hs 129 B-3, die unter dem Rumpf eine mit einer größeren Mündungsbremse modifizierte 7,5-cm-PaK 40L trug. Die 26 Schuss der PaK 40L wurden elektro-pneumatisch nachgeladen. Die Waffe hatte eine Kadenz von 40 Schuss pro Minute. Diese Variante der Hs 129 wurde ab Herbst 1944 ausgeliefert. Ungefähr 25 Stück der Hs 129 B-2 wurden zur B-3/Wa umgebaut. Die Kanone erwies sich als zu groß für das Flugzeug. Der starke Rückstoß führte teils zu unkontrollierbaren Flugzuständen, bei denen die Waffe abgeworfen werden musste.

Bedienvorschrift Ldv.T.2129 B-3/Wa – Henschel Hs 129 B-3 – Juli 1944
Hinweis, dieser Link der Bordkanone BK 7.5 folgt in Kürze !!!!!

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Text copyright by Erwin Wiedmer
Pictures Archiv www.deutscheluftwaffe.de & Archiv Meixner
Das Bombenfernrohr 1 (Bofe) ist ein Zielgerät für den Bombenwurf auf feste und gleichförmig bewegte Ziele. Nach Einstellen der Fallzeit der Bombe für die betreffende Höhe über dem Ziel und der Rücktrift, sowie durch In Deckung halten (Synchronisieren) der Visiermarke mit dem Ziel bestimmt es selbsttätig den Vorhaltewinke1 und löst im richtigen Zeitpunkt die Bombe selbständig aus. Außerdem dient das Bombenfernrohr zur Navigation , da man mit ihm die „Geschwindigkeit über Grund“ und den „Abtriftwinkel“ messen kann. Das „Bofe 1“ ist für die Verwendung in Flugzeugen mit Kanzeln geeignet.
Produzierte Stückzahlen: unbekannt, Heute noch bekannte Stückzahl: unbekannt
Hinweis: Das Bombenfernrohr 2 unterscheidet sich nur durch einen längeren Tubus unter dem Gehäuse gegenüber dem Bofe 1 !

Neue Bombenzielgeräte der deutschen Luftwaffe sollten, nach Planung der Luftwaffenführung, für den neuen bevorstehenden Krieg, einfacher und schneller bedienbar sein, um einem „Blitz- und Angriffskrieg gerecht zu werden. Hierzu waren hochwertige Abwurfsysteme notwendig und Zielgeräte mit automatischer Errechnung des Vorhalte-Winkels durch sogenannte „Synchronverfahren“. Eine Weiterentwicklung der Vorkriegsgeräte wie zBs. des Goerz Boykow 218 Abwurfsehrohr.
Beitrag von Erwin Wiedmer
Beschreibung:
Die für die Errechnung des Vorhaltewinkels nötige Ermittlung der Geschwindigkeit des Flugzeuges zum Ziel geschieht im Bofe nicht durch Messen an einem Hilfsziel nach der bekannten Art des Durchgangsverfahrens, sondern am Ziele selbst nach dem sogenannten Synchronverfahren. Das Synchronverfahren hat den Vorteil. daß das Zielbild im Gesichtsfeld des Fernrohres ruht und die Messung bis zum Auslösen der Bombe fortgesetzt werden kann. Bei dem Synchronverfahren wird ein unmittelbarer Vergleich angestellt zwischen der scheinbaren Zielgeschwindigkeit, die eine Winkelgeschwindigkeit ist, und der Winkelgeschwindigkeit, mit welcher die Visierlinie zum Ziel durch ein Ausblickprisma gesteuert wird. Die Messung der Flugzeuggeschwindigkeit zum Ziel erfolgt in der Weise, daß unter möglichst großem Winkel voraus die durch ein Fadenkreuz dargestellte Visierlinie durch Verschwenden des Ausblickprismas aufs Ziel gelegt wird. Darauf wird ein Motor eingeschaltet, der das Ausblickprisma und damit die Visierlinie dreht. Die Winkelgeschwindigkeit des Prismas wird über ein Getriebe solange von Hand einreguliert (synchronisiert), bis sie gleich der Winkelgeschwindigkeit der Zielrichtung wird, d.h. bis das Ziel mit dem Fadenkreuz dauernd in Deckung bleibt.
Mit der Bedienung des Gerätes zum Messen der Geschwindigkeit des Flugzeuges zum Ziel ist gleichzeitig die Errechnung des Vorhaltewinkels derart gekuppelt, daß mit jeder Änderung der Einstellung von Geschwindigkeit und Fallzeit der Bombe für die betr. Höhe am Gerät der Vorhaltewinkel sofort ermittelt ist. Die automatische Auslösung der Bomben erfolgt durch Schliessen eines elektrischen Kontaktes in dem Zeitpunkt, in dem bei dem laufenden Vorgang der Visierwinkel gleich dem Vorhaltewinkel ist. Die automatische Auslösung erfolgt jedoch nur bei motorischem Ablauf des Bedienungsvorganges und ist gesperrt, wenn der Motor ausgeschaltet ist. Zur Ermittlung des Abtriftwinkels ist das Bofe um eine senkrechte Achse drehbar gelagert. Der Abtriftwinkel muß vor Beginn des Angriffs an einem auf gleichem Angriff liegenden Hilfsziel gemessen werden. Das Messen erfolgt durch Drehen am Abtrifthandrad, das Einsteuern des Flugzeuges auf das Ziel entweder durch Betätigen des angebauten Kursgebers mit dem Abtrifthandrad oder durch Zeichengeben. Zum Ausgleich von Flugzeugschwankungen ist das im Gesichtsfeld erscheinende Fadenkreuz pendelnd aufgehängt. Bei stromlosen Gerät ist das Fadenkreuz automatisch blockiert. Soll unter einem vor dem Angriff errechneten Vorhaltewinkel geworfen werden, z.B. bei Tiefangriffen, so muß die Bombe von Hand ausgelöst werden. Zur Berücksichtigung der Bombenballistik ist ein Einstellknopf für Rücktrift vorgesehen.
Um Erschütterungen des Flugzeuges vom Bofe fernzuhalten wird das Gerät in einem im Flugzeug befestigten Tragrahmen federnd gelagert. Von diesem Tragrahmen ist das Gerät abnehmbar. Um ein einwandfreies Arbeiten des Gerätes auch bei tiefen Temperaturen (also bei grossen Höhen) zu gewährleisten, ist eine automatisch arbeitende, elektrische Heizung eingebaut.

Wird ein Ziel in waagerechtem Flug an- bezw. überflogen, so fährt dieses Ziel, vom Flugzeug aus gesehen, eine Winkelbewegung zum Flugzeug aus. Diese Wirbelbewegung ist ungleichförmig und ändert sich nach dem Tangens des Visierwinkels (Tafel 1). Senkrecht unter dem Flugzeug erreicht die Winkelbewegung ihre grösste Geschwindigkeit. Der Ablauf einer solchen Winkelbewegung kann mehr oder weniger schnell erfolgen, je nach der Fluggeschwindigkeit gegenüber Grund (Vg) und der Flughöhe (h). Je größer bei gleichbleibender Höhe die Vg, desto schneller der Ablauf der Winkelbewegung, und je größer blei gleichbleibender Vg die Höhe, desto langsamer der Ablauf der Winkelbewegung. Die Winkelgeschwindigkeit ist abhängig von der sogenannten Tangentengeschwindigkeit, das ist die Geschwindigkeit des Ablaufes der Tangentenbewegung.
Die Tangentengeschwindigkeit ist direkt proportional zur Flugzeuggeschwindigkeit Vg und umgekehrt proportional zur Höhe h. Sie setzt sich demzufolge zusammen aus Vg-l/h. Die Tangentengeschwindig keit Vg/h ist demnach eine feste Verhältniszahl.
Die Tangentengeschwindigkeit ist direkt proportional zur Flugzeuggeschwindigkeit Vg und umgekehrt proportional zur Höhe h. Sie setzt sich demzufolge zusammen aus Vg-l/h. Die Tangentengeschwindig keit Vg/h ist demnach eine feste Verhältniszahl.
Tafel 2: Nimmt man die größte im Bofe einstellbare Geschwindigkeit des Flugzeuges (v ) und die praktisch niedrigste Höhe (h) an und setzt das Verhältnis Vg max/h min =1, so ergibt sich daraus die schnellste Steuerung für das Ausblickprisma, für alle anderen Verhältnisse Vg/h eine entsprechend langsamere Steuerung
Automatische Bildung der Tangentengeschwindigkeit vg /h:
Die bei gleicher Flugzeuggeschwindigkeit gleich groß bleibende Tangentengeschwindigkeit wird durch eine Kurvenscheibe in die veränderliche Winkelgeschwindigkeit (Tafel 1) umgewandelt. Von dieser Kurvenscheibe aus wird das Ausblickprisma durch einen abtastenden Hebel gesteuert. Die Kurvenscheibe wird mit einer Geschwindigkeit gedreht, die der Tangentengeschwindigkeit Vg/h entspricht. Gebildet wird dieser Wert Vg/h im Bofe durch ein motorisch angetriebenes Reibgetriebe. Dieses Reibgetriebe wird so einreguliert, daß die beiden zu vergleichenden Winkelgeschwindig
synchron verlaufen, d.h., daß sich bei der Beobachtung durch das Bofe keine Abwanderung des Zieles vom Faden kreuz mehr zeigt. Dann ist erreicht, daß sich die Kurvenscheibe mit der richtigen Geschwindigkeit dreht, die der gesuchten Verhältnisszahl Vg/h (=Tangentengeschwindigkeit)entspricht, und die gesuchte Tangentengeschwindigkeit ist hiermit automatisch gebildet. (Fafel 3).
Diese bewirkt, daß eine Verstellung am Geschwindigkeitsmeßknopf gleichzeitig eine Verstellung des Reibgetriebes und damit der Drehgeschwindigkeit der Kurvenscheibe (Geschwindigkeitsanteil) und eine Verstellung der Kurvenscheibe direkt und damit des Visierwinkels (Weganteil) hervorruft (Tafel 4).
Tafel 3: Das Einregeln mit dem Regulierknopf bis zum In Deckungbleiben des Fadenkreuzes mit dem Ziel wird durch die eingebaute sogenannte Weg-Geschwindigkeits-Steuerung sehr erleichtert.
Tafel 4: Der Vorteil der Weg-Geschwindigkeitssteuerung ist der, daß kleine Auswanderungen des Zieles vom Fadenkreuz mit dem Regulierknopf wieder zurückgeholt werden und gleichzeitig eine neue, korrigierte Tangentengeschwindigkeit einreguliert ist. Bei richtig synchronisiertem Gerät bleibt das Ziel auf dem Fadenkreuz liegen, so daß der Eindruck erweckt als bliebe das Flugzeug über dem Ziele stehen.
Tafel 5: Der Vorhaltewinkel (p) beträgt: tg (p) = Vg x t/h – tg (q) – Er wird selbsständig wie folgt gebildet: Vg / h wurde, wie im vorstehenden Abschnitt beschrieben, bereits am Regulierknopf eingestellt durch In Deckunghalten des Zieles mit dem Fadenkreuz.
Tafel 6: Die Fallzeit wird der für die betr. Bombenart gültigen Fallzeitentabelle entnommen und mit Fallzeitenknopf (10) eingestellt. Die Teilung am Fallzeitenknopf ist derart berechnet, das durch Einstellen der Teilung auf die betr. Fallzeit nicht die Fallzeit (t) selbst, sondern der reziproke Wert 1/t in den Rechenvorgang eingeleitet wird.

Sobald beim Anfliegen eines Zieles der sich dauernd ändern de Visierwinkel gleich dem Vorhaltewinkel wird, wird die Bombe ausgelöst. Dies kann selbsttätig elektrisch erfolgen, aber auch durch Handauslösung erreicht werden. Die Rücktriftwerte sind nach einer Tabelle für die betreffende Bombenart einzustellen.
In einem Vorheltedreieck (Tafel 7) wird aus v-/h und 1/t der Wert
Vg/h : 1/t 0 Vg x t/h
gebildet. Von diesem Wert wird nur noch durch Drehen am Rücktriftwinkel-Einstellknopf der Tangenswert des Rücktriftwinkels (tg q) subtrahiert, um den richtigen Vorhaltewinkel (p) zu erhalten:
tg q = Vg x t/h – tg q
Dieser Vorhaltewert wird selbsttätig auf eine Vorhaltemarke (3) in das Gesichtsfeld übertragen (Tafel 8).
TAFEL 8
Bisher wurde für die Berechnung des Vorhaltewinkels stillschweigend angenommen, daß sich der Zielvorgang in einer senkrechten Ebene abspielt, was bei Mit- oder Gegenwind ohne weiteres der Fall ist. Wie weit die Vorhaltewinkel-Berechnung von einer Versetzung der Bombe durch Seitenwind beeinflußt wird, sei hier untersucht:

Die Seitenversetzung der Bombe ist abhängig von der Rücktrift R und dem Abtriftwinkel (b). Die Rücktrift ist die Strecke, um die die Bombe infolge des Luftwiderstandes hinter dem Flugzeug zurückbleibt. Der Abtriftwinkel ist der Winkel, um den das Flugzeug gegen den Wind ansteuern muB, damit es geraden Kurs zum Ziel behält (Tafel 6). Dabei muß es sich, um zu treffen, seitlich gegen das Ziel versetzen und in einem zum sonstigen Abflug bei Mit— oder Gegenwind parallelen Kurs auf das Ziel zufliegen. Unter diesen Voraussetzungen ist man gezwungen, das Ziel nicht mehr rein voraus, sondern seitlich voraus anzuvisieren, sodaß die Vorhaltewinkelberechnung in einer um den Winkel (n) geneigten Schrägebene erfolgen müßte. Daraus ergibt sich, das die Vorhaltestrecke nicht Vg x t -R sondern Vg x t – R x cos (b) sein müsste. Ebenso müsste als zweite Komponente nicht h, sondern h/cos (n) in Rechnung gesetzt werden.
Der verbesserte Wert R-cos (b) wird im Bofe für einen mittleren Vorhaltewinkel richtig gebildet, während bei anderen Vorhaltewinkeln geringe Restfehler entstehen, die aber wegen ihrer Kleinheit ohne weiteres in Kauf genommen werden können. Auf Einführung des verbesserten Wertes h/cos (n) wurde verzichtet, weil die Abweichung dieses Wertes von h viel zu gering ist, um praktisch einen Einfluß zu haben.
Die Gesamtfunktion im Bofe geht aus dem Schema auf Tafel 7 hervor, in dem den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend das Reibgetriebe als Kalotten-Reibgetriebe dargestellt ist.
Lagerung:
Das Bofe ist in einer dreiarmigen Grundplatte (36) drehbar gelagert. Das Bofe wird unter Zwischenschaltung von drei Federpuffern auf den flugzeugfesten Tragrahmen aufgesetzt und mit den an der Grundplatte (36) befindlichen drei Riegelverschlüssen (25) befestigt.
Die Grundplatte trägt an ihrer Unterseite….
zwei Justierschrauben (27), mit denen das Bofe zum Justieren auf die Flugzeuglängsachse um +/- 3° gedreht werden kann, ferner, die Abtriftwinkelteilung (51) beziffert von 0 bis 20° nach rechts und links.
Triebwerkkasten:
An der linken Seite des Triebwerkkastens befindet sich…
der Regulierknopf (18), mit dem die Geschwindigkeitsmessung durchgeführt wird. Daneben liegt der Rücktriftwinkel-Einstellknopf (17), mit dem der Rücktriftwinkel für die Bombe eingestellt wird. Darunter liegt das Abtrifthandrad (24) mit dem durch Drehen der Abtriftwinkel eingestellt wird. Dadurch wird das Bofe und damit der Längsfaden (1) (Einlauffaden) in Fernrohr zur Flugzeuglängsachse verschwenkt. Mit dem Abtrifthandrad wird außerdem durch Kippen der angebaute Kursgeber (23) betätigt.
An der rechten Seite des Triebwerkkastens befindet sich der Höhen-Einstellknopf (8), mit dem die Auslösehöhe der Bombe (zum Zwecke der Vg–Ablesung mit dem Zeiger (6) an der Kurven-Trommel (7) einzustellen ist.
(Bild 4). Darunter befindet sich der Visierwinkel-Einstellknopf (9), mit dem durch Drehen das Ausblickprisma (16) und damit die Visierlinie versetzt wird. Daneben, liegt der Fallzeiten-Einstellknopf (10), mit dem die Fallzeit der Bombe in Sekunden eingestellt wird. Unter dem Visierwinkel-Einstellknopf befindet sich der Motorschalter (43). An der Rückseite des Triebwerkkastens befindet sich die beiden Beleuchtungs-Einstellknöpfe (22 und 34) für das pendelnde Fadenkreuz und das Okular-Strichbild. Auf der Oberseite befindet sich das Strichglasgehäuse (2l) mit dem Okular (43), mit der Augenmuschel (31) und der Dioptrienteilung (32) die Lampengehäusekappe (33) für die Strichbildbeleuchtung , das Schlauchanschlussstück (47) zum Anschliessen des Trockengerätes, (nach besonderer Druckschrift) das Gehäuse mit der Kurventrommel (7) und den Ablesezeiger (6) für die Ablesung der Flugzeuggeschwindigkeit Vg.
Der Ausblickkopf (44) enthält:
die Pendel, den selbsttätigen Temperaturregler (69), das Objektiv des Fernrohres, das kippbare Ausblickprisma (16) und davor als Abschluß das Ausblickfenster (45). Außen am Außblickkopf befinden sich der Gummipuffer (46), das Lampengehäuse (41) mit Deckel und Lampe zur Beleuchtung der Pendelfäden, und das Schlauchanschlußstück (40) zum Anschließen des Trockengerätes. Die Öffnung ist mit einer aufsteckbaren Kappe verschlossen.
Das Fernrohr ist vom Triebwerkkasten und Ausblickkopf umschlossen. Das Einstellen der Visierlinie in der Höhenrichtung erfolgt durch ein vor dem Objektiv im Ausblickkopf (44) liegendes kippbares Prisma (16). Beim Einblick in das Okular (48) sieht man das Fadenkreuz (Tafel 8), bestehend aus einem Längsfaden (1) (Einlauffaden) und dem Querfaden (4) (Abkommfaden). Beide sind, um den Einfluß der Flugzeugneigungen und -schieflagen auf die Visierlinie auszuschalten, pendelnd aufgehängt, sodaß bei Neigungen und Schieflagen bis zu 10° die Visierlinie ihre Richtung im Raum beibehält.
Der Schnittpunkt dieser beiden Fäden dient als Visiermarke. Ferner sieht man die Visierwinkelteilung (2), an der die Vorhaltewinkelmarke (3) den Vorkaltewinkel anzeigt. Der jeweilige Visierwinkel wird mit der Visierwinkelmarke (5) angezeigt. Die Visierwinkelmarke ist an einem dünnen Draht starr im Gesichtsfeld befestigt. Da die Bomben bei Erreichen des Vorhaltewinkels (Gegenüberstehen von Visierwinkel- und Vorhaltemarke) automatisch ausgelöst werden, wird die Visierwinkelteilung (2) vor allem zum Einstellen fester Vorhaltewinkel benötigt.
Bei ausgefallener Elektrik
Flughöhe einstellen.
Fallzeit der Bombe einstellen.
Eigengeschwindigkeit (möglichst die durch Windeinfluß geändert) einstellen mit Regulierknopf nach Zeiger an der Kurventrommel.
Mit Visierwinkelknopf Ziel verfolgen bis Vorhaltewinkelmarke im Gesichtsfeld erscheint. Mit Visierwinkelknopf Vorhaltewinkelmarke mit Visierwinkelmarke in Deckung bringen und das Ziel auf dem Einlauffaden einlaufen lassen. Bombe von Hand auslösen, sobald das Ziel den Querfaden im Gesichtsfeld erreicht hat. Achtung! Die elektrische Bombenauslösung vom Bofe muß ausgeschaltet sein!
Kursgeber für das Bombenfernrohr 1
Bombenzielgerätrahmen , Beobachterplatz, Heinkel He 111 mit Kursvisier Kuvi links beim Flugzeugführer
Die Wichtigen Instrumente für den Bombenabwurf, Kompass, Fahrtmesser und Höhenmesser
Text copyright by Erwin Wiedmer
pictures copyright by Archiv Freiburg