Cockpitprofil Fw 56 „Stösser“


Cockpitprofil Focke-Wulf Fw 56 „Stösser“

Gerätetafel der Focke-Fulf FW 56 „Stösser“

Die hier beschriebene Gerätetafel der Focke-Wulf FW 56 stammt eindeutig von einem relativ frühen Baumuster, um 1935/36, was gut an der frühen Instrumentierung ersichtlich ist. Da es sich vermutlich um eine Werksaufnahme handelt, könnte es sich auch um ein frühes Erprobungsmuster handeln.
Viele dieser frühen Geräte wurden im Zuge der Vereinheitlichung der Flugzeugausrüstung durch das RLM  ab dem Jahr 1939/40 nicht mehr hergestellt bzw. eingebaut.

Allgemeines:

Das einsitzige Flugzeugbaumuster, Focke-Wulf FW 56 „Stößer“, entstand 1934 als Übungseinsitzer für die Jagdfliegerausbildung.

Bis 1940 wurden ca. 900 Stück davon gebaut und auch in Länder wie Bolivien, Bulgarien, Holland, Österreich und Ungarn exportiert.

Heute gibt es nur noch 1 erhaltenes Exemplar, welches sich zur Zeit in flugfähiger Restaurierung befindet, um danach am Himmel Deutschlands und Europas seine Kreise zu ziehen.

Die robuste Konstruktion des „Stößer“ als Hochdecker in Gemischtbauweise besteht  aus einem bespannten Stahlrohrrumpf. Der zweiteilige, abgestrebte Holzflügel mit ellipsenförmigem Umriss, ohne Landeklappe, hat zur Verkürzung der Schwebe-, und Landestrecke eine kleine ausklappbare Störklappe auf der Flügeloberseite vor dem Sitzausschnitt.

Das besondere an der Bauart der FW 56 ist, dass das Rumpfende einen Seitenflossenansatz hat, auf dem das Höhenleitwerk vor dem Seitenruder befestigt ist.
Als Triebwerk kam bei allen Baureihen der luftgekühlter 8-Zylinder-Motor, Argus As 10C, mit 240 PS zum Einbau.

Für die Jagdfliegerausbildung konnte die FW 56 A-1 mit 2, starr über dem Motor eingebauten, MG 17 ausgerüstet werden.
Die Baureihe FW 56 A-2 war unbewaffnet und wurde gern für den Kunstflug genutzt.

Beim Einstig in den Führerraum, übersichtliche Anordnung der Kraftstoff- und Schmierstoffschema der FW 56 für den Flugzeugführer

Die Gerätetafel:

Die Gerätetafel ist zweiteilig ausgeführt, und fügt sich perfekt aufgrund seiner Formgebung an der Rumpfquerschnitt an.

Die obere Hauptgerätetafel besteht vermutlich aus  2mm starkem Aluminiumblech (Duralumin), welches zur Verstärkung der Konstruktion an den Seitenkanten umgebördelt ist.

Die sich darunter befindliche Zusatzgerätetafel besteht vermutlich aus 0,7 – 1mm starkem Aluminiumblech (Duralumin), welches zur Versteifung der Konstruktion an den Kanten mit von hinten aufgenieteten L-Profilen verstärkt wurde. Dieses Konstruktionsdetail ist sehr gut auf dem Belegfoto zu erkennen.

Zur Befestigung der Instrumente und Schalter sind auf der Rückseite entsprechende Annietmuttern (M4) angebracht.

Die Lackierung der Gerätetafel entspricht entweder dem frühen Farbton für Innenbereiche  „RLM 02“ , oder einem frei gewählten grauen Farbton.

Das es sich auf dem Belegfoto um ein frühe Gerätetafel hoher Fertigungsqualität handelt, ist gut an der sauberen Oberflächenstruktur zu erkennen. Man muss schon sehr genau hinschauen, um die Nietköpfe der Annietmuttern zu erkennen.

Die Geräte

Die Anordnung der Geräte ist konventionell ausgeführt. Auf der linken Seite der Gerätetafel befinden sich die Flugüberwachungs- und Navigationsinstrumente sowie Zündschalter. Auf der rechten Seite sind die Motorüberwachungsinstrumente angeordnet.

Einen Kraftstoffvorratsmesser sucht man in der Gerätetafel vergeblich. Hierfür wurde, gut sichtbar für den Flugzeugführer, vor dem Windschutz oberhalb des Rumpfes, ein Standmesser für Kraftstoffe (Fl.20703-1) eingebaut. Am Schaufenster des Standmessers kann der Flugzeugführer jederzeit den Kraftstoffvorrat ablesen. Das funktionierte natürlich nur im Horizontalflug, da dieses Anzeigesystem auf „Schwimmer-Basis“ beruht.

Der Netzausschalter (Hauptschalter-Bordnetz) ist in der Gerätetafel auch nicht eingebaut. Laut Übersichtsplan der Baubeschreibung befindet sich der Netzausschalter links neben dem Sicherungskasten (Pos.21), in der unteren Zusatzgerätetafel.

Die fehlenden farblichen Grenzwertmarkierungen an den Instrumenten und fehlende Hinweisschilder (auch Deviationstabelle) auf der Gerätetafel sprechen dafür, dass es sich bei unserem Belegfoto um ein Werksfoto einer Mustermaschine handelt. Auch der übrige Führerraumbereich sieht noch unbenutzt/ ladenneu aus!

HINWEIS:

Ausführliche Erläuterungen und Funktionsbeschreibungen finden Sie unten folgend in der „Gerätetafel – Analyse“ !

Besonders bedanken möchte ich mich bei Hans-Peter Dabrowski für die freundliche zur Verfügungsstellung der hier abgebildeten historischen Cockpitfotografien, sowie bei Peter W. Cohausz für Fotos einzelner Flugzeuggeräte.

Mein besonderer Dank gilt Albrecht Würker und seinem Team in Chemnitz.

Berlin, den 18.März 2010

Oliver Jordan

Quellenangabe:

– Flugzeug Classic, „Cockpits historischer deutscher Flugzeuge im Detail“, Peter W. Cohausz, GeraMond Verlag, Ausgabe 9, 2003

– Das Buch der Deutschen Luftfahrttechnik, Bruno Lange, Verlag Dieter Hoffmann, 1970

– Flugzeug-Typenbuch, Hauptausgabe A 1939/40, Dipl.-Ing. Helmut Schneider, Herm. Beyer Verlag

Geräteauflistung Focke-Wulf 56

Es wird speziell nur auf die Instrumentierung der Führergerätetafel auf dem im Titel abgebildeten Foto eingegangen !

Gerät Messbereich Fl – Nummer
1. Störklappen-Betätigung Fl. ?
2. Zündschalter  „SSH 32/1z“ Fl.21109
3. Borduhr  „14/18a“ Fl.22600
4. Fahrtmesser „Lr 19r“ Fl.22211
5. Grobhöhenmesser  „AN 10000“ Fl.22311
6. Halter für Reflexvisier Revi 3c oder d Fl. ? Fl.52085 oder Fl.52116
(auch das Revi 3a ? wurde verwendet ) Fl.52001-1 ?
7. Führerkompass „FK 5“   Fl.23211
8. pneum. Wendezeiger    „Lg 14r“ Fl.22402
9.  Halterung für Deviationstabelle /Ablenkungstafel Fl.23906 Fl. ?
10. Drehzahlmesser „Reta“ Fl.20212
11. Steckdose für Reflexvisier Fl.32601 ?
12. Schalter für Staurohrheizung „SSH 507/1z“ Fl.26643
13. Druckmesser für Kraftstoffdruck „RA 57/711“ Fl.20504
14. Druckmesser für Schmierstoffdruck „RA 57/311“ Fl.20606
15. Schmierstoffthermometer „TF 57/101a“ Fl.20308
16. Handpumpe für Kraftstoff-Nebenbehälter Fl. ?
17. Betriebsdatentafel (Baumusterkarte) Fl. ?
18. Kartentasche Fl. ?
19. Rückkopplungsgeber (Funkanlage) Fl.26609
20.Abstimmungsregler (Funkanlage) fürs FuG VII Fl.26608
21. Sicherungskasten  „77 schrk 3a“ Fl.32307  ?
22.Behälterschaltung  (Brandhahnhebel) Fl. ?

Ist hier ein Revi 3a eingebaut ? Wir suchen noch Bilder zu diesem Revi-Typ ? Danke!

Bild-Quellen: Archiv, Hans-Peter Dabrowski

 


Cockpitprofil Bü 133C „Jungmeister“


Gerätetafel der Bücker Bü 133 C „Jungmeister“

Bild-Quelle: Archiv, Peter W. Cohausz

Die hier beschriebene Gerätetafel stammt von einem frühen Baumuster, was gut an der frühen Instrumentierung ersichtlich ist. Vermutlich handelt es sich sogar bei dieser Werksaufnahme aus einem Askania -Werbeprospekt um eine Mustermaschine für potentielle Käufer.
Viele der hier eingebauten frühen Geräte wurden im Zuge der Vereinheitlichung der Flugzeugausrüstung durch das RLM ab dem Jahr 1939/40 nicht mehr hergestellt bzw. eingebaut.

Allgemeines:

Die Bücker Bü 133 „Jungmeister“ ist die einsitzige Weiterentwicklung des Doppeldeckers Bücker B ü 131 „Jungmann“.
Sie war etwas kleiner, einsitzig und wesentlich stärker motorisiert, ansonsten jedoch weitgehend identisch zur Bü 131.

Es gab die Bü 133 mit einem Hirth HM 6 Reihenmotor von 101 kW (135 PS) als Bü 133A, als Bü 133B mit einem Hirth HM 506 Reihenmotor mit 119 kW (160 PS) und das meistgebaute Baumuster als Bü 133C mit einem Siebenzylinder- Sternmotor Siemens Sh 14 A-4.

Aus der Bücker B ü 131 entwickelte der Bücker Chefkonstrukteur, A.J. Andersson, unter Verwendung ganzer Baugruppen, wie Seitenleitwerk, Fahrwerk und Tragflächenteile den Schul- und Kunstflugeinsitzer Bü 133 „Jungmeister. Das Flugzeug besaß bereits eine am Boden verstellbare VDM-Metallluftschraube und eine sogenannte „Rückenfluganlage“. Der Erstflug des Prototypen Bü 133 V-1 (D-EVEO) erfolgte im Sommer 1935.

Der „Jungmeister“ mit seinen hervorragenden Flugeigenschaften war und ist ein äußerst begehrtes Flugzeug für Kunstflugwettbewerbe, und siegte über viele Jahrzehnte bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettkämpfen und Weltmeisterschaften!

Die Gerätetafel:

Baugruppenbezeichnung : R8-133.9002 (nur Gerätetafel, leer)

Die relativ kleine Gerätetafel (260mm x 360mm) aus hochfestem Duraluminblech (1mm stark) passt sich in ihrer Form perfekt dem schmalen Rumpfquerschnitt an. Da die obere geschwungene Außenkanten der Gerätetafel um 90° nach hinten gefaltet (gebördelt) ist, und über die Gesamtlänge der Unterkante, in Form eines „U-Profils“ zweifach gefaltet ist, wird eine sehr hohe Verbiege- Festigkeit und Steifigkeit des dünnen Duraluminbleches erreicht.

Gerätetafel Nachbau

Die Anordnung der Geräte ist konventionell ausgeführt. In der Mitte befinden sich die Flugüberwachungs- und Navigationsinstrumente, links die Motorbedienung (Zündschalter), rechts die Motorüberwachungsgeräte. Die Instrumentierung wurde mittels Schrauben (M4) und entsprechenden (selbstsichernden) Muttern befestigt, bzw. durch Befestigungsringe mit integrierten Gewindebuchsen (M4), welche zum Lieferumfang einiger Instrumente gehörten.

Einen Kraftstoffvorratsmesser sucht man in der Gerätetafel vergeblich. Hierfür wurde gut sichtbar für den Flugzeugführer, vor dem Windschutz, oberhalb des Rumpfes, ein Standmesser für Kraftstoffe (Fl.20703-2) eingebaut. Am Schaufenster des Standmessers kann der Flugzeugführer jederzeit den Kraftstoffvorrat ablesen. Das funktionierte natürlich nur im Horizontalflug, da dieses Anzeigesystem auf „Schwimmer-Basis“ basiert.

Das Belegfoto ist insofern interessant, da die Gerätetafel mit schwarzem Schrumpflack beschichtet wurde. Besonders die Firma Askania AG, als Zulieferer für die Luftfahrtindustrie, verwendete Schrumpflack sehr häufig.

Nennenswert ist auf alle Fälle die frühe 8-Tage Borduhr („Lu 3“ oder Fl.22600) und der Führerkompass „Kleiner Emil “ mit integrierter Deviationstabelle.

Ausführliche Erläuterungen und Funktionsbeschreibungen finden Sie unten in der „Gerätetafel – Analyse“ !

Besonders bedanken möchte ich mich bei Peter W. Cohausz für die freundliche zur Verfügungsstellung der hier abgebildeten historischen Cockpitfotografien.

Berlin, den 18. Februar 2008

Oliver Jordan

 

 

Quellenangabe:
– „Das Buch der Deutschen Luftfahrttechnik“, Bruno Lange, Verlag Dieter Hoffmann, 1970

– Ersatzteilliste Bücker Bü 133C, Baugruppe: 133.90

– „Bücker- Flugzeugbau“, Siegfried Wietstruk, Aviatic- Verlag, 1999

Literaturempfehlung:

– „Bücker- Flugzeugbau“, Siegfried Wietstruk
Aviatic- Verlag, 1999, ISBN 3-925505-28-8

– „Cockpits deutscher Flugzeuge“, Peter W. Cohausz
Aviatic- Verlag, 2000, ISBN 3-925505-57-1

 

Gerätetafel – Analyse

Geräteauflistung Bücker Bü 133 C

Es wird speziell nur auf die Instrumentierung der Führergerätetafel auf dem im Titel abgebildeten Foto eingegangen !

Gerät Messbereich Fl – Nummer
1. Zündschalter SSH 45/67 Fl.21119
2. Grobhöhenmesser Lh 19r 0-6000m Höhe Fl.22307
3. Führerkompass Kleiner Emil“, „Lke 6“ 0-360° Fl.23226
4. Borduhr Fl.22600
oder „Lu 3“ Lu 3
5. Fahrtmesser 60-450 km/h Fl.22229
6. pneum. Wendezeiger „Lg 14r“ Fl.22402
7. Drehzahlmesser 600-3000 U/min Fl.20213 oder Fl.20219
8. Druckmesser (Kraftstoff) 0-0,5 kg/cm² Fl.20504 oder Fl.20505 oder Fl.20506
9. Druckmesser (Schmierstoff) 0-10 kg/cm² Fl.20606 oder Fl.20604 oder Fl.20608 oder Fl.20625
10. Dampfdruckthermometer (Schmierstofftemperatur) 40-180°C Fl.XXX
oder Dampfdruckthermometer (Schmierstofftemperatur) 40-160 °C Fl.20336-2
11.Anlasspumpe SUM AP 8 Gerät-Nr.: 8-4505 A

Bild-Quelle: Archiv, Peter W. Cohausz


Cockpitprofil Fw 44 „Stieglitz“


Gerätetafel – Beschreibung

Die hier beschriebene (hintere) Gerätetafel des Flugzeugführersitzes stammt von einem relativ frühen Baumuster der Baureihen FW 44 E , was gut an der frühen Instrumentierung ersichtlich ist. Das Belegfoto ist vermutlich um 1937 entstanden. Viele dieser frühen Geräte wurden im Zuge der Vereinheitlichung der Flugzeugausrüstung durch das RLM  ab dem Jahr 1938/39 nicht mehr hergestellt bzw. eingebaut.

Allgemeines:

Die zweisitzige Focke Wulf FW 44 entstand 1932 als zweisitziger Schul- und Sportdoppeldecker. Der Flugzeugkonstrukteur Kurt Tank wurde 1932 Technischer Direktor bei Focke Wulf in Bremen, und sein erstes Flugzeug, das er in dieser Eigenschaft konstruierte, war der „Stieglitz“, der zu einem der berühmtesten Sportflugzeuge werden sollte.

Der in Gemischtbauweise hergestellte gestaffelte Doppeldecker mit Kabelverspannung und einem „N-Stiel“, verfügt über einen zweiteiligen Oberflügel ohne Baldachin, Querruder an Ober- und Unterflügel, einfaches Leitwerk und im Fluge verstellbare Höhenflosse. Stoffbespannter Stahlrohrrumpf, Holzflügel und 2 offene, hintereinander liegende Sitze mit Doppelsteuerung sind typische Eigenschaften dieses Baumusters. Der vordere Sitz war für den Beobachter oder Fluggast vorgesehen, der hintere Sitz für den Flugzeugführer. Der „Stieglitz“ hat sehr gute Flugeigenschaften und war somit auch auf vielen Flugwettbewerben im In- und Ausland vertreten. Später wurde dieses Baumuster in großen Stückzahlen zur Schulung in der Luftwaffe eingesetzt, aber auch im Ausland in Lizenz gebaut.

Die Baureihen FW 44 C und E war mit dem Argus As 8 B Reihenmotor (135 PS) motorisiert. Die Baureihen FW 44 B, D und F wurde dagegen mit dem luftgekühlten Siebenzylinder-Sternmotor  Siemens Sh 14 A (150 PS), bzw. Baureihe J mit der stärkeren Motorausführung  Sh 14 A4 (160 PS) ausgerüstet.

Zweisitziger Sportdoppeldecker

Die Gerätetafel:

Die Gerätetafel besteht aus 1mm starkem Duralblech, und ist zur Versteifung des Bleches an den Aussenkanten nach hinten gebördelt. Die gesamte Unterkante ist zweifach nach hinten gebördelt (U-Profil).

Im Mittelbereich ist die Gerätetafel rückseitig durch 2 senkrecht aufgenietete L-Profile (links und rechts vom Kompass/Blinddeckel) verstärkt. Die äußeren Abmessungen betragen 670mm x 288mm.

Lackierung/Farbgebung

Die Lackierung erfolgte in einem dunklen Grauton, eventuelle auch schon in RLM 66 (schwarzgrau).

Befestigung

Um einen schwingungsarmen Einbau der Geräte zu gewährleisten, wurden auf der Rückseite  entsprechende Pufferbefestigungshalterungen (Gummidämpfung) an der Gerätetafel befestigt. Die 3 Pufferbefestigungen sind in der unteren linken und rechten Ecke, sowie mittig im oberen Bereich (über dem Kompass) an der Gerätetafel befestigt.

Ob sich Ein- oder Annietmuttern zur Befestigung der Instrumente, in der Gerätetafel befinden, lässt sich anhand des vorliegenden Fotos nicht mit Sicherheit sagen. Sicher ist nur, dass die Instrumente mit Metallschrauben (M4)  in der Gerätetafel befestigt sind.

Beobachter-Gerätetafeln

Die Geräte

Die Anordnung der Geräte ist konventionell ausgeführt. In der Mitte und auf der linken Seite befinden sich die Flugüberwachungs- und Navigationsinstrumente sowie Zündschalter. Auf der rechten Seite sind die Motorüberwachungsinstrumente angeordnet.

Einen Kraftstoffvorratsmesser sucht man in der Gerätetafel vergeblich. Hierfür wurde gut sichtbar, vor dem vorderen Windschutz, oberhalb des Rumpfes, ein Standmesser für Kraftstoffe (Fl.20703-1) eingebaut. Am Schaufenster des Standmessers kann der Flugzeugführer jederzeit den Kraftstoffvorrat (max.130 Liter) ablesen. Das funktionierte natürlich nur im Horizontalflug, da dieses Anzeigesystem auf „Schwimmer-Basis“ basiert.

Die fehlenden farblichen Grenzwertmarkierungen an den Instrumenten und fehlende Hinweisschilder (auch Deviationstabelle) auf der Gerätetafel sprechen dafür, dass es sich bei unserem Belegfoto um ein Werksfoto einer Mustermaschine handelt. Auch der übrige Führerraumbereich sieht noch unbenutzt/ ladenneu aus!

Ausführliche Erläuterungen und Funktionsbeschreibungen finden Sie folgend in der „Gerätetafel – Analyse“ !

 

Gerätetafel – Analyse

              Geräteauflistung der Focke Wulf Fw 44 E

Es wird speziell nur auf die Instrumentierung der Gerätetafel des hier abgebildeten Belegfotos eingegangen!

1. Borduhr Fl.22602
2. Führerkompass „Z7g“  Fl.23227 Fl.23227
(3.)
Kompensierung des Kompass „Z7“
 Kompensierung
4. Halterungsrahmen für Deviationstabelle  „Nav. Vordruck K6“ Fl.23906
5. Drehzahlmesser Fl.20212
6. Druckmesser (Kraftstoff) Fl.20504
7. Druckmesser (Schmierstoff) Fl.20606
8. Dampfdruckthermometer (Schmierstoff) Fl.20308-4
9. Blinddeckel (Einbauloch für Wendezeiger)  Fl.22402
10. Fahrtmesser Fl.22221
11. Grobhöhenmesser Fl.22310
12. Zündschalter Fl.21109 oder Fl.21110

Besonders bedanken möchten wir uns bei Hans-Peter Dabrowski für die freundliche zur Verfügungsstellung der hier abgebildeten historischen Cockpitfotografien, sowie bei Peter W. Cohausz.

Berlin, den 22.November 2009

Oliver Jordan

Quellenangabe:

– „Cockpits deutscher Flugzeuge“, Peter W. Cohausz, Aviatic Verlag, 2000

– „Das Buch der Deutschen Luftfahrttechnik“, Bruno Lange, Verlag Dieter Hoffmann, 1970


Cockpitprofil AR 96


Gerätetafel der Arado Ar 96 B-1

Bild-Quelle: Archiv, Peter W. Cohausz

Die hier beschriebene Gerätetafel für den Flugschüler dieses zweisitzigen Übungsflugzeuges stammt eindeutig von einem relativ frühen Baumuster, was gut an der frühen Instrumentierung und der Lackierung ersichtlich ist.

Allgemeines:

Die Arado Ar 96 entstand 1936 als zweisitziges Schulungsflugzeug für die Fortgeschrittenenausbildung von angehenden Flugzeugführern.

Die V-Muster und die in relativ kleinen Stückzahlen produzierte Arado 96 A-0/A-1 waren noch mit dem Reihenmotor Argus As 10C (240 PS) motorisiert.

Die späteren Serienmaschinen Arado 96 B-1 bis B-7 wurde dagegen mit dem leistungsstarken Reihenmotor Argus As 410A (465 PS) ausgerüstet.

Dieses sehr fortschrittliche, in Schalenbauweise hergestellte, Schulflugzeug ist als freitragender Ganzmetall-Tiefdecker mit Einziehfahrwerk konzipiert worden. Es besitzt eine einteilige Tragfläche, hydraulischen Landeklappen-Antrieb, welcher mit der Querrudersteuerung gekoppelt ist, und automatische, verriegelbare Vorflügel und Doppelsteuerung.
Die beiden Sitze (Flugschüler und Lehrer) sind im Rumpf hintereinander angeordnet und mit einem Plexiglasaufbau und Schiebehauben abgedeckt.
Das breitspurige Fahrwerk wird hydraulisch eingezogen.
Die Ar 96B ist mit einer Argus-Verstellluftschraube und einer kompletten Blindfluginstrumentierung ausgerüstet.
Die umfangreiche Instrumentierung wurde in der Anordnung an die Cockpitaufteilung von modernen Jagdflugzeugen, wie z.B. der Messerschmitt Bf 109, angeglichen.

Die moderne Bauart dieses Ganzmetall-Tiefdeckers mit Einziehfahrwerk, Vorflügeln und Verstellpropeller vermittelte den Flugschülern auch den Hauch von hochmotorisierten Jagdflugzeugen.

Im Anschluss an die Flugausbildung auf der Ar 96 wurden die angehenden Flugzeugführer in der Regel auch gleich auf der Bf 109 geschult.

 

Die Gerätetafel

Die zweiteilige Hauptgerätetafel ( 1 + 2 ) besteht aus 4,5mm starkem Aluminiumblech (Duralumin).
Sie fügt sich optimal in die Platzverhältnisse dieses Rumpfbereiches ein.

In konventioneller Bauweise sind hier die Fluggeräte angeordnet.
Aufgrund der erheblichen Materialstärke entfielen die Annietmuttern zur Befestigung der Geräte. Die Gewinde zur Aufnahme der Befestigungsschrauben (M 4) wurden direkt in die Hauptgerätetafeln geschnitten.

In der Mitte befinden sich die Flugüberwachungs- und Navigationsinstrumente, links die Motorbedienung und Netzausschalter Fl.32315-2 fürs Bordnetz, rechts die Motorüberwachungsgeräte.

Erstaunlich ist die Lackierung der Gerätetafeln in schwarzem Schrumpflack, was gut an der leicht gekräuselten Oberfläche zu erkennen ist.
Schrumpflack wurde insbesondere für Gerätetafellackierungen in den 30`er Jahren verwendet.
Die spätere Normung des RLM sah eine Cockpitlackierung aller Flugzeugbaumuster in Normallack (matt), im Farbton „RLM 66“ (schwarz-grau) vor.

Bemerkenswert ist auch die Vielzahl der aufgenieteten Hinweisschilder, und die mit roter Farbe aufgemalten elektrischen Bordnetzkennungen (z.B. „M5“ über dem Temperaturanzeiger). Das kann man allerdings häufig bei Übungsflugzeugen beobachten.

Die linke Gerätetafelseite hat eine Breite von 355mm und eine Höhe von 320mm. Hier ist speziell die Blindfluginstrumentierung und Schalter für die Motor- und Luftschraubenbedienung untergebracht.

Die rechte Gerätetafelseite ist leicht hinter die etwas vorstehende linke Gerätetafelseite gesetzt, und hat eine Breite von 210mm und eine Höhe von 310mm.
Ähnlich wie bei allen deutschen Flugzeugmustern dieser Zeit sind hier die wichtigsten Geräte zur Motorüberwachung eingebaut.

Die sich darunter befindliche Zusatzgerätetafel besteht vermutlich aus dünnerem Aluminiumblech (ca. 1,0 -1,5mm), wobei uns weder Maße noch genaue Materialkenntnisse darüber vorliegen.
Gut auf dem Belegfoto zu erkennen ist allerdings, dass die nach unten abfallenden äußeren Seitenkanten nach hinten gebogen (gebördelt) sind, und dass es sich um relativ dünnes Blech handelt.
Hier sind zahlreiche Bedienhebel und Pumpen, sowie die Fahrwerks- und Landeklappenbetätigung untergebracht.

Ausführliche Erläuterungen und Funktionsbeschreibungen finden Sie in der folgenden „Gerätetafel – Analyse“ weiter unten !

Besonders bedanken möchte ich mich bei Peter W. Cohausz für die freundliche zur Verfügungsstellung der hier abgebildeten historischen Cockpitfotografie.

Berlin, den 29.August 2008

Oliver Jordan

Gerätebrett-Analyse

Gerätetafel der Arado Ar B-1

Hinweis: Es wird speziell nur auf die Instrumentierung der Gerätetafel des hier abgebildeten Belegfotos eingegangen!

1.Hinweisschild für Fahrwerksbedienung

Bemerkung:

Dieses Schild dient zur Kurzunterweisung der Fahrwerksbedienung. Halt eine Art Erinnerungszettel für die Flugschüler, um bei der Fahrwerksbetätigung auch gar nichts falsch zu machen.
Das mit 4 Nieten an der Gerätetafel befestigte Schild besteht aus recht dünnem Aluminium (ca. 0,5-0,6mm), die Schrift wurde geätzt und das Schild anschließend geschwärzt.

2. Schaltgriff für Luftschraubenverstellung
– Gerät-Nr.?

Zu diesem Schaltgriff liegen uns leider weder Fotos eines Originals, noch irgendwelche anderen Daten vor.
Mit dem Schaltgriff konnte die Stellung der Luftschraubenblätter der speziellen „Argus-Verstellluftschraube“ verändert werden. Bedienungshinweise dazu finden sich auf dem kleinen Hinweisschild, direkt darüber mit folgendem Wortlaut:

3. Fahrwerksanzeige „Vierlampengerät“
Fl.32526
Hersteller: Siemens-LGW, Berlin / Busch-Jäger, Lüdenscheid/ Westf.

Anzeigebereich: Ein (rot) / Aus (grün)

Bemerkung:

Das hier eingebaute „Vierlampengerät“ dient als optische Anzeige für den Betriebszustand des Fahrwerkes.
Ist das Fahrwerk Ausgefahren leuchten beide unteren Lampenfenster mit der Beschriftung „AUS“ grün auf.
Bei eingefahrenem Fahrwerk leuchten die beiden oberen Lampenfenster mit der Beschriftung „EIN“ in roter Farbe auf. Die rote Farbe der Cellonscheiben dient damit gleichzeitig als Warnhinweis, falls ein Flugschüler beim Landeanflug mal vergessen haben sollt, das Fahrwerk auszufahren.
Die grünen Cellonscheiben signalisieren wiederum, dass Alles beim Landeanflug im „grünen Bereich“ ist.
Sollten eine oder beiden Lampen beim Aus- oder Einfahrvorgang des Fahrwerkes mal nicht aufleuchten, so liegt die Ursache dafür in der Regel darin, dass das entsprechende Fahrwerk nicht komplett ein- oder ausgefahren und eingerastet ist, bzw. dass eine Glühlampe defekt ist.

Das hier eingebaute Gerät des Herstellers Siemens-LGW ist komplett im Farbton „RLM 66“ (schwarzgrau) lackiert. Der Schaltknebel im unteren Bereich der Vorderseite dient zur elektrischen Innbetriebnahme des Anzeigegerätes.
Das Vierlampengerät ist knapp oberhalb, des weit nach vorn rausragenden Führertochterkompasses (vorstehender Drehring), in der Gerätetafel eingebaut. Zur besseren Bedienung des Schaltknebels wurde das

4. elektr. Beleuchtungsregler (Dimmer)
Fl.32402-1
Hersteller: Siemens-LGW, Berlin / Busch-Jäger, Lüdenscheid/ Westf.

Dieser veränderliche Widerstandsregler diente zur Regulierung der Gerätebrettbeleuchtung.
Der Beleuchtungsregler in kleiner Bauform besteht aus einem Grundgehäuse aus schwarzem Bakelit und einer hinteren Schutzabdeckung (Aluminiumblech), welche den gewickelten Widerstand schütz.
Die Gehäusebeschriftung „Hell“ und „Aus“ sind in der Tiefprägung mit weißer Farbe hinterlegt, die tiefgeprägte Markierung auf dem Drehknopf ist mit Leuchtmasse ausgefüllt

 

5. Fein- Grobhöhenmesser
Fl.22320
Messbereich: 0-10.000m Höhe
Hersteller: R. Fuess; Berlin-Steglitz

Der hier eingebaute Höhenmesser entspricht dem früheren Standard mit der großen Bezifferung der „Höhenkilometerscheibe“ (0-10km).
Die hier eingebaute Ausführung für Flugzeugführer besitzt an der Frontseite 2 verstellbare Marken mit den Bezeichnungen „F“ und „E“, welche die Druckwerte QFF und QFE repräsentierten. Mit Hilfe dieser 2 Marken und einer weißen Marke hinter dem Instrumentenglas, konnte sich der Pilot sowohl den vorherrschenden Luftdruck am Startplatz, als auch den am Landeplatz merken.

Diese Standardgerät der deutschen Luftwaffe wurde in sehr großen Stückzahlen hergestellt, und war in zahlreichen Flugzeugbaumustern eingebaut. Zur Platz- und Gewichtseinsparung wurde hier ein Feinhöhenmesser mit einem Grobhöhenmesser kombiniert.
Das barometrische Gerät, mit Membrandosenmesswerk und statischem Druckausgleich, reagiert auf kleinste Luftdruckänderungen, wobei das Ziffernblatt anstatt in Millibar in Meter/ Kilometer Höhe geeicht ist.
Im unteren Ziffernblattbereich befindet sich ein Ausschnitt, hinter dem eine drehbare Zahlenscheibe gelagert ist, welche die Höhenkilometer (0-10 km) anzeigt. Der Zeiger selbst zeigt die Höhenmeter an (jeweils in 100m-Bezifferung, 0,0 – 1,0 km). Bei einer komplette Zeigerumrundung im Uhrzeigersinn, wird auf der Zahlenscheibe (Höhenkilometer) jeweils 1 km mehr angezeigt. Bei Zeigerdrehung, entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn, nimmt die angezeigte Höhe entsprechend ab.
Im oberen Ziffernblattbereich befindet sich ein Ausschnitt , hinter dem eine, per Drehknopf (unter an der Front) einstellbare Scheibe für den Luftdruck gelagert ist. Diese Scheibe ist umlaufend mit den Luftdruckwerten von 930-1050 Millibar beschriftet (bedruckt oder graviert).

6. Führertochterkompass PFK/f2
Fl.23334
Messbereich: 0- 360°
Hersteller: A.Patin, Berlin / J.C. Eckardt, Stuttgart

Der hier eingebaute Führertochterkompass entspricht der frühen Bauart, mit lackiertem Gehäuse (RLM 66) und Herstellerschriftzug „PATIN“ auf der Steuerrose.

7. Bordchronograph Bo-UK1
Fl.23885
Messbereich: 0- 12h / 0-30 min (Stoppfunktion)
Hersteller: Gebr. Junghans AG, Schramberg

Auf dem Foto ist gut zu erkennen, dass hier noch ein frühes Modell eingebaut ist mit lackierter Messinglunette, „12-Stundenziffernblatt“ und 30-Minuten Stoppzähler.

Diese Blindfluguhr mit Chronographenfunktion war als wichtiges Navigationsgerät in zahlreichen Flugzeugbaumustern der ehem. Luftwaffe eingebaut.
Das Aluminiumdruckgussgehäuse (lackiert in RLM66) schützte das Uhrwerk Kaliber „J30 BZ“. Rückseitig war das Uhrwerk durch einen dünnen Staubschutzdeckel und einen stabilen Aluminiumboden geschützt, welcher per Bajonettverschluss geöffnet und verschlossen werden konnte.
Die bei „6 Uhr“ befindliche Aufzugskrone dient auch gleichzeitig zum Stellen der Uhr, wenn der kleine Arretierhebel (unterhalb von „5 Uhr“) rausgezogen ist.
Gestoppt (Start-Stopp-Nullung) wurde mit dem kleinen ovalen Drücker unterhalb der Aufzugskrone. Der Sekundenzeiger läuft zentral, während dessen sich der Minutenstoppzeiger (hier 30 min-Einteilung) unterhalb der Zeigerwelle befindet.
Die Lunette mit Startmarke (bei0/60) ist beidseitig drehbar und trägt eine tiefgeprägte 60-Minuteneinteilung, welche mit weißer Farbe hinterlegt ist. Damit kann der Flugzeugführer seine genaue Startzeit markieren.

Oberhalb der Borduhr ist ein Hinweisschild auf die Gerätetafel genietet mit folgendem Wortlaut: „Höchste Sturzfl.-Drehz. 3200 U/min“
„Höchste Sturzfl.-Geschwind. …..km/h“

 

8. Zündschalter SSH 45 / 7Z
Fl.21118 

oder

Fl.21124-1 (mit integrierter Fernbetätigung (über Seilzüge), für Schulflugzeuge mit Doppelinstrumentierung (Flugschüler und Fluglehrer)

Hersteller: Robert Bosch AG, Stuttgart / Stotz-Kontakt GmbH, Stuttgart

Der Zündschalter, oder auch Zündschloss, mit den Schaltmöglichkeiten „0“, „M1“, „M2“ und „M1+M2“ diente zum einzelnen und gemeinsamen Einschalten der 2 Zündkreis bei der Zündung zum Anlassen des Flugmotors.
Der hier eingebaute frühe Zündschalter ist schwarz lackiert, und die Beschriftung ist mit Leuchtmasse belegt.
Der Zündschlüssel besteht aus Stahl mit einem kugeligen, Handknauf aus Aluminiumguss.
Als Besonderheit ist hier hervorzuheben, dass der Handknauf lackiert (rot?) ist.
Der Zündschlüssel musste nach Vorschrift immer „unverlierbar“ an der Gerätetafel per Kette befestigt sein, was man auch gut auf dem Belegfoto erkennen kann.

9. Netzausschalter
Fl.32315-2
Hersteller: Siemens-LGW, Berlin

Dieses Standardbauteil der ehemaligen Luftwaffe diente dazu, per Knopfdruck das gesamte elektrische Bordnetz zu unterbrechen. Der Druckknopf selbst ist rot eloxiert (rot= Notauslösung). Das Gehäuse ist durch die mit weißer Farbe hinterlegten Gravur „Netzausschalter“ gekennzeichnet.
Absolut ungewöhnlich ist das raumnahe Einbauloch, direkt unterhalb des Zündschalters. Die Einbaulöcher für beide Geräte liegen dabei so eng zusammen, dass vom Netzausschalter der obere Teil des Gehäuses abgetrennt (ca.2mm) werden musste, damit beide Geräte auf der Gerätetafel fest montiert werden konnten.
Der Netzausschalter sitz auch kurioser Weise direkt auf dem kleinen, länglichen Hinweisschild für den darunter befindlichen, in der Zusatzgerätetafel eingebauten, Brandhahn.

10. Fahrtmesser (Staudruckfahrtmesser)
Fl.22231
Messbereich: 80– 750 km/h
Hersteller: Bruhn-Werke GmbH, Berlin

Dieses Standardgerät ist ebenfalls früher Bauart, was gut an dem geprägten Ziffernblatt mit Herstellerlogo und Name, Werknummer und Anforderungskennzeichnung zu erkennen ist.

11. elektr. Wendezeiger
Fl.22412
Hersteller: Dr.Th. Horn, Leipzig / Plauen

Laut bisherigen Erkenntnisstand war in der Gerätetafel der Ar 96 B normalerweise der elektr. Wendezeiger, Fl.22406, eingebaut.
Auf dem uns vorliegendem Belegfoto ist aber tatsächlich das Nachfolgebaumuster,Fl.22412 , eingebaut.
Der hier eingebaute Wendezeiger entspricht aber der frühen Bauform des „Fl.22412“, mit der Ziffernblattkennzeichnung „L“ und „R“, welche mit Leuchtmasse belegt ist.

12. Statoskop-Variometer (Membrandosen-Variometer mit Statoskopfunktion)
Fl.22381-10
Messbereich: +/- 0-10 m/s
Hersteller: W. Ludolph, Bremerhaven / Askania-Werke AG, Berlin

Das hier eingebaute Statoskop-Variometer stammt von der Firma W.Ludolph.
Hersteller, Werknummer und Anforderungskennzeichnung sind im Ziffernblatt eingeprägt.

13. elektr. Gitterschauzeichen (Staurohrheizung)
Fl.32525-3
Hersteller: Siemens-LGW, Berlin
Anzeigebereich: Ein / Aus

Ein häufig verwendetes elektrisches Standardbauteil zur Betriebsüberwachung von elektrischen Anlagen. Im Falle der Ar 96 B-1 wird signalisiert, ob die Staurohrheizung in Betrieb ist oder nicht.
Das Hinweisschild mit der Beschriftung: „Staurohr-Heizung“ wurde direkt rechts neben dem Schauzeichen auf der Gerätetafel angebracht.
In größeren Flughöhen, sowie im Winterflugbetrieb bereits am Boden, musst das Staurohr elektrisch beheizt werden, da es ansonsten vereisen und somit ausfallen könnte. Eine Fahrtmessung wäre somit unmöglich.
Die Betriebsbereitschaft der Anlage wird durch weiße Felder (helle Leuchtmasse?) im Gitter der Frontseite angezeigt. Ist die Anlage ausgeschaltet, bleiben die entsprechenden Felder dunkel (schwarz).
2 Abweichungen zu anderen Einbauten dieser Schauzeichen sind hier auffällig. Die Abdeckung mit Lupenglas wurde ersatzlos weggelassen. Das Schauzeichen wurde mittels zweier kleiner Distanzwürfel (Bakelit oder Pertinax?) um ca. 10mm nach vorn versetzt. Es liegt also nicht direkt auf der Gerätetafel auf. Warum dieser Einbau so erfolgte ist schwer nachvollziehbar. Vielleicht war im Rückseitenbereich der Gerätetafel nicht genug Platz für die Einbaulänge?

14. elektr. Vorratsanzeiger (Kraftstoffvorrat)
Fl.20723
Messbereich: 0- 175 Liter
Hersteller: Siemens-LGW, Berlin / Hartmann & Braun, Stuttgart

Der hier eingebaute Vorratsanzeiger, früher Bauart, des Herstellers Hartmann & Braun hat einen maximalen Anzeigebereich von 175 Litern Kraftstoff.
Zur besseren Übersichtlichkeit ist der vordere Bereich des Gerätegehäuses mit gelber Farbe (gelb= Kraftstoff) gekennzeichnet.
Oberhalb des Vorratsanzeigers wurde provisorisch ein, mit Schreibmaschine beschriebenes, Hinweisschild aus Pappe angebracht mit folgender Beschriftung:

„Bis auf Widerruf für Kunstflug gesperrt!“
„Sturzfluggeschwindigkeit auf 400 km/h begrenzt.“
„Dauerleistung 2820 U/min.“
„Ladedruck 1,0 ata.“

Anordnung der Kraftstoffbehälter

15. Ladedruckmesser
Fl.20550
Messbereich: 0,6- 1,8 ata
Hersteller: Askania-Werke AG, Berlin / J.C. Eckardt, Stuttgart

Der eingebaute Ladedruckmesser der Firma Askania hat im Ziffernblatt Herstellerlogo, Werknummer und Anforderungskennzeichnung eingeprägt.
Auffällig sind die am vorderen Gehäusering handschriftlich angebrachten Farbmarkierungen (weiß-rot-weiß) bei 1,15 ata, 1,2 ata und 1,42 ata, als Merkpunkte für die jeweiligen optimalen Ladedrücke in gewissen Höhen und bei entsprechenden Motordrehzahlen.

16. elektr. Temperaturanzeiger (Schmierstofftemperatur)
Fl.20342-2
Messbereich: 0- 120 °C
Hersteller: Siemens-LGW, Berlin / Hartmann & Braun, Frankfurt/ Main

Der hier eingebaute elektr. Temperaturanzeiger, früher Bauart, des Herstellers Hartmann & Braun, hat einen maximalen Messbereich von 120°C.
Zur besseren Übersichtlichkeit ist der vordere Bereich des Gerätegehäuses mit brauner Farbe (braun =Schmierstoff) gekennzeichnet.
Am braun lackierten Gehäusering wurde noch zusätzlich eine handschriftliche Farbmarkierung (weiß-rot-weiß) bei 35°C angebracht. Dieser Wert entspricht der optimalen Schmierstofftemperatur bei laufendem Motor.

17. mechan. Drehzahlmesser (Fliehpendelprinzip)
Fl.20222-3
Messbereich: 600- 3.600 U/min
Hersteller: Bruhn-Werke, Berlin

Der hier eingebaute Drehzahlmesser ist ein sehr häufig bei der Luftwaffe verwendetes Baumuster. Auf dem Ziffernblatt sind Herstellerlogo und Name, Werknummer und Anforderungskennzeichnung eingeprägt. Alle Ziffern sind mit Leuchtmasse belegt.
Auffällig ist die am Gehäusering handschriftlich angebrachte Farbmarkierung (weiß-rot-weiß) bei 2850 U/min, als Merkpunkt für die maximale Dauerleistung der Motordrehzahl.

18. Doppeldruckmesser (Kraftstoff- und Schmierstoffdruck)
Fl.20512-1
Messbereich: 0- 1 kg/cm² (Kraftstoff)
0- 10 kg/cm² (Schmierstoff)
Hersteller: Maximall-Apparate-Fabrik, Berlin

Pneumatischer Standarddruckmesser (Doppeldruckmesser) für 2 Messbereiche in kleiner Einbaunorm. Zur Platzeinsparung wurden hier 2 unabhängig arbeitende Federrohrmesswerke mit entsprechenden 2 Anschlussstutzen (Rückseite) in einem Gehäuse verbaut.
Zur besseren Übersichtlichkeit für den Flugzeugführer, ist das Gehäusevorderteil linksseitig mit gelber Farbe (gelb= Kraftstoff) und rechtsseitig mit brauner Farbe (braun= Schmierstoff) gekennzeichnet.
Das es sich hier um ein frühes Baumuster handelt, kann man gut an den winkligen Stellmarken auf dem Ziffernblatt erkennen. Diese Marken grenzen hier einen Kraftstoffnormaldruck von 0,2 – 0,3 kg/cm², sowie einen Schmierstoffnormaldruck von 3,0 – 10,0 kg/cm² ein.

19. Anlassschalter
Fl.21212-1
mit Sicherheitsklappe und Bedienschild
– Fl.21217-4
Hersteller: Robert Bosch AG, Stuttgart

Ungewöhnlich an dem hier eingebauten Anlassschalter mit Klappe ist die fehlende Lackierung in RLM 66. Vermutlich wurden die frühen Baumuster dieser Schalter noch unlackiert ausgeliefert.
Interessant ist das kleine Hinweisschild (Aluminium, geätzte Schrift, geschwärzt), direkt unterhalb des Anlassschalters, mit folgender Beschriftung :

„Elektrisches Starten“
„max. 30 Sek. ziehen, dann 2 Minuten Pause“
„Starten von Hand:“
„max. 1 Min. drücken, dann 2 Min. Pause“

20. Schalthebel für Brandhahn (oben)
und Hebel für Behälterschaltung (unten)
Gerät-Nr. ?

Brandhahn:
Der im oberen Bereich befindliche Brandhahn besitzt 4 Schaltmöglichkeiten. Der kugelförmige Schaltknauf besteht aus rotem Bakelit (rot= Not/Brandgefahr).
Oberhalb des Schalthebels an der linken Hauptgerätetafel ist dazu ein Hinweisschild mit den einzelnen Schaltungen angebracht:

„P1 u. P2“ „P1“ „P2“ „Brandhahn zu“

Das Aluminiumschild mit geätzter Schrift wurde im Schriftbereich „Brandhahn zu“ mit roter Farbe gekennzeichnet, wobei es ansonsten geschwärzt ist.

Behälterschaltung:
Die Ar 96 verfügt über 3 Kraftstoffbehälter, 1 Hauptbehälter (175 Liter) und 2 Zusatzbehälter (jeweils 35 Liter). Die Behälterschaltung besitzt 3 Schaltmöglichkeiten und befindet sich im unteren Bereich der Schalterkulisse. Der kugelförmige Schaltknauf besteht aus gelbem Bakelit (gelb=Kraftstoff).
Hier wurden die Hinweisschilder direkt auf der Vorderabdeckung mit folgender Beschriftung angebracht:

„Hauptbehälter“, „Zusatzbehälter“, „links“ und „rechts“

Hinweis : Leider liegen uns zu diesem Bauteil keinerlei Teilenummern vor!
Sollte uns einer der Leser diesbezüglich helfen können, würden wir uns sehr freuen!

21. Strom- und Spannungsmesser
Fl.32502-4
Messbereich: +/- 0 -30 A / V
Hersteller: Siemens-LGW, Berlin

Dieses Standardgerät ist ein kombinierter Anzeiger für die Stromstärke und die anliegende Spannung des Bordnetzes.
Mit dem Druckknopf im unteren, rechten Gehäusebereich konnte durch Drücken die Stromstärke abgefragt werden, ansonsten zeigte das Gerät permanent die Spannung an.

22. Handpumpe für Kraftstoff
Gerät-Nr.: 8-96 ?

Diese Handpumpe dient vermutlich zur Erhöhung des anliegenden Kraftstoffdruckes, falls dieser mal zu niedrig sein sollte.
Der kugelförmige Pumpknauf besteht aus gelbem Bakelit (gelb=Kraftstoff).
Oberhalb des Pumpenhebels an der rechten Hauptgerätetafel sind dazu 2 Hinweisschilder mit folgender Beschriftung angebracht:
„Kraftstoffdruck“„Pumpe“

Man hat hier kurioser Weise 2 Schilder für 1 Wort, „Kraftstoffdruckpumpe“, angebracht. Vermutlich war ein passendes Schild nicht vorrätig.

Leider liegen uns zu diesem Bauteil keinerlei Teilenummern vor!
Sollte uns einer der Leser diesbezüglich helfen können, würden wir uns sehr freuen!

23. Schieber für Betriebsdatentafel und Deviationstabelle
– Fl.23501
Hersteller: Wedekind & Co., Hagen (Westf.)

Der hier eingebaute Schieber ist in der Farbe RLM 66 lackiert.

Ein Standardschieber für, je nach Flugzeugtyp, genormte Betriebsdaten-, und Deviationstabellen. Der Schieber besteht aus vorgeformten Aluminiumblechteilen. Die Einschübe für die Tabellen werden von dünnen, transparenten Cellonscheiben abgedeckt, um Verschmutzungen und Beschädigungen zu vermeiden. Der Schieber selbst konnte herausgezogen , und an einem drehbarem Gelenk bewegt werden. Diese Schieber wurden entweder in schwarzer oder in luftwaffengrauer (RLM 66) Lackierung ausgeliefert.

24. Hydraulik- Handpumpe
Gerät-Nr.: 8-96. ?

Die Ar 96 verfügte über ein geschlossenes Hydrauliksystem für die Betätigung von Fahrwerk und Landeklappen.
Diese Handpumpe dient vermutlich zur Erhöhung des anliegenden Hydraulikdruckes, falls dieser mal während des Fluges absinken sollte.
Der kugelförmige Pumpknauf besteht aus lackiertem Aluminium (Farbe ?).
Oberhalb der Pumpe ist ein kleines Hinweisschild mit folgender Beschriftung angebracht:
„Hydr. Handpumpe“

Leider liegen uns zu diesem Bauteil keinerlei Teilenummern vor!
Sollte uns einer der Leser diesbezüglich helfen können, würden wir uns sehr freuen!

25. Schalthebelkasten für Vorflügelverstellung (links)
und Landeklappenverstellung (rechts)
Gerät-Nr.: 8-96 ?

Dieser Hebelschaltkasten wurde vermutlich speziell für die Arado 96 entwickelt. Die Einbaunorm entspricht der eines Flugzeuginstrumentes für Einbaulöcher von 80 mm Durchmesser.

Der Hebel zur Vorflügelverstellung befindet sich auf der linken Frontseite des Gerätes, und trägt am Ende einen kleinen Kugelknauf aus (schwarzem) Bakelit. Links neben dem Hebel sind Hinweisschilder angebracht mit der Beschriftung:
„Vorflügel“ „Zu“ (Pfeil nach oben) / „Auf“ (Pfeil nach unten)

Der Hebel zur Landeklappenverstellung befindet sich auf der rechten Frontseite des Gerätes. Der Hebel selbst scheint von längerer Bauart, als bei der Vorflügelverstellung zu sein. Auch der Kugelknauf scheint einen größeren Durchmesser zu haben, wobei hier der Knauf vermutlich aus Aluminium ist.
Links neben dem Hebel ist ein Hinweisschild befestigt mit der Beschriftung:
„Landeklappe“
Rechts neben dem Hebel befindet sich ein Hinweisschild mit der Beschriftung:
„ Auf – Start – Nieder“

Leider liegen uns zu diesem Bauteil keinerlei Teilenummern vor!
Sollte uns einer der Leser diesbezüglich helfen können, würden wir uns sehr freuen!

26. Anzeigegerät für Landeklappenstellung
Gerät-Nr.: 8-96 ?

Dieses bisher unbekannte Gerät hat den Anzeigebereich von 0-6, für die jeweilige Stellung der Landeklappen, und funktioniert vermutlich rein mechanisch. Die Einbaunorm entspricht der eines Flugzeuginstrumentes für Einbaulöcher von 80mm Durchmesser.
Das Zeigerwerk (Zeiger) ist vermutlich mit einer langen Kugelkette gekoppelt, welche direkt mit den Landeklappen verbunden ist, und sich je nach Bewegung der Klappen bewegt. Die Rückholung der Kette beim Einfahren der Landeklappen erfolgt über eine Feder am Zeigerwerk.

Leider liegen uns zu diesem Bauteil keinerlei Teilenummern vor!
Sollte uns einer der Leser diesbezüglich helfen können, würden wir uns sehr freuen!

27. Schalttafel für Fahrwerksbetätigung und Notbetätigung
Gerät-Nr.: 8-96 ?

Diese Schalttafel zur Fahrwerksbetätigung wurde vermutlich nur für die Arado 96 B-Varianten entwickelt. In der Ar 96 A war noch eine andere Fahrwerksbetätigung eingebaut.
Bei der Frontblende aus Aluminium wurde die erhabene Schrift geätzt und das Schild geschwärzt. Der gekennzeichnete Bereich um den Schriftzug „Not-Ausfahren“ wurde in roter Farbe ausgeführt. Auch die Sicherungsklappe, oberhalb des Schalthebels, ist mit roter Farbe lackiert.

Die genaue Funktionsweise des Gerätes ist gut im Handbuch Bedienvorschrift der Arado 96 B-3 beschrieben.

Leider liegen uns zu diesem Bauteil keinerlei Teilenummern vor!
Sollte uns einer der Leser diesbezüglich helfen können, würden wir uns sehr freuen!

28. Zugring für Feuerlöschanlage
Gerät-Nr.: 8-96. ?

Da dieses Gerät nicht mehr auf dem Bildausschnitt des Belegfotos zu sehen ist kann zum Aufbau und Aussehen wenig gesagt werden.
Dieser Zugring diente vermutlich zur Aktivierung der Feuerlöschanlage, bei Bränden im Motorbereich. Mit Sicherheit war das Gerät mit roter Farbe gekennzeichnet, und verfügte über eine Sicherungseinrichtung gegen unbeabsichtigtes Betätigen.

Leider liegen uns zu diesem Bauteil keinerlei Teilenummern vor!
Sollte uns einer der Leser diesbezüglich helfen können, würden wir uns sehr freuen!

29. Hebel für Verstellung der Seitenruderpedale
Gerät-Nr.: 8-96. ?

Da dieses Gerät nicht mehr auf dem Bildausschnitt des Belegfotos zu sehen ist kann zum Aufbau und Aussehen wenig gesagt werden.
Dieser Hebel diente zur manuellen Verstellung des Pedalabstandes für die Seitenrudersteuerung. Hier konnte sich jeder Flugschüler, je nach Größe und Beinlänge, den optimalen Abstand zum Führersitz einstellen.

Leider liegen uns zu diesem Bauteil keinerlei Teilenummern vor!
Sollte uns einer der Leser diesbezüglich helfen können, würden wir uns sehr freuen!

30. Anlasseinspritzpumpe mit Behälter SUM „ABP 6“
Gerät-Nr. 8-4506 A
Hersteller: SUM Vergaser- Gesellschaft Carl Wirsum & Co., Berlin

Diese spezielle Anlasseinspritzpumpe ist direkt in einem Behälter integriert. Das Gerät ist im unteren Bereich der Zusatzgerätetafel befestigt, was auf Bildausschnitt unseres Belegfotos leider nicht mehr zu sehen ist ( Abb. Nr.7 ).

 

Auf dem Pumpenhebel ist in der Regel das Firmenlogo „Sum“ erhaben eingegossen.
Die komplette Anlage,für die Anlasshilfe des Flugmotors, besteht aus der Pumpe, dem Anlasskraftstoffbehälter und dem Vernebler, nebst den notwendigen Rohrleitungen.
Die Anlasspumpe wurde immer in der Nähe des Führersitzes montiert, der Vernebler im Ansaugrohr des Flugmotors.
Das Besondere an dieser Anlasseinspritzpumpe war, dass sie mit einem automatischen Sicherheitsventil ausgerüstet war, welches verhindert, dass vom laufenden Motor Kraftstoff aus der Pumpe abgesaugt werden kann.
Mittels der Anlasseinspritzpumpe wird der Kraftstoff angesaugt und durch die im Saugrohr des Motors eingeschraubten Verneblerknie,- oder T-Stücke fein zerstäubt in das Saugrohr eingespritzt.

 

Berlin, den 24.August 2008

Oliver Jordan

 

Quellenangabe:

– „Cockpits deutscher Flugzeuge“, Peter W. Cohausz, Aviatic Verlag, 2000
– FLUGZEUG CLASSIC, Ausgabe 10/2003, „Cockpits historischer deutscher Flugzeuge im Detail, Teil 28“
– Cockpitbelegfoto: Sammlung Peter W. Cohausz

 Geräteauflistung der Arado 96 B-1

Es wird speziell nur auf die Instrumentierung der Gerätetafel des hier abgebildeten Belegfotos eingegangen!

1. Hinweisschild für Flugzeugbedienung Schild
2. Schaltgriff für Luftschraubenverstellung ?
3. Fahrwerksanzeige „Vierlampengerät“ Fl.32526
4. Verdunkler Fl.32402-1
5. Fein- Grobhöhenmesser Fl.22320
6. Führertochterkompass PFK/f2 Fl.23334
7. Borduhr Fl.23885
8. Zündschalter SSH 45 / 7Z Fl.21118
9. Netzausschalter Fl.32315-2
10. Fahrtmesser Fl.22231
11. elektr. Wendezeiger Fl.22412
oder Fl.22406
12. Statoskop-Variometer Fl.22381-10
13. elektr. Gitterschauzeichen Fl.32525-3
14. elektr. Vorratsanzeiger Fl.20723
15. Ladedruckmesser Fl.20550
16. elektr. Temperaturanzeiger Fl.20342-2
17. Drehzahlmesser Fl.20222-3
18. Doppeldruckmesser Fl.20512-1
19. Anlassschalter mit Klappe u. Bedienschild Fl.21212-1
20. Schalthebel für Brandhahn (oben) ?
und Hebel für Behälterschaltung (unten) ?
21. Strom- und Spannungsmesser Fl.32502-4
22. Handpumpenhebel für Kraftstoff 8-96 ?
23. Schieber für Betriebsdatentafel und Deviationstabelle Fl.23501
24. Hydraulik- Handpumpe ?
25. Schalthebel für Vorflügelverstellung (links) 8-96 ?
und Landeklappenverstellung (rechts)
26. Anzeigegerät für Landeklappenstellung 8-96 ?
27. Schalttafel für Fahrwerksbetätigung 8-96 ?
28. Zughebel für Feuerlöschanlage ?
29. Hebel für Verstellung der Seitenruderpedale ?
30. Anlasseinspritzpumpe mit Behälter AP6 Gerät: 8-4506 A

Quellenangabe:

  • „Cockpits deutscher Flugzeuge“, Peter W. Cohausz, Aviatic Verlag, 2000
  • „Das Buch der Deutschen Luftfahrttechnik“, Bruno Lange, Verlag Dieter Hoffmann, 1970

Literaturempfehlung:

  • „Cockpits deutscher Flugzeuge“, Peter W. Cohausz, Aviatic- Verlag, 2000, ISBN 3-925505-57-1


Cockpitprofil Fi 156 „Storch“


Gerätebrett der Fieseler Fi 156 „Storch“

 Fieseler Fi 156 Transporter

Allgemeines

Das Gerätebrett 156.902-40 der Fi 156 bestand aus zwei Teilbrettern: Der Hauptgerätetafel 156.902-40-01 und der Blindflugtafel 156.902-40-02, welche über Schwingelemente mit der Hauptgerätetafel verschraubt war. In das Blindflugbrett eingebaut waren die wichtigsten Flug- und Motorüberwachungsinstrumente, während das Hauptgerätebrett nur weniger empfindliche Geräte, sowie die Bedienhebel für Brandhahn und Filterbatterie und andere mechanische Anbauteile aufnahm.
Beide Bretter waren aus tief gezogenem 2mm Dural-Blech. Das Hauptgerätebrett wurde zusätzlich mittels eingenieteter Winkelprofile versteift. Für die Aufnahme der Geräte war das Blindflugbrett komplett, das Hauptgerätebrett teilweise mit Annietmuttern M4 versehen.

Instrumentierung

Generelle Bemerkung: Die Fi 156 C-7 stellt sozusagen die Abschlussvariante einer recht langen Karriere des „Storch“ im Dienste der ehemaligen dt. Luftwaffe dar. Daraus resultiert, dass auch die eingebauten Instrumente vornehmlich solche später Ausführung, mit Herstellercode und bevorzugt Abziehbilder als Typenschilder, waren. Dass dies aber trotzdem nicht konsequent der Fall war, liegt vor Allem daran, dass Lagerbestände älterer Geräte wohl vornehmlich bei Flugzeugen untergeordneter Bedeutung, wie die Fi 156 eines war, aufgebraucht wurden.

Regensburg, den 12.Januar 2007

Harald Melchner

Gerätebrett-Analyse

Bestückung nach Fl-Nummer:

Pos.
Stück
Bezeichnung
Verwendung
Bemerkung
Anf. Z.
Ger. Nr.
Baugr. Nr.
Alternativteil
Stromkreis-
kennz.
1 1 Fahrtmesser Fl 22233 Fl 22228
Fl 22209
2 1 Wendezeiger Fl 22402
3 1 Variometer Fl 22381-10 Fl 22382
Fl 22384
4 1 Höhenmesser Fl 22320
5 1 Borduhr Kienzle Fl 23886-1 Fl 23886
Fl 23885
6 1 Drehzahlmesser Fl 20222-3 Fl 20222
7a 1 Temp. Anzeiger 130°C Fl 20342 Fl 20343 M1
7b 1 Instrumentensteckdose für elt. Anzeigegeräte Fl 32615-3 M2
8 1 Druckanzeiger doppel 1/10 Fl 20512-1
9 1 Beleuchtungsregler (Dimmer) Fl 32402-1 C3
10a 1 Gerätebrettleuchte an GB-Leuchte Fl 32267 C1
10b 1 Leuchtenkappe an GB-Leuchte Fl 32253-3
10c 1 Feder an GB-Leuchte Fl 32253-5
10d 1 Lampe, 24V, 3(5)W, Ba15d an GB-Leuchte Fl 32778 Fl 32779
11 1 Kippschalter Einb. Fl 32316 C4
12 1 Geschwindigk. Datentafel 156.902-4011
156.902-4012
13a 1 Betriebsdatenschieber Fl 23501
13b 1 Betriebsdatentafel in Schieber 156.902-4014
13c 1 Deviationstabelle in Schieber Fl 23906
14 1 Ventilbatteriehebel 156.704-14H01
15 1 Trimmdatentafel 156.902-4013
156.902-4015
16 1 Anlasseinspritzpumpe nicht in Gerätebrett 8-4505 A
17 1 Kartenkasten nicht in Gerätebrett 156.902-26
18 1 Starter nicht in Gerätebrett Fl 21212 B7 (?)
19 1 Kippschalter Einb. nicht in Gerätebrett Fl 32350 ?
20 1 Zündschalter Fl 21118 B5
21 1 Brandhahnhebel 156.704-08H02
22 1 Netzausschalter Fl 32315-2 A6
23a 1 Merkleuchte rot Fl 32529 B12
23b 1 Lampe, 24V, 2W, Ba7s in Merkleuchte rot Fl 32774
24 1 Schauzeichen mit Blende Fl. 32525-3 Fl 32525-4 D4


Cockpitprofil Fokker T-8W


Gerätebrett der Fokker T-8W

Bild von Herr : Mathieu Van den Bosch , Holland

Gerätebrettbeschreibung Beutemaschine Fokker T 8-W

Die Fokker 8 T-W war für die Luftwaffe eine besondere Herausforderung in Technik und fliegerischem können. Insbesondere für den Flugzeugführer selbst.
Im Rahmen der deutschen Westoffensive im 10.Mai 1940 gingen auch Beuteflugzeuge an die Luftwaffe über. Dazu gehörten auch einige Fokker T 8-W der holländischen Luftwaffe. Diese wurden von der deutschen Luftwaffe als Torpedobomber und Aufklärer eingesetzt.

Die Flugzeugfabrik N.V. (Nederlandsche Vliegtuigenfabriek Fokker) wurde am 21.Juli 1919 gegründet. Aufgrund der Kriegshistorie wurde der Name Fokker sorgfältig vermieden.

Es ist schön anzuschauen, wie sich die damalige Zeit in diesem Flugzeug widerspiegelt.
Dies kann man sehr gut auf dem Gerätebrett dieses Baumusters erkennen.

Das geschulte Auge erkennt sofort die Standartgeräte der Luftwaffe sowie diverse Geräte aus englischer und amerikanischer Produktion. Dies war für die damalige Zeit eher ungewöhnlich, da seitens der deutschen Führung alles versucht wurde, fremde Einflüsse zu vermeiden. Anscheinend war das Gerätebrett dieser Fokker eine der wenigen Ausnahmen, wobei aber sicherlich der Zweck erfüllt wurde.

 

Folgende Hersteller sind anhand der Geräte zu erkennen :

Deutschland:

  • Algraph Druck – Deviationstafel
  • Askania – Horizont,Wendezeiger
  • Bruhn – Fahrtmesser
  • Fuess – Höhenmesser
  • Junghans – Borduhr
  • Patin – Führertochterkompass

England :

  • Nagretti Zambra – Gemisch Temperaturmesser
  • Weston London – Zylinder Temperaturanzeiger

USA :

  • Cambrige – Doppelanzeiger Gasanalyse
  • Kollsman – Ladedruckmesser
  • Kollsman – Komp. Druck- Temperaturanzeiger

Es bedurfte sicher einiges an Erfahrung und Übung des Piloten, um dieses Flugzeug auch in Notsituationen sicher fliegen zu können. Sicher wurde bei einigen Einsätzen auf die holländischen Besatzungen zurückgegriffen, wovon auch einige mit ihren Fokker Flugzeugen nach England flüchteten. Theoretisch, wäre eine Begegnung dieses Flugzeugtyps ( Feind / Freund ) möglich gewesen, dazu kam es aber nie.

Das ganze Gerätebrett wurde aus 3 mm Aluminium gefertigt.
Viele Schilder, Drehknöpfe und Instrumente sind mit holländischer Schrift gekennzeichnet.

Auffallend ist, dass alle Geräte von hinten eingebaut worden sind, die Ausnahme bildet allein der Führertochterkompass von Patin. Die meisten Geräte wurden mit grossen Sechskantschrauben befestigt. Die Geräte aus der Kollsmanproduktion hatten anscheinend eher kleine Schraubenbohrungsdurchmesser, und wurden daher mit kleineren Schrauben befestigt.

Im oberen rechten Teil des Gerätebrettes, gleich vor dem Flugzeugführer, befanden sich die Flugüberwachungs- und Navigationsgeräte. Gut zu erkennen ist der große Führertochterkompass / Fl.23333 von Patin. Der eigentliche Kompass, der Mutterkompass, befand sich im hinteren Rumpfende, wo es fast keine „magnetischen Störungen“ gab. Als Notkompass, ist der OK 38 / Fl.23234 (Orterkompass), links unter dem Gerätebrett eingebaut.

In der Fokker T 8-W waren einige Flugüberwachungsgeräte doppelt eingebaut. Jeweils für den Flugzeugführer und den Beobachter. Der Beobachterplatz befindet sich in der vorderen verglasten Bugkanzel. Dort war ein kleines Gerätebrett eingebaut.

Doppelt eingebaut waren folgende Geräte:

Nur in der Beobachterkanzel waren eingebaut :

  • 1 x Beobachtertochterkompass Fl.23335 (Patin)

Weiter Geräte zur Navigation waren um den Führertochterkompass angeordnet. Unterhalb war z.B. das Navigationsgerät mit den grossen Buchstaben L + R eingebaut. Dieses Instrument war vermutlich eine Art einfache Navigationsanzeige. Wie beim AFN 1 oder AFN 2 der Luftwaffe, zeigt es mit 2 senkrechten Zeigern, die Abweichung vom Kurs an. Etwas Ähnliches gab es auch in den Lancaster Bombern der RAF (D.F.- Indicator, D.F.=Direction Finder).

Fluglageanzeigen :

Das große Gerät neben dem Führertochterkompass ist der Horizont Lgab-13a von Askania. Dieser zeigte dem Flugzeugführer optisch die Fluglage des Flugzeuges gegenüber dem Horizont an.
Über dem Führertochterkompass befindet sich der Wendezeiger (Fluglageanzeiger) Fl.22402 von Askania nach der Geräteliste. Eventuell wurde auch ein englisches Gerät eingebaut. Dieses Gerät zeigt die Drehungen um die Hochachse mit dem Zeiger, und die Fliehkräfte zur Hochachse mit der Libelle an.
Im Wendezeiger ist ein Kreisel eingebaut, der mit Unterdruck von einer Sogpumpe (ca.400 mmWs) betrieben wird. Dabei wird Luft aus dem Anzeigergehäuse abgesaugt. Die zum Ausgleich eindringende Aussenluft treibt dabei den Kreisel (6.000 bis 7.000 U/min) an.

Der Unterdruckmesser LM 449 von Askania, zur Überwachung des nötigen Unterdrucks (mmWs), ist auf dem Gerätebrett, ganz links oben neben den Fahrtmesser eingebaut. Das Ansaugrohr zur Sogpumpe für den Wendehorizont und Wendezeiger konnte mit einem Kontrollhahn geregelt werden. Dieser Kontrollhahn in runder Bauform, ist unten im Bild neben dem Umschalthahn (auch runde Bauform), zu erkennen.

Gleich neben dem Wendezeiger befindet sich das Variometer, mit einem Messbereich von +/- 0-10 m/s. Deutlich sind hier auf dem Ziffernblatt, die holländischen Schriftzeichen zu erkennen.

Auf der linken Seite ist der Fahrtmesser Fl.22229 von Bruhn, mit einem Messbereich von 80 – 450 km/h eingebaut. Die Fokker T 8-W erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 358 km/h. Als Beobachtungs- und Aufklärungsflugzeug waren Langsamflugeigenschaften hilfreich und wünschenswert.

Der Höhenmesser Fl.22320, Standartgerät vieler Luftwaffenflugzeuge, ist direkt rechts neben dem Führertochterkompass zu erkennen. Der Messbereich bis 10.000 m war völlig ausreichend bei einer Dienstgipfelhöhe von 5.600 m.
Auf dem hier beschriebenen Gerätebrettfoto ist der Höhenmesser Fl.22320 eingebaut. Auf anderen Fotos kann man auch andere Höhenmesser erkennen. Gut zu erkennen an der holländischen Schrift und anderen Einteilung des Ziffernblattes (bis 5.000 m ?).

Der restliche Platz auf dem Gerätebrett gehörte ganz den Triebwerksüberwachungsanzeigen.
Diese stammen ausnahmslos aus ausländischer Produktion.
Von daher, eben wie zu Beginn erwähnt, ein sehr erstaunliches Gerätebrett.

 

Auf der linken Seite, von unten nach oben, je doppelt eingebaut folgende Geräte / Anzeigen :

– zwei kombinierte Druck- und Temperaturanzeigen ,Typ 150-02, Hersteller Kollsman
– zwei Ladedruckmesser, Typ 162-021, Hersteller Kollsman
– zwei elektr. Drehzahlanzeiger, Typ 545, Hersteller Weston mit einem Messbereich von 0 -2.500 U/min, zur Überwachung der beiden Wright „Whirlwind“ Flugzeugmotoren.

Auf der rechten unteren Hälfte des Gerätebrettes, befinden sich, für jeden Motor jeweils folgende Geräte / Anzeigen.
Ganz unten am Gerätebrettrand befinden sich die zwei Gemischtemperaturmesser, Typ A 74, mit einem Messbereich von -40 / + 60 °C, des englischen Herstellers Negretti Zambra, der auch für gute Thermostate und Wettermessgeräte bekannt war.

Darüber die beiden Temperaturmesser für Zylinderkopftemperatur, Typ 602, des Hersteller Weston aus England. Auf den Gerätebrettfotos ist ein Messbereich von 0-350 °C zu erkennen.
Ein interessantes Gerät dürfte der Doppelanzeiger für Gasanalyse sein. Dieser Anzeiger befindet sich auf dem Gerätebrett zwischen den beiden Gemischtemperaturmessern. Dieses Gerät analysierte vermutlich die Brenngase (Gemisch), um in verschiedenen Höhen die optimale Verbrennung zu erreichen, da in verschiedenen Flughöhen der Sauerstoffgehalt und die Luftdruckverhältnisse unterschiedlich sind. Doch dies ist nur eine Vermutung.
Vielleicht weiss jemand der Leser mehr dazu?

Die weiteren Teile auf dem Gerätebrett sind die Deviationstabelle für die Kurskorrektur des Kompasses, OK 38 / Fl.23234. Der OK 38 Kompass befindet sich links, unterhalb am Gerätebrett.

Zürich, 09.05.2006 , Erwin Wiedmer

Geräte – Analyse

Es wird nur die eingebaute Instrumentierung auf diesem Foto beschrieben !

1. Führertochterkompass PFK / f1
Fl.23333

Bemerkung: Klassischer, kleiner Führertochterkompass für die Patin – Fernkompassanlage.Mit dem Drehring, der sich am Kompassgehäuse befindet, konnte der Flugzeugführer einen gewünschten Kurs einstellen, und mit dem tatsächlich vorliegenden Flugkurs vergleichen (Drehscheibe mit Flugzeugsymbol in der Mitte).
Das Gehäuse besteht aus einem mehrteiligen Aluminiumgussteil, welches eloxiert (schwarz) oder lackiert war (RLM 66).

2. Fein-Grobhöhenmesser
Fl.22320
– Hersteller Fuess
– Messbereich: 0 – 10 km

Bemerkung: Dieses Standardgerät war in fast allen Jagdflugzeugen der Luftwaffe, in den verschiedenen Ausführungen, eingebaut. Es zeigte die Höhe über NN, in Abhängigkeit des barometrischen Druckes der Umgebung an. Der jeweils vorherrschende Luftdruck konnte mittels eines Stellrades eingestellt werden. In der Ausführung für Flugzeugführer besaß der Höhenmesser an der Frontseite 2 verstellbare Marken mit den Bezeichnungen „F“ und „E“, die die Druckwerte QFF und QFE repräsentierten. Mit Hilfe dieser 2 Marken und einer weißen Marke hinter dem Instrumentenglas, konnte sich der Pilot sowohl den vorherrschenden Luftdruck am Startplatz, als auch den am Landeplatz merken. Es gab auch Höhenmesservarianten ohne diese Merker, dann fehlte auch die weiße Marke im Inneren. Solche Geräte wurden bevorzugt für die Beobachter verwendet (z.B. hier beim Beobachter Gerätebrett der Fokker ) allerdings wurden sie auch gelegentlich für den Flugzeugführer verwendet. Die Fokker T 8-W hatte eine Dienstgipfelhöhe von 5.600 m.

3. Unterdruckmesser
– LM 449
– Hersteller : Askania
– Messbereich: 0-3000 mbar

Bemerkung: Der Unterdruckmesser LM 449 von Askania, zur Überwachung des nötigen Unterdrucks (mmWs), ist auf dem Gerätebrett, ganz links oben neben den Fahrtmesser eingebaut. Das Ansaugrohr zur Sogpumpe für den Wendehorizont und Wendezeiger konnte mit einem Kontrollhahn geregelt werden. Dieser Kontrollhahn in runder Bauform, ist unten im Bild neben dem Umschalthahn (auch runde Bauform), zu erkennen.

4. Wendezeiger
Fl.22402
– Hersteller : Askania

Bemerkung: Der Wendezeiger (Fluglageanzeiger) Lg-14 r von Askania. Dieses Gerät zeigt die Drehungen um die Hochachse mit dem Zeiger, und die Fliehkräfte zur Hochachse mit der Libelle an.
Im Wendezeiger ist ein Kreisel eingebaut, der mit Unterdruck von einer Sogpumpe (ca.400 mmWs) betrieben wird. Dabei wird Luft aus dem Anzeigergehäuse abgesaugt. Die zum Ausgleich eindringende Aussenluft treibt dabei den Kreisel (6.000 bis 7.000 U/min) an.

5. Variometer
– LV7r-10
– Hersteller : Askania
– Messbereich: +/- 0-10 m/s

Bemerkung: reichte für die langsame Steig- und Sinkrate der Fokker T 8-W völlig aus. 540 m / min .Hier deutlich zu erkennen die holländische Schrift auf dem Ziffernblatt für Steigt und Sinkt.

6. Horizont
– Lgab-13a
– Hersteller : Askania

Bemerkung: Horizont Lgab-13a von Askania nach der Geräteliste. Eventuell wurde auch ein englisches Gerät eingebaut.. Dieser zeigte dem Flugzeugführer optisch die Fluglage des Flugzeuges gegenüber dem Horizont an.

7. Zylinder Temperaturmesser
– Typ 602
– Hersteller : Weston England
– Messbereich: 0 – 350 °C

Bemerkung : Zwei Temperaturmesser zur Messung der Zylinderkopftemperatur, Typ 602, des Hersteller Weston aus England. Auf den Gerätebrettfotos ist ein Messbereich von 0-350 °C zu erkennen. Die Geräteliste der Fokker 8 T-W listet aber nur einen Messbereich von 0–100 °C / 0-600 F ? – Der Messbereich von 0-350 °C der Zylinderkopftemperatur trifft hier aber eher zu. Bei vielen Motoren lag der Messbereich noch höher. Für die Schmierstofftemperatur (Öl) ist der Messbereich auf alle Fälle viel zu hoch, hier wären 100-150 °C das Maximum.

8. Navigationsanzeige
– ?
– Hersteller : England ?
– Messbereich: links / rechts

Dieses Instrument ist nicht auf der Geräteliste aufgeführt und nicht recht zuzuordnen. Vermutlich eine Art einfache Navigationsanzeige. Wie beim AFN 1 oder 2 der Luftwaffe, zeigt es mit 2 senkrechten Zeigern, die Abweichung vom Kurs an. Etwas Ähnliches gab es auch in den Lancaster Bombern der RAF (D.F.- Indicator, D.F.=Direction Finder).

9. Gemisch Temperaturmesser
– A 74
– Hersteller : Negretti Zambra England
– Messbereich: -40 / +60 °C
Bemerkung: Vermutlich ein Gerät um die Temperatur des Kraftstoffsgemisch zu messen. In diversen Flughöhen um die Vereisung der Vergaser zu vermeiden. Ebenso hatte die Temperatur des Kraftstoffes einen Einfluss auf das Ge(misch)-Verhältnis. Also indirekt auf die optimale Verbrennung des Kraftstoffs und Leistung der Flugmotoren.

10. Doppelanzeiger Gasanalyse
– ?
– Hersteller : Cambridge Instrument Company USA
– Messbereich: 0.11 (rich) bis 0,07 (lean) Gemischwerte

Bemerkung : Dieses Gerät analysierte vermutlich die Brenngase, um in verschiedenen Höhen die optimale Verbrennung zu erreichen, da in verschiedenen Flughöhen der Sauerstoffgehalt und die Luftdruckverhältnisse unterschiedlich sind. Doch dies ist nur eine Vermutung.

Ergänzung : „Dies ist die Anzeige für das Kraftstoff-Luftgemisch (Fuel/Air Ratio). Das hatten die Holländer übrigens auch in ihren Do 24.Auf dem Zifferblatt des Fuel/Air Ratio Instruments sind Zahlen zwischen 30 und 20 zu erkennen. Das sind Ladedruckwerte zu Orientierung, die am Instrument mit angegeben sind. Die Gemischwerte stehen in der Skala darunter und darüber. Es gibt hier zwei Zeiger oben und unten, die wie beim Kurszeiger sich waagerecht bewegen.
Die Anzeige war eine Doppelanzeige!“ Quelle : Cohausz Peter

11. Kombinierte Druck-Temperaturanzeiger
– Type 150-02
– Hersteller : Kollsman USA
– Messbereich: Öldruck 0-15 Kg/cm / Öltemperatur 0-100 °C

Bemerkung: Diese Anzeige überwachte die Öldrücke und Öltemperaturen der Flugmotoren. Druckverlust oder zu heisse Öltemperaturen zeigten eine Beschädigung oder eine Überbelastung der Flugmotoren an. Der Flugzeugführer konnte anhand dieser Anzeige die Grenzwerte überwachen und im Falle einer Störung sofort handeln.

12. Ladedruckmesser
– Type 162-021
– Hersteller : Kollsman USA
– Messbereich: 10–50 psi

Bemerkung: Dieses Gerät zeigte den Ladedruck in psi an, da es aus amerikanischer Produktion stammt. Der Ladedruckmesser Fl.20554 von 1944 der Luftwaffe für die FW 190 D-9 zeigte bis auf 2,5 ata an. 2,5 ata sind 35,55 psi. Die Fokker hatte daher sicher ein Gerät mit sehr hoher Anzeigenreserve eingebaut bekommen (50 psi = 3,51 ata). Die zwei „Wirbelwind“ Flugmotoren erreichten sicher nie solch hohe Werte.
psi = pounds per square inch

13. elektrischer Drehzahlanzeiger
– Type 545
– Hersteller : Kollsman USA
– Messbereich: 0–2.500 U/min

Bemerkung: Ein so genanntes elektrischer Ferndrehzahlmesser der Firma Kollsman USA. Die tatsächliche Drehzahl des Motors wurde durch einen elektr. Drehzahlgeber, der am Motor angebaut war, zum Drehzahlanzeiger übertragen. Die Flugmotoren der Fokker erreichten 2 x 440 PS.

14. Unterdruckmesser
– LM 449
– Hersteller : Askania
– Messbereich: 0–3.000 mbar

Bemerkung: Der Unterdruckmesser (Vacuum) LM 449 von Askania, zur Überwachung des nötigen Unterdrucks (mbar), ist auf dem Gerätebrett, ganz links oben neben den Fahrtmesser eingebaut. Er diente zur Überwachung des Unterdrucks für den Betrieb der Navigationsgeräte (zbs. Wendehorizont). Im Wendezeiger ist ein Kreisel eingebaut, der mit Unterdruck von einer Sogpumpe (ca.400 mbar) betrieben wird. Dabei wird Luft aus dem Anzeigergehäuse abgesaugt. Die zum Ausgleich eindringende Aussenluft treibt dabei den Kreisel (6.000 bis 7.000 U/min) an. Die Luft kam aus einem Ansaugrohr über die Sogpumpe zu den Geräten. Das Ansaugrohr zur Sogpumpe für den Wendehorizont und Wendezeiger konnte mit einem Kontrollhahn geregelt werden. Dieser Kontrollhahn in runder Bauform, ist unten im Bild neben dem Umschalthahn (auch runde Bauform), zu erkennen.

15. Sogregler und Umschalthahn

– Hersteller : Fokker

Bemerkung: Das Ansaugrohr zur Sogpumpe für den Wendehorizont und Wendezeiger konnte mit einem Kontrollhahn geregelt werden. Dieser Kontrollhahn in runder Bauform, ist unten im Bild neben dem Umschalthahn (auch runde Bauform), zu erkennen. Der Umschalthahn diente zur Regulierung des Unterdrucks zwischen dem Horizont und dem Wendezeiger.

16. Deviationstafel
– Fl.23906
– Hersteller : Algrapha Druck
– in cellon Hülle

Bemerkung: Hier wurde die Kurskorrektur für den Orterkompass OK 38 eingetragen, gegenüber dem eingeschlagenen Flugkurs. Die Kompasse wurden in den Flugzeugen aus Metal und den anderen Magnetischen Geräten gestört. Daher mussten die Kompasse auf das jeweilige Flugzeug „Kompensiert“ werden.

17. Orterkompass OK-38
Fl. 23234
– Hersteller : Askania

Bemerkung: Notkompass im Blickwinkel des Flugzeugführers am linken unteren Rand des Gerätebrettes.

18. Hebel
– Hersteller : Fokker

Bemerkung: Funktion nicht bekannt !

Ebenso die Funktion des grossen Hebels am Steuerhorn der Fokker T-8W ? Vielleicht weiß jemand der Leser Bescheid ?

 

Galerie


Cockpitprofil Ju 87 D-5


Gerätebrett der Ju 87 D-5

Die Gerätetafel selbst ist nach bewährtem Muster aufgeteilt.

Mittig die Blindflugtafel mit den wichtigsten Flugüberwachungsgeräten. Links auf der Hauptgerätetafel die Borduhr, Funkfernbediengerät, Zünd- und Anlassschalter sowie Netzausschalter.Unterhalb der Blindflugtafel sind die Geräte für Druck und Temperaturüberwachung des Motors sowie der Vorratsanzeiger eingebaut, oberhalb die Belüftungsdüse, Laderbedienhebel und Kühlerklappenbetätigung. Rechts auf der Hauptgerätetafel sind Motorüberwachungsgeräte (Ladedruck, Drehzahl), diverse Motorbedienhebel und der Abwurfschaltkasten (Abwurfwaffen) platziert. Das Reflexvisier ist separat oberhalb der Gerätetafel an einem Rohrrahmen befestigt.

 

Bei dem hier spezifisch beschriebenen Führerraumfoto handelt es sich um eine Gerätetafel der Ju 87 D-5, welche vermutlich nachträglich umgebaut, bzw. nach neuesten Änderungsanweisungen modifiziert worden ist. Ursprünglich gehörte diese Gerätetafel vermutlich zur Baureihe D-3, wofür der fehlende Notkompass FK 38 sprechen würde. Bei der Baureihe Ju 87 D-3 wurde aufgrund der starken seitlichen Panzerung des Führerraumes kein Notkompass eingebaut. Dieses Einbauloch wurde mit einem Blinddeckel verschlossen, welcher folgende Aufschrift trägt: „Notkompass FK 38 ausgebaut ! Wegen seitlicher Panzerplatte nicht kompensierbar“.

Für eine spätere Nachrüstung auf die Baureihe Ju 87 D-5 wiederum spricht der eingebaute Wendehorizont, die veränderte Einbauposition des AFN 2 aus Platzmangel wegen des Wendehorizontes, der eingebaute späte Abwurfschaltkasten ASK 87A anstelle des ASK-R, sowie der fehlende elektr. Verbrauchsanzeiger, welcher ab Baureihe D-5 wegfiel.
Bemerkenswert sind auch die (unbenutzten) 4 Befestigungslöcher für die Schalterkulisse zur Bombenvorwahl (große Bombe / kleine Bombe) rechts neben dem Ladedruckmesser, welche bei frühen D-Varianten eingebaut waren. Der Lochausschnitt für die Schalter selbst fehlt. Diese zusätzlichen Umschalter zum ASK-R konnten entfallen, da der neukonzipierte Abwurfschaltkasten (ASK 87A) diese Vorwahlmöglichkeit bereits besaß.

Die hier beschriebene Gerätetafel besteht aus 4 Teilen, der Blindflugtafel (1), der Hauptgerätetafel (2) und der linken (3) und rechten Zusatzkonsole(4).
Die Lackierung entspricht dem damaligen Standard im Farbton RLM 66, die Beschilderung besteht aus aufgenieteten Aluminiumschildern mit geätzter Beschriftung.

1 – Blindflugtafel (rot)

Die Blindflugtafel besteht aus 4mm starkem Aluminium (Dural) und ist erschütterungsarm mit 4 Schwingmetallen (Gummipuffer) auf der Hauptgerätetafel montiert. Sie diente zur Aufnahme der wichtigsten Flugüberwachungsgeräte, und ist deshalb auch zentral, gut sichtbar für den Flugzeugführer, angeordnet. Mit dieser Instrumentierung war das Flugzeug voll blindflugtauglich. Zur Befestigung der Instrumentierung sind Einnietmuttern auf der Blindflugtafel angebracht .

2 – Hauptgerätetafel (blau), Gerät-Nr.:8-87.9086 ?

Die Hauptgerätetafel besteht aus 2mm starkem Duralblech, welches an der kompletten Unterseite gebördelt ist, um Verletzungen des Flugzeugführers zu vermeiden. Zur Befestigung der einzelnen Geräte mit Schrauben (M4) sind die entsprechenden Einnietmuttern an der Gerätetafel angebracht.
Die Hauptgerätetafel ist perfekt in Form und Größe dem Flugzeugrumpf im Kabinenbereich angepasst. Rund um die Blindflugtafel sind hier zahlreiche Instrumente, Schalter und Bediengeräte angeordnet.
Zur besseren Übersichtlichkeit sind viele Geräte mit Hinweisschildern gekennzeichnet.

3 – linke Zusatzkonsole (grün)

Die linke Zusatzkonsole besteht aus 2mm starkem Duralblech, welches an der Unterseite gebördelt ist. Die Verbindung zur Hauptgerätetafel wird durch Verschraubung und einem von der Rückseite gegengesetzten Winkelprofil mit Einnietmuttern hergestellt. Die Kanten an der Schnittstelle der beiden Tafeln sind gerade und stumpf. Durch die perfekte Passform der industriell gefertigten Schmiedeteile ist kaum zu erkennen, dass es sich hier um 2 verschiedene Bauteile handelt.
In der linken Zusatzkonsole ist die Behälterschaltung (Brandhahn) eingebaut.

4 – rechte Zusatzkonsole (gelb)

Die rechte Zusatzkonsole ist ebenfalls ein aus 2mm starkem Duralblech geschmiedetes Formteil. Um Verletzungen des Flugzeugführers zu verhindern ist auch hier die Unterseite der Konsole gebördelt.
Die Seitenkonsole passt sich perfekt an die Hauptgerätetafel an. Hier wird kein Zentimeter an Platz im Führerraum verschenkt. Die Verbindung beider Bauteile erfolgt wie bei der linken Zusatzkonsole.
Hier sind auf engstem Raum diverse Gerätschaften wie Bedienhebel und Züge eingebaut (siehe Geräteauflistung).

Für die freundliche Unterstützung zu diesem Beitrag danke ich den Herren Peter W. Cohausz, Phil Mertens und Jens Schneider.

Oliver Jordan

Berlin, den 13.12.2007

Gerätebrett – Analyse

Geräteauflistung Junkers Ju 87 D-5

Es wird speziell nur auf die Instrumentierung der Hauptgerätetafel der hier abgebildeten Fotos eingegangen !

1. Fein- Grobhöhenmesser Fl.22320
2. Führertochterkompass PFK- f2 Fl.23334
3. Fahrtmesser Fl.22231
4. Kontakthöhenmesser Fl.22317
5. Wendehorizont Fl.22415-1
6. Variometer Fl.22382
7. Belüftungsdüse für Führerraum Gerät-Nr.: 8-87.???
8. Reflexvisier Revi C/12D Fl.52095
-auf Schwenkplatte SP 2A Fl.52196
9. elektr. Stellungsanzeige für Kühlerklappen Fl.20853-1
10. Notzug für Bombenabwurf Gerät-Nr.: 8-87.???
11. Drehzahlmesser Fl.20222-3
12. Ladedruckmesser Fl.20555
13. Abwurfschaltkasten ASK 87A Fl.50836
14. Anlasseinspritzpumpe SUM AP8 Gerät-Nr.:8-4505 A
15. Handpumpe für Filterbrandhahn Gerät-Nr.: 8-87.???
16. Zugknopf für ? Gerät-Nr.: 8-87.???
17. Hebel für Schmierstoffkühlerklappe Gerät-Nr.: 8-87.???
18. Merkleuchte, grüne Kappe (für Schmierstoffvollstandswarnung) Fl.32529-2
19. Gitterschauzeichen (Staurohrheizung) Fl.32525-3
20. elektr. Temperaturanzeiger (Kühlstoff) Fl.20342
21. elektr. Temperaturanzeiger (Schmierstoff) Fl.20342
22. Doppeldruckmesser (Kraftstoff und Schmierstoff) Fl.20512-3
23. elektr. Vorratsanzeiger (Kraftstoff) Fl.20723
24. 2 x Merkleuchte, rote Kappe (Kraftstoffreststandswarnung) Fl.32529-2
25. 2 x Merkleuchte, grüne Kappe (Kraftstoffvollstandswarnung) Fl.32529-2
26. elektr. Messstellenumschalter (2 Messstellen, Kraftstoffbehälter) Fl.32331
27. Netzausschalter Fl.32315-2
28. Anlassschalter Fl.21212
Sicherheitsklappe und Bedienschild zum Anlassschalter Fl.21217-4
29. Brandhahn (Behälterschaltung) Gerät-Nr.:?
30. Schalt- Zähl und Kontrollkasten SZKK 2 Fl.47317
mit 2 x Schusszähler SZ500 Fl.47312
31. Anzeigegerät für Funknavigation AFN 2 Ln.27002
32. Blindeckel (vorgesehenes Einbauloch für Notkompass FK 38) Gerät-Nr.: 8-87.???
33. Fernbediengerät FBG 4 Ln.26668
34. Strom- und Spannungsmesser Fl.32502-5
35. Borduhr BoUK 1 Fl.23885
36. 2 x Druckknopf (für Kühlerklappenbetätigung) Fl.32334
37. Blinddeckel (vorgesehenes Einbauloch für Kraftstoffverbrauchszähler) Gerät-Nr.: 8-87.???
38. Zuggriff (Umschaltung Bodenlader / Höhenlader) Gerät-Nr.: 8-87.???

Galerie Ju 87 Cockpit


Cockpitprofil Ju 88 A/-C


Gerätebrett der Junkers Ju 88 A/-C

Junkers Ju 88 A-4

Die Konstruktion der Ju 88 beruht auf einer Ausschreibung des RLM aus dem Jahr 1935.
Das RLM forderte die Flugzeughersteller auf, ein Kampfflugzeug zu entwickeln, welches bei einer Reichweite von 1000 km, 500 km/h schnell sein sollte, und mindestens 500 kg Zuladung (z.B. Bomben) transportieren konnte.
Die Junkerswerke mussten eine, für die damalige Zeit, völlig neue Konstruktionsrichtung einschlagen. Es entstand ein zweimotoriger, freitragender Tiefdecker in Glattblech-Schalenbauweise. Anstatt der für Junkers typischen Doppelflügel, wurden Tragflächen mit Spaltquerrudern und Landeklappen konstruiert. Im Jahr 1937 forderte das RLM noch zusätzlich eine Sturzflugfähigkeit für das neue Flugzeug, was von Junkers mit großem Erfolg umgesetzt wurde. Ab 1939 lief die Großserienfertigung für die Ju 88 an, wobei bis zum Kriegsende über 60 verschiedene Varianten gebaut wurden.
Diese Konstruktion war vermutlich das vielseitigste Kampfflugzeug der ehemaligen deutschen Luftwaffe, wobei die Ju 88 A-Baureihe, die mit Abstand meistgebaute Variante war.
Ju 88 Baureihen gab es u.a. als Fernaufklärer, Zerstörer, Sturzkampfflugzeuge, Nachtjäger, Tiefangriffsflugzeuge, Transportflugzeuge, Torpedoträger, Schulmaschinen, Panzerjäger und als Mistelflugzeuge (Huckepackflugzeug).

Junkers Ju 88 „Mistel“ mit Bf 109

Aufgrund der großen Baureihenvielfalt war die Ausrüstung und die Instrumentierung in den jeweiligen Baumustern sehr unterschiedlich, wobei die Grundanordnung der Instrumente meistens gleich blieb.
Die hier beschriebene Instrumententafel entspricht der klassischen und meistgebauten Instrumentenbrettbauform der Ju 88.
Die Instrumententafel, ein Blechformteil, aus 2,5 mm starkem, hochwertigen Duraluminiumblech, welches zur Versteifung umgelegte (gebördelte) Kanten hat. Um sich dem Cockpitbereich ideal anzupassen, ist die rechte Seite der Gerätetafel (zwischen Führertochterkompass /Pos.5 und Ladedruckmesser / Pos.6) leicht nach vorn gestellt (gebogen).
Der Pilot saß wie üblich auf der linken Seite, und hatte die wichtigsten Fluginstrumente direkt im Blickfeld.
Die Instrumententafel war direkt unterhalb der vorderen Kabinenverglasung angeordnet. Die Bauform war zwar, für die Luftwaffe eher untypisch, gewährte dem Piloten aber aufgrund der gebogenen und schmalen Bauweise, einen großzügigen Blick nach vorne und durch den verglasten Rumpfbug. Dadurch wurde nicht nur das Rollen am Boden, Starten und Landen erleichtert, sondern auch die Orientierung bei Bombenanflügen und anderen Kampfeinsätzen.

Die hier abgebildeten Instrumententafel gehört vermutlich zu einer sehr späten, oder später umgerüsteten Ju 88 A-4, welche ca. 1944 im Einsatz stand.
Das ist gut an den späten Funknavigationsinstrumenten zu sehen. Bei früheren Flugzeugen dieser Baumustervariante war das AFN 1 Ln.27000, anstatt des moderneren AFN 2 (Pos.22) eingebaut, und es gab auch keinen Funkhöhenmesser AFN 101a (Pos.15), anstelle des üblich eingebauten Feinhöhenmessers (Fl.22316). Gut kann man das späte Baujahr (Umrüstung) auch an den späten elektrischen Temperaturanzeigern (Pos.9) erkennen. Die früheren Geräte dieses Messbereichs unterschieden sich von den hier eingebauten Instrumenten (Ziffernblatt, Blende).

Die Instrumententafel ist, wie der gesamte Kabinenbereich, in der klassischen luftwaffengrauen Farbe lackiert (schwarz-grau/ RLM 66).
Die zusätzlich aufgenieteten Hinweisschilder sind vermutlich geätzte Aluminiumschilder.
Die bewährte Luftwaffenanordnung von Fluggeräten wurde auch bei diesem Flugzeug beibehalten. Die Instrumente für Flugüberwachung + Navigation waren auf der linken Seite (vor dem Piloten) eingebaut, und die Motorüberwachungsinstrumente auf der rechten Seite.

Die restlichen Instrumente, Bedienhebel und Schalter sind bei der Ju 88 in den Seitenkonsolen und im Boden eingebaut. Die komplexe Funkanlage ist in der Kabinenrückwand eingebaut.

Auf den Fotos gut zu erkennen ist auch das typische Ju 88-Steuerhorn mit Richtungsgeber, Borduhr und Auslöseknöpfen.
Auf der rechten Seite, unterhalb der Instrumententafel kann man gut die Einstellgeräte für die BZA (Bombenzielanlage), und den Reihenabwurfautomaten RAB 14d (Fl.50943) erkennen.

Auf einigen hystorischen Fotos ist auch der Abwurfschaltkasten ASK-M (Fl.18330-1) zu erkennen (Bomberversion Ju 88 A-1).

Oliver Jordan
Berlin, den 23.August 2006

 

Geräte – Analyse

Diverse Gerätebrett-Varianten der Junkers – Ju 88

Junkers Ju 88 A1
Unterschied gegenüber der Ju 88 A-4 :

1. Notkompass FK 38 Fl.23233

2. Funknavigation AFN 1 Ln.27000

3. Kontakt-Höhenmesser 0-6000 Fl.22317

4. Fahrtmesser 80 -750 Fl.22231

5. Statoskop-Variometer -10/+10 m/s Fl.22381-10

6.Schauzeichen Fl.32525-4

7. Fein-Grobhöhenmesser Fl.22320

8. Kurszeiger Lkz 3 Fl.22562

9. Abwurfschaltkasten (AKS-M) Fl.18330-1

Es fehlen der Schieber für die Betriebsdatentabelle und die Kippumschalter für Absprengung der Lastenträger !

   

 

Junkers Ju 88 C-6

  Unterschied gegenüber der Ju 88 A-1 :

1. Schalter für Luftschraubenenteisung

2. Schalter für Kurssteuerung

3. Zähler-Verschlusskontrollkasten ZVK-FF für MG FF Fl.47298-1

4. Ladedruckmesser mit Sektoren Fl.20555

5. Statoskop-Variometer -15/+15 m/s Fl.22384

6.Anzeigegerät AFN 2 Ln.27002

7. Umschalter für Kraftstoff-Verbrauchsmesser Fl.32336-1

8. Kraftstoff-Verbrauchsmesser 0-600 l/h

Junkers Ju 88 A-16

Schulversion 1944

  Die Junkers Ju A-16 diente zur Schulversion der Ju 88 (1944). Sieses Flugzeug hatte eine Doppelsteuerung, sowie eine vergrösserte Instrumententafel. Auf dieser sind die Flugüberwachungsgeräte doppelt angeordnet.

Links 1, sass der Flugschüler und rechts 2 der Lehrer.

1. Fahrtmesser, Variometer, elektrischer Wendezeiger für Schüler

2.Fahrtmesser, Variometer, elektrischer Wendezeiger für Lehrer

dazu je 2 x Drehzahlmesser und Ladedruckmesser sowie Temperaturmesser und Kraftstoff-Schmierdruckmesser usw..

 

Galerie

21.10.1943, 1./KG 54

Gerätebrett 2,5 Al

Ju 88 A-4 / trop WNr 550396 B3 MH

Angriff Hafen Neapel

Besatzung findet nach Einsatz Platz Cameri nicht.

22:00 Uhr Landung Dübendorf

Ju 88 A-1

Junkers Ju 88 R-1, WNr. 360042, D5+EV, 10./NJG 3, Royal Air Force Museum

Foto: Archiv Peter Cohausz

Fl.Nummern-Liste

Junkers Ju 88 A-4

Gerät/ Instrument Messbereich Anforderungszahl
2 x elektr. Drehzahlanzeiger 500-3.600 U/min Fl.20286-3
2 x elektr. Temperaturanzeiger 0-130 °C (Kühlstoff) Fl.20342
Vierfachdruckmesser 2x 0-2 kg/cm² (Kraftstoff)
2x 0-10 kg/cm² (Schmierstoff)
Fl.20514-2
2 x Ladedruckmesser 0,6-1,8 ata Fl.20555
Fahrtmesser 80-750 km/h Fl.22231
Kontakt-Höhenmesser 0-6 km Höhe und Abfanghöhe Fl.22317
Fein-Grobhöhenmesser 0-10 km Höhe Fl.22320
Variometer +/- 0-15 m/s Fl.22384
elektr. Wendezeiger Fl.22412
pneumatischer Horizont Fl.22426
Fernkurskreisel LKu 4
0-360°
Fl.22561
Führerkompass FK 38 0-360° Fl.23233
Peiltochterkompass PFK-p Fl.23337
Führertochterkompass KT-f3 0-360° Fl.23338
Funkpeilanzeigegerät FA/R2 Fl.23470-2
2 x Schieber für Betriebsdatentafel Fl.23501
2 x Kippumschalter Absprengung der Lastenträger Fl.32349-2
Kippumschalter für Feuer-Sicher-Schalter für das MG-FF (20mm) Fl.32350
Gitterschauzeichen für Kurssteuerung Fl.32525
Drehschauzeichen für Staurohrheizung Ein /Aus = weiß / schwarz Fl.32530
Anzeigegerät für Funknavigation AFN 2 (Zielfluganzeiger) Ln.27002
Anzeigegerät für Funknavigation AFN 101a 0-150 m oder 0-750 m Ln.28330-1


Cockpitprofil He 177


Gerätetafeln der Heinkel He 177 A-3 „Greif“

(Baureihen A-0 bis A-5)

Bemerkung:

Liebe Leser,

Mit diesem Bericht erhebe ich keinesfalls den Anspruch auf dessen Vollständigkeit und Korrektheit. Gründe dafür sind die Komplexität dieses Flugzeugbaumusters sowie die fehlenden Informationen zu einzelnen Bereichen im Führerraum. Dennoch hat mich die Faszination dieses Flugzeugtypus dazu bewogen, endlich die „Cockpitbeschreibung“zur He 177 zu schreiben.

Ich möchte daher alle Leser dazu aufrufen, mich in meinen Bemühungen den Bericht zu vervollständigen, zu korrigieren oder zu ergänzen, sich bei mir zu melden? – Besten Dank!

Kontakt

Ich hoffe nun, dass Sie sich in die Lage versetzen können, die verschiedenen Abläufe im Führerraum durch die Bordbesatzung verstehen zu können?

Übrigens; – Ich wusste gar nicht, dass es soviel Fleiß-Arbeit braucht um einen solchen Bericht zu schreiben – Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!

Erwin Wiedmer

 

Allgemeine Übersicht:

Da es von der Heinkel He 177 viele verschiedene Versuchsmuster und Kleinserien gab, ist es oft schwierig, das genaue Baumuster, anhand verschiedener Belegfotos zu benennen. Oft wurden die diversen Baumuster immer wieder geändert und durch Verbesserungen der Entwicklungen „umgebaut“. Diese Entwicklung ist heute gut ersichtlich an den vielen bekannten „Technischen Anweisungen des Generallflugzeugmeisters“ die in den Jahren 1942-1944 für dieses Flugzeugmuster,durch das RLM (Reichsminister der Luftfahrt) herausgegeben wurden.

Dieser Cockpitbericht über das Heinkel He 177 A-3 Baumuster, ist mit gewissen Ausnahmen, über alle Baumuster der Reihen A-1 bis A-5 fast identisch. Wo wichtige Unterschiede zu finden sind, wird in diesem Bericht darauf hingewiesen, ansonsten halten wir uns an das Vorlagefoto unter dem Titel dieses Beitrages.

Die A-0 Version dieses Baumusters hat, eine von diesem Bericht, abweichende Geräteausrüstung im Führerraum. Die Platzierung der Hauptgerätetafel (A1-A5 Version = linke Gerätetafel) ist im Führerraum unterschiedlich angeordnet. Beim A-0 Vorserienmuster (35 Stück gebaut) ist diese an der Decke über dem Flugzeugführer platziert. Zur besseren Übersicht der wichtigen Navigationsgeräte, wurde die Gerätetafel bei den nachfolgenden Baumustern (A1-A5) vor der Lenksäule links im Führerraum befestigt.

Bild aus dem Gerätehandbuch der He 177 A-0

Im gleichen Entwicklungsabschnitt wurde die Führergerätetafel nach den A-0 Vorserienmustern in eine „rechte“ und eine „linke“ Führergerätetafel aufgeteilt. Nur der Gerätekasten direkt vor der Steuersäule wurde an seinem alten Platz ohne Änderung belassen!

Beschreibung Führerraum He 177:

Auffallend für den Betrachter, sind die großzügigen Platzverhältnisse gegenüber anderen Baumustern zu dieser Zeit (Kampffliegern) wie die der Junkers Ju 88 oder der Do 217. Wichtig war den damaligen Konstrukteuren anscheinend die gute Sicht nach draußen für die Flugzeugbesatzungen, sowie die erträglichen Platzverhältnisse für extreme Langstreckenflüge.

Ebenso wollte man sich die Optionen offen lassen, weitere Ausbaumöglichkeiten im Führerraum zweck`s verschiedener Einsatzmöglichkeiten dieses Baumusters als Waffenträger für neue zukunftsweisende Waffensysteme. In den Jahren 1944-45 sind insbesondere mit der Heinkel He He 177 unterschiedliche Großwaffen (Gleitbomben HS 293 usw.) getestet worden. Dazu gehörten auch neuartige Ziel- und Angriffsverfahren. Ebenso unterlag insbesondere die technische Ausrüstung, wie auch die Geräteinstrumentierung, fortlaufenden technischen Veränderungen, die zeitlich bzw. auch taktisch Bedingt waren. Somit war es auch für die Flugzeugbesatzungen immer wieder Pflicht, praktische Übungen an diesem Flugzeugbaumuster durchzuführen, um sich durch Unterricht und Weiterbildung auf den Einsatz resp. Ernstfall vorzubereiten. Durch neuartige Waffensysteme, womit sich die He 177 durch Ihre Nutzlast-Kapazität hervorragend eignete, haben sich die Bedien- und Anzeigegeräte ebenso weiterentwickelt, und sich den Bedürfnissen des entsprechenden Waffensystems angepasst.

Der Großzügig dimensionierte Arbeitsraum im Führerraum erlaubte es der Flugzeugbesatzung über einen langen Zeitraum zu fliegen und zu kämpfen. Die gute Sicht nach draußen ermöglichte es der Besatzung mit unterschiedlichen und neuartigen Waffensystemen durch gute Sichtverhältnisse in den jeweiligen Einsatzgebieten zu operieren.

Um die als Flugzeugführer die vielfältigen und unterschiedlichen Bedienungsabläufe bei Start, Landung und bei Notfallsituationen, immer abrufen zu können, gab es bei der Luftwaffe die dafür vorgesehene „Exerzier-Karte“ (L.Dv.T.2177 A/Fl). Mit dessen Hilfe konnten die Besatzungen die komplexen Verfahren immer wieder („Checkliste„) abrufen und kontrollieren.

Auffallend bei der He 177 ist die markante runde Bauform der Führerkanzel mit der wabenartigen Verglasung, die an das Baumuster der Boeing B-29 „Superfortress“ der USAF erinnert, die aber erst gegen Ende des Krieges ihr Debüt hatte.

Startvorbereitung und Startablauf

Startvorbereitung

  1. Alle Ruder freigängig.
  2. Alle Motoren auf Stellung III eingekuppelt, Schalthebel eingerastet und plombiert.
  3. Trimmung auf 0. (Für alle Beladezustände.)
  4. Eigenverständigung klar.
  5. Luftschraubenverstellung auf 12.00 Uhr.
  6. Flugzeugführer befiehlt: „Zubringerpumpen einschalten“.
  7. Bordmechaniker meldet: „Zubringerpumpen sind eingeschaltet“.
  8. Flugzeugführer befiehlt: „Fowler ausfahren“.
  9. Bordmechaniker legt Fowlerkippschalter auf „Aus“.
  10. Bordmechaniker meldet: „Fahre Fowler aus“.
  11. Wenn Fowler ausgefahren, meldet Heckschütze: „Fowler ist ausgefahren“.
  12. Flugzeugführer überprüft Elflampengerät, ob Fowlerlampe „Grün“ leuchtet.
  13. Flugzeugführer fragt laut: „Alles klar?“.
  14. Besatzung meldet einzeln: „Bordmechaniker ist klar“. „Beobachter ist klar“. „Bordfunker ist klar“. „Heckschütze ist klar“.

Start

  1. Flugzeug in Startrichtung stellen.
  2. Zügig Gas geben, dabei prüft Bordmechaniker Ladedruck und Drehzahl.
  3. Während des Starts hält Bordmechaniker die Gashebel.
  4. Nach Abheben (150—180 km/h je nach Fluggewicht) Flugzeug auf Fahrt kommen lassen.
  5. Laufräder abbremsen.
  6. Flugzeugführer befiehlt: „Fahrwerk einfahren“.
  7. Bordmechaniker legt Fahrwerkkippschalter auf „Ein“.
  8. Bordmechaniker meldet: „Fahre Fahrwerk ein“.
  9. Flugzeugführer nimmt gefühlsmäßig Gas zurück (nur bis 1,15 ata).
  10. Flugzeugführer befiehlt: „Ladedruck, Drehzahl, zur Feinabstimmung“.
  11. Start- und Höchstleistung nur 3 min, dann Steig-und Kampfleistung.
  12. Mit ausgefahrenem Fowler nicht über 250 km/h. b) Fowler nicht unter 150 m und 230 km/h einfahren.
  13. Auf Sicherheitshöhe Variometer auf /0, Flugzeugführer befiehlt: „Fowler einfahren“.
  14. Bordmechaniker legt Fowlerkippschalter auf „Ein“.
  15. Bordmechaniker meldet: „Fahre Fowler ein“.
  16. Heckschütze meldet: „Fowler und Sporn eingefahren“.
  17. Flugzeugführer überprüft Elflampengerät, ob Fowler und Fahrwerklampe „rot“ leuchtet.
  18. Flugzeugführer befiehlt: „Zubringerpumpen aus“.
  19. Bordmechaniker meldet: „Zubringerpumpen sind aus“.
  20. Flugzeug austrimmen.
  21. Übergang zum Steig- oder Reiseflug.

Haupt-Gerätetafeln des Flugzeugführers

(Flugüberwachungs- und Navigationsgeräte)

Flugüberwachungs- und Navigationsgeräte, Visierstandträger mit Gerätekasten, rechter Doppel-Gerätekasten (mit höhenkompensiertem Fahrtmesser, Variometer und elektr. Wendezeiger)

Die Führer-Gerätetafeln:

In der Führer-Gerätetafel, dem Gerätekasten hinter der Steuersäule, sowie dem Geräte-Doppelkasten an der rechten Bordwand, sind die wichtigsten Geräte zur Flugüberwachung eingebaut (siehe dazu weiter unten folgend!).

Die Gerätetafeln des Flugzeugführers bestehen aus 3 Haupt-Teilen, der Führergerätetafel (linke Gerätetafel) direkt links vor dem Flugzeugführer sowie den beiden „Gerätekästen“. Der erste Gerätekasten (Gerätetafel auf dem Visierstandträger) im Schatten der Steuersäule sowie der zweite „Doppel- Gerätekasten“ (rechte Gerätetafel) ganz aussen links an der Frontseite der Triebwerksgerätetafelbank montiert.

Die linke Führergerätetafel (linke Gerätetafel) bestand in Ihrem ganzen aus zwei Teilen. Zur Sichtverbesserung für den Flugzeugführer ist die rechte äußere Seite der linken Gerätetafel mittels Knopfgriff Nr.11 schwenkbar.

Die Führergerätetafel (linke Gerätetafel) direkt links vor dem Flugzeugführer mit den Flugüberwachungs- und Navigationsgeräten (Blindflugtafel), besteht vermutlich aus 3-4 mm starkem Duraluminium. Befestigt ist dieselbe an der Frontseite des linken Bedientisches.

Auf deren Rückseite sind vermutlich entsprechende Annietmuttern (M4),  zur Befestigung der Geräte und elektr. Schalter  angebracht. Im ganzen Kantenbereich ist die Gerätetafel nach hinten gebördelt, um eine bessere Steifigkeit zu erreichen.

Die Lackierung der Gerätetafel entspricht dem Farbton „RLM 66“ (schwarz-grau) für Innenbereiche. Die Kennnummern für das elektrische Bordnetz sind mit weißer Farbe per Hand aufgetragen (z.B. „D20“ über dem Schauzeichen für die Staurohrheizung).

Flugzeugführer in einer He 177

Allgemeines:

Diese Tafel mit den wichtigsten Blindfluginstrumenten ist schwingungsgedämpft gelagert (vermutlich Schwingmetale/Gummi), um Störungen und Beschädigungen der empfindlichen Navigationsgeräte zu vermeiden. Sinn dieser Lagerung ist die Ablesbarkeit der Geräteanzeigen für den Flugzeugführer zu verbessern, dies insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen.

Bild: die einzige noch original erhaltene „linke Führergerätetafel“ einer He 177 im Museum Schleisheim D

Ein Beleg dafür die Schwingungen der Führergerätetafel besser in den Griff zu kommen ist die „Technische Anweisung“ vom 5.Juli 1943. Darin wird ersucht, am Unterbau der Führergerätetafel eine zusätzliche Abstützung anzubringen (Dokument).

HINWEIS:

Ausführliche Erläuterungen und Funktionsbeschreibungen finden Sie unten folgend in der „Gerätetafel – Analyse“ !

Die Geräte

Die Anordnung der Geräte ist konventionell ausgeführt. Zur linken Seite des Flugzeugführers (linker Bedientisch) befinden sich diverse Bedienschalter und Hebel für Motorbedienung sowie Feuerlöscheinrichtungen und Bordnetz. Die wichtigsten Flugüberwachungs- und Navigationsinstrumente sind links vorne vom Flugzeugführer in der Flugzeugkanzel angeordneten (Führergerätebrett). Befestigt an der Frontseite des linken Bedientisches.

Auf der rechten Seite befinden sich die Motorüberwachungsinstrumente, Fahrwerksanzeige sowie Geräte der Kraftstoffanlage. Auch die Geräte zum Bombenabwurf (ZSK 244A Fl 50869 & RAB 14 Fl 50943) und Fernlenkwaffensteuerung (bei Sonderbewaffnung) sind rechts an der Flugzeugkanzel angeordnet.

Für ein Fern-Kampfflugzeug der damaligen Zeit ist die Geräteausstattung des Führerraumes sehr modern, übersichtlich und umfangreich.

 

Bild: Gerätekasten hinter der Steuersäule

Bild: Geräte-Doppelkasten am rechten Bedientisch montiert

Reiseflug mit der Heinkel He 177:

  1. Gashebel auf 1,00 ata zurück.
  2. Luftschrauben auf 2000 U/min verstellen.
  3. Geschwindigkeiten:
    1. Bei ausgefahrenem Fahrwerk: nicht über Va = 250 km/h.
    2. Bei ausgefahrenem Fowler: nicht über Va = 270 km/h. Bei schlechter Sicht und Bodennähe: nicht über Va = 380 km/h.
  4. Während des Fluges Anzeigegeräte aufmerksam überwachen.
  5. Bei längerem Flug (alle 2 Stunden) Ratschen für Schmierstoffilter betätigen.
  6. Bei längerem Sparflug, von Zeit zu Zeit Kerzenreiniger 3 sec ziehen, Drehzahl dabei 1800-2000 U/min.
  7. Laufend Umpumpanlage beobachten.

Haupt-Gerätetafeln – Analyse

 

Geräteauflistung Führergerätetafeln Heinkel He 177 A-3

 

Geräteliste der Führergerätetafeln

Gerät      Messbereich Anforder-/Gerätenummer
1 Notwendezeiger (mit Bakelit-Batteriefach) Fl 22413
2 2 x Fahrtmesser (2er Fahrtmesser gehört zur Bombenzielanlage) 80 -750 km/h Fl 22231
3 Wendehorizont Fl 22411 oder 22415
4 2 x Variometer -15/+15 m/s Fl 22382
5 Fein- und Grobhöhenmesser 0-10.000 m Fl 22320
6 Führertochterkompass Patin PFK/f2 Fl 23334
7 Funkhöhenmesser AFN 101a 0-150 / 0-750 m Ln 28330-1
8 Anzeigegerät für Funknavigation AFN2 Zielfluganzeiger Ln 27002
9 elektr. Kurszeiger Lkz 3 Fl 22562
10 Gitterschauzeichen für die Staurohrheizung Ein / Aus Fl 32525
11 Griff für die schwenkbare Tafel ?
12 Warnlampe für die Fowlerklappen Fl 32558
13 Trommelschauzeichen Ein / Aus 19-6824 E-1
14 elektr. Kippschalter (F 210) ?
15 Luftschraubenstellungsanzeiger Fl 20841
16 Richtungsgeber Kurssteuerung Fl 22576
der zweite RG ist im rechten Griff des Steuerhornes eingebaut ! Fl.22567
17 Drucktaster (Aktivierung Förderpumpe Hydr. Oel-Radbremsen)
18 Kurskreisel Lku 4 Fl 22561
19 Führertochterkompass PFK / f3 Fl 23338
20 elektr. Wendezeiger
Notwendezeiger
Zusätzlich
An der Steuersäule 2 Luftschrauben -Verstellschalter Fl 18502-2
Auf einer Konsole im Rumpf eingebaut ein Abtrift- und Geschwindigkeitsmesser „Heyde M17“ Fl 23562
Borduhr Bo-UK1 oder UK2 am Steuerhorn Fl 23885 / Fl 23886-1
B-Knopf am Steuerhorngriff links (Abwurfwaffen über RAB 14) Fl 50911
Richtungsgeber am rechten Griff des Steuerhornes eingebaut ! SAM LRg 9 Fl 22567

 

He 177 Geräteblock (Bild: NASM in Washington)

Geräteblock (Bild: Peter W. Cohausz) Fundort in Frankreich jetzt im Stadtmuseum in Schorndorf

 

SAM-Kurssteuerung

(SAM – Selbstätige automatische Kurssteuerung von Siemens)

Bei der He 177 ist zur Entlastung des Flugzeugführers eine SAM-Kurssteuerung K 4 ü eingebaut, die nach dem elektrisch-hydraulischen Prinzip arbeitet. Auf einzelnen Gerätekomponente sowie die Funktionsweise der K 4 ü werden wir in der unten folgenden Cockpit-Analyse genauer darauf eingehen.

 

Die SAM-Kurssteuerung hatte folgende Aufgaben zu erfüllen:

1. Entlastung des Flugzeugführers bei Langstreckenflügen.
2. Genauere Kurshaltung als durch Handsteuerung.
3. Genauerer Zielflug für Bombenwurf.
4. Erleichterung beim ZZ-Anflug.

Zur Anlage gehören folgende Geräte:

1. Eine Rudermaschine im Rumpf
2. Ein Hauptschalter an Kanzeldecke
3. Ein Notauslöseknopf an Kanzeldecke
4. Ein Elt-Kurskreisel in Kanzel vorn
5. Ein Elt-Kurszeiger in Gerätetafel links
6. Drei Widerstandskasten in Kanzel
7. Ein Kursmotor in Kanzel
8. Ein Einhandrichtungsgeber an Steuerhorn
9. Ein Richtungsgeber Kanzel vorne

Selbstätige automatische Kurssteuerung Übersicht

Schalttafel Kanzeldecke

(elektrische Schalttafel)

Die Schalttafel- Kanzeldecke:

Diese Schalttafel an der Kanzeldecke befindet sich in günstiger Position über der Flugzeugbesatzung. Hier sind die wichtigen Kippschalter zur Bedienung elektrischer Bordsysteme (Bordheizung, diverse Beleuchtungen, Enteisungsanlage usw…) eingebaut. Die vier „Not-Bedienhebel“ (7-10) sind bei einer Notlage des Flugzeuges und deren Besatzung schnell und einfach zu handhaben und erreichbar.

Die Notauslösung der Kurssteuerung (Rudermaschinen 2,2a ) ist unterhalb an der elektrischen Schalttafel (1) eingebaut und ebenso, für die Besatzung, schnell erreichbar.

Das Sturzvisier (Stuvi 5B) Fl 52870 ist während des Nichtgebrauchs dessen, in einem „Staufach“ an der Kanzeldecke untergebracht, wo es rasch mit einem Schwenkhebel am Staufach, vor dem Gebrauch aus diesem Versteck gelöst werden kann. Das Stuvi 5B ist zur Sichtverbesserung der Bordbesatzung hier so untergebracht worden. Ein Grund dürfte auch die seltene Benutzung dieses Bomben-Zielvisiers gewesen sein. Bei Höhen über 850 Metern, ist ein Lotfe Fl 52661 Zielfernrohr zum Einsatz gekommen.

Zur visuellen Abkipp-Hilfe für den Flugzeugführer, sind seit dem Jahre 1942 drei Farbmarkierungen in einer Breite von 80 mm an der Kanzel angebracht. Bei einem Kippwinkel aus der Längsachse des Flugzeuges bei 20° „gelb„, bei 30° „blau“ und bei 40° „grün„.

Schalttafel-Kanzeldecke – Analyse

 

Geräteliste Schalttafel- Kanzeldecke

Gerät      Messbereich Anforder-/Gerätenummer
A elektrische Schalttafel
– Kippschalter Kompassstützung
– Kippschalter Scheinwerferlicht
– Kippschalter Positionslichter
– Kippschalter Gerätebrettbeleuchtung Flugzeugführer
– Kippschalter Gerätebrettbeleuchtung Motorüberwachung
– Kippschalter Kabienenbeleuchtung
– Kippschalter Gerätebeleuchtung Funker und Navigatorplätze
– Kippschalter Enteisungsheizanlage
– Kippschalter Identifikations-Lichter
– Kippschalter Drosselklappen Heck- und B II Stand (Heizanlage)
– Kippschalter Heizung Kärcherofen in der Kanzel
– Kippschalter Heizung Kärcherofen im Rumpfhinterteil
21 Hauptschalter für Kurssteuerung
22 Interner Signalwarnknopf (Signalanlage)
23 Grosser Helligkeitsregler (Verdunkler für Geräteleuchten)
24 V
24 Kippschalter Fahrwerk-Notausfahren Fl 32345-1
25 Haupt-Kanzel-Beleuchtung
26 Kippschalter Fowler Klappen Fl 32345-1
27 Nothebel Bomben-Notabwurf
28 Nothebel Kraftstoffablass (Ablassdüsen im Heck der He 177)
29 Nothebel Kraftstoffablass (Ablassdüse rechter Flügel der He 177)
30 Nothebel Rauchabzug
31 Staufach für das Stuvi 5B (Sturzvisier) Fl 52870
32 Notauslöseknopf Kurssteuerung (Rudersteuerung)
33 Peiltochterkompass PTK-p2 (Funkpeilanzeigegerät) 0 – 360 ° Fl 23374
34 Führerkompass FK 38 0 – 360 ° Fl 23233
35 Netzauschalter Fl 32315-2
36 Schaltkasten unbekannt ?
Zusätzlich
Handgriff an der Kanzeldecke mit Notzug (Notzug für Schlauchboot)
Handgriff für Abwurf der Schleppantenne
2 rote Warnlampen an der Kanzeldecke (links und rechts) Motorentemperatur über 180° = Feuerwarnung
Aussen-Rückblickspiegel (Kanzel aussen links) Rückspiegel
2 weitere Rückblickspiegel (im innern der Kanzel an der rechten und linken Seite eingebaut) ?

Je eine rote Warnlampen an der Kanzeldecke (links und rechts) zur Motorentemperaturwarnung über 180° = Feuerwarnung

Erläuterung:

Handgriff an der Kanzeldecke mit Notzug (Notzug für Schlauchboot)

Im Gefahrenfall erfolgt die Auslösung des Schlauchbootes durch kräftiges Ziehen des Handgriffes (Notzug für Schlauchboot) in dar Kanzel. Hierdurch werden der Wannendeckel sowie der Hebel vom Füllventil ausgeklinkt. Die Kohlensäure strömt als dann aus der Kohlensäureflasche durch das Füllventil in das Schlauchboot zum Füllen desselben. Das Schlauchboot quillt aus der Wanne heraus, wirft den Wannendeckel ab und rutscht ins Wasser.

Linker Bedientisch

(Motorensteuerung)

Linker Bedientisch:

Hier sind alle Bedienelemente für den Motorenstart und deren Steuerung untergebracht. Auch die ganzen Notsysteme werden von hier aus eingeschaltet und gesteuert.

Zur linken vorderen Seite des Flugzeugführers (zwischen Spant 1-3) befindet sich der Bedientisch für die Löschanlage, Treibwerkssteuerung sowie der Fahrwerk- Heckrad- Fowler- und Bremsklappen Überwachung und Bedienungshebel.

Auf dem hinteren Teil des Bedientisches befinden sich die Bedienhebel für die Enteisungsanlage, Kraftstoff-Handpumpe und Startvorrichtungen für die 4 Doppelmotoren der Heinkel He 177.

Auf der hinteren linken Seite des Flugzeugführers (zwischen Spant 3-5).Oberhalb des linken Bedientisches auch einige Geräte zur Bordkommunikation (Anschlussdose ADb 11 Ln 26561 und Bediengerät BG 25a Ln 28810).

In diversen Staufächer über dem Bedientisch Stauraum für die Bordthermosflaschen bei langen Kampfeinsätzen.

Linker Bedientisch – Analyse

 

Geräteliste linker Bedientisch

Gerät      Messbereich Anforder-/Gerätenummer
37 Anlassschalter / SSH52/1Z (Doppeltriebwerke DB 601) Fl 21212
38 Kraftstoffpumpe Startknopf – (linker Flügel) Fl 32334
39 Kraftstoffpumpe Startknopf – (rechter Flügel) Fl 32334
40 Öelfilter Reinigungshebel
41 Zündkerzen Reinigungshebel
42 Bedienhebel Enteisungsanlage
43 Motorenausschalthebel
44 Kraftstoffhandpumpe (Startverfahren)
45 Startknopf Kraftstoffpumpe (Druck) Fl 32334
46 Funkpeilanzeigegerät FA/R2 mit Peiltochterkompass PFK 0 – 360° Fl 23470-2
47 Anschlussdose ADb 11 (Bordverständigung) Ln 26561
48 Grosser Helligkeitsregler (Verdunkler)
24 V
49 Bediengerät BG 25a (für FuG 25a) Ln 28810
50 Trimmgetriebe (Höhen- Quer- und Seitenruder)
51 Motorkupplungshebel (Doppeltriebwerke DB 601)
52 Leistungshebel (Doppeltriebwerke DB 601)
53 Schalthebel Feuerlöschanlage (links und rechts) ein -aus
54 Abstimmungs Hebel für die Drehzahl (gross-klein-Sturzflug)
55 Tankschalthebel (Brandhan) (auf -zu)
56 Zündschalter SSH45/ 7 Z (Doppeltriebwerke DB 601) Fl 21118
57 Fahrwerks- und Landeklappenanzeige (11-Lampengerät) Fl 32532-1
58 Sauerstoffdruckmesser 0 – 250 kg/cm Fl 30496
59 Sauerstoffwächter Fl 30489
Zusätzlich
Im Ablagefach über den Anlasschaltern links ist der Stauraum für die Bord-Thermosflaschen sowie Verpflegung ?

Über dem Flugzeugführer Sanitätspack und Bordfeuerlöscher

– Ein weiterer Feuerlöscher ist in einer Halterung auf der rechten Seite der Kanzel hinter Spant 6 angebracht.

S 10185 & Fl 61217
Kartentischlampe ?
Vorrichtung „Zerstörungs-Einrichtung“ (Bei Notlandung im Feindgebiet Knopf drücken) ?

Vorrichtung der „Zerstörungs-Einrichtung“, oberhalb der Bedienhebel, linker Bedientisch

Erläuterung:

Laut Handbuch für die He 177 Teil 12 C, „Sonderwaffenanlage für He 177 A3“ dient die Zündvorrichtung bei Notlandung auf feindlichem Gebiet der Zerstörung des Senderquarzes des FuG 203.

Die Zerstörungseinrichtung besteht aus zwei Sprengkörpern (geballte Ladung) mit den Zündleitungen und dem Zündknopf mit Verzögerung. Der Zündknopf befindet sich an der linken Kanzelseite.

 

Bild: der einzige noch original erhaltene „Schalthebel-Kasten“ einer He 177 im Museum Schleisheim

 

An der Platzierung der vielen Schalthebel ist zu erkennen, dass die „Schalthebel Feuerlöschanlage (links und rechts) (Nr 17)“ direkt neben den 4 Leistungshebeln (für 4 Doppeltriebwerke DB 610) (Nr. 16) positioniert sind.

Diese Hebelanordnung ist für den Flugzeugführer sehr gut mit der linken Hand zu erreichen um bei einem eventuellen Feuerausbruch schnell reagieren zu können. Leider sind die Doppeltriebwerke Daimler-Benz DB 610 A&B (A= Rechtsläufer, B=Linksläufer) mit den nebeneinander gekoppelten Triebwerken, die eine gemeinsame Luftschraube betrieben, sehr anfällig auf technische Störungen. Ein Problem derselben ist deren Überhitzung (mehr als 130°) mit eventuellem Feuerausbruch in der Motorgondel.

Um eine versehentliche Betätigung der „Schalthebel Feuerlöschanlage“ durch den Flugzeugführer zu verhindern, diese sind mit einer „Kippklappe“ gesichert, ist eine grösserer „Nutte“ als Rastsicherung der Schalthebel angebracht worden. Dies ist aus der folgenden „Technischen Anweisung“ vom 9.September 1943 ersichtlich.

Doukument: Technische Anweisung vom 9.September 1943

Fotomontage linke Führerraumseite Heinkel He 177-A0 Version

Langsamflug und Landung

  1. Landegewicht nicht mehr als 24 to; im Notfall Schnellablaß und Notzug für Bomben ziehen.
  2. Motoren auf 1,00 ata drosseln.
  3. Flugzeug austrimmen.
  4. Druckspeicher für Bremsanlage auf 80-85 atü füllen.
  5. Besatzung anschnallen.
  6. Flugzeugführer befiehlt: „Luftschrauben auf 11.30 Uhr“.
  7. Bordmechaniker stellt Luftschrauben auf 11.30 Uhr. Drehzahl nicht über 2300 U/min.
  8. Geschwindigkeit auf Va = 250 km/h.
  9. Flugzeugführer befiehlt: „Fowler ausfahren“.
  10. Bordmechaniker legt Fowlerkippschalter auf Stellung „Aus“.
  11. Bordmechaniker meldet: „Fahre Fowler aus“.
  12. Heckschütze meldet: „Fowler ist ausgefahren“.
  13. Wenn Boschhorn ertönt, befiehlt Flugzeugführer: „Fahrwerk ausfahren“.
  14. Bordmechaniker legt Fahrwerkkippschalter auf „Aus“.
  15. Bordmechaniker meldet: „Fahre Fahrwerk aus“.
  16. Heckschütze meldet: „Fahrwerk und Sporn sind ausgefahren“.
  17. Flugzeugführer überprüft Elflampengerät, ob Fahrwerk- und Fowlerlampen „Grün“ aufleuchten.
  18. Flugzeugführer befiehlt: „Zubringerpumpen einschalten“.
  19. Bordmechaniker meldet: „Zubringerpumpen eingeschaltet“.
  20. Flugzeug austrimmen.
  21. Anschwebegeschwindigkeit Va = 240 km/h.
  22. Aufsetzgeschwindigkeit Va = 140—160 km/h.
  23. Ausrollen lassen, Bremsen sparsam gebrauchen, da Druckspeicher schnell leer.
  24. Bei Druckspeicheranzeige von 20 atü Druckknopf drücken, bis Anzeige 80—85 atü.
  25. Nach Ausrollen befiehlt Flugzeugführer „Fowler einfahren“.
  26. Bordmechaniker legt Fowlerkippschalter auf „Ein“.
  27. Flugzeugführer befiehlt: „Luftschrauben auf 12.00 Uhr“.
  28. Bei starkem Wind befiehlt Flugzeugführer: „Ruder „Fest“.
  29. Beobachter legt Ruderfeststellvorrichtung auf „fest“.

Rechter Bedientisch

(Kraftstoff- und Pumpensteuerung, Abwurfwaffen Geräte)

Rechter Bedientisch obere Seite:

Auf der oberen Seite des rechten Bedientisch, schlecht ersichtlich für den Flugzegführer, sind die Überwachungs- Bedienungs- und Notfallsteuerungen der Kraftstoff- und Umpumpanlagen platziert.

Hier befinden sich auch die zweiten- oder Notleistungshebel zu den 4 DB 601 Treibwerken. Gut erreichbar druch den Beobater (Bombenschützen).

Weiter rechts hinten sind anschliessend die Schalt- Überwachung- und Steuerungsanlage der Pumpenanlge I – III der Heinkel He 177 zu finden.

Krafstoff-Pumpenanlage I -III:

Pumpengruppe I
= Krafstoffbehälter 1 – 2
Pumpengruppe I
= Krafstoffbehälter 4 – 6
Pumpengruppe I
= Krafstoffbehälter 7 – 8

Zur Überwachung der 4 Kraftstoff-Rumpf- und 4 Flügelbehälter und deren Restkraftstoffmenge standen der Besatzung 8 elektrische Vorratsanzeiger (Fl 20723) zu Verfügung. Es ist möglich mit Kippschaltern zwischen den verschieden Gruppen-Anzeigen (Rumpf-Flügel) zu wählen. Die Notabschaltung der Anlage erfolgt ebenso an diesem Bedienteil per elektrischen Druckschalter.

Rechter Bedientisch – Analyse

(Kraftstoff-Überwachung und – Steuerung)

Geräteliste rechter Bedientisch

Gerät      Messbereich Anforder-/Gerätenummer
60 Leistungshebel (Doppeltriebwerke DB 601)
61 Gerätetafelbeleuchtung Bordlampe UV-Beleuchtung Fl.32269-1
62 Haupt- Druckschalter „Notabschaltung“ Fl 50911
63 2 x Anzeige – Vollstand- und Reststand Notabschaltung Merkleuchten rot / grün Fl 32529-8
64 Schutzschalter Fl 32404-1
– Pumpenhauptschalter
– Vollstand- Reststandwarnung
– Vorratsmessanlage
– Zubringerpumpen innen/aussen
65 elektr. Vorratsanzeiger Je nach Konfiguration ! Fl 20723 (He 177)
– Nr. 1 = Entnahmebehälter
66 Gerätetafelbeleuchtung Bordlampe UV-Beleuchtung Fl.32269-1
67 schwarzes Umrissshema „Warngerät für Behläterschaltung“
68 elektr. Kippschalter Rumpfbehälter Pumpen (Wahlschalter)
69 elektrische Vorratsanzeiger ( 8 Stück) Nr.1 = Entnahmebehälter Fl.20723
70 elektr. Kippschalter Flügelbehälter Pumpen ein – aus
Zusätzlich
Handpumpenhebel für Fahrwerk Notablass & Druckanzeige

In der Mitte des Bedienteils, befindet sich ein schwarzes Umrisschema „Warngerät für Behälterschaltung“ des Flugzeugs mit den 8 Krafstoffbehälter zur bessern Übersicht. Die Vorratsanzeiger sind mit der üblichen gelben „Ringmarkierung“ = Kraftstoff versehen. Die elektrischen Kennzeichen (zbs. E90) sind mit weisser Farbe von Hand auf die Geräteplatte geschrieben.

Bild Überwachung- Bedienung- und Notfallsteuerung der Kraftstoff- und Umpumpanlage Heinkel He 177-A0 Version

„Umpumpen bei der Heinkel He 177“

  1. Wenn Hauptnetzschalter und Gruppenselbstschalter eingeschaltet, erfolgt Einschalten der elektrischen Pumpen selbsttätig. Dabei sind Merklampen auf rechtem Bedientisch zu beachten.
  2. „Grüne Lampe“ Höchststandwarnung 1140 Ltr. „Pumpe schaltet aus“.
  3. „Rote Lampe“ Reststandwarnung 520 Ltr. „Pumpe schaltet ein“.
  4. Leuchten die Lampen auf, ertönt zur Warnung ein Boschhorn.
  5. Durch Drücken des Druckknopfschalters ist es wieder abgestellt.
  6. Wird zu wenig Kraftstoff gefördert, Kippschalter der Behältergruppe 1 (Behälter 2 und 3) einschalten.
  7. Bei Höchststandwarnung wieder ausschalten.
  8. Sind Behälter 2 und 3 geleert, Kippschalter für Behältergruppe 2 (Behälter 4, 5 und 6) einschalten.
  9. Bei Höchststandwarnung wieder ausschalten.
  10. Sind Behälter 4, 5 und 6 geleert, Kippschalter für Behältergruppe 3 (Behälter 7 und 8) einschalten.
  11. Bei Höchstwarnung wieder ausschalten.
  12. Sind Behälter 7 und 8 geleert, Entnahmebehälter (Behälter 1) beachten.
  13. Bei Restwarnung 550 Ltr. noch eine Flugzeit von 30 Minuten bei Schonleistung 1.00 ata 2000 U/min.

Abwurfwaffenanlagen-Steuerung:

Das Auslösen der Abwurflasten erfolgt normal elektrisch durch die Auslösegeräte von zwei Elt-Abwurfanlagen (für Auslösung vom L-Gerüst 8 Schloss 50-B ist eine besondere Anlage eingebaut) oder im Gefahrenfall mechanisch durch eine Notwurfanlage. Der elektrische Abwurf erfolgt vollautomatisch über das Zielgerät (Lotfe) und RAB 14d oder von Hand durch Drücken von Bombenknöpfen. Die Abwurfanlage wird über das Bordnetz betrieben. Vor dem Auslösen der Abwurflasten öffnen sich die Bombenklappen durch eine besondere Steuervorrichtung. Das Schärfen der Zünder in den Abwurflasten bei Beladung mit LM-Munition wird durch eine eingebaute mechanische Blind-Scharf-Anlage bewirkt, die vom Bombenschützen in der Kanzel betätigt wird. Als Zielanlage für den Zielanflug und Horizontalangriff ist das Lotfe 7d eingebaut. Ausserdem sind für den Flugzeugführer Kursvisierdrähte angeordnet. Das Heissen der Abwurf lasten erfolgt mit Hilfe eines Heisszubehörs von Hand. Durch besondere Schaltung der Elt-Abwurf- und -Zünderanlage ist es möglich, Mischlasten zu laden.

Gut plaziert für den Bombenschützen (Bordmechaniker,Beobachter) ist hier die Abwurwaffenanlagen-Steuerung (Stand 1943) untergebracht. Zur Abwurwaffenanlage, die über das eigene Bordnetz betrieben sind hier folgende Geräte und Komponente eingebaut:

Zielanlage (Bomben-Visier), Zünderbatteriekasten ZBK 241/1, Zünderschaltkasten ZSK 244 A Fl 50869, Zeitzünderzusatzgerät ZZG 1/24, Reihenabwurfbehälter RAB 14d Fl 50943 (zwischen Spant 2 und 3), Blind-Scharfhebel, Höhenkorrektur.-Geber ZH-Geb. u. QfftHKG 1 Fl 52830, Windgeschw.-Geber VW-Geb. IWG 1 Fl 52832, Eigengeschw.-Geber VE-Geb. IWG 1, und den an der Kanzeldecke befindlichen Notwurfhebel.

Hinweis: die entschbrechenden Geräteausrüstungen varrieren zu den unterschiedlichen Abwurf- und Spezialwaffenabwurfanlagen (zBs. Hs 293 usw.)!

Als Zielanlage für den Zielanflug und Horizontalangriff können wahlweise folgende Beobachtungsgeräte (Bomben-Zielgeräte) eingebaut werden:

Lotfernrohr
Lotfe 7B
Fl.52551
Lotfernrohr
Lotfe 7C
Fl.52641
Lotfernrohr
Lotfe 7D
Fl.52661
Bombenschützenzielgerät
BZG 2-E
Fl.52707

Für den Sturzflug ist die Bombenzielanlage BZA mit 250 m Rechner eingebaut !

Ausserdem sind für den Flugzeugführer „Kursvisierdrähte“ an der linken Kanzelvorderseite angeordnet.

Abwurfwaffenanlage – Analyse

Rechter Bedientisch untere Seite mit Abwurfwaffenanlagen-Steuerung

Geräteliste Geräte Abwurfwaffenanlage

Gerät      Messbereich Anforder-/Gerätenummer
71 Blind-Scharfhebel
B Bedientafel für BZA (Bombenzielanlage)
72 Zünderschaltkasten ZSK 244 A Fl 50869
73 Windgeschwindigkeitsgeber IWG 1 Fl 52832
74 Eigengeschwindigkeitsgeber  IWG 1 Fl.52831
75 Höhenkorrekturgeber IHKG 1 Fl 52830
76 2x kleiner Helligkeitsregler (Verdunkler) Fl 32402-1
77 Reihenabwurfbehälter RAB 14d Fl 50943
78 Zeitzünderzusatzgerät ZZG 1/24 / ?
79 Zeitwahlschalter  ?
80 Zünderschaltkasten (unbekannt)  ?
Zusätzlich
An der Kanzeldecke der Notwurfhebel. (siehe dazu unter Pos.17)
Zielanlage Lotfe 7B, 7C, 7D, oder BZA 2-E (Kanzelboden) Fl 52661 7D Fl 52551, Fl 52707

Reihenabwurfbehälter RAB 14d Fl 50943 und unbekannter Zünderschaltkasten ZSK ?(rechts) eingebaut in die He 177 Nr.5 unten in der Zeichnung!

Bedientafel für BZA (Bombenzielanlage),Zünderschaltkasten ZSK 244 A Fl 50869,Windgeschwindigkeitsgeber IWG 1  Fl 52832, Eigengeschwindigkeitsgeber IWG 1  Fl.52831 und Höhenkorrekturgeber IHKG 1 Fl 52830

Triebwerksüberwachungstafeln

(Triebwerksüberwachungsgeräte)

Triebwerksüberwachungstafeln:

Oben an der rechten Bedienbank sind im vorderen Teil die Motoren Überwachung- und Anzeigegeräte (M-Anlage-Messanlage) montiert. Geräte für die Kraftstoff- Getriebeöl- und Schmierstoffdruckmessanlage sowie die Schmier- und Kühlstoff-Temperaturmessanlage.

Gleich anschliessend nach hinten folgt die grosse elektrische Hauptverteilertafel des elektrischen Bordnetzes. Dazu gehören auch die Anschlussdose ADb 11 Ln 26561 zur internen Bordverständigung sowie der Abwurfschaltkasten ASK-M2 Fl 18330-2 für Rauchgeräte. Ganz oben folgen noch ein Sauerstoffwächter Fl 30489 sowie Sauerstoffdruckmesser Fl 30496 der Sauerstoffdruckanlage.

Bild: einzige noch original erhaltene rechte „Triebwerkstafel“ einer He 177

Auf der rechten Kanzelseite ganz hinten, befindet sich die elektr. „Hauptverteilertafel“ mit allen verfügbaren Einbauschützen der elektrischen Anlagen ! Hier sind auch die elektrischen Einbauschemas der elektrischen Anlagen untergebracht.

 

Höhenflug

  1. Bordmechaniker öffnet auf Befehl des Flugzeugführers Fernventile der Sauerstoffanlage.
  2. In 3500 m Höhe befiehlt der Flugzeugführer die Inbetriebnahme der Höhenatemgeräte.
  3. Alle Besatzungsmitglieder setzen Atemmaske auf.
  4. Schnelltrennstelle auf festen Sitz prüfen und ob Gummidichtungsringe vorhanden.
  5. Faltenschlauch durch Zusammenkneifen überprüfen, ob beim Einatmen keine Luft eindringt.
  6. Druckmesser und 02-Wächter ständig beobachten. Wenn Sauerstoffdruck unter 20atü absinkt, muß unter 4000 m gegangen werden.
  7. Atemmaske bei vorübergehendem Aufenthalt in geringeren Höhen nicht absetzen, da Maske einfriert und verwendungsunfähig wird.
  8. Nach Beendigung des Höhenfluges Fernbedienungsventile schließen.
  9. Atemmaske absetzen.

Gleitflug aus großer Höhe mit der Heinkel He 177:

  1. Kurssteuerung und Stützung ausschalten.
  2. Beide Gashebel jedes Doppelmotors gleichzeitig und gleichmäßig in Gleitflug-Stellung bringen.
  3. Von Zeit zu Zeit etwas Gas geben, damit die Motoren nicht zu kalt werden und Kerzen nicht verölen.
  4. Die Temperaturen für Kühl- und Schmierstoff nicht unter 40° C kommen lassen.

Triebwerksüberwachungstafeln – Analyse

(Geräte zur Triebwerksüberwachung)

Geräteliste der Triebwerk-Überwachungstafeln

Gerät      Messbereich Anforder-/Gerätenummer
81 Blinddeckel
82 2 x Doppel-Ladedruckmesser 0,6 – 1,8 atü Fl 20556
83 4 x Drehzahlanzeiger 500 – 3600 U/min Fl 20286-3
84 2 x Tankwahlschalter (elektr. Umschalter für 4 Messstellen) VL,VR,HL,HR Fl 32336-1
85 Kraftstoffverbrauchsmesser mit Umschalter 0 – 500 l/h Nr. 9-2182 B-1
86 Schmierstoffvorratsmesser mit Umschalter 0-200 Litter Fl 20723
87 Doppel-Getriebeschmierstoffdruckmesser 0-3 / 0-3 kg/cm Fl 20570
88 4 x Temperaturmesser für Kühlstoff 0 – 130 C° Fl 20342
89 4 x Temperaturmesser für Schmierstoff 0 – 130 C° Fl 20342
90 4 x Doppel-Druckmesser für Kraft- und Schmierstoff 0-3 / 0-10 kg/cm Fl 20572
91 3 x Druckmesser für Pressluft 0 – 160 kg/cm Fl 20516-3
92 elektr. Druckknopf Drucklufttank Fl 32334
93 Anschlussdose ADb 11 (Bordverständigung) Ln 26561
94 Abwurfschaltkasten ASK-M2 für Rauchgeräte Fl 18330-2
95 Sauerstoffwächter Fl 30489
96 Sauerstoffdruckmesser 0 – 250 kg/cm Fl 30496
Zusätzlich
Bosch Alarmhorn ?

He 177 Triebwerk-Überwachungstafel (Bild: NASM in Washington) (Beschriftung in Englisch)

Elektrische Hauptverteilertafel

Elektrische Hauptverteilertafel der Heinkel He 177 A0 Version

Im hinteren rechten Kanzelteil befindet sich die elektrische Hauptverteiltafel und deren Überwachung des eigenen Bordnetzes mit den entsprechenden Sicherungsschalter. Auf der Abbildung oben erkennen wir diese einmal „ohne“ und einmal mit Abdeckung!

 

Durchstarten mit der He 177:

  1. Luftschraubenstellung bleibt auf 11.30 Uhr.
  2. Gashebelstellung auf 1,2 ata.
  3. Flugzeugführer befiehlt: „Fahrwerk einfahren“.
  4. Bordmechaniker legt Fahrwerkkippschalter auf „Ein“.
  5. Bordmechaniker meldet: „Fahre Fahrwerk ein“.
  6. Flugzeugführer nimmt gefühlsmäßig Gas zurück (nur bis 1,15ata). Weiterflug siehe Start.

Kanzel-Rückwand

(FT-Anlage)

An der Rückwand der Flugzeug-Kanzel befindet sich die grosse FT-Anlage in der das Funker-Traggerüst eingebettet ist. Hier finden wir die Bedienungsgerät und die Zuleitungen zu folgenden Verbindungsgeräten wie Flak FuG 25, Bord FuG 16, Kurz-Lang FuG 10 und Navigation.

FT Anlage – Heinkel He 177-A0 Version

Der „Not-Sitz“ mit Schnellklink Fallschirm und „Klo“ bei langen Flügen für die Bordbesatzung ist hinter dem Flugzeugführersitz zu finden.

Not-Sitz“ mit Klo

Leider sind zu diesem Thema (He 177 Führerraum) auch sehr wenig verwertbare Fotos oder Unterlagen aus dem Führerraumbereich verfügbar, so dass viele meiner Schlussfolgerungen auf Vermutungen beruhen.

Sollte es einem Leser möglich sein, „Licht ins Dunkel“ zu diesem Thema zu bringen, so würden wir uns sehr über Unterstützung freuen!

Leider ist die Qualität des Belegfotos nicht optimal, da einige Geräte überbelichtet oder unscharf fotografiert sind, und dadurch eine eindeutig Identifizierung unmöglich wird.

Notausstieg

  1. Befehl an Bordfunker: „Notmeldurig absetzen, Antenne kappen“.
  2. Befehl an Besatzung: „Fertigmachen zum Absprung“.
  3. Fallschirmgurte überprüfen, Kehlkopfmikrophon lösen.
  4. Bordnechaniker macht Kanzel frei von Hindernissen und meldet: „Alles klar“.
  5. Bordfunker kappt Schleppantenne und meldet: „Alles klar“.
  6. Lässt sich das Flugzeug nicht mehr halten:
  7. Gas wegnehmen, Luftschrauben auf Segelstellung, Zündung aus, Brandhähne zu, Kurssteuerung aus, Flugzeug hochziehen, Fahrt verringern.
  8. Flugzeugführer gibt Befehl: „Abspringen“.
  9. Absprung erfolgt in folgender Reihenfolge:
    1. Bordmechaniker zieht den Notzug der Bodenklappe und meldet: „Klappe ist abgeworfen!“ und springt als Nummer „Eins“
    2. Beobachter zieht den Notzug vom Beobachtersitz und wirft den Sitz ab und springt als Nummer „Zwei“.
    3. Bordfunker löst die Sitzzurrung und springt als Nummer „Drei“.
    4. Heckschütze wirft auf Befehl „Abspringen“ . durch Ziehen des Notwurfhebels die Einsteigklappe des Heckstandes ab und springt ab, wenn Bordmechaniker gemeldet hat: „Klappe ist abgeworfen“.
    5. Flugzeugführer versucht, das Flugzeug möglichst lange zu halten. Wenn 1,2,3,4 abgesprungen sind, legt er den Querruderarm nach rechts und springt ab.
  10. Beim Absprung mit großer Fahrt Fallschirm erst nach frühestens 5sec öffnen.
  11. Beim Absprung aus großer Höhe Fallschirm erst unter 4,5 km Höhe öffnen.

Rettungs- und Sicherheitsgeräte der He 177

 

Quellenangabe:

– Lehrbildreihe Heinkel He 177 A0, Exerzier-Karte“ (L.Dv.T.2177 A/Fl), Handbüch FL He 177,

Quellenhinweis: Es gibt in der Flugzeug Classic 5/2000 auch eine Cockpitbeschreibung zur He 177. von Peter W. Cohausz

 

Egliswil, den 01. November 2010

Wiedmer Erwin

 


Cockpitprofil Me 262 A-1a


Gerätetafel der Messerschmitt Me 262 A-1a „Schwalbe“

(Bild: Peter W. Cohausz)

Vorbemerkung:

Sieht man einmal von der relativ langen Entwicklungszeit der Me 262 ab (erste Projektstudien gehen bereits auf die Jahre 1938 / 1939 zurück), war die Einsatzdauer bei den Frontverbänden doch eher kurz (von ca. Juni 1944 bis Kriegsende). Trotzdem hat es während dieser Zeit etliche Änderungen gegeben, welche sich natürlich auch auf das Gerätebrett niederschlugen. Dies hat zur Folge, dass beinahe keine 2 Fotos von Gerätebrettern der 262 die gleiche Ausrüstung zeigen. Generell ist zu sagen, da ja die 262 – Technik streng geheim war, sind Fotos von echten Serienmaschinen relativ dünn gesät. Die meisten davon wurden mehr oder weniger erst nach Einstellung der Kampfhandlungen von alliierter Seite aufgenommen. Andere wiederum stammen aus Lehrbildern, Lehrfilmen und Versuchsmaschinen und zeigen eher den Ausrüstungsstand von Versuchs- und Vorserienmaschinen. Eine recht gut dokumentierte Serienmaschine ist die 262, mit der Fähnrich Hans-Guido Mutke am 25.04.1945 in Zürich-Dübendorf gelandet ist.

 

Die Geschichte zur Landung der „Weissen 3“ in Dübendorf !

Weisse „3“ am 25.04.1945

in Zürich-Dübendorf

Diese jetzt im Deutschen Museum in München ausgestellte Maschine gilt weltweit als die am besten erhaltene Originalmaschine dieses Typs. Bei den bisher durchgeführten Restaurationen allerdings, wurden einige Geräte der Originalausrüstung durch andere ersetzt, wodurch es heute nicht mehr möglich ist, den derzeitigen Ausrüstungsstand für eine korrekte Cockpitanalyse heranzuziehen. Es existieren allerdings einige historische Fotos des Cockpitbereiches, zum Teil mit hervorragender Auflösung, die es ermöglichen, die Gerätebestückung dieser Maschine während ihrer Einsatzzeit mit sehr hoher Genauigkeit zu erfassen.
Bei besagter Maschine handelt es sich um eine Me 262 A-1a später Serienproduktion, ein Jäger, welcher sich bereits durch die Möglichkeit des Umbaus zum Jabo auszeichnete (anders als bei frühen Maschinen).

Gebaut wurde sie bei Messerschmitt in Regensburg – Obertraubling, bzw. im nahegelegenen Waldwerk „Stauffen“, unter der Werknummer 500071. Der Abnahmeflug fand am 20.01.1945 von Obertraubling nach Erding statt, wo sie auch eine gewisse Zeit nachgewiesen werden kann. Offensichtlich wurde sie auch dort mit dem Rüstsatz für die Bewaffnung 24 R4M-Raketen ausgerüstet. Ein weiterer Abnahmeflug ist in Erding am 12.03.45 dokumentiert, gefolgt von einem erneuten Flug am 25.03.45 ebenfalls in Erding. Von dort muss sie dann irgendwann zum JG 7 nach Fürstenfeldbruck gelangt sein, von wo aus Mutke sie am 25.04.45 zum Flug nach Dübendorf gestartet hat. Mein Cockpitbericht stützt sich auf Originalaufnahmen dieser Maschine, die nach der Landung in der Schweiz aufgenommen wurden und somit den echten Ausrüstungsstand zu dieser Zeit belegen.

Auffallend ist, wie bei allen anderen Flugzeugen dieser späten Kriegsphase auch, dass auch hier bereits alle Maßnahmen, resultierend aus der Verknappung von Rohstoffen und der Umstellung auf „Sparstoffe“, soweit irgend möglich, voll zum Tragen gekommen sind. Dies schlug sich natürlich auch auf das Instrumentenbrett und dessen Bestückung nieder. Neben den gezeigten Originalaufnahmen des Cockpitbereiches standen mir noch die erhalten gebliebenen Originaldokumente zur Verfügung: Ersatzteillisten in verschiedenen Ständen (1943, 1944, 1945), neben Handbüchern und Bedienungsvorschriften.

(Bild: Peter W. Cohausz)

linke Seitenkonsole mit Notventilen und Kippschalter für die Startraketen, Schubhebel und Trimmung.

Allgemeines

Das Gerätebrett der 262 A-1 bestand im Wesentlichen aus zwei Teilbrettern: Die Haupt – Gerätetafel 262.904-001, gefertigt aus 16mm Sperrholz, war mittels 4 Blechlaschen direkt mit der vorderen Rumpfstruktur seitlich verschraubt. Das sog. Standard-Blindflugbrett Fl 22000, gefertigt aus 8mm Sperrholz, wurde über 4 Senkschrauben M5 und 4 Schwingmetall-Lager auf das Hauptgerätebrett geschraubt. Dieses Blindflugbrett war standardisiert und auch bei anderen Jagdflugzeugen im Einsatz. Beide Bretter waren zur Gewichtsreduzierung und Erreichung der optimalen Stabilität hinten ausgefräst.

Blindflugtafel Me 262 hier mit einem Variometer Fl 22383

Die Bretter waren in RLM 66 lackiert. Die Stromkreiskennzeichen waren in der Regel mit weißer Farbe von Hand aufgemalt. Außerdem waren Hinweisschilder aus geätztem Aluminium zur Funktionsbezeichnung der Motorinstrumente mittels Holzschrauben angebracht. Bei Maschinen mit Kurssteuerung und großem Führertochterkompaß wurde eine andere Blindflugtafel verwendet (209.873-033). Die Hauptgerätetafel wurde dann umgerüstet und mittels Füllstücken und neuen Ausschnitten angepasst. Für die verschiedenen

Einsatzzwecke waren unten mittig am Hauptbrett unterschiedliche Zusatzbretter angebaut. Diese nahmen bei Jabos z.B. den ZSK 244 Fl.50869 und 2 Schauzeichen auf, bei Aufklärern den Bildfolgeregler und einige Bedienelemente und bei Maschinen mit R4M-Bewaffnung (wie bei beschriebener Maschine der Fall), den Reihenabwurfautomat für die sequenzielle Zündung der Raketen, sowie zwei Kippschalter zum Scharfmachen und zum Umschalten auf Dauerfeuer. Von einigen Versuchsmaschinen sind auch noch andere Installationen auf  Hilfsgerätebrettern bekannt. Interessant bei beschriebenem Brett ist auch, dass man bei genauerem Hinsehen deutlich erkennen kann, dass es mindestens einmal farblich nachgebessert wurde. Ebenso wie das Gerätebrett waren auch die beiden Seitenkonsolen, zur Aufnahme der restlichen Bedienelemente, aus Sperrholz gefertigt.

Gerätebrett-Analyse

          Geräteauflistung der Messerschmitt Me 262 A-1a

Es wird speziell nur auf die Instrumentierung der Gerätetafel des hier abgebildeten Belegfotos eingegangen!

Geräteliste Me 262 A-1 Hauptgerätebrett
Pos. Stück Bezeichnung Verwendung
Bemerkung
Anf. Z.
Ger. Nr.
Baugr. Nr.
Alternativteil Stromkreis-
kennz.
1
1
Fahrtmesser
1000 km/h
Fl 22245 Fl 22241
2
1
Wendehorizont Fl 22415 Fl 22411
Fl 22410
L4
3
1
Variometer Fl 22386 Fl 22383
4
1
Höhenmesser Fl 22322 Fl 22320
5
1
Führertochterkompaß Fl 23334 127-659 A L8
5a
1
Winkelstecker für Pfk; incl. Kontaktplatte
Fl 23332 (32618-2)
Fl 32619-1 L7
6
1
Anzeigegerät AFN2 Ln.27002 F155
6a
1
Stecker für AFN2 in AFN Ln.27003 F154
6b
1
Glimm-Lampe, Ba15d in AFN Fl 26682
7
(1)
Drehschauzeichen nicht immer vorhanden Fl 32530-6 D1
8
2
Drehzahlmesser Fl 20266 M9, M10
9
(2)
Differenzdruckmesser nicht immer vorhanden Fl 20515
10
2
Temp. Anzeiger 1000°C Fl 20338 M6, M8
11
2
Druckmesser Fl 20504-15 Fl 20504-10
12
2
Druckmesser Fl 20516-3 Fl 20516-1
Fl 20516-3PFl 20516-8
13
2
Vorratsanzeige Kraftst. Me 262 (940l) Fl 20723 M14, M16
8a, 10a, 13a
8
Instrumentensteckdose für elt. Anzeigegeräte Fl 32615-3 M5, M7, M13,
M15, M1, M2, M3, M4
14
1
Borduhr Fl 23885
15
1
Schalt- u. Kontrollkasten SZKK2 Fl 47317 P5
16
(2)
Schußzähler SZ100, nicht immer vorhanden Fl 47314
17
1
Heizungshebel mit Schild MeN 16125
18
1
Verteilerkasten Fl 32654-1 Fl 32654-2 V16
18a
1
Halterung für Verteiler 262.904-003 H001
19
(1)
Reihenabwurfautomat nicht immer vorhanden (für SWA) Fl 50958 Fl 50959
20
(2)
Kippschalter Einb. nicht immer vorhanden (für SWA) Fl 32350
21
1
Schwenkkonsole für REVI 262.?
21a
1
Befestigungsplatte für REVI Fl 52962
21b
1
Kontaktstück für REVI Fl 52963 P7
22
1
Revi 16 B Einglasversion Fl 52955 P8
22a
1
Lampe, 24V, 21W, Ba15d für REVI 16 Fl 32807
23
1
Sauerstoffdruckmesser Fl 30496
24
1
Sauerstoffwächter Fl 30489
25
1
Notventil Fahrwerk 19-3208A-3
26
1
Notventil Landeklappen 19-3208A-3
27
1
Sauerstoffventil Fl 417234
28
1
Kippschalter Einb. Startraketen Fl 32347-2 Fl 18330-7 T1
1
Blindfluggerätebrett Fl 22000-1
1
Hauptgerätebrett 262.904-001
1
Beschilderungssatz für Gerätebrett 262.904-001.0xx
4
Schwingungsdämpfer 16901/C 20x20xM6
(1)
Zusatzgerätebrett nicht immer vorhanden (für SWA) 262.?